PC - Weekly 2021 KW 23

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Weitere Spannungen USA-China: Die Wirtschaftsdaten ermöglichten stabile Aktienkurse, während sich am Bondmarkt das Renditeniveau mäßigte. Lieferverzögerungen verhindern ein allzu starkes Überhitzen des Produktionssektors, während der US-Arbeitsmarkt durch Stellenaufbau an Dynamik gewinnt, aber durch hohe strukturelle Arbeitslosigkeit noch nicht so schnell für Zinsanhebungen spricht. Das beruhigt Anleger auf breiter Front, genauso wie das starke Gewinnwachstum. Doch auf der Bühne der Handelspolitik wird es wieder kritisch: Während Ex-Präsident Trump die restliche Welt dazu auffordert China Corona-Kosten von 10 Billionen Dollar in Rechnung zu stellen, verbietet US-Präsident Joe Biden Investitionen in 11 chinesische Unternehmen. An erhöhten Zöllen hält Biden übrigens fest.

Produktionswirtschaft expandiert stark: Der monatlich vom Institute for Supply Management (ISM), der größten Einkaufsmanagerorganisation der Welt, veröffentlichte Bericht über die Wirtschaftsaktivitäten der US-Produktionswirtschaft zeigte eine Beschleunigung der Wachstumsdynamik. Der Manufacturing PMI stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 61,2%. Der wichtige Frühindikator der Auftragseingänge zeigte bereits den 12. Monat in Folge Wachstum und stieg um 2,7 au 67 Punkte. Die Schwachstelle: Die Lieferverzögerungen zeigten bereits das höchste Niveau seit der Index-Auflage im Jahr 1974, was bereits die Produktion auf hohem Niveau leicht beeinträchtigt. Dies beschleunigt den Ausbau der Auftragsbestände, die im Mai den höchsten Stand seit Jänner 1993 erreichten. Vereinfacht ausgedrückt: Auslieferungen verzögern sich als Nachwirkung der Corona-Krise.

Anhaltend starker US-Arbeitsmarkt mit Schönheitsfehlern: Die Corona-Pandemie neigt sich in der westlichen Welt offensichtlich dem Ende zu. Zumindest sind die Corona-Maßnahmen in den USA weitgehend beendet. Die Wirtschaft geht wieder zur Tagesordnung über und es werden massiv Arbeitskräfte benötigt. Somit waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der am 29. Mai endenden Abrechnungswoche um weitere 20.000 auf 385.000 rückläufig, was der niedrigste Wert seit Mitte März 2020 ist. Die von Reuters befragten Volkswirte gingen von 390.000 aus. Der Rückgang wurde von den Regionen Texas und Florida angeführt. Der ADP National Employment Report zeigt, dass die neu geschaffenen Stellen in der Privatwirtschaft von 654.000 im April auf Mai bereits auf 978.000 gestiegen sind. Das ist der stärkste Zuwachs seit Juni vergangenen Jahres. Allerdings bringt die Digitalisierung auf der anderen Seite eine steigende strukturelle Arbeitslosigkeit mit sich: 15,4 Millionen US-Einwohner lebten im Mai von irgendeinem der zahlreichen Arbeitsmarktförder-Programme und die Zahl der Folgeaufträge auf Arbeitslosenunterstützung stieg in der am 22. Mai endenden Woche um 169.000 auf 3.771 Millionen.  Doch was brachte der Job-Report vom Freitag an neuen Erkenntnissen? Im Mai war die Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte auf 5,8% rückläufig. Die Arbeitslosenzahl ging um 496.000 auf 9,3 Millionen zurück, liegt aber noch immer weit über den Prä-Pandemie-Level von 5,7 Millionen im Februar 2020. Die Anzahl an vorübergehend entlassenen Mitarbeitern ging zwar um 291.000 auf 1,8 Millionen zurück, lag über mit 1,8 Millionen noch um 1,1 Millionen über dem Level von Februar 2020.

Kritische Themen sind Langzeitarbeitslose und die Erwerbsbeteiligungsquote, die sich seit Juni 2020 nur noch in einer Bandbreite von 61,4 bis 61,7% bewegt. Sie liegt mit 61,6% im Mai um 1,7 Prozentpunkte unter dem Stand seit Februar 2021. Gleichzeitig machen im Mai Langzeitarbeitslose bereits 40,9% aller Arbeitslosen aus. Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen, die schon seit 27 Wochen einen Job suchen ist zwar im Mai 2021 um 431.000 auf 3,8 Mio. gesunken, liegt jedoch noch um 2,6 Millionen über dem Prä-Pandemie-Level. Die Anzahl der Arbeitsplätze außerhalb des Agrarbereichs stieg im Mai um 559.000 nach einem Plus von 278.000 im April. Während im Staats(nahen)-Bereich massiv Stellen abgebaut werden, steuert der Bereich Gastronomie/Freizeit stark entgegen. Hingegen im Automobilsektor hält sich die Jobdynamik in engen Grenzen. Die Stundenlöhne im Privatsektor stiegen im Schnitt auf Jahresbasis im Mai um 2% auf 30,33, was angesichts der Inflationserwartungen eine moderate Entwicklung darstellt.

S&P 500: Euphorisch ins 2. Quartal:  Mittlerweile veröffentlichten 99% der S&P 500 Firmen ihre Quartalszahlen, von denen 86% der Gewinne besser ausfielen als von den Analysten im Schnitt erwartet. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Aufzeichnungen im März 2008. Der 5-Jahresschnitt lag bei 74%. Besonders positiv schätzen Unternehmen des S&P 500 das zweite Quartal ein.  Für das zweite Quartal haben bereits 102 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 63 positive 39 negativen Gewinnerwartungen gegenüberstehen, was einer positiven Erwartungsquote von 62% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Seit 31. März stiegen die durchschnittlich erwarteten Gewinne/Aktie um 5,9%, während die durchschnittliche Veränderung der Prognosen über ein Quartal in den vergangenen 10 Jahren bei -4% lag. Das erwartete Quartalsgewinnwachstum würde 61% betragen und das bei einer Umsatzsteigerung um 19,3%. Das Gewinnwachstum wäre der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2009 (108,9%). Die Nettogewinnmarge würde mit 11,6% weit über dem 5-Jahresschnitt von 10,6% und der Vorjahres-Marge von 8,6% liegen. Für das Gesamtjahr sind bei 12% Umsatzwachstum 34,4% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,1 relativiert (10-Jahresschnitt: 16,1). Achtung: Die positiven Erwartungen könnten nahe ihrem vorläufigen Höhepunkt sein, zumal auch die Rentabilität der Unternehmen im ersten Quartal neue Rekordwerte (Netto-Gewinn-Marge von 12,8%) erreicht hat. Doch was kommt dann? Inflation wird immer häufiger in den Unternehmenspublikationen erwähnt und sobald die Nachfrage auf der Absatzseite aussetzt, droht dem einen oder anderen Unternehmen Margendruck durch eine Preis-Kosten-Schere. Allerdings gibt es Time-Lags durch Lieferverträge. Doch wenn diese alten Verträge auslaufen, dann droht eine Kostenlawine auf die Firmen zuzukommen und sie können diese nicht auf einmal auf Kunden abwälzen.

Aktien - Europa

Beschleunigter Aufschwung: Das Wirtschafts-Sentiment in der EU hat sich im Mai weiter verbessert und entsprechend beschwingt ist den finalen Umfrageauswertungen von IHS Markit zufolge auch die Stimmung in der Privatwirtschaft (Service u. Produktion) der Eurozone, denn: Der finale IHS Markit Composite Index Eurozone stieg von April auf Mai von 53,8 auf 57,1 Punkte und somit den höchsten Wert seit Februar 2018, wobei der Wert sogar noch um 0,2 Punkte über dem Flash-Wert liegt. Vor allem der Servicesektor expandiert so stark wie seit knapp 3 Jahren nicht mehr. Auf Länderebene erreichte Irland ein Rekordhoch und Spanien ein 14,5 Jahres-Hoch. Der Gesamt-Index Auftragseingang (Produktion und Service) wies im Mai das höchste Plus seit Juni 2006 aus. Eine anhaltende Industrienachfrage und Neu- und Folgeaufträge im Service-Sektor machten es möglich.

Gewinnschub im ersten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 93,3% wachsen. 272 Firmen des STOXX 600 veröffentlichten ihre Quartalsgewinne, wovon 72,8% die Analystenprognosen übertrafen (langjähriger Durchschnitt: 51%). Vor allem im Energiebereich und bei zyklischen Konsumgütern werden starke Gewinnsteigerungen erwartet, ebenso im Finanzsektor. Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 48,4% (Tendenz steigend!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Verschnaufpause bei chinesischen Großbetrieben aber dynamischer Service-Sektor. Der staatliche Einkaufsmanagerindex mit 3000 relativ großen Betrieben war von April auf Mai marginal von 51,1 auf 51 Punkte rückläufig. Die Expansionsgrenze liegt bei 50 Punkten. Nach einem Konsumschub im März sollte es bis Oktober ruhiger verlaufen. Trotzdem stieg der Einkaufsmanagerindex für den Service-Bereich unerwartet von 54,9 auf 55,2 Punkte. Die Konsum- und Reisetätigkeit springt an. Hingegen bremsen Inflationssorgen infolge steigernder Rohstoffpreise.    

Anleihen

Renditen leicht rückläufig: Viel weiter geht es nach jüngsten Bewegungen mit den Anleihenrenditen aber nicht mehr abwärts, doch auch größere Sprünge nach oben sind derzeit nicht ganz vorstellbar. Die Renditen zehnjähriger Treasuries waren in der vergangenen Woche um 4 Basispunkte auf 1,55% rückläufig. Strukturelle Arbeitslosigkeit, abschwächende Industriedynamik, ein schwächelndes Europa und die konjunkturelle Verschnaufpause Chinas dämpfen die Konjunkturerwartungen und die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen gingen am Freitag um 7 BP zurück. In Deutschland war indessen die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen um 4 BP auf -0,2% rückläufig. Bei laufzeitkongruenten Anleihen aus Brasilien sind im Einklang mit rückläufigen US-Renditen deren Renditen auf Monatssicht sogar um 0,38 Prozentpunkte auf 8,88% rückläufig. Die Fed setzt ihre Anleihenkäufe von monatlich 120 Mrd. USD so lange fort, bis erhebliche Fortschritte bei der Preisstabilität und bei der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Das wird unterschiedlich gedeutet. Derzeit dominieren die moderaten Expertisen. Patrick Harker, Präsident der Philadelphia Fed strebt an „langweilig zu sein“. Das bedeutet, dass die Leitzinsen noch lange niedrig sein sollten und die Bilanzsummenschrumpfung nicht von heute auf morgen kommt. Die geplante Veräußerung der Bonds und ETFs, die aus der sogenannten SMCCF (Secondary Market Corporate Credit Facility) stammten, sollte laut Fed langsam und planmäßig erfolgen. Die EZB hingegen hat „andere Sorgen“. Sie denkt über die Berücksichtigung von Klimarisiken bei Anleihenkäufen nach. Eine sektorale Fokussierung auf umweltfreundlichere Bereiche oder sogar Greenbond-Käufe sind mögliche Ansätze.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,24 Prozentpunkte (29.04.21) gesunken ehe bis 03.06.21 wieder ein moderater Anstieg auf 3,28 PP folgt. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung, die zuletzt einsetzte, denn: US-High Yields sind offensichtlich überbewertet! Trotzdem sieht es ganz danach auch, als ob bestimmte Anleger hier in diesem Segment noch Chancen ausreizen möchten. Sie achten dabei mehr auf das absolute Zinsniveau und verlieren teils die mit High Yields verbundenen Ausfallsrisiken aus den Augen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Öl und Agrarrohstoffe steigen: Die Schrittweise Erhöhung der Förderquoten um 2,1 Millionen Barrel pro Tag bis Juli ist bereits eingepreist und die starke Beschleunigung der Ölnachfrage führe voraussichtlich bis zum Rest des Jahres zu einer Unterversorgung des Marktes um 2 Millionen Barrel pro Tag. Auch die Preise von Agrarrohstoffen wie Mais, Weizen und Sojaöl sind im Aufwind, was auf Trockenheit in Anbaugebieten in den USA und Brasilien zurückzuführen ist. Darüber hinaus hält Russland an seiner Getreideexportsteuer fest. Nahrungsmittel werden knapper und teurer. Sie verteuerten sich laut Welternährungsorganisation FAO um fast 40% auf Jahresbasis.

Währungen

Ruhiger Verlauf: Der Euro bewegte sich nur in engen Bandbreiten zu den wichtigsten Währungen. Allerdings neigt der Euro zu leichter Schwäche gegenüber Schweizer Franken, Yen, US-Dollar, Kanadischer und Australischer Dollar. Europas Konjunktur hinkt noch hinterher, weshalb Tapering und Leitzinserhöhungen hierzulande kein Thema sind. Auf Seite der Carry-Trade-Währungen hat sich der leicht rückläufige Dollarzins positiv ausgewirkt. Fester tendierten der Südafrikanische Rand, Mexikanische Peso, Russische Rubel und der Brasilianische Real.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

07.06.2021

Japan: Führender Wirtschaftsindex

China: Handelsbilanz

08.06.2021

Japan: BIP-Daten

EUR: BIP; ZEW-Konjunkturerwartungen

USA: Handelsbilanz

09.06.2021

China: Inflationsdaten

10.06.2021

EUR: EZB Zinssatzentscheidung

China: Neue Kredite

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Inflationsdaten,

11.06.2021

EUR: G7-Treffen

UK: BIP u. Industrieproduktion, Warenhandelsbilanz, Index verarbeitendes Gewerbe

USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Baker Hughes Plattform-Zählung,

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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