PC - Weekly 2021 KW 2

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Eine geschichtsträchtige Woche liegt hinter uns. Der Sturm des Kapitols in Washington durch 2000 radikale Trump-Fans, die wie die Vandalen wüteten weckt Erinnerungen an den 14 Juli 1789, dem Tag des Sturmes auf die Bastille. Voran gingen dem Ereignis in einer Zeit der enormen Ungleichverteilung die Missernten von 1788. Per 7. Dezember 2020 haben laut US-Think Tank Institute for Policy Studies (IPS) 29 Milliardäre ihr Vermögen seit Beginn der Pandemie verdoppelt, wodurch sie so viel besitzen wie die unteren 50 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig haben rund 26 Millionen Amerikaner manchmal oder oft nicht genug zu essen. Fakt ist, dass seit Beginn der Corona-Krise rund 10 Millionen Jobs verloren gingen – ein mit Missernten in der Vergangenheit (Zeiten vor der Industriellen Revolution) vergleichbares Ereignis. Bereits im Jahr 2000 sagte Peter Turchin, Antropologe der Universität von Connecticut, anhand seines PSI (Politischer Stressindikator), der Messgrößen wie Lohnstagnation, Staatsverschuldung, Misstrauen gegenüber der Regierung, Verstädterung und Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt, einen Höhepunkt der Instabilität um das Jahr 2020 herum voraus. Fakt ist, dass die Unruhen in den USA tendenziell zunehmen. Der Sturm des Kapitols gilt als Fanal einer Zeitenwende und der 20. Jänner mit dem Amtsantritt von Joe Biden als 47. US-Präsident wird besonders spannend, denn viele Demonstranten kündigten bereits an, an diesem Tag mit Gewehren zurückzukehren. Selbst wenn gemäß dem Motto: „Angekündigte Revolutionen finden nicht statt“ der 20. Jänner ruhig bliebe, so bleiben die tiefen Gräben zwischen Trump-Anhängern und Demokraten weiter erhalten, was für reichlich politischen Sprengstoff sorgen wird.

        Zinsschock am langen Ende: Vom Tief am 4. Jänner bei 0,9070% stiegen bis 8. Jänner die Renditen zehnjähriger US-Treasuries vorübergehend auf 1,126%. Den Auftakt dazu gab vergangenen Montag eine Bemerkung von Raphael Bostic, Gouverneur der Fed von Atlanta, wonach für den Fall, dass eine Impfaktion die Wirtschaftsaussichten verbessert, die Fed bereits heuer schon mit einer Reduktion ihrer monatlichen Anleihenkäufe (Volumen 120 Mrd. USD) beginnen könnte. Die anderen Gouverneure gehen weitgehend von späteren Zeitpunkten aus. Ein Schelm, der böses dabei denkt, doch warum begann die Störfrequenz ausgerechnet in Atlanta, Hauptstadt von Georgia, wo sich gerade in einer Stichwahl die Dominanz des Senats durch die Demokraten entschied, ein Ereignis, das Joe Biden größere Handlungsspielräume gibt? Es folgten am darauffolgenden Tag stärkere Aktivitätsdaten der Produktionswirtschaft und am Donnerstag noch niedriger als erwartete Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, während generell die gesamte Woche hindurch in den Medien bereits eine Tapering-Debatte entbrannte, die vor allem solide Dividendentitel der „Old Economy“ unter Druck setzte, während Gold und Goldminentitel zu einer kräftigen Korrektur ansetzten.

        Verarbeitendes Gewerbe zeigt Stärke: Der vom Institute for Supply Management (ISM) publizierte Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie stieg von November auf Dezember 2020 um 3,2 Prozentpunkte (PP) auf 60,7% - ein Wert der laut Regressionsanalyen von Wirtschaftsforschern einem jährlichen BIP-Wachstum von 5,2% entspräche.  Alle sechs der größten Industrien sind auf Expansionskurs. Der Subindex für Auftragseingänge stieg um 2,8 PP auf 67,9% und liegt somit bereits den sechsten Monat in Folge über 60%. Ein besonderes Highlight war ein Anstieg der Preiskomponente um 12,2 Prozentpunkte auf 77,6%. Das ist der höchste Stand seit Mai 2018. Alle 18 Branchen verzeichneten im Dezember Rohmaterialpreisanstiege.

        Trügerische Arbeitsmarktdaten: In der am 2. Jänner endenden Woche waren die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit erneut leicht rückläufig, und zwar von 790.000 auf 787.000, während Analysten noch von 800.000 ausgingen – dass war die gute Nachricht vom Donnerstag. Die schlechten Nachrichten sind: Laut ADP National Employment Report gingen im Privatsektor im Dezember 123.000 Stellen verloren. Noch im November wurden 304.000 neue geschaffen. Dieser Wert deckt sich in etwa mit dem Arbeitsmarktbericht des U.S. Bureau of Labor Statistics, wonach die gesamte Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 140.000 Stellen zurückging. Erstmals seit April 2020 war also das Stellenwachstum im Dezember negativ. Die Arbeitslosenquote verharrte zwar auf 6,7%, doch vor einem Jahr lag sie noch bei 3,6%.  Seit Februar 2020 gingen knapp 10 Mio. Arbeitsplätze verloren und 19,2 Mio. Einwohner sind in irgendeinem „Sozialhilfeprogramm für Arbeitslose“ integriert. Allerdings darf die versteckte Arbeitslosigkeit nicht unterschätzt werden, da viele Marktteilnehmer bereits aus den Sozialhilfeprogrammen rausgeflogen sind.

        US-Aktienmarkt historisch teuer: Bis dato trieben niedrige Zinsen die Bewertungsniveaus in exorbitante Höhen. Wachstumswerte des Technologiesektors weisen im Schnitt bereits 12-Monats-Forward-KGVs jenseits von 90 auf und laut FactSet liegt jenes des S&P 500 bei 22,6 verglichen mit einem 10-Jahres-Schnitt von 15,7. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Noch mehr Aussagekraft könnte eventuell dem Shiller-KGV beigemessen werden, da ein rollender 10-Jahresschnitt der inflationsbereinigten Gewinne als Berechnungsgrundlage dient. Dies glättet zyklische Schwankungen und Sonderfaktoren wie Steuersenkungen. Geht man zurück bis in die 1870er-Jahre so lag der Mittelwert bei 16,8. Aktuell liegt der Wert bei 34,8, sogar höher als 1929 vor dem großen Börsenkrach (damals ca. 30 im Hoch). Der Maximum-Wert wurde im Dezember 1999 mit 44,2 Punkten kurz vor dem Technologie-Aktiencrash gemessen. Eine hohe Bewertung des Aktienmarktes ist aber noch lange kein Grund für ein Ende des Höhenflugs, solange die Zinsen so niedrig sind. Kritisch wird es erst nach mehreren Leitzinserhöhungen. Die Konkurrenz festverzinslich vs. Aktien existiert also auch noch heute.

Aktien - Europa

        Starke Industrie in Europa: Aufgrund eines hohen Aktivitätsniveaus der Produktionswirtschaft hat sich der IHS Markit Composite Index Eurozone im Dezember von 45,3 auf 49,1 Punkte erholt und nähert sich somit wieder der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Was allerdings auffällt, ist, dass die Vorabschätzung für Dezember um 0,8 Punkte unterschritten wurde. Während die Industrie zum sechsten Mal hintereinander ein Wachstum verzeichnete, kam es im Service-Sektors infolge zunehmender Corona-Lockdowns den vierten Monat in Folge zu Geschäftseinbussen. Das vierte Quartal ist mit einer leichten Schrumpfung des BIP zu rechnen, die sich jedoch im ersten Quartal nochmals verstärken könnte, ehe die Impfkampagnen in Europa greifen und sich das Wirtschaftsgeschehen wieder normalisiert.

       Bayer Aktie nach Deal mit CureVac mit 7% Wochenplus: Bayer veröffentlichte am Donnerstag den Abschluss eines Kooperations- und Servicevertrags mit CureVac, dessen Impfstoff im Dezember für eine zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie genehmig wurde. Bayer soll bei den aufwendigen Arbeiten für die Zulassung und für die dafür nötige Studie mithelfen und zudem die Lieferketten berücksichtigen. Erste Ergebnisse könnte es bereits Ende des ersten Quartals 2021 geben. Für den Fall einer Zulassung sicherte sich die EU-Kommission für die EU-Staaten bereits 405 Millionen Impfdosen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

        Chinas Produktionswirtschaft noch solide: Wichtige Frühindikatoren deuten im vierten Quartal auf ein BIP-Wachstum von 5,5 bis zu über 6% hin verglichen mit 4,9% im dritten Quartal 2020. Der Einkaufsmanager-Index des Wirtschaftsmagazins „Caixin“ stieg im November 2020 bereits auf ein Zehnjahres-Hoch und die Exporte überraschten mit einem Zuwachs von 21,1%. Im Dezember zeigten die Ergebnisse einer Caixin-Umfrage bei chinesischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes einen leichten Aktivitätsrückgang von 54,9 auf 53 Punkte, was aber noch weit über der Kontraktionsgrenze von 50 Punkten liegt. Wesentlich kritischer ist die jüngste Einschränkung der von Banken vergebenen Immobilienkredite und die erneute Abriegelung von 18 Millionen Einwohnern („Wuhan 2“).

Anleihen

        Die Tapering-Debatte hat die Entscheidungsträger der Fed erreicht. Noch kaufen sie monatlich Assets im Volumen von 120 Mrd. Dollar auf. Über die Dauer der Fortsetzung scheiden sich die Geister. Erste kritische Stimmen rechnen bereits im heurigen Jahr mit einer Drosselung der Anleihenkäufe (Tapering). Zu starke Konjunkturdaten, Impfhoffnungen, in Aussicht gestellte Billionen-Programme und gestiegene Inflationserwartungen brachen eine Tapering-Debatte vom Zaun und binnen weniger Tage schossen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries bereits um gut 20 Basispunkte auf zwischenzeitlich mehr als 1,12% nach oben. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen nun schon mit früheren Leitzinserhöhungen in den USA, nämlich in der zweiten Jahreshälfte 2024 anstatt Anfang 2025. Im Wochenverlauf stiegen auch die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um 6 Basispunkte auf -0,52%. Doch quer durch Europa hielten sich die Zinsen noch immer vergleichsweise niedrig. Doch die Schwellenländer-Anleihen geraten bereits unter Druck. Die steigenden Dollarzinsen und der stärker werdende US-Dollar belasten. Die Dollar-Inflationserwartungen stiegen auf ein 2-Jahreshoch und sollten die nächsten Wirtschaftsdaten der USA ebenfalls positiv sein, dann drohen Renditen zehnjähriger US-Treasuries jenseits der 1,20% und eine entsprechende Korrektur quer durch Schwellenländer-Anleihen.

       HY-Corporate Bonds mit weiter rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.9.) auf 3,78 Prozentpunkte (30.12.) gesunken. Auf Wochenbasis lag der Rückgang bei 9 Basispunkten. Es herrscht bei den Spreads ein klarer Abwärtstrend. Die von Fitch verfolgte durchschnittliche Ausfallsrate bei US-HY-Bonds lag im gleitenden 12-Monatsschnitt Ende Oktober 2020 bei 5,5%. Die für 2021 erwartete Bandbreite liegt zwischen 5 und 6%. Angesichts dieser Tatsachen und langfristig erwarteter Kreditverluste von ca. 37% sollte bald bei den Spreads der Boden erreicht sein. Eine Korrektur ist bald fällig, spätestens bei Spreads von unter 3,5 PP.

Edelmetalle und Rohstoffe

        Gold und Silber korrigieren stark: Kaum gings nach dem Goldpreisausbruch über 1900 Punkte gleich über 1950 folgte der nächste Schlag. Im Zuge der steilen Renditeanstiege am langen Ende folgte ein Einbruch des Goldpreises auf unter 1850 USD/Unze. Noch stärker geriet Silber unter Druck, dessen Tagesverlust am Freitag zwischenzeitlich bei 9% lag. Zwar hat sich an der aktuellen Geldschwemme fundamental noch nichts verändert, doch die Aussicht auf weiter steigende Renditen verunsichert, denn: Gold wirft keine Zinsen ab und konkurriert somit mit Anleihen um die Gunst der Anleger. Je höher die Zinsen sind, desto schlechter für den Goldpreis.

Währungen

        Der US-Dollar gewinnt mit steigenden Zinsdifferenzen zwischen Euro und US-Dollar wieder an Attraktivität was nach der längeren Dollar-Talfahrt nun eine Gegenbewegung einläutete. Nach wie vor stabil tendierte der Schweizer Franken, während der Australische Dollar Stärke zeigte. Im Zuge steigender Dollarzinsen gerieten südafrikanischer Rand und brasilianisches Real bereits unter Druck, während die türkische Lira nach diplomatischen Entspannungen im Ergasstreit ihre Erholung weiter fortsetzt.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

11.01.2021

China: Erzeugerpreisindex, Inflationsdaten

EUR:  Sentix Investorenvertrauen

12.01.2021

USA: 10-Jahres Note Auktion; Fed Mitgleid E. Rosengren spricht, FOMC Mitglied Lael Brainard spricht.

13.01.2021

EUR: Industrieproduktion

USA: Inflationsdaten; Fed Beige Book, FOMC Mitglied Clarida Rede,

14.01.2021

China: Handelsbilanz, Exporte, Importe

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Fed Powell Rede;

15.01.2021

USA: Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Controlling des Einzelhandels

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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