PC - Weekly 2020 KW 43

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Schwierige Rahmenbedingungen: Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am Samstag mit 39,4  Millionen (Samstag vor einer Woche: ca. 37 Millionen Fälle) neue Rekordwerte. In den USA stieg die Anzahl der bisher Erkrankten von 7,7 auf 8,1 Millionen. Brasilien und Indien haben bereits 5,2 bzw. 7,4 Millionen Fälle und in Europa haben die Lockdowns begonnen. Nächtliche Ausgangssperre in Frankreich, Lockdowns in den Niederlanden und Belgien sowie Notstand in Spanien, während hierzulande die Gemeinde „Kuchl“ abgeriegelt ist und weitere Verschärfungsmaßnahmen geplant sind. Das hat bald erneute wirtschaftliche Auswirkungen. Der Taiwan-Konflikt zwischen USA und China brodelt weiter. Die USA lösten mit der Passage eines Kriegsschiffes durch die Straße von Taiwan in China Empörung aus. Auch der Hongkong-Konflikt setzt sich weiter fort: China warnte die USA davor, internationale Finanzinstitute vor dem Hintergrund der Niederschlagung der pro-demokratischen Proteste in Honkong mit Sanktionen zu belegen.  Hintergrund: Die USA hatten internationale Finanzinstitute davor gewarnt, mit Verantwortlichen für die Niederschlagung der Demokratiebewegung in Hong Kong Geschäfte zu machen. Politiker in den USA und Großbritannien haben die HSBC und Standard Chartered im Blickfeld. Indessen geht der Gasstreit im Mittelmeer weiter: Wieder war das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“ in Gewässern der Ägäis unterwegs, die Athen und Ankara gleichermaßen beanspruchen. Die Verhandlungen Griechenland-Türkei sind vorerst abgebrochen und der Ruf nach Sanktionen gegen die Türkei wird lauter. Die Kriegsgefahr in Europa steigt.

Aus für neues Corona-Hilfspaket erhöht die Gefahr einer erneuten Rezession in den USA: Nach wochenlangem Tauziehen zwischen Republikanern und Demokraten über ein weiteres Konjunkturpaket platzt US-Präsident Trump der Kragen. Nun gibt es kein schnelles Hilfspaket. Erst nach dem Wahlsieg plane Trump die Konjunktur anzukurbeln. Wie diese Wahlkampftaktik ankommt, wird sich im November zeigen.

Arbeitslosigkeit bleibt auf hohem Niveau: Bereits im September stieg die Anzahl der Langzeitarbeitslosen in den USA  um 781.000 auf 2,4 Millionen und die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen in der Woche endend mit 10. Oktober von revidiert 845.000 auf 898.000. Der 4-Wochen-Schnitt tendiert dabei leicht nach oben und liegt deutlich über dem Vorkrisen-Hoch bei 695.000 . Die Anzahl der versicherten Arbeitslosen lag bei 11.183.000, während der 4-Wochen-Schnitt um 682.250 auf 11.481.750 zurückging.

Umsatzplus im Einzelhandel: Die Einzelhandelsumsätze stiegen im September gegenüber dem Vormonat um 1,9%, während die von Reuters befragten Volkswirte lediglich mit einem Plus von 0,7% rechneten. Im September lag der Zuwachs bei 0,6%. Die Einzelhandelsumsätze liegen mittlerweile wieder über dem Niveau vom Februar, dem Monat bevor die Corona-Krise einsetzte. Insbesondere Autos, Möbel und Elektronik stehen im Fokus der Nachfrage.

Erste Gewinnveröffentlichungen des 3. Quartals vielversprechend: Per 16. Oktober haben 10% der S&P 500 Unternehmen die Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht. Davon veröffentlichten 86% Gewinne über den Analystenschätzungen verglichen mit 73% im 5-Jahres-Durchschnitt. Das Besondere dabei: Die aggregierten Gewinne der S&P 500 Unternehmen liegen laut FactSet um 21,7% über den Schätzungen der Analysten (vgl. mit 5-Jahresschnitt von +5,6%). Nimmt man aktuelle Veröffentlichungen in Kombination mit den Prognosen bei jenen Firmen, die noch keine Quartalsgewinne veröffentlichten, so kann nun im Jahresvergleich zum 3. Quartal 2019 nur noch mit einem Gewinnrückgang von 18,4% gerechnet werden (Vorwoche: Erwartung bei -20,4%). Hauptsächlich positive Gewinnüberraschungen im Finanzsektor sind dafür verantwortlich. Aber wie sieht es längerfristiger aus. 2021 sollten bei 8% Umsatzwachstum die Gewinne wieder um 24,6% wachsen. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV liegt mit 22,0 auf hohem Niveau, was den US-Aktienmärkt korrekturgefährdet macht. Der 10-Jahresschnitt liegt nur bei 15,5!

Aktien - Europa

        Schwache Industrieproduktionsdaten in der Eurozone: Die Erholung der Industrie des Eurorraums verlangsamt sich im August weiter. Nach einem Plus von revidiert 5,0% im Juli stieg sie im August gegenüber dem Vormonat nur noch um 0,7%, während Analysten im Schnitt mit einem Plus von 0,8% rechneten. Im Monatsvergleich die stärkste Erholung gab es in Portugal und Italien, während die Produktion in Irland, Estland und Luxemburg rückläufig war. Im Jahresvergleich schrumpfte die Industrieproduktion des Euroraums im August noch um 7,2%.

        Schwaches drittes Earningsquartal steht bevor: Die Prognosen für das dritte Quartal 2020 sind verhalten: Laut Refinitiv-Konsens sollten im dritten Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 12,1% Umsatzrückgang um 36,7% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -8,1 bzw. -30,9%. Gegenüber dem 15. September haben sich allerdings die Erwartungen verbessert. Damals gingen Analysten sogar von einem Gewinneinbruch im Ausmaß von 40% aus. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um 36% im STOXX 600 und -40,3% in der Eurozone. Einziger Wachstumssektor im Euroraum sind die Versorger, deren Gewinne um 8,5% wachsen könnten, während die Gewinne im zyklischen Konsumgüterbereich um 75,2% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für positive Gewinnüberraschungen sein.

Aktien - Schwellenländer / Asien

       Chinas Außenhandel noch relativ stabil: Chinas Exporte stiegen im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,9% und die Importe sogar um 13,2%. Der Einbruch durch die Corona-Krise ist bereits weitgehend kompensiert und in den ersten neun Monaten 2020 liegt der Exportrückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur noch 1,8% im Minus. In Yuan gerechnet wäre bereits ein Plus von 0,7% erzielt worden. Diese Entwicklung beflügelte auch den Automarkt, dessen Absatz bereits den dritten Monat in Folge steigt. Im September lag er mit 1,94 Mio. PKW, SUVs und kleineren Mehrzweckfahrzeugen um 7,4% über dem Niveau des Vorjahrsmonats. Nicht umsonst rechnen diverse Wirtschaftsforscher bereits im heurigen Jahr für China mit einem positiven BIP-Wachstum.

Anleihen

        Trump schiebt ein erhofftes Konjunkturprogramm weiter in die Zukunft und macht es von seiner ohnehin unsicheren eher unwahrscheinlichen Wiederwahl abhängig. Indessen verlieren nach wie vor überdurchschnittlich viele US-Einwohner ihre Arbeitsplätze und Fed-Präsident, Jerome Powell, äußert sich zunehmend besorgter bezüglich der weiteren Wirtschaftsentwicklung. Gleichzeitig sind die Inflationsraten zu niedrig: Jeweils 1,3 bzw. 1,4% im August und September 2020, während das Preisziel der Fed bei (nun) durchschnittlich über längere Zeiträume 2% liegt. Im Euroraum liegen die Inflationsraten zuletzt mit je -0,2 bzw. -0,3% im negativen Terrain, wo sie laut EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, über die kommenden Monate bis ins frühe Jahr 2021 auch bleiben werden.  Lagarde sieht die weitere Wirtschaftsentwicklung im Euroraum mit Unsicherheiten behaftet. Die einzelnen Anleihenkaufprogramme werden weiter fortgesetzt. In den USA wachsen sogar die Hoffnungen dass nach Trumps Absage an ein schnelles Konjunkturpaket nun die Fed mit neuen Maßnahmen einspringen wird. Doch wie reagieren die Bondmärkte auf diese Entwicklungen? Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries gingen um 2 Basispunkte marginal auf 0,75% zurück. Stärker war der Rückgang bei laufzeitkongruenten deutschen Bundesanleihen von -0,53 auf -0,62%, während die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen von binnen eines Monats um 21 BP auf 0,65% zurückgingen. Selbst spanische Papiere haben nur noch 0,12% Rendite! EM-Bonds entwickelten sich indessen weiterhin positiv.

       HY-Corporate Bonds mit rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind im Einklang mit sinkender Risikofreude der Anleger und zunehmenden Konjunktur-Ängsten von 5,14 auf 5,64 Prozentpunkte (24.9.) gestiegen, ehe in den vergangenen drei Wochen wieder eine Gegenbewegung auf 5,01Prozentpunkte (15.10.) einsetzte. Offensichtlich steigt mangels Alternativen ab einem gewissen Renditelevel wieder die Investmentbereitschaft der Anleger.

Edelmetalle und Rohstoffe

Gold und Silber konsolidieren: Nachdem die EZB offensichtliches Interesse an einem festeren US-Dollar hat und die Auswirkungen einer zweiten Corona-Lockdown-Welle auf den Goldpreis ungewiss bleiben, folgte zuletzt wieder eine weitere Fortsetzung der Konsolidierung der Edelmetallpreise. Indessen setzten im Einklang mit der stärkeren Importnachfrage Chinas und Angebotseinschränkungen infolge der Corona-Krise die Preisanstiege bei den Industriemetallen Nickel und Aluminium weiter fort. Insbesondere Nickel sollte vom Trend zur E-Mobilität profitieren. Ebenfalls im Aufwind ist der Weizenpreis infolge einer extremen Trockenheit bei der Aussaat von Winterweizen in Russland und der Ukraine und den boomenden russischen Getreideexporten.

Währungen

        Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro in der vergangenen Woche um einen Prozent aufgewertet, nachdem die EZB in Europa in den kommenden Monaten mit negativen Inflationsraten im Euroraum rechnet. In Japan könnte die extrem expansive Geldpolitik leicht adaptiert werden. Zumindest besteht die Möglichkeit. Somit ist eine Yen-Aufwertung nach dem Rücktritt von Premier Shinzo Abe nichts Außergewöhnliches. Spannend wird es beim Britischen Pfund: Kommt es zum Brexit Chaos, droht massive Abwertung, hingegen ein geordneter Brexit könnte starke Aufwertungsimpulse zum Euro verleihen. Eine schleichende Aufwertung ist indessen beim Schweizer Franken zu beobachten.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

19.10.2020

Japan: Handelsbilanz

China: BIP, Einzelhandelsumsätze, NBS Pressekonferenz, Industrieproduktion

EUR: Rede der EZB Präsidentin Lagarde

USA: Fed Powell Rede

20.10.2020

China: Zinssatzentscheidung der Notenbank

USA: Baubeginne, Baugenehmigungen, API wöchentlicher Rohöllagerbestand

21.10.2020

UK: Inflation

EUR: Rede EZB-Präsidentin Lagarde;

22.10.2020

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly Fed

EUR: Verbrauchervertrauen

23.10.2020

Japan: Inflationsdaten

EUR: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe, Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen, Markit PMI Dienstleistungen

USA: Präsidentschaftsdebatte; Markit PMI Herstellung; Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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