PC - Weekly 2021 KW 9

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Steigende Anleihenrenditen bremsen die Aktienperformance: Die Inflationserwartungen steigen im Einklang mit rückläufigen Corona-Zahlen in den USA. Hinzukamen auffallend starke Auftragseingänge für langlebige Gebrauchsgüter und niedriger als erwartete Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Bereits in der Vorwoche gaben die Erzeugerpreise Hinweise auf inflationäre Impulse. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass vergangenen Donnerstag die Auktion für 7jährige US-Staatsanleihen schiefging. Die Erkenntnis: Mit negativen Realzinsen lässt sich das explodierende US-Haushaltsdefizit nicht finanzieren, was zu einem massiven Renditeanstieg führte, der neben einem Goldcrash nun auch den Aktienmarkt belastet. Auch auf der geopolitischen Front wird es unruhiger. US-Präsident Joe Biden hat in Syrien seinen ersten Militäreinsatzbefehl gegeben. Hintergrund: Der Iran hat trotz Anzeichen eines diplomatischeren Kurses durch die neue US-Regierung seine Verstöße gegen das Atom-Abkomen von 2015 fortgesetzt und übermäßig Uran angereichert. Gleichzeitig hat der Iran an der syrisch-irakischen Grenze schiitische Milizen unterstützt, die im Irak einen US-Stützpunkt mit Raketen angriffen. Zehn Tage danach in der Nacht zum 26. Februar bombardierten US-Kampfjets Einrichtungen zweier vom Iran unterstützter Schiitenmilizen in Ost-Syrien. Inwieweit dies zu größeren Folgekonflikten führt, bleibt abzuwarten. Gleichzeitig befinden sich zwei amerikanische Flugzeugträger in der Taiwanstrasse zumal mit dem 100. Jahres-Jubiläum der Kommunistischen Partei Chinas im Juli das Risiko einer Annektion Taiwans durch China steigt. Somit ist reichlich geopolitischer Sprengstoff gegeben.

        Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter im Aufwind: Im Jänner stieg gegenüber dem Vormonat der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter um 3,4% nach einem Zuwachs von 1,2% im Dezember 2020. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte rechneten nur mit  einem Plus von 1,0%. Gegenüber Jänner 2020 lag der Zuwachs der Neuaufträge bei 4,5% verglichen mit einem Plus von 3,5% bei den Auslieferungen, was auf eine expansive Entwicklung hindeutet. Investitionsgüter exklusive Rüstung verzeichneten eine Jahressteigerung von 6,8%, während der zyklische Rüstungsbereich wieder einmal einen stärkeren Auftragsschub hatte. Je 9,1% stiegen im Jänner sowohl Auftragseingang als auch Auslieferung (Jahresbasis) von Computer und Elektronikprodukten. Filtert man die Rüstungsaufträge heraus lag das Jahreswachstum der Neuaufträge noch immer bei 3,1% verglichen mit 3,5% Plus bei den Auslieferungen.

        Lichtblick am Arbeitsmarkt: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in der Woche endend 20. Februar um 111.000 auf 730.000 und somit den niedrigsten Stand seit November 2020 gesunken. Die Folgeanträge fielen gegenüber der Woche endend am 13. Februar um 101.000 auf 4,42 Millionen.  Obwohl diese Zahlen noch höher liegen als in vergangenen Rezessionen zeichnet sich dennoch ein gewisser Rückgang ab, der als Lichtblick gewertet werden kann.

        Konjunktureinbruch im Wirtschaftsraum Chicago: Das ist kein gutes Zeichen. Die Stimmung der Einkaufsmanager im Großraum Chicago hat sich stärker als von Volkswirten erwartet eingetrübt und fiel von Jänner auf Februar von 63,8 auf 59,5 Punkte. Die Markterwartungen lagen bei 61 Punkten. Zwar liegt der Aktivitätsindikator noch immer weit über der Expansionsgrenze von 50 Punkten. Was allerdings etwas schmerzt ist die Schwäche eines sehr genau beobachteten Frühindikators, nämlich der Subindex der Auftragseingänge, der um 11 Punkte einbrach und den niedrigsten Stand seit August 2020 markierte.

        S&P 500: Stark positive Gewinnüberraschungen: 96% der S&P 500 Unternehmen gaben per 26. Februar ihre Gewinne für das vierte Quartal 2020 an: Davon meldeten 79% Gewinne über den Analystenschätzungen, was über dem 5-Jahres-Schnitt von 74% liegt. Bleibt dieser Wert erhalten, dann wären dies die drittstärksten positiven Gewinnüberraschungen seit 2008 (Beginn der Aufzeichnungen). Aggregiert betrachtet veröffentlichten die Unternehmen Gewinne, die 14,5% über den Schätzungen lagen (vgl. mit 5-Jahres-Schnitt von +6,3%). Angesichts dieser positiven Gewinnüberraschungen wäre dies im vierten Quartal im S&P 500 ein Gewinnwachstum von 3,9% und somit das erste Wachstumsquartal seit dem vierten Quartal 2019. Noch Ende Dezember rechneten Analysten laut Konsens von FactSet mit einem Gewinneinbruch um 9,3%. Doch die positive Entwicklung geht weiter, denn die Unternehmen selbst blicken ebenfalls positiv in die Zukunft, was sich wie folgt äußert: 64%, also 59 von 92 Unternehmen, die einen Gewinnausblick auf das ersten Quartal 2021 veröffentlichten gaben einen positiven Ausblick verglichen mit einem 5-Jahres-Schnitt von nur 33%. Diese positive Dynamik relativiert auch die aktuelle Bewertung. Die S&P-Werte haben nämlich ein 12-Monats-Forward-KGV von 21,5 (10-Jahres-Schnitt: 15,8). Doch erneut niedrige Zinsen und eine starke Wachstumsdynamik könnten den Markt weiter stützen und ein für heuer erwartetes Gewinnwachstum von 23,9% stimmt ebenfalls optimistisch.

Aktien - Europa

        Verhaltene Gewinnerwartungen für die STOXX 600 Unternehmen im 4. Quartal 2020: Laut Refinitiv-Konsens sollten im vierten Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 9,8 % Umsatzrückgang um 16,5% zurückgehen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -4,0 % bzw. -11,6 %. Von den 194 Unternehmen, die bis 23. Februar Gewinne für das vierte Quartal veröffentlichten, zeigten 68% eine positive Gewinnüberraschung.

        Verbesserte Wirtschaftsstimmung: Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Februar überraschend aufgehellt nachdem bereits in der Vorwoche der IHS Markit Flash Eurozone Index Produktion einen Anstieg von 47,8 auf 48,1 Punkte zeigte. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der Europäischen Kommission stieg um 1,9 auf 93,4 Punkte. Volkswirte rechneten im Schnitt nur mit einem Wachstum von auf 92,1 Punkte. Vor allem italienische Unternehmen und Verbraucher zeigten sich zuversichtlicher. Die Regierung Draghis wirft dort ihre Schatten voraus.

Aktien - Schwellenländer / Asien

        Chinas Industrieaktivitäten lassen nach: Im Februar erreichte das Aktivitätsniveau in Chinas Fabriken den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Der NBS-Einkaufsmanagerindex für die Produktion fiel von Jänner auf Februar von 51,3 auf 50,6 Punkte, während Volkswirte noch mit 51,1 Punkten rechneten. Kritisch ist, dass der Subindex für Auftragseingänge großer Firmen von 50,2 auf 48,8 Punkte zurück in den Kontraktionsbereich fiel. Auch kleinere Unternehmen zeigten ein ähnliches Muster. Der Dienstleistungssektor expandierte zwar den 11. Monat in Folge, aber im langsamsten Ausmaß seit einem Jahr.

Anleihen

        Staatsanleihenrenditen steigen erneut weiter an: Fed Chairman, Jerome Powell, konnte bei seiner Anhörung vor dem Bankenausschuss des Kongresses (23.2.) die Zinsängste der Marktteilnehmer nicht zerstreuen. Seine Kernaussagen waren:

„Die Wirtschaft ist weit von unseren  Beschäftigungs- und Inflationszielen entfernt“

„Die konjunkturelle Erholung sei weiterhin uneinheitlich und noch längst nicht abgeschlossen“

„Die Entwicklung der Wirtschaft hängt weiterhin erheblich vom Verlauf des Virus und der ergriffenen Maßnahmen ab“.

„Es werde noch einige Zeit dauern, bevor die Fed erwägen werde, ihre Geldpolitik zu verändern, mit der sie dem Land helfe, wieder Vollbeschäftigung zu erreichen“

„Im zweiten Halbjahr werde der Konsum womöglich kräftig anziehen, was aber auch die Preise anschieben könne. Es sei aber nicht sehr wahrscheinlich, dass der Preisanstieg stark ausfallen werde oder nachhaltig sei“.

Kurz darauf lief noch eine Staatsanleihenauktion in den USA schief und die Erkenntnis daraus ist, dass der Markt nicht bereits ist, bei negativen Realrenditen das gesamte Haushaltsdefizit für ein 1,9 Billionen Dollar-Konjunkturprogramm zu finanzieren. Plötzlich schossen am Donnerstag die Renditen zehnjähriger US-Treasuries vorübergehend auf über 1,61% hoch nachdem sie in der Vorwoche noch bei 1,34% lagen. Kritische Beobachter befürchten bereits, dass der Fed die Kontrolle über die Zinsen entgleiten könnte. Auch die Europäische Zentralbank blickt mit wachsenden Sorgen auf steigende Renditen an den Finanzmärkten, was aus Aussagen von Chefvolkswirt Philip Lane und EZB-Direktorin Isabel Schnabel hervorgeht. Diese Verbalinterventionen konnten zumindest bewirken, dass die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen im Wochenverlauf mit -0,31% gleich blieben.

       HY-Corporate Bonds mit weiter rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,42 Prozentpunkte (25.02.21) gesunken, Nun ist eine kritische Untergrenze erreicht, die wie folgt hergeleitet werden kann: Die von Fitch verfolgte durchschnittliche Ausfallsrate bei US-HY-Bonds lag im gleitenden 12-Monatsschnitt Ende Oktober 2020 bei 5,5%. Die für 2021 erwartete Bandbreite liegt zwischen 5 und 6%. Angesichts dieser Tatsachen und langfristig erwarteter Kreditverluste von ca. 63% wird bis spätestens Spreads von knapp unter 3,5 PP eine Wende (Anstieg) erwartet.

Edelmetalle und Rohstoffe

        Renditeanstiege bei US-Treasuries führten zum Edelmetall-Ausverkauf: Der Zinsspike am Donnerstag und die charttechnisch angeschlagene Situation des Goldpreises bei gleichzeitig festerem US-Dollar führten zu einem regelrechten Ausverkauf der Edelmetalle. Während die Spekulanten ihre Netto-Longpositionen Gold im Wochenvergleich reduzieren, haben die Commercials (u.a. Minen) ihre Netto-Shortpositionen wieder abgebaut – so die jüngsten CoT-Daten. Nun könnte auf niedrigerem Niveau vor allem bei Silber ein weiterer physischer Nachfrageschub einsetzen.

Währungen

        Infolge größerer Zinsdifferenzen zwischen US-Dollar und Euro zeigte der US-Dollar wieder stärke und wertete zum Euro leicht auf. Da die meisten Nachrichten in Richtung Konjunkturerholung gehen war auch der Wechselkurs des Schweizer Frankens wieder schwächer. Ebenfalls schwächer tendierten Japanischer Yen und infolge der jüngsten Konsolidierung der Edelmetallpreise der Australische Dollar.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

01.03.2021

China: Caixin PMI Produktion

EUR:  Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe; Rede EZB Präsidentin Lagarde

USA: Markit PMI Herstellung, ISM verarbeitendes Gewerbe

02.03.2021

EUR: Inflationsdaten

USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand

03.03.2021

Deutschland: BIP
USA: Anhördung Fed Chair Powell
Verkäufe neuer Häuser, Auktion 5jähriger Staatsanleihen

04.03.2021

EUR: Arbeitslosenquote, Einzelhandelsumsätze

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, BIP, Lohnstückkosten, Arbeitsproduktivität; Werkaufträge, Fed Powell Rede

05.03.2021

USA: Arbeitsmarktdaten: Stundenlöhne, Erwerbsbeteiligungsquote, AL-Quote, Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft.

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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