PC - Weekly 2021 KW 42

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Straffere Geldpolitik, starker Konsum: Immer mehr gewöhnt sich der Markt daran, dass ab Mitte November oder Anfang Dezember die Fed ihre monatlichen Anleihenkäufe drosselt. Das ist die Quintessenz aus Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung und Reden der Zentralbanker Richard Clarida und Michelle Bowman. Die Notenbanker sind sich darüber einig, dass die US-Wirtschaft „substanziellen weiteren Fortschritt“ zeigt. Klare Töne kommen von Frau Bowman: „Vorausgesetzt die Konjunktur verbessert sich so weiter, wie ich erwarte, dann bin ich sehr einverstanden mit der Entscheidung, die Anleihekäufe noch vor Jahresende zurückzufahren, vorzugsweise noch im November“, sagte Bowman. Sie fürchtet, dass die Kosten einer Fortsetzung des Kaufprogramms die Bewertungen im Immobilienmarkt und an den Aktienmärkten befeuern könnte und dass eine Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik die Stabilität der Inflationserwartungen gefährden könnte.  In Großbritannien hingegen wird bereits heuer eine erste Leitzinsanhebung wahrscheinlicher, zumal dort Warenknappheit die Preise stärker treibt als ursprünglich erwartet. Indessen haben die Notenbanken Südkoreas und Neuseelands und zuletzt auch jene von Singapur bereits Zinsanhebungen vollzogen. In den USA preisen indessen die Märkte immer mehr eine erste Leitzinsanhebung im Juli 2022 ein, während es im Euroraum noch bis Anfang 2024 dauern könnte.

Überraschend starke Einzelhandelsumsätze im September: Konsumenten haben offensichtlich Nachholbedarf. Auf Jahresbasis stiegen in den USA die Einzelhandelsumsätze im September um 13,9% und ohne Autos sogar um 15,6 %. Studenten kehren zu den Universitäten zurück und Arbeiter vom Urlaub – Das beschleunigt die Konsumausgaben infolge zunehmender Shopping-Trips zu Hause.  Sportartikel, Buch- und Musikgeschäfte verzeichneten auf Monatsbasis mit 3,7% den stärksten Zuwachs (Gesamter Einzelhandel +0,7%). Auswärts essen gehen ist wieder gefragt (+29,5% auf Jahresbasis. Selbst Inflationsraten nahe eine 30Jahres-Hochs schränken den Konsum nicht ein.

Sinkende Arbeitslosigkeit: Konjunkturell positiv, aber geldpolitisch negativ (spricht für Drosselung der Anleihenkäufe der Fed) war ein Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung um weitere 25.000 auf 293.000.  Das war der erste Rückgang unter 300.000 seit Beginn der Pandemie. Die Folgeanträge fielen um 134.000 auf 2,59 Millionen Einwohner. Gleichzeitig stieg der Großhandelspreisindex im September um 8,6% und somit so stark wie zuletzt nicht mehr seit November 2010, und rechnet man Energie und Nahrungsmittel heraus war es mit 5,9% der höchste Level seit März 1982.

S&P 500 – Anhaltende Wachstumsdynamik: Aggregiert man die Analystenprognosen und Ausblicke der Unternehmen, so wäre im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 30,0% (Jahresbasis) zu erwarten, die drittstärkste Steigerung seit dem dritten Quartal 2010. Die Nettogewinnmarge im dritten Quartal würde dann bei 12,3% weit über dem 5-Jahresschnit von 10,9% liegen. Das für heuer erwartete Gewinnwachstum von 43,2% ist zwar primär auf Basiseffekte zurückzuführen, doch auch 2022 sollte es mit einer weiteren Steigerung um 9,5% aufwärts gehen, weshalb in dieser aktuellen Niedrigzinsphase ein Forward KGV von 20,3 (10-Jahresschnitt von 16,4) noch nicht überteuert erscheint. Allerdings preist dies viel Optimismus ein, denn das gleitende 12-Monats-KGV liegt bei 25,7 (10-Jahresschnitt von 19,6). Noch zeigen die bisherigen Gewinnveröffentlichungen für das dritte Quartal anhaltende Dynamik: Von den 8% der S&P 500 Firmen, die Gewinne veröffentlichten, meldeten 80% eine positive Gewinnüberraschung (höher als Analystenprognosen und vgl. mit 5-Jahresschnitt von 76%). Aggregiert liegen die Gewinne 14,7% über den Analystenprognosen (5-Jahresschnitt: 8,4%).

Aktien - Europa

Wachstum der Industrieproduktion im Euroraum weiter verlangsamt: Von Juli auf August hat sich die Industrieproduktion im Euroraum von 8,0 auf 5,1 % verlangsamt, wobei die Produktion von Energie und Gebrauchsgütern sogar leicht rückläufig war. Aber Vorleistungsgüter und Verbrauchsgüter zeigen noch starke Impulse mit 6,6 bzw. 11,6% Zuwachs. Teils deckte sich dies mit dem Einkaufsmanagerindex von IHS Markit, der im Euroraum im September die zweithöchste Wachstumsrate seit Umfragebeginn im Juli 1998 zeigte.                                                                

Europäische Aktien noch günstig bewertet: Europas Konjunktur wird von den Medien generell kritischer betrachtet als jene der USA. Daraus und infolge einer etwas schwächeren Erholungsdynamik könnte der aktuelle Bewertungsabschlag resultieren, der unter Umständen auch Chancen bieten könnte: Im aus 432 Werten bestehenden MSCI Europe lag per Ende September 2021 bei einer Dividendenrendite von 2,56% das Kurs/Buchwert-Verhältnis bei 2,10. Nimmt man den MSCIW ACWI (globaler Aktienindex) so stehen dort einer Dividendenrendite von 1,79% ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 2,96 gegenüber. Ebenfalls ein klarer Abschlag ist beim Forward-KGV zu erkennen. 15,13 im MSCI Europe stehen 21,52 im MSCI ACWI gegenüber.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Unerwarteter Exportboom in China: Weihnachtsgeschäft und Preiserhöhungen kompensieren die Auswirkungen des Energiemangels. Im September wuchsen Chinas Ausfuhren um 28,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Ausfuhren nach Nordamerika und in die EU stiegen jeweils um 30,6%. Hingegen die Binnenkonjunktur muss hinterfragt werden, zumal die Importe nur noch 17,6% (Vormonat: 33,1%) zulegten. Hingegen die Industrieproduktion hat sich von August auf September von 5,3 auf 3,1% verlangsamt, während sich die Einzelhandelsumsätze wieder von 2,5 auf 4,4% Plus belebten. Doch insgesamt lag im dritten Quartal das BIP-Wachstum Chinas nur noch bei 4,9% im Vorjahresvergleich nach einem Rekordzuwachs von 18,3% im ersten und 7,9% im zweiten Quartal. Nun drohen strukturelle Schwächen am Immobilienmarkt stärker zur Geltung zu kommen.

Anleihen

Zinswende nimmt Gestalt an: Die vor knapp zwei Wochen erfolgten Klarstellungen der Fed bezüglich der aktuellen Inflationssituation und Handlungsbereitschaft setzten den Bondmarkt unter Druck. Und weitere Klarheit durch ergänzende Reden von Mitgliedern des Offenmarktausschuss der Fed sowie Sitzungsprotokolle der letzten Fed-Sitzung lassen immer mehr eine geldpolitische Wende ab Mitte November 2021 herauskristallisieren. Dann sollten die monatlichen Anleihenkäufe von 120 Mrd. USD schrittweise gedrosselt werden und in der nächsten Stufe ist Schrumpfung der Bilanzsumme sowie eine erste Leitzinsanhebung angesagt. Letztere wird mit zunehmender Wahrscheinlichkeit für Sommer 2022 eingepreist. Die Zinswende wird zum globalen Thema. Entsprechend sind weltweit die Staatsanleihenrenditen in den entwickelten Ländern aber auch diversen Schwellenländern gestiegen. In den USA verharrten die Renditen 10jähriger Treasuries auf 1,61%, während jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen um 6 Basispunkte auf -0,14% anstiegen. Mit partiellen konjunkturellen Impulsen und noch mehr Arbeitskräftemangel droht sich mittelfristig eine Lohn-Preis-Spirale zu entfachen, die Notenbanken zu Leitzinsanhebungen zwingen könnte. Weitere Renditeanstiege sollten daher niemanden verwundern.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,18 Prozentpunkte (14.10.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Aber die Märkte preisen für 2022 nur noch globale Ausfallsquoten von weniger als 2% ein (langfristiger Durchschnitt bei 4,2%), zumal sie heuer auf 12-Monats-Sicht nur noch bei 3% lagen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Immer mehr steigen mit den Rohstoffpreisen die Inputpreise der Industrie und nachfolgender Panormablick zeigt das Inflationspotenzial anschaulich auf: Enorme Knappheit gibt es offensichtlich auch bei den Industriemetallen, da es mehrere Jahre dauert bis die Minen ihre Kapazitäten erweitert haben: Der Zinnpreis hat sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt, Primäraluminium verteuerte sich um 70%, Kupfer um 52% und auf Monatsbasis fällt Zink mit 25% Plus auf. Gleichzeitig explodieren die Preise für Energierohstoffe. Auf Monatsbasis liegen Erdgas 37%, Diesel 17,4% und Heizöl 16,4% im Plus. Manche Treibstoffzusätze haben sich binnen weniger Monate im Preis vervielfacht. Auch Baumaterialien, vor allem Holz sind stark im Aufwind. Der Holzpreis stieg binnen eines Monats um 19,5% und binnen drei Monaten um 41%. Der Preis für Hafer stieg binnen eines Jahres um 132%. Kaffee und Mais haben sich je um ein Drittel bzw. 76% verteuert. Hingegen Edelmetalle stehen wegen steigender Renditen zwischenzeitlich unter Druck.

Währungen

Rohstoffwährungen und Zinswende: Anleihenrenditewende beflügelt Neuseeland-Dollar, Britisches Pfund und US-Dollar, während Australischer Dollar und Kanadischer Dollar sowie Russischer Rubel von steigenden Rohstoffpreisen (im Falle Russlands Erdöl/Erdgaspreise) profitieren. Der Schweizer Franken tritt an der Stelle, während der Singapur-Dollar im laufenden Jahr gegenüber dem Euro bereits 3,7% aufgewertet hat, eine Tendenz, die sich auch in der vergangenen Woche weiter fortsetzte.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

18.10.2021

China: Industrieproduktion; NBS Pressekonferenz, BIP, Einzelhandelsumsätze

19.10.2021

EUR: Bauleistung
USA: Fed Bowman u. Waller sprechen

20.10.2021

China: PBoC Zinssatzentscheidung
Japan: Güter-Handelsbilanz
UK: Inflationsdaten
EUR: Inflationsdaten
USA: Fed Beige Book, Auktion Treasuries 20 Jahre

21.10.2021

EUR: Tagung des Europäischen Rates
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly-Fed-Herstellungsindex

22.10.2021

Japan: Inflationsdaten
UK: Einzelhandelsumsätze
EUR: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe; Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex;
USA: Markit PMI Dienstleistungen; Markit PMI Herstellung; Markit PMI Gesamtindex

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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