PC - Weekly 2020 KW 32

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am Sonntag mit ca. 17,9 Millionen neue Rekordwerte, wobei in den USA die Zahl binnen zwei Wochen von 3,71 auf 4,62 Millionen anstieg. Explosionsartig steigen die Zahlen der Infizierten in Brasilien, Peru, Mexiko, Südafrika Russland und Indien. In Brasilien und Indien gibt es bereits 2,71 bzw. 1,75 Millionen Fälle.  Eine zweite Welle hat faktisch bereits begonnen und in den USA sind zunehmende Restriktionen im Vormarsch. Dies und die schlechte Corona-Politik Trumps führten zu unvorteilhaften Wahlumfragewerten für ihn. Doch eine Verschiebung er Präsidentenwahl scheitert am Widerstand im Kongress. Nun könnte Trump außenpolitisch noch stärker ablenken. Ein aktuelles Beispiel ist das geplante Verbot der chinesischen Videoplattform TikTok. Begründung: Angst vor Datendiebstahl.

US-BIP brach im zweiten Quartal so stark ein wie seit 1875 nicht gesehen: Die Wirtschaftsleistung der USA schrumpfte aufs Jahr gerechnet um 32,9%. Im Vergleich zum Vorquartal liegt die Schrumpfung bei ca. 1,8%. Der letzte Einbruch in vergleichbarer Größe ereignete sich im zweiten Quartal 1921 mit -28,6%. Der private Konsum brach saisonbereinigt um ein Viertel ein. Doch die Einkommen der Amerikaner sind aufgrund der staatlichen Hilfen im Schnitt um 10% gestiegen. Der Umsatz beim Kauf von Autos, Wohnimmobilien und Freizeitprodukten stieg ebenfalls. Erholungspotenzial wäre also vorhanden, doch neue Shut-Downs könnten die Situation im dritten Quartal nochmals verschlimmern.

Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter stieg stärker als erwartet: Gegenüber dem Vormonat wuchsen die Orders mit 7,3% stärker als von den durch Dow Jones Newswires befragten Ökonomen erwartet, die nur von 5,4% ausgingen. Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge kletterten um 3,3% (Vormonat +1,6%) nach oben und bei den Auftragseingängen außerhalb des Rüstungsbereichs ergab sich eine Zunahme um 9,2%. Somit zeigen diese Frühindikatoren einen erfreulichen Trend.

Apple reagierte auf erfreuliche Quartalszahlen mit einem Kurssprung um 10,5%. Dadurch ist Apple nun mit 1,84 Billionen Dollar Marktkapitalisierung teurer als die arabische Aramco und somit das teuerste börsennotierte Unternehmen der Welt. Der iPhone-Umsatz stieg im dritten Geschäftsquartal (endete 27. Juni) um 1,7 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar. während Analysten lediglich von 21 Milliarden ausgingen. Geholfen hat hier unter anderem die Neuauflage des günstigeren Modells iPhone SE. Die Bereichsumsätze iPad und iMac wuchsen jeweils um 31,0 bzw. um 21,6 Prozent. Insgesamt hat Apple im abgelaufenen Quartal den Konzernumsatz um 10,9 Prozent auf 59,7 Milliarden Dollar gesteigert, während der Nettogewinn um zwölf Prozent auf 11,25 Milliarden Dollar anstieg. Erfreulich sind auch der angekündigte Aktiensplit im Verhältnis 4:1 und die Aussicht auf die Markteinführung 5G-tauglicher iPhones im Herbst.

Erfreulicher Verlauf der Earning Season: Per 31. Juli veröffentlichten bereits 63% aller Unternehmen Gewinne für das zweite Quartal 2020. 84% davon gaben Gewinne über den Analystenschätzungen bekannt – der höchste Wert seit FactSet im Jahr 2008 mit diesen Aufzeichnungen begann. Kombiniert man jüngste Veröffentlichungen mit den Prognosen der Analysten, dann ist im zweiten Quartal  von einem Gewinneinbruch um 35,7% aus (vor drei Wochen noch -44,7% erwartet) auszugehen, was zwar auf Jahresbasis der stärkste Rückgang seit dem vierten Quartal 2008 (damals -69,1%) wäre, aber dennoch besser aussieht als zwischenzeitlich erwartet. Die durchschnittliche Gewinnüberraschung erreichte einen Rekordwert von 21,8% über den Analystenprognosen. Für das Gesamtjahr 2020 wird laut Analystenkonsens von FactSet ein Gewinneinbruch von 19,4% erwartet, auf den aber 2021 wieder ein Wachstum von 27,0% folgen sollte. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 22,0 weit über dem 10-Jahresschnitt von 15,3, was im aktuell unsicheren Umfeld erhöhtes Verlustpotenzial am Aktienmarkt bedeutet. Dem wirkt jedoch das niedrige Zinsniveau stützend entgegen.

Aktien - Europa

Massive Schrumpfung der europäischen Wirtschaftsleistung: Die tiefen Eingriffe zur Seuchenbekämpfung hinterließen ihre Spuren in Form der stärksten Rückgänge des BIP im Euroraum und der EU seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1995. Auf Jahresbasis beschleunigte sich der Abschwung. Nach minus 3,1% im ersten Quartal schrumpfte der Euroraum gegenüber dem Vorjahresquartal um 15%. In der EU lagen die Rückgänge bei jeweils minus 2,5 bzw. minus 14,4%. Unter den Mitgliedsstaaten für die Daten vorliegen verzeichneten Spanien (-22,1%), Frankreich (-19,0%) und Italien (-17,3%) die stärksten Rückgänge. Deutschland kam mit minus 11,7% noch „relativ gut“ davon – so die Ergebnisse der vorläufigen Schnellschätzung von eurostat für das zweite Quartal 2020.

Extrem positive Gewinnüberraschungen im zweiten Quartal: Der Gewinnausblick im STOXX 600 ist sehr erfreulich. Von den 109 Firmen des STOXX 600-Index, die bereits Zahlen für das zweite Quartal 2020 veröffentlichten, konnten 66,1% die Analystenerwartungen übertreffen. Laut Refinitiv-Konsens sollten aber im 2. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 18,0% Umsatzrückgang um 58,3% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -13,0 bzw. -47,7%. Die Gewinn-Einschätzung hat sich dabei in den vergangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bereits mit einem Gewinneinbruch um 32,9% im STOXX 600. Einziger Wachstumssektor sind die Versorger, deren Gewinne um 3,6% wachsen sollten, während die Gewinne im Energiesektor infolge der niedrigen Ölpreise sogar um über 74% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für weitere positive Gewinnüberraschungen sein.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas verarbeitende Industrie befindet sich im Juli bereits den fünften Monat in Folge im Expansionsbereich. Der entsprechende umfragebasierende Einkaufsmanagerindex der chinesischen Statistikbehörde, NBS (National Bureau of Statistics) stieg von Juni auf Juli von 50,9 auf 51,1 Punkte und liegt somit im Expansionsbereich über 50. Leicht angestiegen sind dabei die Subindizes für Produktion und Auftragseingang. Der Subindex für Exportaufträge stieg sogar um 5,8 auf 48,4 Punkte. Nachdem Chinas Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wieder um 3,2% wuchs und sich das wirtschaftliche Geschehen in China zunehmend normalisiert, rechnen 67 Volkswirte laut einer Bloomberg-Umfrage im laufenden Quartal bereits mit einer Beschleunigung des BIP-Wachstums auf 5,2%.

Anleihen

Die Renditen von Staatsanleihen der entwickelten Staaten entwickelten sich in den vergangenen Wochen weiter rückläufig. Die Geldpolitik bleibt in den USA, Europa und Japan expansiv und auch die chinesische Zentralbank ist handlungsbereit. Sowohl die USA als auch europäischen entwickelten Länder und Japan sollten in nächster Zeit keinerlei Finanzierungsprobleme bekommen, doch agieren sie durch den erhöhten Geldbedarf infolge von Ausgleichszahlungen in der Corona-Krise als ein Geldschwamm an den Geld- und Kapitalmärkten. Für zahlreiche Schwellenländer bleiben deshalb bald nicht mehr genügend Gelder übrig, was bis hin zur größten Schwellenländerkrise der letzten Jahrzehnte führen kann. Allerdings ist derzeit die Risikofreude der Anleger noch sehr hoch und infolge der niedrigen Zinsen in den entwickelten Ländern suchen sie verstärkt nach Renditen in Schwellenländern, weshalb der Bloomberg Barclays EM USD Aggregate Total Return Index Value Unhedged derzeit noch stark im Aufwind ist. Die Verluste vom März sind aufgeholt und auf Jahressicht liegt er 5% im Plus. Das schwache Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal und moderate Inflationsraten führten zuletzt sowohl in den USA als auch Europa zu niedrigeren Staatsanleihen-Renditen, zumal sich die Fed noch gewisse Handlungsspielräume offenlässt. Ähnliches gilt auch für die EZB. Auf Monatsbasis ging die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um 9 Basispunkte auf -0,53% zurück. Die Rendite laufzeitkongruenter US-Treasuries fiel im gleichen Zeitraum von 0,67 auf 0,53%, während italienische uns spanische Papiere (LZ: 10J) nur noch Renditen von 1,01 bzw. 0,33% aufweisen.

HY-Corporate Bonds im Aufwind: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries waren bereits in den vergangenen Wochen infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung  und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. Die hohe Risikofreude der Anleger führte vom 16. bis 30. Juli zu einer weiteren Einengung der Spreads von 5,76 auf 5,14 Prozentpunkte.

Edelmetalle und Rohstoffe

Der Höhenflug von Gold und Silber setzte sich mit einem charttechnischen Ausbruch nach oben weiter fort. Auf Wochenbasis liegen Gold und Silber jeweils ca. 4 bzw. 7% im Plus und auf Monatsbasis sind es bereits Wertzuwächse von jeweils 11 bzw. 36%. Dem Silberpreis kommt eine leichte konjunkturelle Entspannung entgegen, da Silber auch industriell verbraucht wird. Bei Gold sind die großen Spekulanten am Terminmarkt so stark long wie seit 2018 nicht mehr. Die Geldschwemme der Notenbanken, niedrige Inflation und rückläufige Anleihenrenditen sind der Zündstoff für diese Edelmetallhausse.

Währungen

Die EZB klang vor mehr als zwei Wochen den Marktteilnehmern zu restriktiv, da sie keine weiteren Maßnahmen beschlossen hat. Dies macht den Euro härter. Die Abwertung des US-Dollar zum Euro setzte sich somit auch in der abgelaufenen Woche weiter fort. Auch Yen, Kanadischer und australischer Dollar tendierten zum Euro leichter, während das Pfund zu einer Gegenbewegung ansetzte und Stärke zeigte. Deutlich schwächer tendierten indessen die Carrytrade-Anlagewährungen Südafrikanischer Rand, Mexikanischer Peso, Rubel und Türkische Lira. In den Schwellenländern wird der Faktor „Covid-19“ am Devisenmarkt kontinuierlich stärker.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

03.08.2020

China: Caixin PMI Produktion
USA: Markit PMI Herstellung; ISM verarbeitendes Gewerbe

04.08.2020

Japan: Inflationsdaten
USA: Werkaufträge

05.08.2020

China: Caixin China PMI Dienstleistungen
EUR: Einzelhandelsumsätze, Markit PMI Gesamtindex
USA: Markit PMI Gesamtindex; ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe

06.08.2020

Japan: BIP
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung,

07.08.2020

China: Handelsbilanz
USA: Arbeitsmarktdaten: Durchschnittliche Stundenlöhne, Wochenarbeitszeit, Arbeitslosenquote, Erwerbsbeteiligungsquote, Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft  

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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