PC - Weekly 2021 KW 47

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Neue Bedrohungen: Die Freude über tolle Einzelhandelsumsätze im Oktober währte in den USA nur kurz, denn schon am nächsten Tag kam der nächste Schlag aus einer Ecke aus der es niemand erwartet hätte. Österreich verhängte bis 12. Dezember einen General-Lockdown und führte die allgemeine Impfpflicht ein. Dies verunsicherte sogar die Wall Street und die Aktienkurse gerieten unter Druck. Dabei ging es nicht um das Geschehen in einem sogenannten „Zwergstaat“ sondern vielmehr um einen übergeordneten Trend. Die Pandemiemaßnahmen kehren in Europa zurück und schaden der Konjunktur.  Nicht umsonst sind in den USA am langen Ende die Staatsanleihenrenditen wieder rückläufig, während der US-Dollar trotzdem fester tendiert. Es ist die Wahrnehmung einer erneuten Konjunkturschwäche in Europa. Doch früher oder später greifen diese restriktiven Maßnahmen auch auf andere Länder über. Eine Kettenreaktion ist in Gange gesetzt. Genau in dem Moment folgend auf die Wiederöffnung der USA für Touristen aus Europa kommen diese Ereignisse. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Ölpreis rückläufig entwickelte, während der Goldpreis bereits im Hinblick auf geopolitische Konflikte relativ stabil war. Während Weißrussland immer mehr Flüchtlinge an die polnische Grenze treibt um dort eine Eskalation zu entfachen, drohen sich im Taiwan-Konflikt China und die USA gegenseitig mit Krieg. Gleichzeitig hat im Taiwan-Konflikt China die diplomatischen Beziehungen zu Litauen abgebrochen. Diese Konflikte eskalieren zu einem Zeitpunkt wo russisches Erdgas und Magnesium aus China nötiger denn je benötigt würde.

Rückblick auf eine starke Erholung des Einzelhandels: Mehr kann man folgendes Ereignis auch nicht mehr nennen:  In den USA war im Oktober die Welt noch einigermaßen in Ordnung als sich das jährliche Umsatzwachstum des Einzelhandels plus Gastronomie von September auf Oktober von 14,3 auf 16,3% beschleunigte verglichen mit dem Plus des Dreimonatsschnitts August bis Oktober um 15,4%.  Ohne Treibstoffabsatz der Tankstellen und ohne Motorfahrzeuge und Autoersatzteile lag die Veränderung (August bis Oktober) noch immer bei 14,3%. Nimmt man den reinen Einzelhandel beschleunigte sich dessen Zuwachs von September auf Oktober von 12,5 auf 14,8%. Doch die große Frage ist: Wie geht es weiter, wenn wieder weltweit die Lockdowns im Vormarsch sind?

US-Arbeitsmarkt mit beginnender Schwäche? Als Nachzügler-Indikator, der dem Konjunktur-trend hinterherhinkt, noch eine gewisse Stärke zeigte im Oktober der US-Arbeitsmarkt mit  531.000 neu geschaffen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Die AL-Quote war von 4,8 auf 4,6% rückläufig. Doch in der Woche endend mit 13. November lag die Anzahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung mit 268.000 bereits über den Expertenerwartungen des Dow Jones Umfrage-Konsens, der von 260.000 ausging. Allerdings wären die fortlaufenden Anträge um 129.000 auf 2,08 Millionen rückläufig. Sie erreichten den niedrigsten Stand seit März 2020.

Noch Wachstums- und Gewinnüberraschungsdynamik im S&P 500, aber Lieferkettenunterbrechungen belasten: Von den 95% der S&P 500 Firmen, die per 19. November Gewinne veröffentlichten, meldeten 82% eine positive Gewinnüberraschung (höher als Analystenprognosen). (vgl. mit 5-Jahresschnitt von 76%). Aggregiert (in Summe betrachtet) lagen die veröffentlichten Gewinne 10,0% über den Analystenprognosen (5-Jahres-Schnitt: 8,4%). Bei den aggregierten veröffentlichten und erwarteten Gewinnen für das 3. Quartal würde zwar noch mit 39,6% die dritthöchste Wachstumsrate seit 2010 erreicht, doch der Ausblick auf das vierte Quartal ist bereits getrübt: 46 S&P 500 Firmen gaben negative Gewinnvorschauen ab, denen 28 positive gegenüberstanden. Mit 62% liegt der Anteil an Firmen mit negativem Ausblick bereits knapp über dem 5-Jahres-Schnitt von 61%. Im vierten Quartal sollten sich laut FactSet die Gewinnzuwächse auf 20,9% verlangsamen und 2022 sind bei 7,1% Umsatzwachstum nur noch 8,7% Gewinnwachstum zu erwarten. Die Preis-Kosten-Schere wird ein Thema. Hinzukommen Lieferkettenunterbrechungen. Bereits 342 S&P Firmen hatten im Earning-Call die Lieferkettenproblematik erwähnt, verglichen mit 178 im 5-Jahres-Schnitt. Das ist der höchste Stand seit mindestens 2010. Ein 12-Monats-Forward-KGV von 21,4 (10-Jahres-Schnitt: 16,5) erscheint zurzeit bereits etwas ambitioniert.

Aktien - Europa

Europäische Aktien noch günstig bewertet oder eine beginnende Bewertungsfalle?: Europas Konjunktur wird von den Medien generell kritischer betrachtet als jene der USA. Aber zu einer schwächeren Wachstums- und Erholungsdynamik als in den USA kommt auch das zunehmende Lockdown-Risiko, das Ursache einer aktuellen Bewertungsfalle sein könnte. Denn Bewertungsabschläge zur Wall Street oder dem globalen Durchschnitt haben einen Grund: Im aus 430 Werten bestehenden MSCI Europe Index lag per 29. Oktober 2021 bei einer Dividendenrendite von 2,49% das Kurs/Buchwert-Verhältnis bei 2,17. Nimmt man den MSCIW ACWI (globaler Aktienindex) so stehen dort einer Dividendenrendite von 1,72% ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 3,10 gegenüber. Ebenfalls ein klarer Abschlag ist beim Forward-KGV zu erkennen. 15,54 im MSCI Europe stehen 18,40 im MSCI ACWI gegenüber.

Gewinnüberraschungen besonders stark im dritten Quartal, aber: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im dritten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 60,4% wachsen. Ohne Energiesektor wäre es noch immer ein Plus von 45,5%. Die stärksten Zuwächse werden im Energiesektor, bei Industriewaren und Grundstoffen erwartet. Von den 276 Firmen die Gewinne für das dritte Quartal 2021 veröffentlichten, meldeten 64,5% Gewinne über den Analystenschätzungen, verglichen mit 52% in einem typischen Quartal. Allerdings wird ab dem ersten Quartal 2022 eine signifikante Wachstumsverlangsamung erwartet. Im 2. Quartal 2022 sollten im STOXX 600 bei 9,3% Umsatzplus die Gewinne nur noch 8,6% wachsen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China noch mit relativ robuster Konjunktur: Bedenkt man die Lieferkettenunterbrechungen und Logistikprobleme so war die Wachstumsbeschleunigung in Chinas Jahreszuwachs der Industrieproduktion von September auf Oktober von 3,1 auf 3,5% ein erfreuliches Ereignis, denn die von Reuters befragen Volkswirte rechneten lediglich mit 3,0% Plus. Gleichzeitig lagen auch die Einzelhandelsumsätze mit 4,9% Plus nach +4,4% im September über den Erwartungen. Die Probleme am Immobiliensektor und die zunehmenden pandemiebedingten Reisebeschränkungen stellen allerdings größere Herausforderungen dar.

Anleihen

Aufatmen: Den perfekten Aufschwung wird es nicht geben. Das zeigen jüngste Wirtschaftsdaten bzw. Ereignisse und schon waren weltweit die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen am Rückzug: Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen gingen vergangene Woche bereits um 9 BP auf -0,35% zurück. In den USA war es ein marginaler Rückgang auf 1,55%, da die guten Einzelhandelsdaten zwischenzeitlich zu einer Renditespitze führten. Betrachtet man den Monatstrend sind die Staatsanleihenrenditen stärker am Rückzug: UK: -32 BP; Deutschland: -24 BP, Frankreich: -23 BP und USA: -15 BP.  Hingegen in Australien und Neuseeland setzt sich der steigende Zinstrend weiter fort. In Europa hingegen ist EZB-Präsidentin, Christine Lagarde eindeutig gegen restriktive Maßnahmen. O-Ton: „Heute wird die Inflation weitgehend durch die außergewöhnlichen Umstände, die durch die Pandemie entstanden sind, in die Höhe getrieben. Daher müsse die Geldpolitik geduldig und beharrlich bleiben“. In Europa werden die Leitzinsen wohl noch länger eingefroren bleiben, während in den USA die Futures Märkte eine erste Leitzinsanhebung am 15. Juni 2021 mit 67% einpreisen (Vorwoche: 71,5%).

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,19 Prozentpunkte (18.11.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Aber die Märkte preisen für 2022 nur noch globale Ausfallsquoten von weniger als 2% ein (langfristiger Durchschnitt bei 4,2%).

Edelmetalle und Rohstoffe

Strategische Ölreserven bald im koordinierten Ausverkauf? Zur Beruhigung des Ölmarktes versuchen die USA offenbar neben China auch Japan, Südkorea oder sogar Indien von einer Reservefreigabe zu überzeugen. Das setzte den Ölpreis unter Druck. Letztmals gab es eine koordinierte Freigabe vor 10 Jahren als der Bürgerkrieg in Lybien zu einem Ölproduktionsausfall führte. Auffallend war in der vergangenen Woche noch die Preisexplosion bei Bauholz was in den USA auf einen Nachfrageüberhang durch Häuselbauer zurückzuführen ist.

Währungen

Weitere Aufwertung von US-Dollar und Schweizer Franken sowie eine generelle Euroschwäche: EZB-Präsidentin Lagarde zögert noch und betrachtet die Inflationsspitzen derzeit als temporäre Erscheinung. Hingegen in Australien und den USA und insbesondere Osteuropa ist man im Zinszyklus bereits viel weiter fortgeschritten. Da wundert einen die Euroschwäche nicht. Hinzukommen die hohen Corona-Zahlen und Lockdowns in Europa. Somit tendierte vergangene Woche der Euro schwächer gegenüber Japanischem Yen, Britischem Pfund, US-Dollar und Schweizer Franken. Die Stärke des US-Dollar zum Euro resultiert dabei aus steigenden Zinsdifferenzen und der festeren US-Konjunktur. Ein Kapitel für sich ist der Schweizer Franken, wo der Wechselkurs EUR/CHF bereits unter 1,05 gefallen ist – eine Marke die die SNB offensichtlich verteidigen möchte. Es sind somit jederzeit stärkere Franken-Aufwertungsschübe möglich.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

22.11.2021

China: PBoC Zinssatzentscheidung
USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex
EUR: Verbrauchervertrauen

23.11.2021

EUR: Markit PMI Gesamtindex; Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe und Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
USA: Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Herstellung, Markit PMI Gesamtindex; API wöchentlicher Rohöllagerbestand

24.11.2021

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, BIP-Daten, Auftragseingänge langlebige Güter; Nicht militärische Investitionsgüter; Aufträge ohne Flugzeuge; Persönliches Einkommen, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Persönliche Konsumausgaben. FOMC Protokoll

25.11.2021

EUR: EZB Accounts: Zusammenfassung geldpolitischer Sitzung

26.11.2021

Japan: Inflationsdaten
EUR: M3 Geldmenge

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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