PC - Weekly 2020 KW 47

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Offizieller Wahlverlierer Donald Trump gibt nicht auf, die Lage droht zu eskalieren: Joe Biden hat seinen Vorsprung ausgebaut und 306 Wahlleute gewonnen. Für einen Sieg wären 270 erforderlich. Das Wahlergebnis von 2016 hat sich also vollständig zu Gunsten eines Demokraten umgekehrt: 2016 sprach Trump von einem Erdrutschsieg über Hillary Clinton als er damals auf 306 Wahlleute kam und Clinton nur auf 232 so wie Trump heute. Allerdings kam Trump damals auf weniger Wählerstimmen als Clinton, denn in der Regel bekommt der Sieger eines Bundesstaates dort alle Wahlleute. Heute liegt Trump bei 232 Wahlleuten und Biden hat mit 78 Millionen Stimmen mehr als fünf Millionen Stimmen Vorsprung. Allerdings hat Trump im Vergleich vor vier Jahren mit 72,7 Millionen Stimmen insgesamt gut 9,7 Millionen Wähler gewonnen. Das ist mehr als nur eine „Protestwahl“, zumal vier Jahre Präsidentschaft vorangingen und diese Wähler mit ihm sichtlich zufrieden sind. Friede zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Tauwetter mit Nordkorea und auch folgende Wirtschaftsbilanz stellen ihm trotz aller „Starallüren“ für die Jahre 2017 bis 2019 ein gutes Zeugnis der Präsidentschaft aus: In diesem Zeitraum ging die Arbeitslosenquote von 4,7% auf 3,5% und somit den niedrigsten Stand seit Dezember 1969 zurück. Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten stieg von 2016 bis 2019 von 123,76 auf 130,6 Millionen. Die US-Wirtschaft wuchs von 2017 bis 2019 im Schnitt um 2,6% und auch an den Aktienmärkten ging es aufwärts. Aus diesem Grund verfügt Trump über eine breite Basis radikaler Anhänger, für die er trotz verlorener Wahl noch immer der Präsident ist, da sie seinen Aussagen über Wahlmanipulation Glauben schenken. Auf der anderen Seite verliert Trump ein Wahlanfechtungsverfahren nach dem anderen und mittlerweile springen bereits die ersten Anwaltskanzleien ab. Doch die Gräben zwischen Demokraten und Republikanern sind weiter offen denn je. In der Nacht auf den 15. November gab es in Washington erneut Unruhen nachdem eine Demonstration außer Kontrolle geriet und laut wissenschaftlichen Studien kann es noch viel schlimmer kommen: Peter Turchin, Anthropologe an der Universität von Connecticut entwickelte aufbauend auf die Arbeiten Goldstones, die besagen, dass auf Zeiten von Bevölkerungswachstum und der Verstädterung häufig Revolutionen folgen, eine statistische Methode namens „politischer Stressindikator“ (PSI). Dieser kombiniert Messgrößen wie Lohnstagnation, Staatsverschuldung, den Wettbewerb unter Eliten, Misstrauen gegenüber der Regierung mit Verstädterung und Altersstruktur der Bevölkerung. Daran orientiert warnte Turchin schon vor zehn Jahren und sagte für 2020 einen Höhepunkt politischer Instabilität voraus. Eine enorme Kluft zwischen Arm und Reich, bewaffnete Bürgermilizen und eine Kluft zwischen Links und Rechts in der Politik sind ein Pulverfass und diese Wahl könnte der zündende Funke sein.

Hoffnung auf Corona-Impfstoff gab Kursimpulse: Zwischenzeitlich um 4,8% stieg vergangenen Montag der S&P 500 Index an ehe danach wieder eine Seitwärtsbewegung folgte. Eine regelrechte Euphorie mit Kursanstiegen zwischen 30 und über 40% setzte bei einer Reihe von Corona Verlieren wie dem österreichischen Airline-Catering-Service Do&Co, dem Reisegiganten TUI und diversen Betreibern von Einkaufszentren ein. Der Hintergrund: Die finalen Phase II/III-Studiendaten eines von Biontech und Pfizer entwickelten Corona-Impfstoffes zeigten bei einer breiten Basis von über 43.500 Probanden, darunter auch chronisch Kranke, ein „Rekord-Effektivität“ von 90%. Da es sich um die finale Studienphase handelte, löste dies Euphorie aus. Nach zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen sollte der vollständige Impfschutz erreicht sein. Noch in diesem Monat ist der Antrag auf Notfallsgenehmigung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA geplant. Im kommenden Jahr sollen bereits weltweit 1,3 Milliarden Dosen bereitgestellt werden. Die EU orderte bereits bis zu 300 Millionen Dosen. Die Reaktion der Aktienkurse von Pfizer und Biontech:  Pfizer schnellte kurzfristig um 11% empor, verringerte aber sein Wochenplus wieder auf 6,8%. Ebenfalls einen wesentlichen Teil der Gewinne büßte auch die deutsche Biontech ein, die in Frankfurt nach ein Wochenplus von 15,7% verzeichnete. Auf er anderen Seite brachen kurzfristig die Kurse von Corona-Profiteuren, insbesondere aus dem IT-Bereich und dem Online-Handel (Amazon u. Zalando) ein, ehe im Laufe der Woche wieder eine Erholung einsetzte.

Explodierende Corona-Zahlen und Lockdowns: Die positive Impfstoffnachricht wird überlagert von einem rasanten globalen Anstieg der Corona-Zahlen, zunehmenden Lockdowns und dem Risiko, dass Präsident Elected, Joe Biden nach seiner Amtseinführung am 20. Jänner einen Lockdown der USA vornimmt, der dann über einen Einbruch der Rohstoffpreise zu einer tiefen Krise der Schwellenländer führen kann. Fakt ist, dass sich weltweit mittlerweile mehr als 54 Millionen Menschen mit Corona infizierten, davon knapp 11 Millionen in den USA, 8,8 Millionen in Indien und 5,8 Millionen in Brasilien.

Weitere Lichtblicke am Arbeitsmarkt:  Zwar beziehen noch immer 21 Millionen Amerikaner Arbeitslosenunterstützung, doch die Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung gehen kontinuierlich zurück – in der vergangenen Woche von 757.000 auf 709.000 im Wochenvergleich (Experten gingen von 740.000 aus). Das ist zwar der vierte wöchentliche Rückgang in Folge, doch der Wert bleibt noch immer über den Prä-Corona-Hoch von 695.000 im Jahr 1982.

Erfreuliche Earning Season im 3. Quartal: Jetzt ist es wieder an der Zeit für eine Quartalsbilanz der Gewinnreporte der S&P 500 Unternehmen, denn per 13. November haben 92% der S&P 500 Unternehmen die Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht. Davon veröffentlichten 84% Gewinne über den Analystenschätzungen verglichen mit 73% im 5-Jahres-Durchschnitt. Das Besondere dabei: Die aggregierten Gewinne der S&P 500 Unternehmen liegen laut FactSet um 19,4% über den Schätzungen der Analysten (vgl. mit 5-Jahresschnitt von +5,6%). Nimmt man aktuelle Veröffentlichungen in Kombination mit den Prognosen bei jenen Firmen, die noch keine Quartalsgewinne veröffentlichten, so kann nun im Jahresvergleich zum 3. Quartal 2019 nur noch mit einem Gewinnrückgang von 7,1% gerechnet werden (Erwartung vor 14 Tagen: minus 9,9%). Insbesondere positive Gewinnüberraschungen im Konsumgüterbereich und dem Gesundheitssektor sind dafür verantwortlich. Aber wie sieht es längerfristiger aus? 2021 sollten bei 7,8% Umsatzwachstum die Gewinne wieder um 22,1% wachsen. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 21,6 auf hohem Niveau, was den US-Aktienmärkt korrekturgefährdet macht. Der 10-Jahresschnitt liegt nur bei 15,6!

Aktien - Europa

Weitere Kontraktion: In der EU ist das BIP im zweiten und dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um jeweils 13,9 bzw. 3,9% gesunken, während im Euroraum die Rückgänge bei jeweils  -14,8 bzw. -4,3% lagen – so die vorläufige Schnellschätzung für das dritte Quartal 2020.  Mit -8,7% im dritten Quartal besonders getroffen hat es Spanien, während beispielsweise in Litauen der Rückgang mit 1,7% eher glimpflich verlief. Im September schrumpfte die Industrieproduktion des Euroraums gegenüber dem Vorjahresmonat um erneut 6,8% nach je minus 6,8 bzw. 6,7% im Juli und August. Mit minus 13,3 Prozent besonders stark schrumpfte der Investitionsgüterbereich – ein sehr negatives Konjunktursignal.

Autozulieferer Continental überrascht mit positiven Geschäftszahlen, Aktienkurs mit 14,5% Wochenplus: Zwar belasten Wertminderungen und Restrukturierungsaufwendungen die reinen Bilanzzahlen, doch operativ greifen die eingeleiteten Kostensenkungsprogramme: Das um Sonderposten bereinigte EBIT konnte im dritten Quartal um 35,9% auf 831,6 Mio. EUR gesteigert werden, während der freie Cashflow von 275,6 auf 1750,7 Mio. EUR anstieg. Indessen verbesserte sich im Jahresverlauf die Gearing-Ratio von 39 auf 34,3%

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Wachstumsimpulse: Chinas Unternehmen sind so optimistisch wie seit einer Dekade nicht mehr. Der Caixin Einkaufsmanagerindex (PMI) für das produzierende Gewerbe stieg um Oktober von 53 auf 53,6 Punkte und somit den höchsten Stand seit Jänner 2011. Gleichzeitig stiegen Chinas Exporte im Oktober um 11,4% im Vergleich zum Vorjahr, was der stärkste Zuwachs seit 19 Monaten ist. Mit 4,7% etwas verhaltener war das Wachstum der Importe. Durch den Exportanstieg verbesserte sich der Handelsbilanzüberschuss von September auf Oktober von 37 auf 58,44 Milliarden Dollar. Die Einzelumsätze Chinas wachsen im September um 3,3% nachdem sie zwischen Jänner und Juli schrumpften. Darüber hinaus könnte unter einem US-Präsidenten Biden wieder eine Rückkehr zum freieren Handel mit den USA erfolgen. Die Wachstumsperspektiven für 2021 sind somit durchaus erfreulich.

Anleihen

Die Nachricht über einen wirksamen Corona-Impfstoff ließ Konjunkturhoffnungen aufkeimen, was Anleger dazu veranlasste ihren Krisenmodus zu verlassen. Dazu gehörte der massive Abverkauf sicherer Staatsanleihen aus Ländern im A-Rating-Spektrum. In der Folge schnellten die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen von minus 0,64 auf minus 0,49% empor und zehnjährige US-Treasuries warfen auf die Nachricht eine Rendite von bis zu 0,97% ab nach 0,82% am 6. November. Doch auf der anderen Seite stehen Fed und auch EZB bereit, zur Konjunkturbelebung neue Programme aufzulegen. Je länger die US-Regierung weitere Corona-Hilfe hinauszögert, desto eher könnte die Fed reagieren, um einer Pleitenwelle auf ihre Weise vorzubeugen. In diesem Spannungsfeld lief das Geschehen an den Bondmärkten ab. Die Folge: Die Renditen deutscher Bundesanleihen stiegen im Wochenverlauf per Saldo von -0,62 auf -0,55%. Gleichzeitig waren aber die Renditen in Italien, Spanien und Griechenland rückläufig, weil die Risikofreude der Anleger stieg. Das beflügelte auch die Kurse von Schwellenländer-Anleihen, deren Renditen sich rückläufig entwickelten. Die Renditen von zehnjährigen US-Treasuries stiegen indessen im Wochenverlauf von 0,82 auf 0,90%.

HY-Corporate Bonds mit rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.9.) auf 4,62 Prozentpunkte (12.11.) gesunken. Doch ob sich diese Entwicklung weiter fortsetzt ist fraglich. Vor allem die Wirkung eines gesamten Lockdowns der USA – unter Biden durchaus denkbar – ist nicht zu unterschätzen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Corona-Impfhoffnung wirbelt Rohstoffmärkte durcheinander: Anfänglich starke Impulse bekamen in Hoffnung auf eine Normalisierung des globalen Reiseverkehrs die Ölpreise. Gleichzeitig waren diverse Industriemetalle im Anstieg, während Gold und Silber als Krisenmetall massiv abgestossen wurden und unter Druck gerieten. Dies vereitelte auch einen nachhaltigen charttechnischen Silberpreis-Ausbruch. Doch auf niedrigerem Niveau zeigten sich sowohl bei Silber als auch Gold wieder Stabilisierungstendenzen.

Währungen

Die Bewegungen des Euro zu wichtigen Währungen hielten sich in der vergangenen Woche in Grenzen. Allerdings wertete der Euro zum Schweizer Franken um gut ein Prozent auf, was auf die Impfstoff-Euphorie zurückzuführen ist, in der ein Franken als Krisenwährung nun abgestoßen wird. Fester zum Euro tendierte das britische Pfund. Hintergrund: Es mehren sich Medienberichte darüber, dass der britische Regierungsberater Dominic Cummings, ein Verfechter des harten Brexits, noch heuer sein Amt niederlegen wird. Sollte das stimmen steigen die Chancen auf einen geregelten EU-Austritt Großbritanniens

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

16.11.2020

Japan: BIP, Industrieproduktion
China: Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze

17.11.2020

USA: Einzelhandelsumsätze, Controlling des Einzelhandels, Industrieproduktion

18.11.2020

Japan: Handelsbilanz
EUR: Inflationsdaten
USA: Baugenehmigungen, Baubeginne

19.11.2020

EUR: EU-Gipfel
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly-Fed-Herstellungsindex, Verkäufe bestehender Häuser

20.11.2020

Japan: Inflationsdaten
EUR: G20-Treffen, Verbrauchervertrauen
China: Leitzinsentscheidung der Notenbank

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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