PC - Weekly 2020 KW 36

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am Sonntag mit ca. 25 Millionen (vor zwei Wochen noch 21,9 Millionen) neue Rekordwerte, wobei in den USA die Zahl binnen zweier Woche von 5,4 auf 6 Millionen anstieg. Explosionsartig steigen die Zahlen der Infizierten in Brasilien, Peru, Mexiko, Südafrika Russland und Indien. In Brasilien und Indien gibt es bereits 3,85 bzw. 3,54 Millionen Fälle. Eine zweite Welle hat begonnen und Neuseeland hat in der Stadt Auckland bereits einen Lockdown verordnet. In Frankreich und Deutschland mehren sich die Stimmen für erneute restriktive Maßnahmen. Aufgrund der Unruhen in den USA schreckt Trump noch davor zurück, unter dem Vorwand von Corona-Maßnahmen die Wahl verschieben zu lassen. Gleichzeitig eskaliert der Wahlkonflikt in Belarus mit Massendemos, deren Ausmaß Erinnerung an den Maidan in der Ukraine weckt. Putin drohte bereits im Worst Case russische Reservetruppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu schicken. Dadurch könnte sich das Verhältnis Russland-USA und Russland-EU drastisch verschlechtern. Sanktionen sind vorprogrammiert. Indessen droht im Streit um Gebietsansprüche im südchinesischen Meer eine Eskalation zwischen USA und China, zumal die USA bereits Sanktionen gegen chinesische Staatsunternehmen erließen. Diese waren Ausdruck des Protestes gegen weitreichende Gebietsansprüche Chinas in dem strategisch wichtigen Meeresgebiet. Zuletzt schoss China zwei Mittelstreckenraketen in dieses Gebiet – eine militärische Machtdemonstration gegenüber den USA.

Die Kontraktion der US-Wirtschaft für das zweite Quartal fiel weniger dramatisch aus als ursprünglich angenommen: Laut einer ersten Schätzung schrumpfte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um annualisiert 32,9%. Tatsächlich waren es nach erneuter Berechnung nur minus 31,7%, während der Konsens der Volkswirte von Refinitiv ein Minus von 32,5% erwartete. Trotzdem ist dies die schlimmste Kontraktion, die je in einem Quartal aufgezeichnet wurde. Auf Jahresbasis für das Gesamtjahr gehen die Volkswirte der Fed in den USA von einer um 6,5% rückläufigen Wirtschaftsleistung aus.

USA: Positive Überraschung bei Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (Lebensdauer mindestens drei Jahre): Im stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vormonat um 11,2%, während die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte nur von einem Plus im Ausmaß von 5% rechneten. Außerhalb des Rüstungsbereichs lag das Plus noch bei 9,9% und klammert man den Transportbereich aus, waren es 2,4%. Betrachtet man zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge so verbesserten sich die Bestellungen um 1,9%.

Solide Industriedaten: Der Chicago Einkaufsmanagerindex liegt den zweiten Monat in Folge im Expansionsbereich über 50 Punkte, auch wenn er auf 51,2 Punkte leicht zurückfiel. Die Indexkomponente für Produktion stieg um 1,4 Punkte und erreichte den höchsten Level seit Juni 2019. Auftragseingänge erreichten ein Jahreshoch. Bereits 26,7% der befragten Betriebe haben mittlerweile wieder normale Kapazitätsauslastung erreicht und die Mehrheit von 55,6% rechnet damit ab 2021

Per 28. August veröffentlichten bereits 98% aller S&P 500-Unternehmen Gewinne für das zweite Quartal 2020. 84% davon gaben Gewinne über den Analystenschätzungen bekannt – der höchste Wert seit FactSet im dritten Quartal 2008 mit diesen Aufzeichnungen begann. Im Vergleich dazu lag die Quote im fünfjährigen Schnitt nur bei 72%. Die höchsten Gewinnüberraschungsquoten gaben dabei die Sektoren IT (94%), Grundstoffe (93%), Gesundheit und Industriegüter (je 92%) an. Die durchschnittliche Gewinnüberraschung erreichte einen Rekordwert von 23,1% über den Analystenprognosen verglichen mit einem Fünfjahres-Schnitt von +4,7%. Kombiniert man jüngste Veröffentlichungen mit den Prognosen der Analysten, dann ist im zweiten Quartal von einem Gewinneinbruch um 31,8% auszugehen (vor sechs Wochen noch -44,7% erwartet) auszugehen, was auf Jahresbasis der stärkste Rückgang seit dem ersten Quartal 2009 (damals -35,4%) wäre. Für das Gesamtjahr 2020 wird laut Analystenkonsens von FactSet ein Gewinneinbruch von 18,6% erwartet, auf den aber 2021 wieder ein Wachstum von 26,1% folgen sollte. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 22,9 weit über dem 10-Jahresschnitt von 15,4, was im aktuell unsicheren Umfeld erhöhtes Verlustpotenzial am Aktienmarkt bedeutet. Dem wirkt jedoch das niedrige Zinsniveau stützend entgegen.

Aktien - Europa

Extrem positive Gewinnüberraschungen im zweiten Quartal: Von den 281 Firmen des STOXX 600-Index, die bereits Zahlen für das zweite Quartal 2020 veröffentlichten, konnten 59,8% die Analystenerwartungen übertreffen. Laut Refinitiv-Konsens sollten aber im 2. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 20,1% Umsatzrückgang um 51,9% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -12,6 bzw.     -40,8%. Gegenüber Anfang August haben sich allerdings die Erwartungen verbessert. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um 34,8% im STOXX 600. Einziger Wachstumssektor sind die Versorger, deren Gewinne um 2,6% wachsen könnten, während die Gewinne im Energiesektor infolge der niedrigen Ölpreise sogar um über 79,3% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für weitere positive Überraschungen sein.


Wirtschaft und Verbraucher gewinnen im August weiter Vertrauen zurück. Der Economic Sentiment Index (ESI), der von der EU-Kommission veröffentlicht wird, stieg von Juli auf August von 81,9 auf 86,9 Punkte. Besonders verbessert hat sich das Vertrauen im Service-Bereich, im Einzelhandel und der Industrie, während die Verbraucherkomponente seit Juni auf einem Niveau über dem jüngsten Zwischentief konsolidiert. In der Eurozone hat sich das Verbrauchervertrauen leicht verbessert. Am stärksten verbesserte sich der gesamte ESI in Frankreich (+9,3%), den Niederlanden (+7,1%) und Deutschland (+5,9%).

Aktien - Schwellenländer / Asien

China: Analyst betrachtet Aufschwung skeptisch: Dass sich nach 6,8% Schrumpfung im ersten Quartal im Quartal darauf das BIP-Wachstum Chinas bereits wieder 3,2% erreichte ist allgemein bekannt. Kritisch setzt sich hingegen Andrew Collier, Managing Director der in Hongkong ansässigen Forschungsgesellschaft, Orient Capital Research, mit Einzelhandel und Lageraufbau auseinander: Während Analysten im Juni steigende Einzelhandelsumsätze erwarteten, waren sie tatsächlich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,8% geschrumpft – ein erster Schönheitsfehler. In der CNBC-Sendung „Squawk Box Asia“ kritisierte er auch die einseitige Konjunkturbelebung: „Das Problem mit den Stimulus-Maßnahmen und den Wirtschaftsindikatoren ist, dass sie sehr einseitig sind … sie sind sehr auf Online-Umsätze und auf Infrastruktur-Bau fokussiert“. Beispielsweise in der Stahl- und Eisenproduktion zeigt China Stärke. Doch laut Collier kann niemand feststellen ob dieses Material nicht nur auf Lager produziert wird. Umso mehr empfiehlt Collier, Angebot und Nachfrage zu beobachten. O-Ton: „Die bedeutendere Frage ist, ob Lageraufbau bei Öl sowie Lageraustockung bei Stahl und Eisenerz mit einer echten Nachfrage zusammenhängt, oder ob sie nur angekurbelt werden, um die Konjunktur zu stützen“. In diesem Zusammenhang mahnt er vor Abwärtsrisiken in der zweiten Jahreshälfte. Diese könnten mittlerweile mit einem Konflikt USA-China infolge diverser Sanktionen stärker schlagend werden und so manche Börsenoptimisten noch erschrecken.

Anleihen

Nach einer Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau zeigen die Staatsanleihenrenditen quer durch die westlichen Industrieländer aber auch Japan, Australien, Singapur und diverse Schwellenländer wie Indien und Mexiko wieder nach oben. Ein erneutes Stimulusprogramm und neue Rekordverschuldung in den USA – all das bereitet Bondinvestoren wenig Freude. Zur Finanzierung der geplanten Fiskalprogramme der US-Regierung sollten bis Jahresende zusätzliche Lücken von 2,2 Billionen (!!!) USD finanziert werden. Große Budgetlücken, werden sich weltweit auftun und liquide Mittel sind trotz all der Gelddruckaktionen der Fed, EZB, Bank of Japan, Bank of England und SNB verhältnismäßig knapp, vor allem für die Schwellenländer, da USA, EU, Großbritannien, Japan und China wie ein Geldschwamm wirken.  Für zahlreiche Schwellenländer bleiben deshalb bald nicht mehr genügend Gelder übrig, was bis hin zur größten Schwellenländerkrise der letzten Jahrzehnte führen kann. Aus diesem Grund hat sich auch auf jüngste Erklärungen von Fed Chef, Jerome Powell, im Rahmen einer Grundsatzrede bei Jackson Hole-Symposium die Begeisterung in Grenzen gehalten. Statt mit geldpolitischen Instrumenten beständig zu versuchen, die Inflationszielmarke von 2% zu erreichen, plant die Fed eine vorübergehend höhere Inflation zuzulassen, wenn zuvor die Zielmarke von 2% unterschritten wurde. 2% bleibt zwar der Zielwert, jetzt aber als Durchschnitt über einen längeren Zeitraum. Laut Powell werde die Fed hier anstatt einer „Orientierungsformel“ das flexible „average inflation targeting“ anwenden. Der Einfluss dieser Maßnahme auf die weitere Vorgehensweise der EZB bleibt abzuwarten, denn EZB-Chefin, Christine Lagarde, betonte zuletzt, dass Preisstabilität Vorrang haben werde. Neue Fed-Maßnahmen waren allgemein erwartet worden und auch die EZB hält sich noch Pulver trocken. Anleger können sich durchaus spektakulärere Entscheidungen vorstellen, weshalb sich die jüngsten Renditerückgänge am Freitag in engen Grenzen hielten. Auf Monatsbasis hat sich bei zehnjährigen Staatsanleihen der USA und Großbritannien die Rendite um je 18 bzw. 22 Basispunkte auf je 0,72 bzw. 0,31% verteuert. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen verteuerte sich binnen eines Monats um 13 Basispunkte auf -0,41% und selbst in der Schweiz stieg die vergleichbare Rendite um 13 Basispunkte (Monatsvergleich) auf -0,47%.

HY-Corporate Bond-Ralley gerät langsam ins Stocken: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries waren bereits in den vergangenen Wochen infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung  und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. Die hohe Risikofreude der Anleger führte vom 16. Juli bis 27. August zu einer weiteren Einengung der Spreads von 5,76 auf 4,98 Prozentpunkte.

Edelmetalle und Rohstoffe

Nahrungs- und Genussmittel-Teuerung gewinnt immer mehr an Kontur: Während Gold und Silber auf hohem Niveau konsolidieren, nimmt eine katastrophenbedingte Nahrungsmittelteuerung ihren Verlauf: In China vernichten Überschwemmungen Ernten. Das führt dazu, dass China verstärkt Agrarprodukte aus den USA importiert. Analysten von Nomura beziffern den Verlust an landwirtschaftlicher Produktion mit mehr als 1,7 Mrd. USD – ein Betrag abgeleitet aus den Mitte Juli berechneten Verlusten in sieben südlichen Provinzen Chinas. Vor allem Mais wird immer knapper und binnen eines Monats lag der Preisanstieg bei gut 10%, während die Preise für Sojabohnen und Reis jeweils um 7 bis 6% im Plus liegen und vor allem in der vergangenen Woche Kaffee, Kakao und Sojaprodukte Stärke zeigten.

Währungen

Die Dollarschwäche hat sich nach der Rede von Fed Chef Powell weiter fortgesetzt, kam sie doch der Ankündigung von Aufweichungen der Stabilitätskriterien gleich. Gleichzeitig zeigte sich das Pfund von seiner festeren Seite. Offensichtlich ist der drohende No-Deal-Brexit zumindest teilweise eingepreist. Eine zwischenzeitliche Gegenbewegung gab es im südafrikanischen Rand, während sich die Abwertung der türkischen Lira weiter fortsetzt. Ansonsten hielten sich die Währungsschwankungen in überschaubaren Größenordnungen.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

31.08.2020

Japan: Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze
China: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe.

01.09.2020

EUR: Verbraucherpreisindex, Arbeitslosenquote, Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe
USA: ISM verarbeitendes Gewerbe, Markit PMI Herstellung,

02.09.2020

USA: Werkaufträge, Fed Beige Book

03.09.2020

China: Caixin China PMI Dienstleistungen
EUR: Einzelhandelsumsätze, Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
USA: Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex, ISM-Nicht-Produktion;

04.09.2020

USA: Arbeitsmarktdaten: AL-Quote, Stundenlöhne, Erwerbsbeteiligungsquote, Beschäftigung außerhalb Landwirtschaft, Wochenarbeitszeit, Baker Hughes Plattform-Zählung

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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