PC - Weekly 2020 KW 40

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am Sonntag mit ca. 32,9 Millionen neue Rekordwerte, wobei in den USA die Zahl von 6,73 auf 7,08 Millionen anstieg. Explosionsartig steigen die Zahlen der Infizierten in Brasilien, Peru, Mexiko, Südafrika Russland und Indien. In Brasilien und Indien gibt es bereits jeweils 4,7 bzw. 6,0 Millionen Fälle. Israel hat bereits einen Lockdown verordnet und hat diesen vergangene Woche noch verschärft. Großbritannien könnte als nächstes Land in den Lockdown folgen. Die Reisefreiheit wird innerhalb Europas wieder verstärkt eingeschränkt und regionale Lockdowns werden immer wahrscheinlicher, was laut EZB-Experten zu einer fragilen konjunkturellen Entwicklung in Europa führt. Gleichzeitig eskaliert der Handelskonflikt zwischen China und den USA vor der UNO, die vor einem neuen „Kalten Krieg“ warnt. Ein weiteres internationales Spannungsfeld bleibt der Erdgasstreit zwischen Griechenland und der Türkei. Frankreich stellte sich hinter Griechenland und befindet sich deshalb im Konflikt mit Ankara.

        Höhere Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung: Von Februar bis August stieg die Anzahl der Arbeitslosen in den USA um 7,76 Millionen auf 13,55 Mio. Einwohner. In der vergangenen Woche stellten 870.000 Amerikaner einen Erstantrag auf staatliche Arbeitslosenunterstützung. Die von Reuters befragten Volkswirte rechneten nur mit 840.000, nachdem es in der Woche zuvor 866.000 waren. Der Level der neuen Arbeitslosen ist somit viermal so hoch wie vor der Coronakrise. Allerdings konnten von den durch die Rezession verlorengegangenen 22 Millionen Jobs bereits wieder in etwa die Hälfte zurückgewonnen werden. Die Fed erwartet somit bis Jahresende einen Rückgang der AL-Quote auf 7,6% (August: 8,4%).

        National Activity Index der Chicago Fed verlor im August mehr als erwartet: Der aus 85 Einzelindikatoren bestehende Nationale Aktivitätsindex fiel von 2,54 Punkte im Juli auf 0,79 im August und lag damit unter der Markterwartung von 1,95. 45 der 85 Einzelindikatoren leisteten im August positive Beiträge und 40 negative. 29 Indikatoren haben sich von Juli auf August verbessert jedoch 56 verschlechtert.

        Auftragsdynamik bei langlebigen Gütern mit einer Lebensdauer von mindestens drei Jahren verlangsamt sich: Nach einem Schub um 11,7% (gegenüber Vormonat) im Juli verlangsamte sich die Dynamik des Anstiegs im August auf 0,4%. Volkswirte rechneten noch mit einem Plus um 1,5%. Die 0,5% Auftragsplus bei Transportausrüstung herausgerechnet standen 3,2% Steigerung im Juli nur noch 0,4% im August gegenüber. Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge, eine wichtige Messgröße für Unternehmensausgaben, wuchsen im August um 1,8% (Vormonat +2,5%).

        Blue-Chips-USA - Mehr Optimismus für das 3. Quartal 2020: Seit Ende Juni (bis 25.9.) haben laut FactSet die Analysten bei den S&P-500-Unternehmen die Gewinnprognosen um 3,7% angehoben. In den vergangenen zehn Jahren hingegen lagen in einem typischen Quartal die Abwärtsrevisionen im Schnitt bei minus 5%. Zwei Drittel der 67 Unternehmen, die einen Ausblick für das dritte Quartal veröffentlichten, gaben einen positiven Ausblick! Das sind weit mehr als im Fünf-Jahres-Schnitt (32%). Insgesamt erwarten Analysten im dritten Quartal nur noch einen Gewinnrückgang um 21,2%. Das 12-Monats-Forward-KGV liegt mit 20,9 noch immer auf hohem Niveau, was den US-Aktienmärkt korrekturgefährdet macht.

        Sportschuhhersteller Nike ging nach einem erfreulichen ersten Geschäftsquartal mit 8,4% Plus ins Wochenende: Trotz der Lockdowns ging der Umsatz währungsbereinigt nur um 1% auf 10,6 Milliarden Dollar zurück. Die digitalen Umsätze machten indessen ein Plus von 83% und die Direktverkäufe konnten um 13% auf 3,7 Mrd. USD gesteigert werden. Hingegen die Folgen der Corona-Krise drückten auf die Rentabilität. Trotzdem konnte der Nettogewinn um 11% au 1,52 Mrd. USD gesteigert werden.

Aktien - Europa

        Extrem positive Gewinnüberraschungen im zweiten Quartal: Von den 296 Firmen des STOXX 600-Index, die Zahlen für das zweite Quartal 2020 veröffentlichten, konnten 60,8% (Langjähriger Schnitt 50%) die Analystenerwartungen übertreffen. Laut Refinitiv-Konsens sollten aber im 2. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 20,1% Umsatzrückgang um 51,3% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -12,6 bzw.     -40,3%. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um 36,2% im STOXX 600. Einziger Wachstumssektor sind die Versorger, deren Gewinne um 2,7% wachsen könnten, während die Gewinne im Energiesektor infolge der niedrigen Ölpreise sogar um über 80,0% einbrechen sollten. Angesichts der zunehmenden Corona-Zahlen und Lockdown-Tendenzen bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten.

        Konjunkturelle Erholung des Euroraums verliert an Kraft: Brandaktuell sind die noch nicht zur Gänze ausgewerteten Umfragedaten von IHS-Market basierend auf einer repräsentativen Auswahl von 5000 Firmen in der Industrie und im Servicesektor des Euroraums. Die Umfrage lief bis 23. September und das Ergebnis ist ernüchternd: Im Servicesektor gibt es erstmals seit drei Monaten wieder Geschäftseinbussen und es gab ein dickes Auftragsminus. Die Verkaufspreise waren sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor rückläufig – schlecht für die Margensituation der börsennotierten Gesellschaften. Die Geschäftsaktivitäten der Eurozone (Dienstleistung und Industrie) fielen im September gegenüber August von 51,9 auf ein Dreimonats-Tief von 50,1 Punkten. Was auffällt ist eine Divergenz zwischen Industrie und Dienstleistern. Während der Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit auf ein Viermonatstief fiel kletterte der Flash Eurozone EMI™ Industrie auf ein 25-Monatshoch. Außerdem verzeichnete die Industrie einen kräftigen Auftragszuwachs.

Aktien - Schwellenländer / Asien

       Chinas Konjunktur gewinnt an Eigendynamik: Eine Kombination aus staatlichen Programmen mit Infrastrukturinvestitionen und stärkerem Konsumentenvertrauen macht es möglich: Die Einzelhandelsumsätze Chinas expandierten im August in diesem Jahr erstmals. Nach einem Rückgang von 1,1% im Juli lag das Plus bei 0,5%, während Analysten noch mit einem Nullwachstum rechneten. Die Industrieproduktion wuchs im August auf Jahressicht um 5,6% - ebenfalls stärker als Experten erwarteten (5,1%). Die Analysten der Ratingagentur Fitch rechnen bereits 2021 mit 7,5% Wirtschaftswachstum, denn China ist auch in der Lage zu wachsen, während die globale Konjunktur den Rückwärtsgang einlegt.

Anleihen

        Leicht rückläufige Staatsanleihenrenditen nach Statements aus Fed und EZB: Bereits vor rund zwei Wochen hatte die Fed in Aussicht gestellt, die Zinsen so lange nahe Null zu halten, bis die Inflation auf dem Weg sei, „für einige Zeit“ das Inflationsziel von 2% „moderat zu übertreffen“. Dies impliziert auch das adaptierte Inflationsziel nach dem neuen Schema des „Average Inflation Targeting“, das für einen gewisse Zeit auch höhere Inflationsraten zulässt, um vorangegangene Niederinflationsphasen auszugleichen. Vor dem Ausschuss des Repräsentantenhaus für Finanzdienstleistungen verkündete Powell vergangenen Dienstag, es müsse sichergestellt werden, dass die Wirtschaftserholung so stark wie möglich ausfalle und er nutzte dabei Worte, die stark an die berühmte „Whatever-it-takes“-Rede des ehemaligen EZB-Präsidenten, Mario Draghi erinnerten. Die EZB spricht indessen von einer fragilen Konjunktur in Europa und kritisierte verdeckt den starken Euro zum US-Dollar. Was hat diese Konstellation nun für die Anleihenrenditen zu bedeuten? Auf Wochensicht verringerten sich die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 4 Basispunkte auf 0,65%. Auch im Euroraum herrschten rückläufige Tendenzen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen bröckelten weiter von -0,49 auf -0,53% ab. Die Kurse von Emerging-Markets Bonds gerieten im Einklang mit konjunkturellen Schwächesignalen - aber auch einer sinkenden Risikofreude der Anleger - unter Druck (bedeutet Renditeanstiege).

        HY-Corporate Bonds mit steigenden Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind in der vergangenen Woche im Einklang mit sinkender Risikofreude der Anleger und zunehmenden Konjunktur-Ängsten von 5,14 auf 5,64 Prozentpunkte (24.9.) gestiegen.

Edelmetalle und Rohstoffe

        Gold und Silber unter Druck: Nachdem das Währungspaar EUR/USD die charttechnische Unterstützung bei 1,17 nachhaltig nach unten durchbrach (stärkerer Dollar) gerieten setzten Gold und Silber ihre Korrektur weiter fort. Das Wochen-Minus lag bei jeweils rund fünf bzw. 15%, was auch mit der Angst vor möglichen Zinsanhebungen durch die Fed zusammenhängt. Dies ist widersprüchlich zur Konjunktursituation hat aber einen speziellen Hintergrund (mehr dazu unter „Währungen“).

Währungen

        Der US-Dollar zeigte bereits die Wochen zuvor in der Hoffnung auf verbale Interventionen der EZB (Schwächung des Euro, Stärkung des Dollar als Ziel) festere Tendenzen. Doch vergangene Woche gab es zwei Auslöser für den charttechnischen Durchbruch von EUR/USD durch die Marke von 1,17. Das Offenmarktausschuss-Mitglied der Fed, Charles Evans überraschte mit der Äußerung den Markt, dass die US-Wirtschat 90 Prozent ihrer Schwäche überwunden habe und glaube, dass die USA ihren Zinssatz erhöhen können, ohne die Zielinflation zu erreichen. Fast gleichzeitig mehrten sich Stimmen aus der EZB, wonach der schwache Dollar ein Hindernis für die europäische Wirtschaft wäre. Das Resultat: Eine Aufwertung des US-Dollar zum Euro von ca. 1,8% auf Wochenbasis. Mit dem Rücktritt von Shinzo Abe setzte sich gleichzeitig auch die Stärke des Yen weiter fort, während der Euro zum australischen Dollar stärker aufwertete. Indessen infolge sinkender Risikofreude der Anleger wieder unter Druck gerieten die Carry-Trade-Währungen südafrikanischer Rand, brasilianischer Real, mexikanischer Peso und russischer Rubel.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

28.09.2020

Japan: Führender Wirtschaftsindex

29.09.2020

Japan: Inflationsdaten

USA: Verbrauchervertrauen, S&P/Case-Shiller Hauspreisindex

EUR: Verbrauchervertrauen, Geschäftsklimaindex

30.09.2020

Japan: Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze

China: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe; Caixin PMI Produktion

EUR: Verbraucherpreisindex

USA: Präsidentschaftsdebatte; ADP Beschäftigungsänderung; BIP-Daten; Persönliche Konsumausgaben, Chicago Einkaufsmanagerindex

01.10.2020

Japan: Tankan Herstellungsindex für große Unternehmen; Tankan Große Produktionsprognose; Tankan Großindustrie CAPEX gesamt

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung,

Markit PMI Produktion, Markit PMI Herstellung; ISM verarbeitendes Gewerbe;

02.10.2020

USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen; Werkaufträge; Beschäftigungsänderung außerhalb der Landwirtschaft; U6 Unterbeschäftigungsquote; Erwerbsbeteiligungsquote; Durchschnittliche Stundenlöhne, Arbeitslosenquote; Durchschnittliche Wochenarbeitszeit

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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