PC - Weekly 2020 KW 46

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Joe Biden ist Präsident und die Nachbeben bleiben abzuwarten: Nachdem Biden die Wahl in den umkämpften Staaten Pennsylvania, Arizona, Nevada und Georgia mit teils minimalem Vorsprung gewann, wurde er von den Medien als Wahlsieger ausgerufen. Rein statistisch betrachtet ist selbst bei Neuauszählung der Stimmen eine Wende zugunsten Trumps nicht mehr möglich. Auch die meisten Anfechtungsklagen wurden zurückgewiesen und auf den ersten Blick gibt es kaum Anhaltspunkte für Wahlbetrug. Doch immer mehr Insider oder sogenannte „Insider“ beharren darauf, dass hier etwas nicht stimmt. Nehmen wir an, es verhärtet sich ein Verdacht und es stellt sich im Nachhinein noch eine Pattsituation heraus, dann müssen im Dezember die Wahlmänner den Präsidenten bestimmen. Bleibt die Pattsituation aufrecht, dann muss bis 20. Jänner der neue Präsident vom Repräsentantenhaus abgestimmt nach Bundesstaaten. Hier ist aber eine knappe Mehrheit republikanisch. Ebenso blieb im Senat die republikanische Mehrheit, die Joe Biden zu Kompromissen zwingen wird, worin er aber ohnehin langjährige Erfahrung hat. Ein weiterer Faktor bleiben mögliche Unruhen, ausgehend von radikalen Trump-Fans, Gegendemonstranten und bewaffneter Bürgermilizen. Ansonsten ist die Wirtschaftspolitik von Joe Biden bereits vorgezeichnet: Ein möglicherweise bundesweiter Lockdown nach Amtsantritt zur Eindämmung von Covid-19 würde zwar eine tiefe Rezession im ersten Quartal 2021 bedeuten, gleichzeitig gäbe es auch massive Finanzhilfen für Unternehmen und Familien. Biden wäre allerdings positiv für die Handelspolitik. Er würde sie Sonderzölle gegen Waren aus China und jene gegen Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU im Zuge einer wechselseitigen Zollsenkung wieder rückgängig machen. Der globale Handel würde wieder florieren und die Beziehungen der USA zu China und der EU würden sich wieder verbessern. Gewinner wären exportorientierte Firmen aus den USA, China und vor allem der EU (insbesondere Deutschland). Ein weiterer Aspekt ist der Wiederbeitritt zum Pariser Klimaabkommen und eine radikalere Umweltpolitik, die vor allem Fracking-Projekte in den USA weitgehend einschränken würden. Die Ölproduktion in den USA dürfte sich unter Biden in den USA rückläufig entwickeln und sollte eines Tages im Zuge eines Nuklearabkommens der Iran als Lieferant wieder zurück an den internationalen Ölmarkt kehren, dann erhöhe dies mit aktuell zwei Millionen Barrel pro Tag an Zusatzangebot den Preisdruck. Die US-Ölindustrie ist somit ein klarer „Biden-Verlierer“. Auf der anderen Seite werde Biden Umwelttechnologien, erneuerbare Energien und die Umstellung der Autoindustrie auf klimaneutrale Fahrzeuge forcieren.

        Aktivitäten in US-Industrie beschleunigen sich: Der vom Institute for Supply Management (ISIM) berechnete Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes erhöhte sich von September auf Oktober von 55,4 auf 59,3 Punkte, während Volkwirte lediglich 56 Punkte erwarteten. Die Auftragseingänge wuchsen den fünften Monat in Folge und stiegen um 7,7 Prozentpunkte auf 67,9 Prozent und somit auf den höchsten Stand seit Jänner 2004. Mit Ausnahme Juni 2020 verzeichnete der Subindex den stärksten Anstieg seit März 2009. Die wichtigsten Industriesektoren waren auf Expansionskurs und auch die Produktion zeigte nach oben.

       Weitere Lichtblicke am Arbeitsmarkt:  Im Oktober wurden außerhalb der Landwirtschaft 638.000 Stellen geschaffen und die Arbeitslosenquote ging um einen Prozentpunkt auf 6,9% zurück. Die Zahl der Arbeitslosen war um 1,5 auf 11,1 Millionen rückläufig. Im Vergleich dazu gab es im Februar erst 5,8 Millionen Arbeitslose. Vor allem die Zahlen der Langzeitarbeitslosen (über 27 Wochen) sind im Steigen, alleine von September auf Oktober um 1,2 auf 3,6 Millionen. Positiv ist allerdings zu werten, dass wieder immer mehr Mitarbeiter in ihre alten Stellen des Dienstleistungssektors zurückkehren.

        Erste Gewinnveröffentlichungen des 3. Quartals vielversprechend: Per 6. November haben 89% der S&P 500 Unternehmen die Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht. Davon veröffentlichten 86% Gewinne über den Analystenschätzungen verglichen mit 73% im 5-Jahres-Durchschnitt. Final wäre das ein Rekordwert. Das Besondere dabei: Die aggregierten Gewinne der S&P 500 Unternehmen liegen laut FactSet um 19,5% über den Schätzungen der Analysten (vgl. mit 5-Jahresschnitt von +5,6%). Nimmt man aktuelle Veröffentlichungen in Kombination mit den Prognosen bei jenen Firmen, die noch keine Quartalsgewinne veröffentlichten, so kann nun im Jahresvergleich zum 3. Quartal 2019 nur noch mit einem Gewinnrückgang von 7,5% gerechnet werden (Vorwoche: Erwartung bei minus 9,9%). Insbesondere positive Gewinnüberraschungen in der Gesundheitsbranche und dem Konsumgüterbereich sind dafür verantwortlich. Aber wie sieht es längerfristiger aus? 2021 sollten bei 7,9% Umsatzwachstum die Gewinne wieder um 22,4% wachsen. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 21,6 auf hohem Niveau, was den US-Aktienmärkt korrekturgefährdet macht. Der 10-Jahresschnitt liegt nur bei 15,5!

Aktien - Europa

        Einzelhandel des Euroraums verliert an Erholungsdynamik und Privatwirtschaft zeigt Schwäche: Vom August auf September hat sich der Zuwachs des Absatzvolumens des Einzelhandels in der Eurorzone von 4,4 auf 2,2% reduziert. Der ohnehin schrumpfende Bereich Textilien, Bekleidung und Schuhe verzeichnete einen Einbruch um 13,6%, während der Online-Handel im September ohnehin um 17,4% wuchs. Gleichzeitig stagniert, gemessen am IHS Markit Composite Index Eurozone die Privatwirtschaft. Der Finale Eurozone Composite Index ging von 50,4 Punkte im September auf Oktober auf die Kontraktionsgrenze von 50 Punkte zurück. Infolge der zahlreichen Lockdowns schwächer tendiert die Dienstleistungswirtschaft.

        Schwaches drittes Earningsquartal: 168 Unternehmen des STOXX 600 veröffentlichten ihre Daten für das 3. Quartal. Davon veröffentlichten 71,4% Gewinne über den Analystenschätzungen. Im Vergleich dazu liegt die Quote in einem normalen Quartal nur bei 50%. Mittlerweile sind auch Analysten wieder optimistischer: Laut Refinitiv-Konsens sollten im dritten Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 11,1% Umsatzrückgang um 26,6% (vor zwei Wochen noch -36,7% erwartet) einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je       -6,2 bzw. -19,5%. Gegenüber dem 15. September haben sich die Erwartungen erheblich verbessert. Damals gingen Analysten sogar von einem Gewinneinbruch im Ausmaß von 40% aus. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um 34,7% im STOXX 600. Einziger Wachstumssektor sind die Versorger, deren Gewinne um 5,8% wachsen könnten, während die Gewinne im Energiesektor um 82,9% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für positive Gewinnüberraschungen sein.

Aktien - Schwellenländer / Asien

       Chinas Exporte im Aufwind: Die chinesische Wirtschaft ist bereits auf den Wachstumskurs zurückgekehrt. Im Oktober stiegen Chinas Ausfuhren um 11,4% im Vergleich zum Vorjahr, was der stärkste Zuwachs seit 19 Monaten ist. Mit 4,7% etwas verhaltener war das Wachstum der Importe. Durch den Exportanstieg verbesserte sich der Handelsbilanzüberschuss von September auf Oktober von 37 auf 58,44 Milliarden Dollar. Die Einzelumsätze Chinas wachsen und für das Gesamtjahr 2020 rechnet der IWV für China mit einem BIP-Wachstum um 1,9%.

Anleihen

        Keine großen Verwerfungen brachten Wahlen und Fed-Entscheidung. Die Fed beließ alles beim Alten, machte sich aber zunehmend zum die US-Konjunktur Sorgen. Die US-Politik konnte sich nämlich vor der Wahl auf kein Konjunkturprogramm einigen, das im Falle des von Biden angekündigten Lockdowns der US-Wirtschaft von essentieller Bedeutung wäre, zumal zuletzt 21,5 Millionen US-Einwohner eine Form von Arbeitslosenhilfe bezogen. In Europa waren indessen die notleidenden Kredite der Banken ein Thema für Entscheidungsträger der EZB. Angesichts der erwarteten Kreditausfälle in Folge der Corona-Krise schlägt EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria vor, mithilfe staatlicher Unterstützung in Europa den Abbau fauler Kredite in den Bankbilanzen voranzutreiben. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass die Institute ihre Wackeldarlehen nur zu Schleuderpreisen an spezialisierte Investoren verkaufen. Darüber hinaus beobachtet die EZB derzeit die konjunkturelle Lage besonders genau. Sollte sie sich eintrüben, setzt es neue Maßnahmen, zumal auch die Inflationsraten zu niedrig sind. Betrachtet man den Zeitraum von einem Monat so waren die Renditen 10jähriger deutscher Bundesanleihen um 10 Basispunkte auf -0,62% rückläufig, im gleichen Ausmaß auf      -0,36% waren es auch die Renditen französischer Staatsanleihen. Hingegen in den USA folgte aufgrund einer stärkeren Wirtschaftsdynamik wieder ein marginaler Anstieg der Renditen laufzeitkongruenter Treasuries um 3 Basispunkte auf 0,82%, während die Investments risikofreudiger Anleger in Brasilien und Mexiko im 10jahres-Bereich zu Renditerückgängen um jeweils 47 bzw. 12 Basispunkten führten.

       HY-Corporate Bonds mit rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind im Einklang mit sinkender Risikofreude der Anleger und zunehmenden Konjunktur-Ängsten von 5,14 auf 5,64 Prozentpunkte (24.9.) gestiegen, ehe in den vergangenen sechs Wochen wieder eine Gegenbewegung auf 4,59 Prozentpunkte (05.11.) einsetzte. Offensichtlich steigt mangels Alternativen ab einem gewissen Renditelevel wieder die Investmentbereitschaft der Anleger.

Edelmetalle und Rohstoffe

       Gold und Silber im Aufwind: Im Einklang mi einer Abschwächung des US-Dollar zeigten Edelmetalle wieder Stärke. Charttechnisch klar nach oben ausgebrochen ist Silber. Mit dem zu erwarteten Lockdown unter Biden (USA) und den weltweit explosionsartig steigenden Corona-Fällen werden Gold und Silber wieder ihrer Funktion als Krisenmetalle gerecht. Zusätzliche Impulse könnten von einem neuen Programm der Fed und/oder EZB ausgehen. Auch eine weitere Dollarabschwächung könnte beflügeln (alter Mechanismus: schwacher Dollar – starker Goldpreis).

Währungen

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

09.11.2020

Japan: Führender Wirtschaftsindex

10.11.2020

EUR: ZEW Umfrage – Konjunkturerwartungen

China: Inflationsdaten

USA: 10-Jahres-Note-Auktion

11.11.2020

Japan: Werkzeugmaschinenbestellungen

USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand

12.11.2020

UK: BIP

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Inflationsrate,

EUR: Industrieproduktion; Wirtschaftsbulletin;

13.11.2020

EUR: BIP

USA: Erzeugerpreisindex; Reuters/ Uni Michigan Verbrauchervertrauen; FOMC Mitglied John C. Williams spricht

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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