PC - Weekly 2020 KW 33

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am Sonntag mit ca. 19,7 Millionen (Vorwoche 17,9 Millionen) neue Rekordwerte, wobei in den USA die Zahl binnen einer Woche von 4,62 auf fünf Millionen anstieg. Explosionsartig steigen die Zahlen der Infizierten in Brasilien, Peru, Mexiko, Südafrika, Russland und Indien. In Brasilien und Indien gibt es bereits 3,0 bzw. 2,2 Millionen Fälle.  Eine zweite Welle hat faktisch bereits begonnen und in den USA sind zunehmende Restriktionen im Vormarsch. Dies und die schlechte Corona-Politik Trumps führten zu unvorteilhaften Wahlumfragewerten für ihn. Nun mehren sich außenpolitische Manöver: Eines davon ist das Verbot der chinesischen Videoplattform TikTok, die unter Argumentation von Datendiebstahl aus den USA verbannt werden sollte. Ähnliches gilt für WeChat. Währenddessen gerät nach der Explosion im Libanon die dortige Regierung unter Druck, die jetzt sogar einen Terroranschlag nicht mehr ausschließt. Sollte diese Schiene gefahren werden, könnte Trump auf den fahrenden Zug aufspringen und die Anti-Terror-Karte ausspielen, was enormen geopolitischen Sprengstoff in sich birgt. Ein weiterer Konfliktschauplatz ist das Gaspipeline-Projekt Nord Stream II (EU). US-Senatoren um den Texaner Ted Cruz haben in einem Brief davor gewarnt, dass die Vereinigten Staaten den Hafen von Sassnitz mit Sanktionen „finanziell zerstören“ könnten, wenn dieser weiter als logistische Basis des Bauvorhabens dienen sollte.

Schwache Erholung im Industriebereich: Der PMI für das verarbeitende Gewerbe von IHS Markit stieg von 49,8 im Juni auf 50,9 im Juli und er zeigte eine bescheidene Expansion der wirtschaftlichen Aktivität des verarbeitenden Gewerbes. Allerdings lag der Wert unter den Markterwartungen von 52 Punkten. Das ist zwar die stärkste Expansion des Fertigungssektors seit Jänner, doch es ist mehr die Folge des Hochfahrens der Produktion und weniger einer nachhaltigen Belebung der Nachfrage

Besser als erwartet entwickelte sich indessen der Dienstleistungsbereich in den USA: Von Juni auf Juli verbesserte sich der IHS Markit Services Purchasing Managers Index für Dienstleistungen von 47,9 auf die Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Das sind Stabilisierungstendenzen, aber gewisse Corona-Restriktionen bleiben. Die gesamte Privatwirtschaft der USA hat sich indessen leicht erholt.

Erfreuliche Arbeitsmarktdaten: Offensichtlich wird die US-Wirtschaft in einem atemberaubenden Tempo wieder hochgefahren. Zumindest entsteht dieser Eindruck bei folgenden „neuen“ Stellen. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden im Juli 1,763 Mio. neue Stellen, während Analysten nur mit 1,48 Mio. gerechnet haben. Im Juni entstanden aber noch 4,791 Mio. Stellen. Allerdings sind zuvor über 40 Millionen Jobs verlorengegangen. Die Arbeitslosenquote verzeichnete indessen einen Rückgang von 11,1 auf 10,2% nach 14,7% im April. Die Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,8%.

Positiver Verlauf der Earning Season: Im Juli haben Analysten die Gewinnprognosen für Unternehmen des S&P 500 Index erstmals in einem ersten Monat des Quartals seit dem ersten Quartal 2018 angehoben. Für das dritte Quartal stieg die aggregierte Gewinnerwartung von 31,78 auf 32,13 USD bzw. um 1,1%. Über die vergangenen 5 Jahre haben im ersten Monat eines Quartals die Analysten im Schnitt ihre Gewinnerwartungen für das betreffende Quartal um 2,8% nach unten geschraubt. In den vergangenen 15 Jahren lag das Ausmaß sogar bei 2,4%. Zuletzt gab es so eine Aufwärtsrevision im 1. Quartal 2018 mit +4,9% und zuvor im 2. Quartal 2011 mit +2,1%. Allerdings gingen heuer der Aufwärtsrevision für Q3 im Vorquartal massive Abwärtsrevisionen der Gewinne um 23,6% von 41,60 auf 31,78 USD voraus. Per 7. August veröffentlichten bereits 89% aller Unternehmen Gewinne für das zweite Quartal 2020. 83% davon gaben Gewinne über den Analystenschätzungen bekannt – der höchste Wert seit FactSet im Jahr 2008 mit diesen Aufzeichnungen begann. Kombiniert man jüngste Veröffentlichungen mit den Prognosen der Analysten, dann ist im zweiten Quartal von einem Gewinneinbruch um 33,8% aus (vor vier Wochen noch -44,7% erwartet) auszugehen, was zwar auf Jahresbasis der stärkste Rückgang seit dem ersten Quartal 2009 (damals -35,4%) wäre. Die durchschnittliche Gewinnüberraschung erreichte aber einen Rekordwert von 22,4% über den Analystenprognosen. Für das Gesamtjahr 2020 wird laut Analystenkonsens von FactSet ein Gewinneinbruch von 19,0% erwartet, auf den aber 2021 wieder ein Wachstum von 26,5% folgen sollte. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 22,3 weit über dem 10-Jahresschnitt von 15,3, was im aktuell unsicheren Umfeld erhöhtes Verlustpotenzial am Aktienmarkt bedeutet. Dem wirkt jedoch das niedrige Zinsniveau stützend entgegen.

Aktien - Europa

Extrem positive Gewinnüberraschungen im zweiten Quartal: Der Gewinnausblick im STOXX 600 ist sehr erfreulich. Von den 198 Firmen des STOXX 600-Index, die bereits Zahlen für das zweite Quartal 2020 veröffentlichten, konnten 61,1% die Analystenerwartungen übertreffen. Laut Refinitiv-Konsens sollten aber im 2. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 20,7% Umsatzrückgang um 67,5% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -13,3 bzw. -58,5% ein. Die Gewinn-Einschätzung hat sich dabei in den vergangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bereits mit einem Gewinneinbruch um 33,5% im STOXX 600. Einziger Wachstumssektor sind die Versorger, deren Gewinne um 3,5% wachsen sollten, während die Gewinne im Energiesektor infolge der niedrigen Ölpreise sogar um über 74% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für weitere positive Gewinnüberraschungen sein.

Der Europäische Einzelhandel vollzog V-förmige Erholung: Lockerungen der Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen ermöglichten einen Anstieg des saisonbereinigten Absatzvolumens des Einzelhandels im Juni gegenüber dem Vormonat um 5,7% im Euroraum und 5,2% in der EU. Im Mai gingen Anstiege von je 20,3 bzw. 18,3% (EU) voraus. Somit ist das Absatz-Niveau bereits wieder am Ausgangsniveau vor der Corona-Krise angekommen. Das zeigt auch der auf Jahresbasis kalenderbereinigte Anstieg der Einzelhandelsindizes für Euroraum und EU um jeweils 1,3% im Juni.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Nachdem Chinas Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wieder um 3,2% wuchs und sich das wirtschaftliche Geschehen in China zunehmend normalisiert, rechnen 67 Volkswirte laut einer Bloomberg-Umfrage im laufenden Quartal bereits mit einer Beschleunigung des BIP-Wachstums auf 5,2%. Laut Einkaufsmanagerindex der Statistikbehörde NBS haben sich bereits die Exportaktivitäten wieder belebt. Während im Juli die Exporte um 1,4% zurückgingen, konnten die Exporte um 7,2% gesteigert werden. Unter dem Strich wuchs der Außenhandel um 3,4% auf einen Wert von ca. 413 Mrd. USD.

Anleihen

Die Renditen von Staatsanleihen der entwickelten Staaten entwickelten sich in den vergangenen Wochen weiter rückläufig ehe eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau einsetzte. Die Geldpolitik bleibt in den USA, Europa und Japan expansiv und auch die chinesische Zentralbank ist handlungsbereit. Sowohl die USA als auch europäischen entwickelten Länder und Japan sollten in nächster Zeit keinerlei Finanzierungsprobleme bekommen, doch agieren sie durch den erhöhten Geldbedarf infolge von Ausgleichszahlungen in der Corona-Krise als ein Geldschwamm an den Geld- und Kapitalmärkten. Für zahlreiche Schwellenländer bleiben deshalb bald nicht mehr genügend Gelder übrig, was bis hin zur größten Schwellenländerkrise der letzten Jahrzehnte führen kann. Allerdings ist derzeit die Risikofreude der Anleger noch sehr hoch und infolge der niedrigen Zinsen in den entwickelten Ländern suchen sie verstärkt nach Renditen in Schwellenländern, weshalb der Bloomberg Barclays EM USD Aggregate Total Return Index Value Unhedged derzeit noch stark im Aufwind ist. Die Verluste vom März sind aufgeholt und auf Jahressicht liegt er 5,56% im Plus. Das schwache Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal und moderate Inflationsraten führten zuletzt sowohl in den USA als auch Europa zu niedrigeren Staatsanleihen-Renditen, zumal sich die Fed noch gewisse Handlungsspielräume offen lässt. Ähnliches gilt auch für die EZB.  Auf Monatsbasis ging die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um 4 Basispunkte auf -0,52% zurück, auf Wochenbasis war sie fast unverändert. Die Rendite laufzeitkongruenter US-Treasuries fiel im gleichen Zeitraum von 0,64 auf 0,56%, während italienische uns spanische Papiere (LZ: 10J) nur noch Renditen von 0,93% (auf Monatsbasis -30 BP) bzw. 0,37% (auf Monatsbasis -14 BP) aufweisen.

HY-Corporate Bonds im Aufwind: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries waren bereits in den vergangenen Wochen infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung  und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. Die hohe Risikofreude der Anleger führte vom 16. Juli bis 6. August zu einer weiteren Einengung der Spreads von 5,76 auf 5,06 Prozentpunkte.

 

Edelmetalle und Rohstoffe

Gold und Silberpreisexplosion: Auf Wochenbasis liegen Gold und Silber jeweils ca. 3 bzw. 17% im Plus und auf Monatsbasis sind es bereits Wertzuwächse von jeweils 13 bzw. 52%. Dem Silberpreis kommt eine leichte konjunkturelle Entspannung entgegen, da Silber auch industriell verbraucht wird. Bei Gold sind es u.a. massive ETF-Käufe: Im ersten Halbjahr 2020 fließt die Rekordsumme im Wert von 734 Tonnen Gold in Gold-ETF, mehr als der Jahresrekord von 646 Tonnen im Jahr 2009, wodurch die Bestände der ETFs auf 3.621 Tonnen anstiegen. Dieser Trend setzte sich im Juli weiter fort. Es war der achte Monat mit Nettozuflüssen in Folge und zwar im Wert von 9,7 Mrd. USD bzw. 166 Tonnen.

Währungen

Die Bewegungen des Euro zu wichtigen Währungen hielten sich vergangene Woche in Grenzen. Nach stärkerer Abwertung des USD setzte dieser zu einer technischen Gegenreaktion an. Erste Tendenzen Richtung erneuter Stärke zeigt indessen der Schweizer Franken als Krisenwährung. Etwas zur Ruhe kam der Euro nach 8 % Aufwertung zum Rubel auf Monatsbasis. Hingegen die Türkische Lira wertete zum Euro rund weitere 5% ab. Brasilianischer Real und Südafrikanischer Rand zeigten sich weiterhin schwächer zum Euro.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

10.08.2020

China: Inflation u. neue Kredite

11.08.2020

EUR: ZEW-Konjunkturerwartungen
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen
USA: Erzeugerpreisindex, API wöchentlicher Rohöllagerbestand

12.08.2020

UK: BIP
USA: Inflationsdaten, monatliches Budgetstatement, EIA Rohöl Lagerbestand

13.08.2020

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung,

14.08.2020

China: Immobilienpreisindex, Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze
EUR: BIP
USA: Lohnstückkosten, Arbeitsproduktivität, Einzelhandelsumsätze, Controlling des Einzelhandels, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Industrieproduktion, Businessinventare,
Kapazitätsauslastung,

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

Disclaimer

Die PRIVATCONSULT Vermögensverwaltung GmbH (PC) ist eine im Firmenbuch des Handelsgerichts Wien zu FN 195763m eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die PC erbringt Dienstleistungen auf Basis der von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) erteilten Konzession. Die PC ist keine Rechtsanwalts-, Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und erbringt keine Dienstleistungen, die diesen Berufsständen vorbehalten sind. Die PC wie auch deren Mitarbeiter übernehmen keine wie immer geartete Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in dieser Unterlage enthaltenen Informationen sowie der im Rahmen von Vorträgen oder Webinaren getätigten Aussagen. Diese Unterlage ist streng vertraulich und kann rechtlich geschützte Informationen enthalten. Sie ist ausschließlich für den beabsichtigten Empfänger bestimmt und darf von anderen Personen als dem beabsichtigten Empfänger nicht gelesen, gespeichert, gedruckt oder auf sonstige Weise verwertet werden. Insbesondere ist jede Vervielfältigung oder Veröffentlichung der Inhalte dieser Unterlage, einschließlich des darin eventuell enthaltenen Text- und Bildmaterials, ohne vorherige schriftliche Zustimmung der PC strengstens verboten. Sollten Sie diese Unterlage irrtümlich oder auf unrechtmäßige Weise erhalten haben, so informieren Sie uns bitte umgehend und vernichten gegebenenfalls bereits erzeugte Ausdrucke und Kopien. Eine Verletzung der oben genannten Pflichten kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Zurück