PC - Weekly 2021 KW 1

Aktien – USA

Rahmenbedingungen und Gesamtausblick: Kurz vor Weihnachten einigten sich nach monatelangem Tauziehen im Kongress Republikaner und Demokraten auf ein 900 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket. Es enthält u.a. weitere Finanzhilfen für KMUs und eine zeitlich begrenzte Aufstockung der Arbeitslosenunterstützung um 300 Euro wöchentlich. Hinzukommt unterhalb einer jährlichen Einkommensgrenze „Helikoptergeld“ von 600 USD pro Kopf. Darüber hinaus winken Gelder für Schulen und Impfstoffel. Bereits im Frühjahr beschloss der Kongress Konjunkturpakete in Höhe von 2,7 Billionen Dollar bzw. 10% der Wirtschaftsleistung.  Ebenfalls mitverabschiedet wurde ein 1,4 Billionen Dollar umfassender Haushalt der Bundesregierung. Hingegen von der Fed kamen am 16. Dezember keinerlei konkrete Impulse. Es blieb alles beim Alten, während wenige Tage zuvor die EZB weitere Maßnahmen ergriff. Um bei dem zu erwarteten Anstieg der Staatsverschuldung einen größeren Renditeanstieg bei Staatsanleihen zu vermeiden, sind im laufenden Jahr enorme Eingriffe und Anleihenkäufe der Fed erforderlich. Kommt es hingegen im Zuge einer festeren Konjunktur im Verlauf des Jahres 2021 zu einer Tapering-Debatte, droht ein regelrechter Zinsschock, der u.a. Auswirkungen auf die Schwellenländer haben könnte. In einem Szenario steigender Dollarzinsen würde vor allem aus Lateinamerika zusätzlich Geld in Dollarveranlagungen abfließen, aber auch Dividendentitel unter Druck setzen. Somit sind zu starke Wirtschaftsdaten kontraproduktiv. In diesem Zusammenhang große Aufmerksamkeit schenken Anleger den monatlichen Arbeitsmarktberichten des US-Arbeitsministeriums, den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung sowie diversen Einkaufsmanager-Indizes. Doch auch ein adverses Konjunkturszenario infolge weiterer Lockdowns ist kritisch. Joe Biden hat sich als neuer Präsident dem Kampf gegen Corona verschrieben. Nebenwirkung: Weitere Lockdowns kosten Wirtschaftswachstum und steigern die Arbeitslosenzahlen. Somit wird das gesamte Jahr 2021 ein wirtschaftlicher Balance-Akt gefordert bei dem im Szenario eines moderaten Aufschwungs das Optimum für Aktien, Wandelanleihen, EM-Bonds und Edelmetalle liegt. Hingegen optimal für High Yield Bonds und Industrierohstoffe wäre ein stärkerer Aufschwung, während Staatsanleihen entwickelter Länder Profiteure einer erneuten tiefen Rezession wären (insbesondere im Falle negativer Leitzinsen in den USA und Europa).                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

US-Arbeitsmarkt zeigt zum Jahresausklang überraschend Stärke: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung gingen in der am 26. Dezember endenden Wochen von 806.000 auf 787.000 zurück. Das war der zweite Rückgang in Folge und entspricht in etwa dem Level vor drei Monaten. Allerdings bekamen Mitte Dezember 19,5 Millionen Einwohner in irgendeiner Form Arbeitslosenunterstützung. Allerdings war in der Woche endend mit 19. Dezember die Anzahl der regulären AL-Unterstützungsbezieher von 5,322 auf 5,219 Millionen und somit den niedrigsten Stand seit März gesunken. Auf diese Nachricht geriet bereits der derzeit sensible Goldpreis vorübergehend unter Druck zumal Goldanleger bereits jetzt die Möglichkeit steigender US-Staatsanleihen Renditen mitberücksichtigen

Die Corona-Neuinfektionen erreichten in den USA am 2. Jänner einen neuen Rekord von über 291.000. Insgesamt traten bereits 20.46 Millionen Fälle auf und trotz Impfstoff-Euphorie (zweiter Impfstoff zugelassen) sind längere Lockdowns unter der Präsidentschaft Bidens nicht ausgeschlossen.

Optimistischer Ausblick 4. Quartal 2020 und Jahr 2021: Das dritte Quartal fiel wesentlich besser aus als ursprünglich erwartet und nun verbesserten sich auch die Aussichten für das vierte Quartal 2020: Laut Analystenerwartungen (Quelle FactSet) sollten im vierten Quartal die Gewinne der S&P 500 Unternehmen nur noch um 9,7% schrumpfen. Ende September gingen sie noch von einem Minus von 12,7% aus. Seit drittem Quartal 2009 ist das aber noch immer der drittstärkste Rückgang auf Jahresbasis. Die Quote an Unternehmen, die für das vierte Quartal 2020 einen positiven Ausblick veröffentlichte, lag bei 67% (56 von 84) und übertraf den 5-Jahres-Schnitt von 33% bei Weitem. Dabei
sollten die Sektoren Gesundheit, Grundstoffe, die vier wachsenden Bereiche anführen, während sieben Sektoren noch eine rückläufige Entwicklung verzeichnen sollten, darunter Energy, Industrials und Konsumgüter. Im Jahr 2021 sollten bei 7,9% Umsatzwachstum die Unternehmensgewinne (S&P 500) um 22,1% wachsen. Dies relativiert wieder ein Forward-KGV von 22,1 (bei starkem Wachstum u. niedrigen Zinsen nicht überteuert).

Aktien - Europa

Über Wochen schwebte vor allem im Zuge der Brexit-Verhandlungen der Fischereistreit wie ein Damoklesschwert über Europa ehe am 24. Dezember Großbritannien und die EU im letzten Moment noch eine Einigung erzielten, die nun von den einzelnen Parlamenten ratifiziert wird. Bereits die Flugsperren im Zuge einer neuen Corona-Mutation in Großbritannien gaben einen Vorgeschmack, was ein harter Brexit (no-deal) anrichten könnte. Der Brexit-Deal entspannte die Märkte zum Jahresausklang, die Corona-Mutation bleibt eine Herausforderung

Drittes Quartal nicht so schlecht wie ursprünglich erwartet: Noch im Oktober rechneten Analysten im STOXX 600 für das dritte Quartal mit einem Gewinneinbruch um gut 35%. Doch es kommt besser. Laut Refinitiv-Konsens sollten im dritten Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 11,6% Umsatzrückgang um 24,7% zurückgehen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -6,9% bzw. -17,6%. Allerdings zeigte sich in den vergangenen Wochen bei der Einschätzung erneut eine negative Tendenz bei Gewinnen und Umsätzen. 299 Unternehmen veröffentlichten ihre Gewinne für Q3: 64,5% sorgten dabei für eine positive Überraschung (normalerweise nur 50% positive Überraschungen). Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um 35,5% im STOXX 600 und -39,1% in der Eurozone. Einziger Wachstumssektor im Euroraum sind die Versorger, deren Gewinne um 8,3% wachsen könnten, während die Gewinne im Energiesektor um 71,2% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für positive Gewinnüberraschungen sein. Allerdings hängt viel von Coronazahlen, Impfstoffen und Lockdowns ab. Doch solange die Geldpolitik der EZB 2021 expansiv bleibt, herrscht ein den Aktienmarkt unterstützendes Umfeld.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China – Nachhaltigkeit des Aufschwungs fragwürdig: Chinas Stromnachfrage ist so stark, dass in den kalorischen Kraftwerken die Kohle knapp wird und wichtige Frühindikatoren deuten im vierten Quartal auf ein BIP-Wachstum von 5,5 bis zu über 6% hin verglichen mit 4,9% im dritten Quartal 2020. Der Einkaufsmanager-Index des Wirtschaftsmagazins „Caixin“ stieg im November 2020 auf ein Zehnjahres-Hoch und die Exporte überraschten mit einem Zuwachs von 21,1%. Doch zum Jahresausklang wurde es wieder „besinnlicher“, denn im Dezember sank der offizielle Einkaufsmanagerindex der Industrie von 52,1 auf 51,9 Punkte. In diesem Zusammenhang stellt sich die wohlberechtigte Frage: Wenn die USA und Europa unter weiteren Lockdowns schrumpfende BIPs erleiden, was geschieht dann mit der exportorientierten chinesischen Wirtschaft?

Anleihen

Die Rentenmärkte (bezogen auf Sovereigns) bewegen sich im Spannungsfeld zwischen erwartetem mittelfristigen Konjunkturaufschwung im Zuge einer verfügbaren Corona-Impfung und der kurzfristigen Erfordernis zur zusätzlichen Intervention, um einen Rückfall der Wirtschaft in eine erneute zwischenzeitliche Kontraktion zu verhindern. Zu starke Konjunkturdaten Schaden den Staatsanleihen Kursen – und zwar weltweit! Extrem schwache Daten und eine längere Rezession hingegen würden in Erwartung negativer Leitzinsen in den USA und Europa sogar noch Kursgewinne bedeuten, während ein moderater Aufschwung zumindest noch in der ersten Jahreshälfte 2021 von einer expansiven Geldpolitik der Notenbanken begleitet würde, doch kann in den USA jederzeit eine Tapering-Debatte einsetzen, wenn eine Reihe positiver Daten dazu Anlass gibt. Ist es soweit, würden die Dollarzinsen am langen Ende anziehen und zu einem Geldabfluss aus diversen Schwellenländern führen. Schwellenländeranleihen, insbesondere in Lokalwährung würden erneut unter Druck geraten. Das war zuletzt nicht der Fall. Im Gegenteil: Beispielsweise beschleunigte sich zum Jahresende hin nochmal der Aufwärtstrend, sodass der Bloomberg Barclays EM-USD Aggregate Total Return Index Value Unhedged eine Jahresperformance von 6,52% verzeichnete. Im Euroraum, wo die Inflationsrate derzeit auf -0,3% verharrt, sollte die Geldpolitik noch weiterhin expansiv bleiben, was sich am 10. Dezember zeigte als der EZB-Rat beschloss, den Umfang des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) um 500 Mrd. € auf insgesamt 1 850 Mrd. € zu erweitern. Außerdem verlängerte er den Zeithorizont für die Nettoankäufe im Rahmen des PEPP bis mindestens Ende März 2022. „Wir werden Nettoankäufe in jedem Fall durchführen, bis die Phase der Coronavirus-Krise unserer Einschätzung nach überstanden ist“, so der O-Ton. Die Tilgungsbeträge der im Rahmen des PEPP erworbenen Wertpapiere wird die EZB bei Fälligkeit wiederveranlagen und dies bis mindestens Ende 2023. Die Ausgangssituation für 2021 sind Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen von -0,58% (auf Jahressicht minus 29 BP) und Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 0,91% (auf Jahressicht minus 87 BP). Die Renditen spanischer, italienischer und griechischer Papiere profitieren von Eurobonds und die EU entwickelt sich immer mehr zu einer solidarischen Haftungsgemeinschaft. Doch die Schuldenproblematik wird durch expansive Geldpolitik weiter aufgeschoben. Das gleiche Spiel wird auch in den USA gespielt, weshalb es nur noch eine Frage von wenigen Monaten ist, bis die Fed das nächste größere Hilfsprogramm nachschießt. Doch bei starkem Aufschwung kann auch wieder eine rasche Schrumpfung der Bilanzsumme folgen. Fazit: 2021 ist geldpolitisch betrachtet so einiges möglich.

HY-Corporate Bonds mit weiter rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.9.) auf 3,87 Prozentpunkte (30.12.) gesunken. Es herrscht bei den Spreads ein klarer Abwärtstrend. Die von Fitch verfolgte durchschnittliche Ausfallsrate bei US-HY-Bonds lag im gleitenden 12-Monatsschnitt Ende Oktober 2020 bei 5,5%. Die für 2021 erwartete Bandbreite liegt zwischen 5 und 6%. Angesichts dieser Tatsachen und langfristig erwarteter Kreditverluste von ca. 37% sollte bald bei den Spreads der Boden erreicht sein.

Edelmetalle und Rohstoffe

Gold und Silber weiter positiv: Noch am letzten Handelstag des Jahres gelang es nach mehrmaligen Anläufen dem März-Gold-Future über der wichtigen Marke von 1900 Punkte zu schließen. Zuvor zeigten bereits die CoT-Daten bei den großen Spekulanten Netto-Kontrakte von 280.000. Offensichtlich bleiben Profis dem Gold treu, während Silber in Photovoltaik und Elektronik entsprechende Nachfrage findet. Zumindest im zyklisch starken ersten Quartal könnte es mit Gold und Silber noch kräftig aufwärts gehen. Risikofaktoren bleiben zu starke Konjunkturdaten und Störfrequenzen an der Zinsfront.

Währungen

Mit dem Brexit-Deal zeigte das Pfund ein zwischenzeitliches Aufflackern der Erleichterung und stieg gegenüber alle wichtigen Währungen. Doch langfristig bleiben noch viele Fragen offen und auch die neue Corona-Mutation aus dem UK ist nicht zu unterschätzen. Solide tendierte der Schweizer Franken, während der US-Dollar nach Fortsetzung seiner Talfahrt wieder zu einer Verschnaufpause und einem Rebound zum Euro – sogar unter die charttechnische Unterstützung von EUR/USD 1,2220 ansetzte. Bereits schon binnen drei Monaten rund 7% im Plus (zum EUR) ist der südafrikanische Rand, der von einer soliden Rohstoffnachfrage profitiert, während mexikanischer Peso und brasilianischer Real in diesem Zeitraum ebenfalls im Plus sind

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

04.01.2021

China: Caixin PMI Produktion
EUR: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe, Sentix Investorenvertrauen
USA: OPEC-Treffen, Markit PMI-Herstellung

05.01.2021

USA: ISM verarbeitendes Gewerbe

06.01.2021

China: Caixin China PMI Dienstleistungen
EUR: Markit PMI Gesamtindex, Markit PMI Dienstleistungen,
USA: Markit PMI Gesamtindex, Markit PMI Dienstleistungen, FOMC Protokoll, ADP Beschäftigungsänderung

07.01.2021

EUR: Inflationsdaten, Einzelhandelsumsätze, Geschäftsklimaindex, Verbrauchervertrauen
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, ISM nicht verarbeitendes Gewerbe

08.01.2021

Japan: Führender Wirtschaftsindex,
EUR: Arbeitslosenquote
USA: Arbeitsmarktdaten (AL-Quote, Erwerbsbeteiligungsquote, Durchschnittslöhne.)

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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