PC - Weekly 2022 KW 10

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Ukraine-Krieg dominiert weiterhin das Geschehen und gilt als disruptives Ereignis: Je näher ein Börsenplatz am Kriegsgeschehen war, desto größer waren die Verluste: Während S&P 500 und NASDAQ 100 in der vergangenen Woche nicht zuletzt aufgrund solider Wirtschaftsdaten in den USA nur 1,2 bzw. 2,4% verloren, büßten der FTSE 100 bereits 7,6% und der DAX sogar 10,1% ein. Noch näher am Geschehen ist Österreich mit der Folge eines Wochenverlustes von 13,6% im ATX. Hingegen weit weg vom Schuss ist Australien, reich an Gold und Rohstoffen, was im S&P/ASX sogar ein Wochenplus von 1,6% bedeutete. Hingegen der russische Aktienmarkt blieb geschlossen und eine längere Handelssperre russischer Aktien im Westen erscheint plausibel, weshalb im Worst Case russische Aktieninvestments ein Totalverlust oder auf Jahrzehnte totes Kapital bedeuten. Umso wichtiger ist internationale Streuung und Vermeidung von Klumpenrisiken in einzelnen Schwellenländern, auch wenn die Aussichten noch so verlockend erscheinen. Genau darauf achtet die PRIVATCONSULT besonders in ihrer Vermögensverwaltung und auch in den einzelnen Fonds. Was die Aktienmärkte dermaßen unter Druck setzt sind folgende Faktoren: Zum einen zieht sich der Krieg durch massiven Widerstand der Ukrainer und EU-Unterstützung der Ukraine in die Länge. Zum anderen weiten sich die Sanktionen gegen Russland immer mehr aus. Die Folge: Das Russlandgeschäft des Westens kommt vollständig zum Erliegen, worauf der prominente Exodus aus Russland mit Firmen wie Nike, Apple, Daimler, Volvo, BMW, Siemens etc. bereits hindeutet. Immer mehr russische Banken werden aus dem internationalen Zahlungsverkehr SWIFT ausgeschlossen. Visa und Mastercard ziehen sich aus Russland zurück. Russisches Vermögen im Ausland ist eingefroren. Oligarchen werden enteignet. Die Russische Zentralbank kann wegen im Ausland eingefrorener Devisenreserven nicht mehr intervenieren und der Rubel wertet massiv ab. Russland ist erneut auf dem Weg zur Hyperinflation. Somit ist faktisch ein über mehr als zwei Jahrzehnte gewachsener Absatzmarkt binnen weniger Tage vernichtet. Auf der Importseite des Westens stehen vielen wichtige Industrierohstoffe und die Weizenernte von Russland und der Ukraine auf dem Spiel.

 

Wie reagiert die Fed auf den Krieg?

In so einer Situation kann auch Fed-Chef, Jerome Powell, nicht mit einem platten Inflationsbekämpfungsprogramm zur Tagesordnung übergehen. Entsprechend warnte er vor negativen Wirtschaftsüberraschungen und sprach sich für eine flexible Vorgangsweise der Notenbank aus. Aber ein Viertelprozentpunkt Leitzinsanhebung scheint ausgemachte Sache zu sein. Die Inflation bleibt ein Problem aber der Ölschock ist ein anderes, denn Powell wies auf folgende Faustregel hin: Sollte der Ölpreisanstieg von 75 auf 110 Dollar/Barrel nachhaltig sein, dann bedeutet dies nahezu 0,9 Prozentpunkte zusätzliche Inflation und fast 0,5 Prozentpunkte weniger Wirtschaftswachstum. Ein Thema bleibt die Lohninflation und die Lohn/Preisspirale in den USA, zumal im Februar 678.000 neue Stellen geschaffen wurden (Prognose: +400.000). Die Arbeitslosenquote der über 16-jährigen ging von 4,0 auf 3,8% zurück, die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich auf niedrigem Niveau kaum verändert und die Stundenlöhne in der Privatwirtschaft stiegen im Februar um 5,1%. Bereits stärker als erwartet fiel der Chicago-PMI, während im Februar der Services PMI® des ISM mit 56,5 Punkten (-3,4 Punkte) noch relativ gut hielt, zumal die Export-Komponente Stärke zeigte. Einen leichten Zuwachs zeigte das ISM bei Manufacturing PMI®. In so einem Umfeld wird es noch eine Zinserhöhung im März geben. Danach werden die (geldpolitischen) Karten neu gemischt.

 

Wie stark ist die restliche Weltwirtschaft von Russland abhängig?

Russlands Anteil am Welt-BIP liegt bei 3,1%. Laut Michigan State University importierte Russland im Jahr 2019 (vor Corona) Waren im Wert von 247 Mrd. USD, hauptsächlich technische Produkte. Die größten Warengruppen waren hier industrielle Maschinen (43 Mrd. USD), Elektrische Geräte/Maschinen (30 Mrd. USD), und Fahrzeuge bzw. Ersatzteile (24 Mrd. USD). Wesentlich bedeutender als die Importe Russlands sind dessen Exportwaren im Volumen von 427 Mrd. USD (2019). Hier handelt es sich um sehr wichtige Grundstoffe, von Weizen, Erdgas, Düngemittel bis hin zu den Metallen. Weltweit rund ein Fünftel des Metallbedarfs wird von Russland gedeckt.

 

Folgende Exporte Russlands und der Ukraine sind besonders kritisch:

·         30 % der weltweiten Weizen-Exporte kommen aus Russland und der Ukraine, wo gerade infolge kriegerischer Handlungen die Frühjahresaussaat auf dem Spiel steht. Heuer ist die Abhängigkeit besonders groß, denn: Laut International Grain Council (IGC) werden die Reserven der wichtigen Weizen-Exporteure EU, Russland, USA, Kanada, Ukraine, Argentinien, Australien und Kasachstan in der aktuellen Erntesaison 2021/22 auf ein Neun-Jahres-Tief von 57 Mio. Tonnen fallen. Rechnet man russische und ukrainische Lagerbestände heraus, liegt die Reichweite bei weniger als drei Wochen.

·         Russlands Förderanteil an Palladium liegt bei 43%. Es wird für Auto- und Industriekatalysatoren benötigt. Insbesondere Autos mit Benzinmotoren benötigen Palladium. Der weltgrößte Palladium- und raffinierte Nickelproduzent der Welt ist Norilsk Nickel. Als Batteriemetall in E-Autos und wichtiges Legierungsmetall könnte auch Nickel knapp werden.

·         Ukraine hat im Bereich der Kabelbäume zahlreiche Autozulieferer. Diese können kriegsbedingt nicht mehr liefern, weshalb bei einer Reihe europäischer Autohersteller die Bänder stillstehen.

·         Russland ist weltweit einer der wichtigsten Düngemittellieferanten. Russland und Weißrussland liefern ca. 40% der weltweiten Kali-Exporte, zu deren Hauptabnehmer China, Brasilien und Indien gehören. Düngemittel werden knapp und zunehmend teurer.

·         Die EU bezieht 40% der Erdgasimporte aus Russland. Diese Abhängigkeit kann – solange es noch kalt ist – zum Druckmittel Russlands werden.

Aktien - Europa

Die Nähe zu Russland und der Ukraine macht den europäischen Märkten zu schaffen. Besonders hohe Russland-Exposure haben österreichische Firmen, insbesondere die Großbank RBI, deren Aktienkurs binnen eines Monats um 55% einbrach. Ebenfalls härter trifft es den Kranhersteller Palfinger und die OMV. Folge: Binnen eines Monats Kursverluste von 21 bzw. 26%. Vor allem für die OMV als Ölwert im Umfeld steigender Ölpreise ist dies hart, denn auf der Gewinnerseite stehen US-Fracking Firmen. Beispielsweise verzeichnete Occidental Petroleum, zuletzt auch wegen eines Credit-Rating-Upgrades durch Moody´s, einen Wochengewinn von 45%.

Gleichzeitig kommt es jetzt europaweit zu verstärkten Rüstungsinvestitionen. Deutschland will mit 100 Mrd. EUR die Bundeswehr auf neuesten Stand bringen und dann jährlich 2% des BIP in die Rüstung investieren. Auch Österreich will hier nachholen. Ein großer Gewinner war vergangene Woche der Panzer-Hersteller Rheinmetall mit einem Plus von 39%.

Wie stehen die Chancen auf ernsthafte Friedensverhandlungen und Verhandlungsergebnisse zwischen Russland und Ukraine?

Auf den Punkt gebracht, laut Politologen vorerst faktisch auf Null. Russland fordert von der Ukraine die Anerkennung der Krim und russischen Gebiete, eine vollständige Demilitarisierung und gleichzeitig Neutralität (kein EU- und NATO-Beitritt). Außerdem wäre davon auszugehen, dass Russland eine „Marionettenregierung“ in der Ukraine installieren würde. Ein erneuter Maidan-Aufstand wäre dann vorprogrammiert. Das kann die Ukraine nicht akzeptieren. Mit Unterstützung westlicher Waffenlieferungen leistet die Bevölkerung der Ukraine Widerstand. Die Vorgangsweise der vorrückenden russischen Truppen wird brutaler. Stimmen für einen NATO-Einsatz werden lauter. Die Gefahr eines dritten Weltkriegs ist so hoch wie seit September 1983 (Planspiel im kalten Krieg und Atomfehlalarm) nicht mehr. Der von Dario Caldara und Matteo Iacoviello entwickelte Geopolitical Risk Index (GPR) erreichte den höchsten Stand seit dem Irak-Krieg im Frühjahr 2003.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Wirtschaftliche laterale Opfer des Ukraine-Kriegs

Abgesehen von den täglichen Tragödien der Kriegshandlungen gibt es auch auf wirtschaftlicher ebene „laterale Verluste“. Der Ölpreis (Brent) stieg auf ein neues Jahreshoch von 118,05 USD. Der Weizenpreis explodierte regelrecht und ist auf Wochensicht bereits 41% im Plus. Manche Schwellenländer stehen vor Hungerrevolten:

Ägypten mit über 100 Millionen Einwohnern importiert einen großen Teil des Weizens aus Russland und der Ukraine, gleiches gilt für Tunesien, während die Türkei 2020 ca. 65% ihres Weizens aus Russland bezog. Hier könnten steigende Weizenpreise die Inflation nochmals befeuern und sogar zu einem politischen Umsturz führen. Ebenso sozialer Sprengstoff wären explodierende Brotpreise in Ägypten und Tunesien. Auch steigende Energie- und Treibstoffpreise können in Ländern wie Kasachstan, Indonesien, quer durch Afrika und Lateinamerika ein Thema werden.

Anleihen

Renditen sinken: Ja die Flucht in Bonds hat sich bemerkbar gemacht. Immerhin waren knapp 2% Rendite auf 10 Jahre für vorsichtige Anleger in den USA attraktiv genug um hier wieder Geld in US-Treasuries zu parken, deren Renditen von 1,96 im Wochenverlauf auf 1,73% zurückgingen, alleine am Freitag minus 11 Basispunkte (BP). Noch stärker rückläufig von 0,23 auf -0,08% – also um satte 31 BP – waren die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen. Flucht in Sicherheit ist ein Thema. Das andere: Notenbanken sind in punkto Inflationsbekämpfung weitgehend die Hände gebunden wenn nun nach Corona mit dem Ukraine-Krieg die nächste Krise bereits da ist. Wie die Fed-Fund-Futuresmärkte die nahe Zukunft bei den Leitzinsen sehen, deckt sich mit den Aussagen Powells: zu 98,8% wird für 16. März eine Anhebung um 25 Basispunkte eingepreist. Hingegen noch längere Zurückhaltung ist von der EZB zu erwarten.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken, das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Zuletzt weiteten sich die Spreads wieder auf 3,93 (25.2.) Prozentpunkte aus, ehe bis 3. März wieder eine Gegenbewegung auf 3,71 PP folgte. US-Firmen sind von der Ukraine-Krise weniger stark betroffen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Kriegsbedingte Verteuerung: Die Weizenernte der Ukraine und jene Russlands stehen auf dem Spiel. Verknappung ist die Folge und vergangene Woche ist der Weizenpreis in mehreren Limit-Up-Bewegungen rund 41% gestiegen. Indessen setzte sich die Preisexplosion bei UK Erdgas fort, dessen Preis auf Wochenbasis um 119% anstieg. Um 26% verteuerte sich Palladium, dessen Lieferungen aus Russland auf dem Spiel stehen und um jeweils 14 bzw. 20% Primäraluminium und Nickel.

Währungen

Krisenmechanismen: Die Tendenz der Vorwoche hat sich weiter verstärkt. Anleger aus den USA und Japan repatriierten Auslands-Assets und tauschen die Erlöse in Heimatwährung. USD und Yen werteten zum Euro jeweils um 3 bzw. 3,5% auf. Sogar rund 3,9% Plus brachte als klassische Krisenwährung der Schweizer Franken.  Noch stärker im Plus war die Rohstoffwährung Australischer Dollar. Hingegen zum Rubel wertete der Euro im Wochenverlauf 27% auf! Russland droht im Worst Case Hyperinflation!

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

07.03.2022

China: Handelsbilanz

08.03.2022

EUR: BIP

USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand

09.03.2022

China: Verbraucherpreisindex, Erzeugerpreise

Japan: BIP

10.03.2022

EUR: EZB Zinssatzentscheidung u. Pressekonferenz

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Inflationsdaten

11.03.2022

USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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