PC - Weekly 2021 KW 28

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Aufschwung mit Nebenwirkungen: Die Tapering-Debatte stand vergangene Woche wieder im Vordergrund. Aus dem Protokoll der vergangenen Fed-Sitzung ging hervor, dass eine Diskussion über eine Reduktion der Corona-Hilfen in Form monatlicher Wertpapierankäufe im Volumen von 120 Mrd. USD stattfindet. Falls Ziele wie Arbeitslosigkeit und Preisniveau schneller erreicht würden, muss die Fed handeln und genau diese Maßnahmen werden nun im Detail diskutiert. Vieles hängt davon ab ob zuerst die Käufe von Hypothekenpapieren oder von Staatsanleihen reduziert werden. Sollen zuerst die Häuslebauer belastet werden oder der Markt wieder in den Korrekturmodus übergehen? Konkrete Termine des Taperings könnten in den nächsten Fed-Sitzungen besprochen werden. Nach Ansicht der Notenbankerin Daly könnte die Fed bereits Ende 2021/Anfang 2022 ihre Anleihenkäufe drosseln.  Auf der anderen Seite sollte auch die Delta-Variante nicht unterschätzt werden.  Somit könnte der US-Aktienmarkt in nächster Zeit sensibler auf Konjunkturdaten reagieren, was zumindest eine höhere Volatilität bedeute. Die Spannungen USA-China bleiben, nachdem die USA 14 chinesische Firmen wegen der Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Minderheit der Uiguren auf eine Sanktionsliste setzten.

        Markit IHS Einkaufsmangerindizes im Aufwind: Der Markit IHS U.S. Sector PMI™ zeigt unter Führung des Gesundheitssektors Wachstum bei allem 7 US-Sektoren. Biotech und Pharma boomen und der Healthcare-Index sprang von Mai auf Juni von 65,1 auf 67 Punkte gefolgt vom Consumer Services-Sektor mit 65,7 Punkten, wobei dieser bereits Abkühlungstendenzen zeigt. Dicht dran ist der Finanzsektor, während Hersteller von Grundstoffen die schwächste Performance (58,6 Punkte) zeigten. Die Geschäftsaktivitäten des Dienstleistungssektors haben sich indessen von 70,4 auf 64,6 Punkte abgekühlt, was noch immer die drittstärkste Expansion seit Beginn der Aufzeichnung im Oktober 2009 ist. Der Gesamtindex IHS Markit U.S. Composite PMI® ging zwar im Juni von 68,7 auf 63,7 Punkte zurück, zeigte aber noch immer einen hohen Level.

        ISM-Index für nicht-verarbeitendes Gewerbe kühlt ab: Diese Benchmark für das Aktivitätsniveau jenseits der Produktion ging von Mai auf Juni von einem Rekordwert von 64 Punkten auf 60,1 Punkte zurück und lag sogar unter den Erwartungen der Volkswirte (63,3 Punkte).  Es ist nach wie vor ein hohes Wachstumsniveau. Doch Herausforderungen sind Materialknappheit, Inflation, Logistik, sprich Lieferkettenunterbrechungen und Personalmangel. Somit können viele Firmen mit der starken Nachfrage nicht mehr mithalten. Mittlerweile fiel die Beschäftigungskomponente nach fünf aufeinanderfolgenden Wachstumsmonaten in den Bereich der Kontraktion (von 55,3 auf 49,2 Punkte).

        S&P 500: Besonders positiv schätzen Unternehmen des S&P 500 sowie Analysten das zweite Quartal ein. Über den Zeitraum des zweiten Quartals hatten Analysten ihre Gewinnprognosen um 7,2% nach oben revidiert, während in den vergangenen 15 Jahren die durchschnittliche Abwärtsrevision innerhalb eines Quartals bei 5% lag. Das wäre die höchste Aufwärtsrevision seit Beginn der Statistik von FactSet im 2. Quartal 2002. Auch die Unternehmen zeigen Zuversicht: Für das zweite Quartal haben bereits 103 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 66 positive 37 negativen Gewinnerwartungen gegenüberstehen, was einer positiven Erwartungsquote von 64% (5-Jahres-Schnitt: 37%) entspricht. Die Nettogewinnmarge würde mit 11,8% weit über dem 5-Jahresschnitt von 10,6% und der Vorjahres-Marge von 8,6% liegen. Für das Gesamtjahr sind bei 12,6% Umsatzwachstum 35,6% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,4 (10-Jahresschnitt: 16,2) relativiert. Wie lange geht dies so weiter? Können Unternehmen ihre aktuelle Pricing-Power weiterbehalten oder droht aufgrund geschwächter Kaufkraft der Bevölkerung eine moderatere Nachfrageentwicklung? Von diesen Faktoren hängt nun die weitere Börsenentwicklung ab. Analysten beziffern das 12-Monats-Potenzial im S&P 500 noch immer mit 11,2% (per 9.7.).

Aktien - Europa

        EU-Kommission revidiert BIP-Wachstumserwartungen nach oben: Noch Mitte Mai ging die EU-Kommission für 2021 und 2022 in der Eurozone von je 4,3 bzw. 4,4 % BIP-Wachstum aus (EU: je 4,2 bzw. 4,4%). Vergangene Woche revidierte sie die Prognosen auf je 4,8 bzw. 4,5% nach oben (EU: gleiche Werte). Im letzten Quartal 2021 soll das Vorkrisenniveau erreicht sein. Unsicherheitsfaktor bleibt aber die Ausbreitung der Delta-Variante.

        Gewinnschub im zweiten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im zweiten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 108,6% wachsen. Ohne Energiesektor wäre es noch immer ein Plus von 72,8%. Die stärksten Zuwächse werden bei Industriewaren und zyklischen Konsumgütern erwartet, gefolgt vom Energiesektor. In der kommenden Woche sollten 37 Unternehmen ihre tatsächlichen Quartalsgewinne bekanntgeben Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 47,2% (Tendenz wieder steigend!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

       Chinas Wirtschaft verliert an Dynamik: Der CFLP PMI für das verarbeitende Gewerbe schwächte sich im Juni bereits den dritten Monat in Folge ab, und zwar um 0,1 auf 50,9 Punkte, was aber noch immer einen stabilen Wert bedeutet. Neue Exportaufträge und die Beschäftigung bleiben noch im Kontraktionsbereich unter 50, während die Produktion von 52,7 auf 51,9 Punkte zurückging und die Auftragseingänge leicht anstiegen. Laut Caixin-Einkaufmanagerindex fiel im Juni das Aktivitätsniveau des Dienstleistungssektors auf ein 14-Monats-Tief! Der Caixin/Markit Services PMI fiel von Mai auf Juni von 55,1 auf 50,3 Punkte (knapp über Kontraktionsgrenze von 50). Auch der Caixin Composite PMI, der Produktion und Dienstleistung enthält fiel im Juni auf ein 14 Monats-Tief. Die vereinfachte Erklärung dafür: Die Corona-Delta-Variante wirft ihre Schatten voraus!

Anleihen

        Entspannung: Die jüngsten Arbeitsmarktdaten in den USA sprachen eindeutig gegen Inflation, zumal die Lohnsteigerung im Juni mit 3,6% unter der 5%-Inflationsrate von Mai lag. Dann kamen diese Woche moderate Einkaufsmanagerindexdaten sowie Nachrichten über eine Konjunkturabkühlung aus China hinzu. Das beflügelt zwischenzeitlich die Treasury-Preise am langen Ende. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries gingen um 6 Basispunkte (BP) auf 1,36% zurück und in Europa lag der Rückgang zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bei 5 BP (auf -0,29%).   Merkbare Renditerückgänge auf Monatsbasis zeigen sich bereits bei laufzeitkongruenten Staatstiteln aus der Schweiz (-6 BP), den Niederlanden und Großbritannien (je 5 BP). Gleiches gilt auch für Portugal und die Schweiz. Doch Vorsicht: Die Lage in den USA bleibt wegen der Tapering-Debatte tricky, während mit der neuen geldpolitischen Ausrichtung der EZB in Europa ein kritischer Sonderfaktor hinzukam. Im Rahmen der Vorstellung ihrer neuen Strategie zieht die EZB eine zeitweise erhöhte Inflation durchaus ins Kalkül. Aber das Ziel einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2%, wie die Fed verfolge sie nicht. Im Zuge der Pressekonferenz zu dem Thema sagte Lagarde, dass das symmetrische Inflationsziel von 2 % (bisher über knapp 20 Jahre nahe aber unter 2 %) bedeutet, dass Abweichungen nach beiden Seiten unerwünscht seien und ergänzte: „Aber wir erkennen auch an, dass wir wegen der effektiven Zinsuntergrenze, die für uns eine Einschränkung darstellt, spezielle Maßnahmen ergreifen müssen, um die Symmetrie wiederherzustellen“. Das bedeutet eventuell Zuckerbrot und Peitsche. Vor allem auf weitere stärkere Inflationsanstiege könnte die EZB schneller mit einer Drosselung von Anleihenkäufen oder Anhebung der Einlagenfazilität reagieren. Hingegen im Falle einer erneuten tiefen Rezession in Europa sind auch neue Anleihenkaufprogramme, wie zum Beispiel Ankäufe von Greenbonds möglich, zumal die EZB auch Klimaschutz in ihre Geldpolitik verankern möchte.

       HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,14 Prozentpunkte (08.07.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt.

Edelmetalle und Rohstoffe

        Edelmetalle stabilisieren sich, Agrarrohstoffpreise brechen ein: Die rückläufigen Anleihenrenditen haben die Edelmetalle gestützt. Hingegen um über 11% brach der Maispreis ein, Sojamehl verlor 7%, der Weizen 5,6%. Was ist passiert? Es gab reichlich Regen im dürregeplagten Mittelwesten der USA. Hinzu kam, dass sich das Crop-Rating, über den Zustand der Mais-, Soja- und Winter-Weizenbestände in den USA nicht weiter verschlechterte. Entscheidend wird aber heute der USDA Report. Es ist mit starken Preisbewegungen zu rechnen. Aufgrund der für die Rohstoffnachfrage noch immer soliden Konjunkturdaten weiterhin Stärke zeigen Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer, Nickel, Blei und Zink.

Währungen

        Yen und Schweizer Franken zeigen Stärke: Auf erste kritische Aktienmarktsignale reagierten japanische Institutionen bereits mit ersten Repatriierungen von Auslandsengagements, was zu einer Erstarkung des Yen zum Euro führte. Die Deltavariante breitet sich immer schneller aus und der Schweizer Franken zeigte sich vor allem nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten erneut als feste Antikrisen-Währung. Hinzukommt, dass die EZB nun amtlich kurzfristig mehr als 2% Inflation akzeptiert. Die Inflationsrate des Euroraums liegt bereits bei 2%, während jene der Schweiz nur 0,6% beträgt. Auch dieser Umstand leistet seinen Beitrag. Ansonsten hielten sich die Bewegungen des Euro zu anderen wichtigen Währungen in engeren Grenzen.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

12.07.2021

Japan: Werkzeugmaschinenbestellungen

USA: FOMC Mitglied John C. Williams spricht, 10-Jahres-Note-Auktion

13.07.2021

China: Handelsbilanz

EUR: EcoFin-Treffen

USA: Inflationsdaten

14.07.2021

Japan: Industrieproduktion

UK: Inflationsdaten

EUR: Industrieproduktion

USA: Anhördung des Fed-Chefs Powell

15.07.2021

China: Industrieproduktion, BIP, NBS Pressekonferenz

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Anhördung des Fed-Chefs Powell

16.07.2021

Japan: BoJ Zinssatzentscheidung, BoJ Geldpolitik Statement

EUR: Inflationsdaten

USA: Einzelhandelsumsätze; Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen.

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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