PC - Weekly 2021 KW 20

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Inflationsgespenst und Zinsängste: Bereits US-Finanzministerin, Janet Yellen, sprach sich mittelfristig für höhere Zinsen aus ehe sie am selben Tag wieder zurückruderte. Fakt ist allerdings, dass die Inflation in den USA aus dem Ruder zu laufen droht. Im April kletterte die US-Inflationsrate von 2,6% (März) auf 4,2% im städtischen Verbraucherpreisindex. Das ist der stärkste Preisauftrieb auf Jahresbasis seit dem 4,9%-Anstieg im August 2018. Nahrungsmittelpreise stiegen zwar nur um 3,5%, dafür gabs Basiseffekte beim Ölpreis, der am 20. April 2020 sogar kurzzeitig negativ war, da in der Ölschwemme des Vorjahres alle Tanklagerkapazitäten bereits voll waren. Somit stieg der Energie-Index um 25,1% und der Benzin-Index um 49,6%, was den stärksten Anstieg seit Jänner 2010 darstellt. Flüge verteuerten sich im April um 10,2%. Der 10%-Monats-Anstieg (Jahresteuerung: 21%) der Preise für gebrauchte Autos u. Trucks, war der stärkste seit 1953 und wirkte sich am stärksten auf die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie aus. Insgesamt lag aber die Kerninflation im April um 3% im Plus (Jahresbasis). Diese Entwicklungen machen Arbeitsmarktdaten umso sensibler und tatsächlich sinken die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung kontinuierlich. Gleichzeitig eskaliert der Konflikt zwischen Israel und der Hamas. Nach schweren Raketenangriffen aus dem Gazastreifen (2900 Raketen seit letztem Montag) hat Israels Luftwaffe binnen 24 Stunden 90 Ziele militanter Palästinenser attackiert. Die EU-Außenminister werden am Dienstag diesbezüglich eine Krisensitzung abhalten.

Starker US-Arbeitsmarkt: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren in der am 8. Mai endenden Abrechnungswoche um weitere 34.000 auf 473.000 rückläufig, was der niedrigste Wert seit Mitte März 2020 ist. Die von Reuters befragten Volkswirte gingen von 490.000 aus. Der Rückgang wurde von den Regionen Michigan, New York und Florida angeführt. Im April wurden in den Wirtschaft 260.000 Jobs nach einem Plus von 770.000 im März geschaffen und die offenen Stellen erreichten einen Rekordwert von 8,1 Millionen, nachdem ein Nachfrageboom vorherrscht.

Gefährlicher Anstieg der Erzeugerpreise: Die steigenden Industrierohstoffpreise und auch noch weltweit unterbrochene Lieferketten, Engpässe an Transportcontainerschiffen im asiatischen Raum und Knappheit an diversen Komponenten treiben in der verarbeitenden Industrie die Preise nach oben. Im Jahresvergleich stiegen in den USA im April die Verbraucherpreise um 6,2%, nachdem der Anstieg im März 4,2% betrug. Das ist die höchste Steigerungsrate seit September 2011. Daraus resultiert die Gefahr, dass Handel und Industrie in eine Preis-Kostenschere gelangen und somit die Margen bald unter Druck geraten. Sollten sich die ersten Anzeichen zeigen, könnte die Stimmung an den Aktienmärkten umschlagen.

S&P 500: Stark positive Gewinnüberraschungen im ersten Quartal: Bis 14. Mai veröffentlichten 91% der S&P 500 Firmen ihre Quartalszahlen, von denen 86% der Gewinne besser ausfielen als von den Analysten im Schnitt erwartet. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Aufzeichnungen im März 2008. Der 5-Jahresschnitt lag bei 74%. Aggregiert betrachtet liegen die Gewinne um 22,5% über den Analystenschätzungen (5-Jahres-Schnitt +6,9%). Das wäre das zweithöchste Gewinnüberraschungsniveau seit Beginn dieser Aufzeichnungen im Jahr 2008. Mischt man die geschätzten und bereits für das erste Quartal veröffentlichten Zuwachsraten dann wäre das ein Quartalsgewinnwachstum um 50,3% (Vorwoche: 49,6%). Das wäre der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2010 (55,4%). Die höchsten Gewinnüberraschungsquoten gabs bisher in den Sektoren Finanzen (94%), IT (93%), und Energie (91%). Für das zweite Quartal haben bereits 75 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 44 positive 31 negativen Gewinnerwartungen gegenüber stehen, was einer positiven Erwartungsquote von 59% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Analysten erwarten im zweiten Quartal 59,3% Gewinnwachstum bei 18,6% Umsatzsteigerung. Für das Gesamtjahr sind bei 11,6% Umsatzwachstum 33,2% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,0 relativiert (10-Jahresschnitt: 16). Achtung: Die positiven Erwartungen könnten nahe ihrem vorläufigen Höhepunkt sein, zumal auch die Rentabilität der Unternehmen im ersten Quartal neue Rekordwerte (Netto-Gewinn-Marge von 12,7%) erreichen sollten. Doch was kommt dann? Inflation wird immer häufiger in den Unternehmenspublikationen erwähnt und sobald die Nachfrage auf der Absatzseite aussetzt, droht dem einen oder anderen Unternehmen Margendruck durch eine Preis-Kosten-Schere.

Aktien - Europa

EU-Kommission optimistisch – 2021 im Euroraum 4,3% BIP-Wachstum erwartet: Noch im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Euroraums um 1,8%, was auf Lockdowns und Corona-Maßnahmen vor allem die Dienstleistungssparte traf. Nun sollte im Einklang mit internationalen Vorgaben aus USA und Asien eine Erholung von Industrie und Dienstleistung einsetzen. Laut Prognose der EU-Kommission sollte die Wirtschaft der Eurozone heuer um 4,3% und 2022 um 4,4% wachsen. Alle EU-Staaten sollten bis Ende 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Gewinnschub im ersten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 90,2% wachsen. 226 Firmen des STOX 600 veröffentlichten ihre Quartalsgewinne, wovon 74,3% die Analystenprognosen übertrafen (langjähriger Durchschschnitt: 51%). Vor allem im Industriebereich und bei zyklischen Konsumgütern werden starke Gewinnsteigerungen erwartet, ebenso im Finanzsektor. Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 43,1% (Tendenz steigend!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Neue Enttäuschungen in China: Lieferengpässe bremsen Auslandsnachfrage und Industriedynamik in China: Die chinesische Industrie wuchs im April langsamer als erwartet. Das hat schon der Einkaufsmanagerindex von NBS angezeigt und nun ist es amtlich. Von März auf April verlangsamte sich das Wachstum von Chinas Industrie von 14,1 auf 9,8%. Groß war die Enttäuschung bei den Einzelhandelsumsätzen, die im April im Jahresvergleich um 17,7% wuchsen, während Analysten einen Anstieg von 24,9% erwarteten. Im März lag der Zuwachs noch bei 34,2%. Diese Entwicklungen können auch bedeuten, dass am Rohstoffmarkt bald der Peak erreicht ist, denn Chinas Volkswirtschaft hat den größten Rohstoffverbrauch.

Anleihen

Renditeanstiege in Europa: Mit den Wachstumsprognosen der EU-Kommission und steigenden Inflationserwartungen reagieren nun auf einmal auch die europäischen Bondmärkte. Die Renditen zehnjähriger  deutscher Bundesanleihen stiegen binnen eines Monats um 12 Basispunkte (BP) auf     -0,15% und in Frankreich drehten in diesem Zeitraum die Renditen infolge eines Anstiegs um 25 BP mit 0,24 Prozentpunkten ins Plus. In Italien stiegen die Renditen für zehnjährige Staatstitel sogar binnen eines Monats um 30 BP. Die EZB befindet sich in einem Dilemma zwischen Krisenhilfen und Inflation. Zuletzt hat sie sogar die pandemiebedingten Anleihenkäufe beschleunigt. Auf der anderen Seite besteht große Angst vor einem verfrühten Ausstieg aus dem Krisenmodus. In den USA sprechen steigende Erzeuger- und Verbraucherpreise im Falle einer länger anhaltendenden Teuerung eindeutig für eine schnelle Drosselung der Anleihenkäufe und sogar Leitzinsanhebungen. Eine spontane Anmerkung der ehemaligen Fed-Chefin und heutigen Finanzministerin, Janet Yellen schlug genau in diese Kerbe, ehe sie – offensichtlich zur Beruhigung der Märkte - alles wieder „relativierte“: „Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicherzustellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt“. Die Renditen zehnjähriger Treasuries sind derzeit auf Monatsbasis 3 BP im Plus und liegen bei 1,61%. Doch das Fed-Watch-Tool, das Leitzinsprognosen aus Future-Preisen ableitet spricht eine klare Sprache: Es besteht immerhin schon eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Fed noch heuer ihren Leitzins anhebt.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,24 Prozentpunkte (29.04.21) gesunken ehe bis 13.05. wieder ein Anstieg auf 3,37 PP folgt. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung, die zuletzt einsetzte, denn: US-High Yields sind offensichtlich überbewertet!

Edelmetalle und Rohstoffe

Breite Konsolidierung und Absturzgefahr bei Gold: Industriemetalle und Agrarrohstoffe setzten vergangene Woche zu einer Konsolidierung ein. Chinas Konjunktur könnte wieder abkühlen. Dann wäre die Rohstoffhausse zumindest unterbrochen. Sehr tricky sind derzeit auch Gold und Silber. Gold ist ein Krisenmetall und die Eskalation in Israel stützt hier. Hinzu kommen Umschichtungen aus Bitcoins in Gold. Der Silberpreis hat zwar den Goldtrend durch einen weiteren Anstieg bestätigt, doch Edelmetalle sind zuletzt heiß gelaufen und der Goldpreis nähert sich dem nächsten charttechnischen Widerstand. Hinzukommt das Risiko, dass plötzlich wieder die Renditen von US-Treasuries zu steigen beginnen.

Währungen

Orientierungslosigkeit: Der Euro ist zwar zum US-Dollar auf über 1,21 US-Dollar gestiegen doch von dort aus mehren sich Scheinausbrüche nach oben und unten, während der Australische Dollar abschwächt und sich Yen, Britisches Pfund und Schweizer Franken in engen Bandbreiten bewegen. Der Kanadische Dollar setzt wieder zu einer Gegenbewegung an, nachdem er infolge der von der Notenbank beschlossenen Drosselung der Anleihenkäufe erstarkte. Die Carrytrade-Anlagewährungen Südafrikanischer Rand und Türkische Lira schwächten ab. Wenig Bewegung war im Brasilianischen Real und Russischen Rubel.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

17.05.2021

China: Einzelhandelsumsätze u. Industrieproduktion

18.05.2021

Japan: BIP
EUR: BIP, Rede EZB Chefin Lagarde
USA: Baugenehmigungen u. Baubeginne

19.05.2021

Japan: Industrieproduktion
EUR: Inflationsdaten, Rede EZB Chefin Lagarde
USA: FOMC-Protokoll

20.05.2021

Japan: Handelsbilanz
China: PBoC Zinssatzentscheidung
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly Fed Herstellungsindex;

21.05.2021

Japan: Inflationsdaten
EUR: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe, Einkausmanagerindex Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex
USA: Markit PMI Gesamtindex, Markit PMI Herstellung; Markit PMI Dienstleistungen, Verkäufe bestehender Häuser

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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