PC - Weekly 2021 KW 49

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Neue Unsicherheit: Bei einer Senatsanhörung sagte Fed Chairman Powell, dass die Gefahr „einer anhaltend hohen Inflationsrate“ anstieg. Die Fed gehe aber weiter davon aus, dass die Teuerung 2022 „näher an unser Ziel sinken wird“.  „Sollte die Entwicklung anders verlaufen, wäre die Fed bereit, Ihre Instrumentarien einzusetzen“, erklärte Powell dem Senatsausschuss. Konkret signalisiert Powell damit, dass die Notenbank sich mehr um die steigenden Preise sorgt als um die neue Covid-Variante Omikron. Bis zu nächsten Fed-Sitzung Mitte Dezember könnte es bereits mehr Infos als Entscheidungsgrundlage geben. Konkret geht Powell davon aus, dass die preistreibenden Faktoren wie Probleme mit globalen Lieferketten bis weit ins nächste Jahr bestehen bleiben. Neben gestiegenen Inflationsrisiken habe sich laut Powell die Lage am Arbeitsmarkt rapide verbessert „und die Löhne steigen mit hoher Geschwindigkeit“. Derzeit ist sogar eine Beschleunigung der Drosselung der monatlichen Anleihenkäufe im Gespräch und die Futuresmärkte preisen die nächste Leitzinsanhebung zunehmend früher ein. Auf der anderen Seite entstanden im November weniger Arbeitsplätze als ursprünglich erwartet. Omikron ist somit mehr denn je die große Unbekannte aller Prognosen. Hinzukommen geopolitische Faktoren wie die Militärmanöver Russlands an der ukrainischen Grenze, wo Beobachter jederzeit mit russischem Einmarsch rechnen. Gleichzeitig eskalierte es auf dem südpazifischen Inselstaat Salomonen, als hunderte Demonstranten gewaltsam gegen eine Aufkündigung der diplomatischen Beziehungen zu Taiwan protestierten.

Starke ISM-Einkaufsmanager-Indizes in den USA: Im November stieg in den USA der ISM Dienstleistungs-Index von 66,7 auf einen Rekordwert von 69,1 Punkten und somit weit über die erwarteten 65 Punkte. Das Problem ist aber, dass die input-Preise stärker ansteigen als die Verkaufspreise, woraus ein Margendruck im Zuge einer Preis-Kosten-Schere resultiert. Indessen stieg der ISM-Index für die US-Industrie erwartungsgemäß von 60,8 auf 61,1 Punkte. Die Subindizes für Beschäftigung und Produktion und auch für Neuaufträge sind im Aufwind.

Durchwachsene US-Arbeitsmarktdaten: Der vergangene Freitag brachte ein Wechselbad heiß-kalt: Laut US-Arbeitsministerium betrug der Aufbau außerhalb der Landwirtschaft 210 000 Stellen gegenüber dem Vormonat. Analysten hatten im Schnitt mit einem mehr als doppelt so starken Zuwachs von 550 000 Stellen gerechnet. Diese Volatilität der Daten hat folgenden Hintergrund: In der Corona-Krise war der Arbeitsmarkt zeitweise dramatisch eingebrochen und eine rasche Erholung folgte. Doch von Vollbeschäftigung, wie vor Ausbruch der Krise, fehlt noch jede Spur. Zwar ging die Anzahl der Arbeitslosen um 542.000 auf 6,9 Millionen zurück, woraus ein Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,4 Prozentpunkte auf 4,2% resultiert, doch vor der Pandemie im Februar 2020 lag AL-Quote bei 3,5% und die Anzahl der Arbeitslosen lediglich bei 5,7 Millionen. Besonders hoch ist die Anzahl der strukturell Arbeitslosen, die seit Februar 2020 um 623.0000 auf 1,9 Millionen anstieg. Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen (über 27 Wochen) hat sich seit Februar 2020 auf 2,2 Millionen verdoppelt und stagnierte zuletzt gegenüber dem Vormonat. Noch immer sind viele Arbeitslose nicht mehr auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt. Auf der anderen Seite gibt es Personalmangel. Somit war eine Steigerung der durchschnittlichen Stundenlöhne um 4,8% eher noch moderat.

 

Nachlassende Gewinnwachstumsdynamik im S&P:  Bis zum 2. Dezember 2021 kristallisierte sich heraus, dass sich in den ersten zwei Monaten des vierten Quartals die Analystenprognosen für das laufende Quartal erstmals seit dem zweiten Quartal 2020 nicht mehr verbesserten. Sie gingen marginal um weniger als 0,1% zurück. Der Wert liegt aber noch unter dem 10-Jahres-Schnitt von minus 2,9% in den ersten zwei Monaten. Hingegen in den vergangenen vier Quartalen verbesserten sich die Analystenschätzungen im Schnitt um 4,7% im Quartalszeitraum. 55 S&P 500 Firmen gaben negative Gewinnvorschauen ab, denen 37 positive gegenüberstanden. Mit 60% liegt der Anteil an Firmen mit negativem Ausblick knapp unter dem 5-Jahres-Schnitt von 61%. Im vierten Quartal sollten sich laut FactSet die Gewinnzuwächse auf 20,9% (Q3: +39,8%) verlangsamen und 2022 sind bei 7,3% Umsatzwachstum nur noch 8,8% Gewinnwachstum zu erwarten. Ein 12-Monats-Forward-KGV von 20,4 (10-Jahres-Schnitt: 16,6) erscheint zurzeit bereits etwas ambitioniert, zumal eine Preis-Kosten-Schere steigendes Gefahrenpotenzial darstellt.

Aktien - Europa

Service Sektor stabilisiert Wirtschaftsaktivitäten im Euroraum: Der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®) verzeichnete von Oktober auf November eine Beschleunigung von 54,2 auf 55,4 Punkte. Ein starker Servicesektor steht der zweitniedrigsten Rate der Industrieproduktion seit Beginn des Aufschwungs im Juli 2020. In der gesamten Privatwirtschaft steht ein 4-Monats-Hoch in Frankreich einem 7-Monats-Tief in Irland gegenüber. Skeptisch äußerte sich in jüngster Presseaussendung Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit: „Die vom Eurozone Composite-PMI signalisierte Wachstumsbeschleunigung dürfte nur von kurzer Dauer sein. So hat sich nicht nur die Nachfrage abgeschwächt, auch die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sind gesunken, da die Sorgen über die Pandemie wieder gestiegen sind. Da die aktuellen Umfragedaten vor der Bekanntgabe der Omikron-Variante erhoben wurden, wird sich die Stimmung hinsichtlich der kurzfristigen Aussichten unweigerlich noch weiter verschlechtert haben.“

Gewinnüberraschungen besonders stark im dritten Quartal, aber: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im dritten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 68,6% wachsen. Ohne Energiesektor wäre es noch immer ein Plus von 43,7%. Die stärksten Zuwächse werden im Energiesektor, bei Industriewaren und Grundstoffen erwartet. Von den 291 Firmen die Gewinne für das dritte Quartal 2021 veröffentlichten, meldeten 63,2% Gewinne über den Analystenschätzungen, verglichen mit 52% in einem typischen Quartal. Allerdings wird ab dem ersten Quartal 2022 eine signifikante Wachstumsverlangsamung erwartet. Im 2. Quartal 2022 sollten im STOXX 600 bei 9,5% Umsatzplus die Gewinne nur noch 8,4% wachsen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China mit relativ robuster Konjunktur: Chinas Industrieaktivitäten haben sich im November überraschend belebt und sind erstmals seit drei Monaten wieder gewachsen, was der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe durch einen Anstieg von Oktober auf November von 49,2 auf 50,1 Punkte zeigte. Hintergrund: Die Kontraktionsgrenze von 50 Punkten ist überschritten, während die von Reuters befragen Analysten noch immer mit nur 49,6 Punkten rechneten. Sinkende Rohstoffpreise und Lockerungen der Stromrationierung wirkten sich positiv aus. Auch der für den Dienstleistungssektor relevante Einkaufsmanager-Index blieb relativ stabil.

Anleihen

Abschwungsmodus: Die hochansteckende Omikron Variante von Covid 19 führt weltweit zu einer Welle der Lockdowns, während die Arbeitsmarktdaten angesichts einer Inflationsrate von 6,2% mit einer Stundenlohnsteigerung von 4,8% und weniger als erwartet neu geschaffenen Stellen jenseits des Agrarbereichs am Freitag moderat ausfielen.  Alleine am Freitag kam es zu einer regelrechten Flucht in (!!!) US-Treasuries, weshalb die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen gleich um 10 Basispunkte auf 1,34% zurückgingen. Auf Wochensicht lag der Rückgang sogar bei 21 BP. Die Renditen laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen sind um weitere 4 BP auf -0,39% gesunken. Auf Monatssicht stärkere Rückgänge sind in Brasilien, Australien, Neuseeland, Südkorea, den Niederlanden und der Schweiz zu beobachten. Der Faktor ist dabei ein globales Phänomen, nämlich es sind weitere Pandemiebekämpfungsmaßnahmen zu erwarten. Immer mehr Analysten und Hegefonds-Manager sprechen bereits statt von Stagflation von der Erwartung einer Dragflation (Rezession und hohe Inflationsrate) für 2022. Während in jüngster Kongressanhörung Fed-Chef Powell noch restriktive Töne spuckte, weigert sich der EZB-Rat, in absehbarer Zeit konkrete Zinsanhebungen vorzubereiten.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken,  das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. So kam es dann auch in der vergangenen Woche zur Ausweitung des Spreads von 3,19 auf 3,54 Prozentpunkte (2.12.21).

Edelmetalle und Rohstoffe

Im Bann von Omikron: Flugeinschränkungen üben bereits Druck auf die Energiepreise, insbesondere Rohöl aus, während der jüngste Höhenflug der Industriemetalle eine zwischenzeitliche Verschnaufpause einlegt. Gold und Silber hingegen sind charttechnisch angeschlagen. Gleichzeitig bremst ein noch fester Dollar. Doch die jüngsten Renditerückgänge würden bereits für eine Stabilisierung des Goldpreises sprechen, die sich immer wieder ansatzweise zeigte.

Währungen

Weitere Aufwertung von Yen und Schweizer Franken: Geraten die Aktienmärkte mal unter Druck, beginnen die Japaner Auslands-Assets zu repatriieren, was dann zu einem Erstarken des Yen führt – ein Szenario das gerade eingetreten sein könnte. Angesichts neuer Krisengefahren (Omikron) nimmt der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken kontinuierlich zu, sodass wir uns derzeit mit Riesenschritten der Parität annähern könnten. Auch ein Aussetzen der Interventionen der SNB ist mittlerweile jederzeit möglich und würde diese Entwicklung noch beschleunigen. Beim US-Dollar wirken sinkende Zinsen am langen Ende einer stärkeren Aufwertung aktuell entgegen.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

06.12.2021

USA: Auktion 6-monatiger T-Bills
EUR: Sentix Investorenvertrauen, Treffen der Eurogruppe

07.12.2021

China: Exporte und Importe
Japan: Führender Wirtschaftsindex
EUR: ZEW Umfrage – Konjunkturerwartungen; BIP-Daten
USA: Handelsbilanz u. Lohnstückkosten

08.12.2021

Japan: BIP-Daten

09.12.2021

China: Inflationsdaten
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung

10.12.2021

USA: Inflationsdaten, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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