PC - Weekly 2021 KW 33

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Nur temporärer Renditeanstieg? Auf eine Woche in der Stimmen für eine baldige Drosselung der Anleihenkäufe der Fed laut wurden und dies die Renditen nach oben trieb folgte auf einen Rendite-Spike zehnjähriger US-Treasuries am Donnertag wieder ein Renditerückgang um 7 Basispunkte am Freitag. Der vorübergehende Spike war auf starke wöchentliche Arbeitsmarktdaten zurückzuführen. Es nahmen die dritte Woche in Folge weniger US-Einwohner Arbeitslosenunterstützung in Anspruch.  Gleichzeitig setzte der Aktienmarkt auf eine gute Earning Season seinen Gipfelsturm weiter fort. Mit einem Einbruch des Verbrauchervertrauens in den USA entspannte sich nämlich die Zinsfront. Auf der anderen Seite hingegen braut sich geopolitisch ein Sturm zusammen. Die Taliban haben Afghanistan weitgehend zurückerobert nachdem ausländische Truppen abzogen. China arbeitet mit diesem Regime voraussichtlich zusammen. Erst kürzlich hat der chinesische Außenminister einen stellvertretenden Taliban-Führer empfangen. China will den Aufbau der Infrastruktur von Afghanistan finanzieren und mit eigenen Firmen vorantreiben. Gleichzeitig könnte hier China eine neue Schutzmacht werden. Dies könnte radikale islamistische Kräfte aus Pakistan dazu veranlassen, den Grenzkonflikt mit Indien neu aufflammen zu lassen. Fast gleichzeitig probt China die Annexion Taiwans im Zuge von Marineübungen am Strand. Litauen steht wegen Eröffnung einer Taiwan-Wirtschaftsvertretung in Vilnius nun im Clinch mit China so das China seine Botschafter aus Litauen abzieht. Gleichzeitig verdichten sich immer mehr die Anzeichen, dass China zu militärischen Interventionen bereit ist, zumal der Druck seitens einer internationalen Allianz zur Unterstützung Taiwans steigt.

 

       US-Konsumentenvertrauen fällt in erster Augusthälfte auf 10-Jahres-Tief: Die Corona-Mutationen breiten sich schnell aus – trotz Sommer und gleichzeitig entbrannte im Offenmarktausschuss der Fed eine Tapering-Debatte, während die breite Bevölkerung eher Nachrichten über neue Stützungsprogramme hören will. Nicht umsonst fiel der von der Universität Michigan erstellte Verbrauchervertrauens-Index gegenüber Juli in der ersten Augusthälfte von 81,2 auf 70,2 Prunkte und somit den niedrigsten Stand seit 2011. In den vergangenen 50 Jahren gab es nur 2 stärkere Einbrüche, nämlich während der Finanzkrise 2007 bis 2009 und der ersten Shutdown-Welle im April 2020. Am stärksten brach dabei die Erwartungskomponente ein und die schlechte Stimmung ergriff breite Bevölkerungsschichten.

        Erneut weniger Arbeitslose beantragen staatliche Unterstützung: Im Wochenvergleich waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der Woche endend am 7. August um 12.000 auf 375.000 rückläufig. Seit Mai bewegen sich diese Zahlen in enger Bandbreite um ca. 400.000. Was allerdings bereits in der Vorwoche auffiel, war ein starker Rückgang der Folgeanträge auf Arbeitslosenunterstützung: Dieser Level war mit 366.000 auf 2,93 Millionen rückläufig und zuletzt auf 2,87. Das ist der niedrigste Stand seit März 2020.  

        S&P 500: Erneut eine erfreuliche Quartals-Zwischenbilanz: 91% der S&P 500 Unternehmen haben per 13d. August bereits ihre Zahlen für das zweite Quartal 2021 gemeldet. Davon erzielten 87% Quartalsgewinne über den Erwartungen der Analysten. Der 5-Jahres-Schnitt liegt bei 75%. Wäre dies der finale Wert wäre das der beste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008. Aggregiert betrachtet veröffentlichten im zweiten Quartal die Unternehmen Gewinne um 17% über den Analystenschätzungen, was ebenfalls sehr weit über dem 5-Jahres-Durchschnitt, nämlich 7,8% liegt. Mischt man die vorhandenen Q2-Daten mit Gewinnerwartungen der Unternehmen, dann würden auf Jahresbasis die S&P 500 Firmen ein Gewinnwachstum/Aktie von 89,3 % (vor 2 Wochen noch rund 85%) aufweisen, den höchsten Wert seit dem vierten Quartal 2009 (109,1%). Positive Gewinnüberraschungsquoten von jeweils 96 bzw. 95% gab es im „Telekom-Bereich“ und in der IT. Für das Gesamtjahr sind bei 14,5% Umsatzwachstum 41,9% Gewinnwachstum (steigende Tendenz gegenüber Vorwoche) zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,1 (10-Jahresschnitt: 16,3) relativiert. Wie lange geht dies so weiter? Können Unternehmen ihre aktuelle Pricing-Power weiterbehalten oder droht aufgrund geschwächter Kaufkraft der Bevölkerung eine moderatere Nachfrageentwicklung? Von diesen Faktoren hängt nun die weitere Börsenentwicklung ab. Analysten beziffern das 12-Monats-Potenzial im S&P 500 noch immer mit 11,3% (per 13.8.). Historisch bereits sehr hoch ist im S&P 500 die Nettogewinnmarge mit 13% im zweiten Quartal. Sie liegt über dem 5-Jahres-Schnitt von 10,6% und weit über dem Vorjahresquartalswert von 8,6%. Zwar blicken noch immer 58% jener 73 Firmen, die Prognosen für das 3. Quartal bekanntgaben, optimistisch in die Zukunft (5-Jahres-Schnitt 37%), die Stimmung kann jedoch jederzeit umschlagen – entweder bei außer Kontrolle geratener Inflation oder im Falle eines erneuten Konjunkturabschwungs.

Aktien - Europa

        Industrieproduktionszuwachs des Euroraums gedämpft auf hohem Niveau: Da die Ausgangsbasis der Produktionslevel mit Fortschreiten der Corona-Krise immer weniger sinkt, ist nun ein Jahr später der Zuwachs entsprechend gedrosselt. Die Industrieproduktion des Euroraums ging von 20,6 auf 9,7% zurück und der Investitionsgüterbereich hat sich nicht zuletzt infolge von Lieferengpässen und Personalmangel stark beruhigt. Nach noch 29,3% Jahreszuwachs im Mai ging dieser auf 8,1% im Juni zurück. Von den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten weisen folgende Länder auffallend hohe Produktionszuwächse auf: Belgien (23,2%), Litauen (20,1%), Slowenien (18,9%), Ungarn (18,6%) und Polen (18,5%). Doch Achtung: Die vorauseilenden Indikatoren wie z.B. Konjunkturerwartungen im August sind den dritten Monat in Folge gesunken und brachen um 18,5 Punkte auf 42,7 Prunkte ein. Infolge gesunkener Konjunkturerwartungen waren auch die Inflationserwartungen rückläufig. Dies nimmt den Zinsängsten den Wind aus den Segeln.

        Gewinnschub im zweiten Quartal: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im zweiten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 148,1% (vor einer Woche noch 139,6%) wachsen. Ohne Energiesektor wäre es noch immer ein Plus von 105,5%. Die stärksten Zuwächse werden bei Industriewaren, zyklischen Konsumgütern und Grundstoffen erwartet, gefolgt vom Energiesektor. Mittlerweile hatten 238 Unternehmen des STOXX 600 Gewinne für Q2 21 veröffentlicht. 67,2% davon lagen über den Analystenschätzungen verglichen mit einem langfristigen Durchschnitt von 51%. Das für 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 57% wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

        Chinas Wachstumsdelle weitet sich infolge steigender Corona-Zahlen aus: Wegen neuer Corona-Ausbrücke mussten Fabriken und Häfen zeitweise geschlossen werden. Hinzu kamen schwere Überflutungen und heftige Regenfälle beispielsweise in der wirtschaftlich bedeutenden Provinz Henan. Die aktuellen Ausblicke werden unsicherer, da sich die Produktion immer mehr begrenzt. Die von Reuters befragten Analysten rechneten im Juli noch mit einem Plus der Industrieproduktion um 7,8%. Tatsächlich waren es nur noch 6,4%. Nach noch 12,1 % Wachstum im Juni verringerte sich das Plus der Einzelhandelsumsätze im Juli auf 8,5%. Analyten rechneten noch mit plus 11,5%.

 

Anleihen

       Erneute Renditerückgänge: Nach einem zwischenzeitlichen Spike nach guten wöchentlichen Arbeitsmarktdaten folgte wieder ein Rückgang auf schlechte Konsumstimmung. Per Saldo waren in den USA die Renditen zehnjähriger Treasuries um einen Basispunkt auf 1,27% rückläufig. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit traten an der Stelle und dies bei -0,47% Negativrendite. In Italien, Spanien, Portugal, Griechenland ist in den vergangenen 12 Monaten ein klarer rückläufiger Staatsanleihenrendite-Trend erkennbar. Die Risikofreude der Anleger ist hoch.  Das hält die Kurse von EM-Bonds auf hohem Niveau. Doch zukünftige Zinswende-Wahrscheinlichkeiten sollten nicht aus den Augen verloren werden: Vom 30. Juli bis 16. August haben sich die Leitzinserwartungen verändert: Die von den Futures eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Leitzinsanhebung auf 50 bis 75 BP bis 14. Dezember 2022 stieg von 14,7 auf 21,1%. In Europa immer mehr zum Faktor werden Delta-Variante und neue Lockdowns. Das hält die Zinsen am langen Ende in Schach.

       HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,37 Prozentpunkte (13.08.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Seit dem 23. Juli lag der Anstieg bereits bei 15 BP.

Edelmetalle und Rohstoffe

        Agrarrohstoffpreise erneut im Aufwind: Weltweit haben sich die Witterungsbedingungen verschlechtert. Hitze, Dürre und Waldbrände in den USA, Russland und Süd- und Südosteuropa und Flutkatastrophen in Mittel- und Westeuropa und China – all das verschlechtert mittelfristig die Ernteaussichten. In Brasilien ist mit erheblichen Ausfällen der Kaffeeernte zur rechnen: Alleine auf ein Monat Sicht stieg der Preis um 13% und binnen sechs Monaten um 40%. Der Weizenpreis liegt im Wochenvergleich 7,7% im Plus, Hafer 7,5% und Zucker um 8,5%. Ernteausfälle lassen starke Preisanstiege erwarten infolge von Knappheiten erwarten.

 

Währungen

        Dollarstärke: Die US-Dollarstärke setzt sich weiter durch, wenn auch in einem langsameren Tempo. Schweizer Franken und Yen-Aufwertungen zeigen bereits wieder erste Auflösungen von Carrytrades. Zunehmend wird Geld repatriert. Das macht diese Währungen solide. Allerdings halten sich derzeit die Schwankungsbreiten in engen Grenzen.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

16.08.2021

Japan: BIP-Daten

China: NBS-Pressekonferenz; Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion

USA: NY Empire-State Produktionsindex

17.08.2021

USA: Einzelhandelsumsätze, Controlling des Einzelhandels;

EUR: BIP-Daten

18.08.2021

Japan: Maschinenbestellungen, Exporte, Importe

UK: Erzeugerpreisindex u. Verbraucherpreisindex

EUR: Inflationsdaten

USA: Auktion 20jähriger Staatsanleihen, Baugenehmigungen, Baubeginne, FOMC-Protokoll

19.08.2021

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly Fed Herstellungsindex

20.08.2021

Japan: Inflationsdaten

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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