PC - Weekly 2020 KW 19

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Leitzinsanhebung lässt Aktienmärkte einbrechen: Alles schien eingepreist gewesen zu sein. Die Fed hob am Mittwoch den Leitzins, wie erwartet, um 0,5 Prozentpunkte auf 0,75 bis 1,00% an und die Aktienmärkte erlebten den stärksten Börsentag seit 2020, ehe am Donnerstag Panikverkäufe folgten.
Es war der vorläufig schlimmste Börsentag des Jahres. Der S&P 500 verlor 3,6%, der NASDAQ Composite 5,1%. Die Ursache: Die stärkste Leitzinsanhebung seit 22 Jahren folgte auf die höchste Teuerungsrate seit Dezember 1981 und war von falkenhaften Kommentaren von Fed Chairman, Jerome Powell begleitet. O-Ton: „Die Inflation ist viel zu hoch“. Wir handeln rasch, um sie wieder zu senken“. Zusätzlich beschlossen die Währungshüter, die auf fast 9 Billionen Dollar angewachsene Fed-Bilanz wiefolgt abzubauen: Bis dato wurden Tilgungszahlungen auslaufender Staatsanleihen voll reinvestiert. Nun soll ab 1. Juni diese Summe für drei Monate um jeweils 30 Mrd. USD reduziert werden, danach um monatlich 60 Mrd. USD. Für Emissionen von Agenturen bzw. hypothekarisch besicherte Papiere steht einem anfänglichen Cap von 17,5 Mrd. USD pro Monat später ein Betrag von 35 Mrd. USD gegenüber. Also ab September soll die Bilanz der Fed um insgesamt 95 Mrd. USD pro Monat schrumpfen. Aktuell befinden sich Staatsanleihen von ca. 5,8 Billionen Dollar im Portfolio, sprich einem Viertel aller ausstehenden Treasuries, während auf Hypothekenanleihen 2,7 Billionen USD entfallen. Dies in Kombination mit der Bereitschaft der Fed, notfalls sogar den Leitzins über das neutrale Niveau anzuheben, bei dem die Wirtschaft spannungs- und inflationsfrei wächst, führte zur kritischen Markteinschätzungen und Rückschlägen am Aktienmarkt. Das neutrale Leitzinsniveau liegt nämlich unter 3% und Andeutungen in diese Richtung lassen ein von James Bullard, Präsident der Fed von St. Louis, befürwortetes Szenario von Leitzinsen von 3,5% am Jahresende 2022 wahrscheinlicher werden. Darüber hinaus lassen zu starke Arbeitsmarktdaten bereits die Ingangsetzung einer Lohn-Preis-Spirale befürchten. Auf der anderen Seite fällt die Inflationsbekämpfung in eine wirtschaftlich fragile Phase. Gleichzeitig eskaliert der Ukrainekrieg und die USA schnürten am Sonntag ein neues Sanktionspaket gegen Russland.


Erfreuliche Arbeitsmarktdaten mit Fragezeichen: Am US-Arbeitsmarkt entstanden im April 428.000 Jobs, während die von Reuters befragten Volkswirte nur mit 391.000 gerechnet – ein Stellenaufbau, der quer durch alle Sektoren geht. Der Arbeitskräftemangel wird zunehmend größer, zumal die Erwerbsbeteiligungsquote von 62,4 auf 62,2% leicht zurückging. Die Arbeitslosenquote verharrte auf 3,6%. Bei Akademikern liegt sie lediglich bei 2%. Die durchschnittlichen Stundenlöhne des Privatsektors ex Agrar stiegen im April um 5,5% auf 31,85 USD nach 5,6% Anstieg im Vormonat. Diese Mäßigung ist positiv zu interpretieren, doch der allgemein leergefegte Arbeitsmarkt verunsichert, weshalb sich die negative Aktienmarktstimmung am Freitag auch fortsetzte.

Produktionsbereich erholt sich: Nach einem holprigen Jahresauftakt gewinnt der Produktionsbereich im April an Fahrt: Der S&P Global US Manufacturing PMI™ stieg im April gegenüber März von 58,8 auf ein 7-Monatshoch von 59,7 Punkten, das aber unter dem vorläufigen Flash-Wert von 59,7 Punkten lag. Führungskräfte blicken wieder optimistischer auf die kommenden 12 Monate. Indessen zeigt der Service-Sektor eine Konsolidierung auf hohem Niveau und blickt man auf die Auswertungen von ISM deckt sich dies ebenfalls, wobei die Auftragseingänge etwas abkühlten und sich der Stellenaufbau verlangsamte.

Earning Season nach wie vor kritisch: Immer mehr große Technologieflaggschiffe floppen. Amazon und Netflix waren bis dato gefährliche Höhepunkte dieser Earning-Season. Die PreisKosten-Schere nimmt ihren Verlauf, während die Inflation die Kaufkraft und Konsumnachfrage schwächt. Das ist ein gefährliches Gemisch und findet auch in den jüngsten Quartalszahlen Ausdruck: Per 6. Mai veröffentlichten laut FactSet bereits 87% der S&P 500 Unternehmen Gewinne für das erste Quartal 2022. In 79% der Fälle lagen die Gewinne über den Analystenerwartungen, was quotenmäßig über dem 5-Jahres-Schnitt von 77% liegt. Allerdings liegt die aggregierte Gewinnüberraschung mit 4,9% unter dem 5-Jahres-Schnitt von 8,9%. Gleichzeitig veröffentlichten bereits 50 von 72 Unternehmen, also 69 % einen negativen Ausblick fürs zweite Quartal. Dieser Wert liegt über dem 5-Jahres-Schnitt von 60%. Tendenziell werden die positiven Gewinnüberraschungen niedriger und die negativen höher. Für das Gesamtjahr erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum von 10,1% (vor 2 Wochen noch 10,9%) und infolge jüngster Rückschläge liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 17,6 bereits unter dem 5-Jahres-Schnitt von 18,6. Die Enttäuschungen haben –
wie bereits erwartet – mit Lieferkettenunterbrechungen und historisch hoher Teuerung im Laufe der Earning Season weiter zugenommen. Mittelfristig ist mit einer Abwärtsrevision der Gewinnwachstumsprognosen zu rechnen. Somit ist der Aktienmarkt noch nicht günstig, vielmehr droht eine „Bewertungsfalle“.

Aktien - Europa

Kriegsupdate: Der 9. Mai ist da und es hat sich nicht viel verändert. Mit Spannung wird heute Putins Rede erwartet und analysiert. Vom Kriegsende fehlt noch jede Spur, dafür gehen Atomkriegssimulationen durch die russischen Medien. Die Atomkriegsgefahr könnte aktuell höher sein als noch während der Kuba-Krise 1962 oder im September 1983. Aufgrund des Abnützungskriegs in der Ukraine und des von den G7 beschlossenen Ölembargos gegen Russland wird Putins Armee zunehmend schwächer und die Mittel für Nachschub werden im Laufe der Zeit zunehmend knapper. Kritische Beobachter befürchten deshalb eine „Kurzschlusshandlung“ Putins, der, Medienberichten zufolge, aufgrund des schlechten Gesundheitszustands, nicht mehr viel zu verlieren hätte. Grenzgeplänkel mit Finnland wegen dessen geplantem Nato-Beitritt, eventuell sogar Raketenbeschuss von Polen und des Baltikums und im Worst Case ein Atomschlag gegen die Ukraine sind denkbare Negativszenarien.

Schwächelnde Industrie vs. starkem Servicesektor: Der Servicesektor war aufgrund des Endes der Lockdowns im Aufwind und das Wachstum fiel so stark aus, wie zuletzt im August 2021. Der Auftragseingang wies das höchste Plus seit 8 Monaten und die Geschäftsaussichten auf 12 Monate haben sich auf niedrigem Niveau gegenüber März verbessert. Die Industrie hingegen kühlte ab. Das Exportneugeschäft ging zum zweiten Mal hintereinander zurück, während die Geschäftsaussichten vor dem Hintergrund des aktuellen Umfelds (Krieg und Inflation) unter Februar-Niveaublieben. Die Industrieproduktion wies die niedrigste Zuwachsrate seit Beginn des Aufschwungs vor 22 Monaten auf. Per Saldo stieg aber der S&P Global Eurozone Composite PMI® um 0,9 Punkte auf 55,8 und somit auf ein 7-Monats-Hoch. Die Umfragedaten aus der Privatwirtschaft übersetzt S&P Global in ein Quartalsabschnittswachstum von 0,7% (Q1: 0,4%).

Aktien - Schwellenländer / Asien

Lockdowns in Shanghai und Peking lassen Chinas Wirtschaft einbrechen: Zuerst zeigte sich bereits im April, dass das Aktivitätsniveau der Industrie stärker nachließ als erwartet. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der vom Wirtschaftsmagazin „Caixin“ veröffentlichte Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Service-Bereich von 42 Punkten im März auf 36,2 Punkte im April einbrach. Die Kontraktionsgrenze liegt bei 50 Punkte. Bereits im März verzeichnete der Index einen Einbruch um 8,2 Punkte. Die aktuelle Abwärtsbewegung ist die stärkste seit Beginn der Pandemie im Februar 2020.

Anleihen

Zinsschock: Das „Paul-Volcker-Szenario“ rückt näher und zwar in einem wirtschaftlich viel fragilerem Umfeld als noch in den frühen 80er-Jahren. Weltweit erreichten die Staatsschulden das höchste Niveau seit Ende des 2. Weltkriegs und gleichzeitig zeigen sich konjunkturelle Abschwächungstendenzen und in punkto inverser Zinskurve auch Rezessionssignale. Trotzdem kämpft die Fed – wie eingangs beschrieben – massiv gegen eine galoppierende Inflation und bis zur Fed-Sitzung am 14. Dezember 2022 preisen laut FedWatch-Tool der CMI die Fed-Fund-Futures mit einer Wahrscheinlichkeit von 46,8% ein Leitzinsniveau von 2,75 bis 3,00% ein. Binnen eines Monats stieg bis dahin die Wahrscheinlichkeit eines Leitzinsniveaus von mindestens 3,00 bis 3,25% von 1,6% auf 24,5%! Blickt man weiter bis 26. Juli 2023 dann liegt die Wahrscheinlichkeit von Leitzinsen ab 3,75 bis 4,00% bei 12,8% vgl. mit 6,9% vor noch einem Monat. Wie erwartet war die 0,5 Prozentpunkte-Leitzinserhöhung am Mittwoch von einer „Brandrede“ Powells im Kampf gegen die Inflation begleitet. Die beschriebenen Marktreaktionen und ein Anstieg der Renditen zehnjähriger US-Treasuries im Wochenverlauf von 2,94 auf 3,17% waren das Ergebnis. Da die EZB ebenfalls zusehends unter Zugzwang gerät, ihre Leitzinsen anzuheben, stieg die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen von 0,91 auf 1,14%, während jene laufzeitkongruenter italienischer Staatsanleihen von 2,78% auf 3,19% anstieg.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf USTreasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Binnen einer Woche bis zum 5. Mai weiteten sich die Spreads um 20 Basispunkte auf 4,03 Prozentpunkte aus, zumal immer mehr Firmen in eine Preis-Kosten-Schere geraten und die Ausfallsraten etwas zunehmen werden.

Edelmetalle und Rohstoffe

Erdölpreis-Anstieg und weiterer Rohstoff-Abverkauf: Das in der EU andiskutierte Öl-Embargo gegen Russland (kein Import russischen Erdöls) führte zu einem Anstieg der Ölpreise. Hingegen Erdgas (-22% im Wochenverlauf) und diverse Industriemetalle haben sich verbilligt, während Weizen wegen des Kriegs in der Ukraine auf Wochensicht fast 7% teurer ist. Wegen steigender Dollarzinsen stärker unter Druck stehen Gold und Silber.

Währungen

Ruhige Woche: Im Schweizer Franken und Britischem Pfund setzte eine Gegenbewegung ein. Die Frankenaufwertung hat vorübergehend gestoppt, zumal viel Negatives bereits vorweggenommen war. Das Britische Pfund ist erneut schwächer zum Euro, da die Konjunktur in Großbritannien fragil ist. Charttechnisch sieht es nach einem Einbruch aus. Die Rubelaufwertung setzte sich indessen weiter fort.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

03.02.2020
04.02.2020
05.02.2020
06.02.2020
07.02.2020

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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