PC - Weekly 2021 KW 38

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Fed in der Zwickmühle: Einerseits wird die Corona-Delta-Variante infolge zunehmender Impfdurchbrüche immer mehr zum Wirtschaftsfaktor, andererseits gab es relativ starke Einzelhandelsdaten für August, während der Arbeitsmarkt noch immer nicht richtig funktioniert. Noch immer lag die Inflationsrate im August bei 5,3% und die Erzeugerpreise explodierten um 8,3%, Bedingungen unter denen ein Fed-Präsident Paul Volcker (Anfang der 80erJahre) schon längst an der Zinsschraube gedreht hätte. Doch der heutige Fed-Chef, Jerome Powell, ist mit der höchsten Staatsschuld konfrontiert, die es in Friedenszeiten je gegeben hat. Trotzdem wird Inflation immer mehr zum Thema zumal bereits 224 S&P 500 Unternehmen diese in ihren Earning Calls zum zweiten Quartal 2021 erwähnten. Das ist zumindest seit 2010 der höchste Stand (Quelle: FactSet). Gleichzeitig nehmen die geopolitischen Spannungen Russland/USA immer mehr zu. So hat das russische Außenministerium den amerikanischen Botschafter einbestellt und ihm eine Beschwerde über angebliche Wahleinmischung amerikanischer Internetunternehmen überreicht. Zuvor erhalten Google und Apple eine Verwarnung. Gleichzeitig sagten die USA der Ukraine weitere Militärhilfe zu, was dort einen Stellvertreterkrieg USA-Russland speist.

Starke Einzelhandelszahlen im August schüren Zins- und Tapering-Ängste: Während ein starker Handel ein gutes Zeichen in normaler Wirtschaftslage ist, gilt es bei aktuellen Lieferengpässen und der aktuellen Teuerung als Inflationsbeschleuniger. Entsprechend bewirkten folgende Zahlen steigende Renditen bei US-Staatsanleihen sowie leicht rückläufige Aktienkurse: Der US-Einzelhandelsumsatz ist gegenüber dem Vormonat um 0,7% gestiegen, während Analysten mit 0,7% Minus rechneten. Allerdings haben Volkswirte zuvor den Rückgang im Vormonat von 1,1 auf 1,8% revidiert. Gegenüber dem Vorjahresmonat legten die Umsätze um 15,1% zu.

Schwächere Industrieproduktion: Die US-Industrieproduktion ist im August weniger gestiegen als erwartet. Analysten rechneten im Monatsvergleich mit einem Anstieg um 0,5%, tatsächlich waren es nur 0,4%. Die Bremse waren globale Lieferkettenunterbrechungen. Trotzdem expandierte die Produktion der Industriebetriebe den sechsten Monat in Folge. Im Vorjahresvergleich war es im August eine Produktionssteigerung um 5,9% und die Kapazitätsauslastung stieg von Juli auf August von 76,2 auf 76,4%.

Leichter Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung: Unter geldpolitischen Aspekten positiv ist, dass der Arbeitsmarkt sich nicht weiter in einem zu starken Tempo erholt. In der Woche endend 11. September 2021 stieg die Zahl der Antragsteller von revidiert 312.000 auf 332.000, während Analysten mit 322.000 rechneten. Das ist noch immer einer der niedrigsten Werte seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Folgeanträge war ebenfalls rückläufig, nämlich von 2,783 auf 2,665 Millionen. Die Gesamtanzahl aller Einwohner in Arbeitslosenprogrammen (vor einem Jahr noch 30,3 Millionen!) stieg binnen einer Woche bis 28. August um fast 180.000 auf 12,1 Millionen.

S&P 500 – Optimistischer Ausblick: Stagflation und eine Preis-Kosten-Schere werden von manchen Experten erwartet, doch trotz der 224 Firmen, die in ihren jüngsten Quartalsberichten (Q2 21) die Inflation erwähnten, erfreuen sich die S&P 500-Firmen seit Ende Juni gestiegener Gewinn- und Rentabilitätserwartungen. Ihre Gewinne sollen im Fiskaljahr 2021 um 42,6% steigen bei erwarteter Nettogewinnmarge von 12,4%! Analysten und Firmen verkündeten vor allem für das dritte Quartal 2021 optimistische Ausblicke im Spektrum der S&P 500 Firmen. In der Folge wird für das dritte Quartal das drittstärkste jährliche Gewinnwachstum seit dem dritten Quartal 2010 erwartet. Seit dem 30. Juni haben Analysten ihre Gewinnprognosen bis zum Stichtag 10. September um 3,4% angehoben.  Das ist außergewöhnlich, denn in einem normalen Quartal reduzieren Analysten die Schätzungen im Verlauf des Quartals. Der Fünfjahres-Schnitt liegt bei -2,9% und auf 15 Jahre sogar bei -4,9%. Auch die von den Unternehmen veröffentlichten positiven Ausblicke auf Q3 sind überdurchschnittlich hoch. 102 Unternehmen haben einen Gewinnausblick für Q3 veröffentlicht, davon 55 einen positiven und 47 einen negativen. Das ist eine 54%-Quote für die positiven Ausblicke vs. 39% im Fünf-Jahres-Schnitt. Aggregiert man die Analystenprognosen und Ausblicke der Unternehmen, so wäre im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 27,6% (Jahresbasis) zu erwarten, die drittstärkste Steigerung seit dem dritten Quartal 2010. Die Nettogewinnmarge im dritten Quartal würde dann bei 12,1% weit über dem 5-Jahresschnit von 10,8% liegen. Das für heuer erwartete Gewinnwachstum von 42,6% ist zwar primär auf Basiseffekte zurückzuführen, doch auch 2022 sollte es mit einer weiteren Steigerung um 9,5% aufwärts gehen, weshalb in dieser aktuellen Niedrigzinsphase ein Forward KGV von 20,9 (10-Jahresschnitt von 16,3) noch nicht überteuert erscheint. Allerdings nehmen die Risikofaktoren an den Märkten derzeit zu.                                                                                                                                                                                                        

Aktien - Europa

Erholung der Industrieproduktion mäßigt sich im Euroraum: Basiseffekte lassen Wirtschaftswachstum und die Produktionszuwächse (Jahresbasis) noch stark aussehen. Aber die Dynamik lässt langsam nach, von 39,7% Zuwachs im April, 20,6% im Mai, nur noch 10,1% im Juni und dann ein weiterer Rückgang auf 7,7% im Juli. Am stärksten war der Rückgang von 3,4 auf 1,0% im Energiebereich. Die Produktion von Gebrauchsgütern ging von 16,1 % im Juni auf 9,8% im Juli zurück, und bei Investitionsgütern mäßigte sich der Jahreszuwachs von 6,9 auf 5,9%. Kritisch ist auch der unterdurchschnittliche Produktionszuwachs von Deutschland (6,2%), Frankreich (4,4%) und Spanien (3,2%).

Euro Stoxx 50® Index per 31. August relativ günstig bewertet: Wer auf der Suche nach Value, Dividende und Substanz ist, kommt an einer Übergewichtung Europas gegenüber die USA schwer vorbei. Beispielsweise zeigt der Euro Stoxx 50® Index per 31. August bei einem Trailing-KGV von 20,4 ein Forward-KGV von 16,9 und dies bei einer Dividendenrendite von satten 3%, einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 2,2 und einem Kurs/Umsatz-Verhältnis von 1,6. Das spricht für Aufholpotenzial gegenüber den USA.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Droht chinesische Immobilienkrise? Die vergangenen Jahre haben hohe Wachstumsraten die Verschuldungsproblematik und Überkapazitäten am chinesischen Immobilienmarkt gut „zudecken“ können. Nun aber birgt jede zu starke Wachstumsverlangsamung große Gefahrenpotenziale. Chinas Behörden warnen nun vor Zahlungsausfällen des Immobilienentwicklers Evergrande. Der 20. September ist ausschlaggebend. Kann der Immogigant die fälligen Zinsen für Kredite noch stemmen? Gibt es staatliche Hilfen? Oder gibt es eine chinesische Version der Lehman-Pleite? Es geht schließlich um Schulden von 300 Mrd. USD, die auf Evergrande lasten. Trotzdem ist es nicht mit der Lehman-Pleite vergleichbar, da laut Fitch-Analyse im Worst Case die durchschnittliche Eigenkapitalquote der 4000 chinesischen Banken nur geringfügig sinken würde und somit  eine Evergrande-Pleite per Saldo gut verkraftbar wäre.
Allgemein kritisch ist die konjunkturelle Abkühlung: Die Industrieproduktion Chinas wuchs im August gegenüber dem Vorjahresmonat nur noch um 5,3% nach plus 6,4% im Juli und die Einzelhändler steigerten ihren Umsatz nur noch um 2,5%, während Volkswirte noch von einem Plus von 7% ausgingen.

Anleihen

Korrekturmodus weitet sich aus: Die EZB hat bereits beschlossen, im vierten Quartal ihre Anleihenkäufe etwas zu drosseln. Gleichzeitig bleibt in den USA die Inflation mit 5,3% im August auf hohem Niveau und 3% sind auch in der Eurozone bereits ein kritischer Wert.  Starke Einzelhandelsumsätze in den USA lösten eine weitere Korrektur bei zehnjährigen US-Treasuries aus: Die Folge: Die Renditen stiegen um weitere 3 BP auf 1,36% im Wochenvergleich. Bei laufzeitkongruenten deutschen Bundesanleihen lag der Wochenanstieg bei 5 BP (auf -0,28%). Quer durch Europa stiegen wieder die Renditen, insbesondere am Freitag. Innerhalb der Fed mehren sich ohnehin die Stimmen für ein baldiges Tapering und was macht da das Fedwatch-Tool, das aus den Fed-Fund-Futures-Preisen die Wahrscheinlichkeit für Leitzinsanhebungen der Fed ableitet? Obwohl am langen Ende die Renditen wieder zu steigen beginnen, ist die für die Fed-Sitzung am 14. Dezember abgeleitete Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen vom 10. auf den 16. September von 43,1 auf 47,1% gestiegen. Das bedeutet nicht nur, die konjunkturdämpfende Wirkung von Lieferengpässen könne sich entfalten, sondern auch die steigenden Corona-Zahlen sind ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft. Hinzukommen sehr moderate Inflationserwartungen der Notenbanken, insbesondere der EZB, die laut  „voreilig ausgeplauderten“ Infos von EZB-Chefvolkswirt, Philip Lane erst im Jahr 2025 mit dem Erreichen ihres Inflationszieles von 2% rechnet.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,06 Prozentpunkte (16.09.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Edelmetallpreise unter Druck: Erneut steigende Renditen und ein festerer Dollarkurs führten zu erneut rückläufigen Edelmetallnotierungen, wobei es Silber mit einem Minus von 10% am stärksten traf, während der Goldpreis rund 2% im Wochenverlauf einbüßte. Während Silber am Terminmarkt immer stärker unter Druck gerät, steigt die physische Nachfrage seitens der ETFs. Aber die Gefahr für Edelmetalle in Form robuster Konjunkturdaten aus den USA und somit eines vorgezogenen Taperings der Anleihenkäufe bleibt aufrecht.

Währungen

US-Dollar und Japanischer Yen fester: Die jüngsten Renditeanstiege stärkten den US-Dollar, während der Australische Dollar von den hohen Rohstoffpreisen profitierte. Hingegen Japans Wirtschaft wächst stärker als erwartet, was den Yen beflügelt.  Differenziert sieht es bei den Hochzinswährungen aus: Als Carry-Trade-Währung und zu einer massiven Abschwächung gegenüber dem Euro setzte der Südafrikanische Rand an, während der Russische Rubel weiter aufwertet.  

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

20.09.2021

USA: NAHB Immobilienmarktindex

21.09.2021

USA: Baubeginne, Baugenehmigungen u. Auktion 20jähriger Treasuries

22.09.2021

China: PBoC Zinssatzentscheidung
Japan: Geldpolitische Entscheidung der BoJ
USA: Fed Zinssatzentscheidung, FOMC Pressekonferenz,
EUR: Verbrauchervertrauen

23.09.2021

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex, Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex
EUR: Markit PMI Gesamtindex, Einkaufsmanagerindex Gewerbe und Dienstleistungen; Wirtschaftsbulletin

24.09.2021

Japan: Inflationsdaten
USA: Verkäufe neuer Häuser

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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