PC - Weekly 2021 KW 32

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Arbeitsmarkt-Erholung treibt Anleihenrenditen nach oben: Waren die vorangegangenen Wochen geprägt von den Grenzen des Wachstums infolge von Lieferengpässen und Personalmangel so zeigte sich in der vergangenen Woche die Kehrseite der Medaille, nämlich ein starker Arbeitsmarkt, der Stimmen für frühere Drosselungen der Anleihenkäufe der Fed laut werden lässt. Die Arbeitslosenquote und Folgeanträge auf Arbeitslosenunterstützung erreichten die besten Werte seit März 2020, dem Beginn der Pandemie-Wirtschaft in den USA. Sowohl in den USA als auch in China hat sich gemäß wichtiger Einkaufsmanagerindizes die Stimmung im Service-Sektor verbessert. Hingegen die Zahlen aus der US-Industrie sind durchwachsen: Der ISM Einkaufsmanager-Index für die Industrie war im Juli um 1,1 auf 59,5 Zähler rückläufig. Analysten rechneten mit 61 Punkten. Vor allem hat die Pricing-Power der Unternehmen nachgelassen, was bald zu einer Reihe von Gewinnwarnungen führen könnte. Auf der anderen Seite verbesserte sich der Beschäftigungsindikator, was sich auch in den Arbeitsmarktdaten widerspiegelt. Dies könnte den USA Spielraum für weitere Strafzölle gegen China geben. Das Thema Cyberattacken durch chinesische Hacker ist in allen Medien und Experten schließen mittlerweile einen Krieg zwischen den USA und China nicht mehr aus. Neben diesen geopolitischen Faktoren, einem Vormarsch der Taliban in Afghanistan sowie einer zunehmenden Ausbreitung der Corona-Delta-Variante mehren sich erneut die Risikofaktoren an den Finanzmärkten.

 

Starker Dienstleistungssektor: Der vom ISM (Institute for Supply Management) veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für den Service-Bereich in den USA stieg von Juni auf Juli im vier Prozentpunkte auf ein Rekordhoch von 64,1 Punkte. Die Produktion läuft auf Hochtouren und bei den Exportauftragseingängen gab es einen regelrechten Schub, während die Beschäftigungskomponente solide expandierte. Lagerbestände werden immer knapper und die Preise steigen.

Weniger Arbeitslose beantragen staatliche Unterstützung: Im Wochenvergleich waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der Woche endend am 31. Juli um 14.000 auf 385.000 rückläufig. Seit Mai bewegen sich diese Zahlen in enger Bandbreite um ca. 400.000. Was allerdings diesmal auffiel war ein starker Rückgang der Folgeanträge auf Arbeitslosenunterstützung: Dieser Level war mit 366.000 auf 2,93 Millionen rückläufig. Somit fielen erstmals seit 14. März 2000 die Folgeanträge unter die Marke von 3 Millionen. Wie stark sich der US-Arbeitsmarkt verbesserte zeigt sich darin, dass binnen eines Jahres die Anzahl aller Arbeitslosen in irgendeinem Unterstützungsprogramm von 32 Millionen auf unter 13 Millionen zurückging

Arbeitsmarkt erholt sich: Außerhalb des Agrarsektors entstanden in den USA im Juli 943.000 Jobs. Das Hochfahren nach dem Lockdown macht sich bemerkbar. Gastronomie und Freizeit schufen 380.000 neue Stellen. Im Bildungsbereich auf lokaler Ebene entstanden 221.000 Arbeitsplätze und auch der Transportbereich und technische Services schufen neue Stellen. Somit ist die Arbeitslosenquote im Juli überraschend im Monatsvergleich um 0,5 Prozentpunkte auf 5,4% und somit den tiefsten Stand seit März 2020 gesunken. Analysten rechneten im Schnitt mit 5,7%. Bei Teenagern und Einwohnern ohne Highschool-Abschluss ist die Arbeitslosenquote mit 9,6 bzw. 9,5% am höchsten und bei jenen mit Uniabschluss mit 3,1% am niedrigsten. Selbst die Anzahl der Langzeitarbeitslosen war im Monatsvergleich um 560.000 auf 3,425 Millionen rückläufig. Die Erwerbsbeteiligungsquote stieg marginal auf 61,7% und die Stundenlöhne der Privatwirtschaft verbesserten sich von Juni auf Juli von 25,72 auf 25,83 Euro. Auf Jahresbasis stiegen die Stundenlöhne um 4,7%. Einerseits herrscht Facharbeitermangel. Auf der anderen Seite sind im Lockdown mehr schlecht bezahlte Service-Stellen (Kellner, Verkäufer etc.) abgebaut worden, während die Qualifizierten und gut Bezahlten zumindest im Homeoffice blieben.

S&P 500: Erneut eine erfreuliche Quartals-Zwischenbilanz: 89% der S&P 500 Unternehmen haben per 6. August bereits ihre Zahlen für das zweite Quartal 2021 gemeldet. Davon erzielten 87% Quartalsgewinne über den Erwartungen der Analysten. Der 5-Jahres-Schnitt liegt bei 75%. Wäre dies der finale Wert wäre das der beste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008. Aggregiert betrachtet veröffentlichten im zweiten Quartal die Unternehmen Gewinne um 17,1% über den Analystenschätzungen, was ebenfalls sehr weit über dem 5-Jahres-Durchschnitt, nämlich 7,8% liegt. Mischt man die vorhandenen Q2-Daten mit Gewinnerwartungen der Unternehmen, dann würden auf Jahresbasis die S&P 500 Firmen ein Gewinnwachstum/Aktie von 88,8 % (Vorwoche: 85,1%) aufweisen, den höchsten Wert seit dem vierten Quartal 2009 (109,1%). Positive Gewinnüberraschungsquoten von jeweils 96 bzw. 97% gab es im „Telekom-Bereich“ und in der IT. Für das Gesamtjahr sind bei 14,3% Umsatzwachstum 41,6% Gewinnwachstum (stark steigende Tendenz gegenüber Vorwoche) zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,1 (10-Jahresschnitt: 16,2) relativiert. Wie lange geht dies so weiter? Können Unternehmen ihre aktuelle Pricing-Power weiterbehalten oder droht aufgrund geschwächter Kaufkraft der Bevölkerung eine moderatere Nachfrageentwicklung? Von diesen Faktoren hängt nun die weitere Börsenentwicklung ab. Analysten beziffern das 12-Monats-Potenzial im S&P 500 noch immer mit 11,7% (per 6.8.). Historisch bereits sehr hoch ist im S&P 500 die Nettogewinnmarge mit 13% im zweiten Quartal. Sie liegt über dem 5-Jahres-Schnitt von 10,6% und weit über dem Vorjahresquartalswert von 8,6%. Zwar blicken noch immer 59% jener 71 Firmen, die Prognosen für das 3. Quartal bekanntgaben, optimistisch in die Zukunft (5-Jahres-Schnitt 37%), die Stimmung kann jedoch jederzeit umschlagen – entweder bei außer Kontrolle geratener Inflation oder im Falle eines erneuten Konjunkturabschwungs.

Aktien - Europa

Infineon: Belastungen eingepreist: Mit 9,4% Plus ist Infineon Wochengewinner im DAX. Denn die Folgen eines Wintersturms in den USA und die Corona-Krise sind für die Anleger bereits Schnee von gestern. Trotz pandemiebedingter Einschränkungen der Fertigungskapazitäten in Melaka, Malaysia und den Nachwirkungen des Wintersturms in Texas, konnten die Umsätze im abgelaufenen Quartal von 2174 (Vorjahresquartal) auf 2722 Mio. EUR gesteigert werden. Ergebnis und freier Cash Flow konnten im Vergleich zum Vorquartal verbessert werden. Am Ausblick für das Gesamtjahr hielt das Management fest und im vierten Quartal soll ein Umsatz von 2,9 Mrd. EUR erzielt werden. Vor allem die Smartphone-Nachfrage soll sich positiv auswirken.

Gewinnschub im zweiten Quartal: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im zweiten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 139,6% (vor 2 Wochen noch 115,2%) wachsen. Ohne Energiesektor wäre es noch immer ein Plus von 99,2%. Die stärksten Zuwächse werden bei Industriewaren, zyklischen Konsumgütern und Grundstoffen erwartet, gefolgt vom Energiesektor. Im dritten Quartal hatten 195 Unternehmen des STOXX 600 Gewinne für Q2 21 veröffentlicht. Zwei Drittel davon lagen über den Analystenschätzungen verglichen mit einem langfristigen Durchschnitt von 51%. Das für 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 52,9% wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China mit nachlassender Exportdynamik auf hohem Niveau: Die Handelsaktivitäten Chinas hatten sich im Juli wieder etwas gemäßigt. Die von Reuters befragten Volkswirte gingen für Juli noch immer von 20,8% Plus bei den Exporten aus. Tatsächlich lag das Plus „nur“ bei 19,3%. Doch der Binnenkonsum stützt noch, was viel bedeutender ist. Im Juni wuchsen die Einzelhandelsumsätze noch immer mit 12,1% stärker als erwartet. Hintergrund: Chinas Exporte von Waren und Dienstleistungen machten 2020 nur 18,5% der Wirtschaftsleistung aus. Vielmehr bedeutend ist somit der Binnenkonsum.

Anleihen

US-Arbeitsmarktdaten lassen Staatsanleihenrenditen emporschnellen: Noch vor einer Woche sah es nach einer anhaltend expansiven Geldpolitik der Fed aus, was die Anleihenrenditen niedrig hielt. Aber zukünftig werde die Fed in ihren Sitzungen regelmäßig prüfen, ob die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Fortsetzung der monatlichen Anleihenkäufe in Höhe von 120 Mrd. USD angesichts der überraschend starken wirtschaftlichen Konjunkturerholung noch gerechtfertigt ist. Allerdings sollte es laut Fed Chairman, Jerome Powell, derzeit noch nicht so weit sein. Die Wirtschaftsdaten weisen noch nicht die erforderlichen Fortschritte auf. Doch mit jüngsten Arbeitsmarktdaten (siehe oben) ist hier wieder Bewegung ins Spiel gekommen: Von 2. bis 6. August stiegen die Renditen zehnjähriger T-Bonds um 12 Basispunkte auf 1,29%. Vom 30. Juli bis 6. August haben sich die Leitzinserwartungen verändert: Die von den Futures eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Leitzinsanhebung auf 50 bis 75 BP bis 14. Dezember 2022 stieg von 14,7 auf 19,5%. Indessen verringerten sich die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihenrenditen zwischenzeitlich auf -0,50 BP ehe ein Anstieg um 4 BP auf -0,46 BP folgte. Zu einer kurzfristigen Korrektur setzten EM-Bonds an, die zuletzt gut gelaufen sind. In Europa immer mehr zum Faktor werden Delta-Variante und neue Lockdowns. Das hält die Zinsen in Schach.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,37 Prozentpunkte (05.08.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Seit dem 23. Juli lag der Anstieg bereits bei 15 BP.

Edelmetalle und Rohstoffe

Arbeitsmarktdaten setzen Edelmetalle unter Druck: Auf 3-Monats-Basis sind Gold und Silber – die ewigen „Geheimtipps“ - bereits jeweils knapp 4 bzw. 11% im Minus. Der starke Renditeanstieg auf diverse Spekulationen eines früher als erwarteten Taperings der Anleihenkäufe durch die Fed in Kombination mit einem starken Arbeitsmarkt belasten. Auch stiegen auf Jahresbasis die Stundenlöhne um 4,7%, was allerdings auf statistische Verzerrungen zurückzuführen ist. Aber eine Lohn-Preis-Spirale und „Zweitrundeneffekte“ sind mittelfristig nicht ausgeschlossen. Die Kombination aus hoher Inflation und starkem Arbeitsmarkt sind angesichts erneuter Renditeanstiege bei US-Treasuries Gift für Edelmetalle. Weitere Kurseinbrüche sind nicht ausgeschlossen zumal noch immer viele Amateure auf ihre „Megagewinne“ hoffen und dabei enttäuscht werden.

Währungen

Steigende Dollarzinsen: Der US-Dollar wertete zum Euro im Wochenvergleich knapp 1% auf. Auch Britisches Pfund, Japanischer Yen und Australischer Dollar zeigten sich gegenüber dem Euro von ihrer starken Seite. Fakt ist, dass die steigenden Dollarrenditen ein Einflussfaktor sind und weiterhin bleiben könnten. Der Euroraum sollte nämlich noch mehrere Jahre keine Zinswende vollziehen und auch die Wachstumspotenziale halten sich derzeit in Grenzen. Von den Carrytrade-Währungen stabil zum Euro tendieren derzeit der russische Rubel und der Mexikanische Peso, während die Türkische Lira nach einer kurzen Gegenbewegung erneut abschwächt – nicht zuletzt infolge der Milliardenschäden durch Waldbrände.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

09.08.2021

China: Inflationsdaten

10.08.2021

USA: Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft, Lohnstückkosten
EUR: ZEW Konjunkturerwartungen

11.08.2021

Japan: Führender Wirtschaftsindex
USA: Inflationsdaten

12.08.2021

UK: BIP, Industrieproduktion
EUR: Industrieproduktion
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Erzeugerpreisindex

13.08.2021

USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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