PC - Weekly 2022 KW 13

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

AKTIEN – USA
Märkte stumpfen ab, geopolitische Krisenherde drohen sich zu vernetzen:
Nach wie vor tobt der Krieg in der Ukraine, doch immer mehr gehen die Märkte zum Tagesgeschehen über. Auf Monatsbasis sind die Aktienmärkte in den USA, der Schweiz, Japan, Indien und Südkorea im Plus. Indessen setzte in Europa eine kräftige Erholung ein. Das Kriegsende wird immer mehr eingepreist obwohl noch keine bisherige Friedensverhandlung den Durchbruch brachte und Russland in manchen Städten sogar die Angriffe intensivierte. Vielmehr scheint hier umgekehrt zum Gesetz des abnehmenden Grenznutzens in der Volkswirtschaft ein Gesetz des abnehmenden Grenzschadens vorzuherrschen. Wird eine Stadt bombardiert stürzten die Kurse noch in etwa 5% ab, bei der zweiten und dritten jeweils 3 und 2% bis dann auf die Bombardierung der 8. Stadt die Kurse wieder nach oben drehen. Gleichzeitig flammt der Krieg in Jemen auf, während Nordkorea eine Interkontinentalrakete testete und sein Raketenprogramm weiter ausbaut. Für die USA ist das eine dreiste Verletzung mehrerer Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Am Tag diplomatischer Gespräche mit den USA schickte China einen Flugzeugträger durch die Meerenge vor Taiwan. Gleichzeitig stehen China und Indien immer mehr in Konkurrenz zueinander, während die NATO-Länder die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützen. Der von Darlo Caldara und Matteo Iacoviello konstruierte Geopolitical Risk Index ist so hoch wie seit 2003 (Golfkrieg) nicht mehr. Die größte Gefahr ist, dass China die Ukraine-Krise nützt, um Taiwan zu annektieren. Die Gefahr, dass sich mehrere regionale Krisenherde zu einem weltumspannenden Krieg, den 3. Weltkrieg vernetzen, ist derzeit sogar größter als noch während des Kalten Krieges. Eine gefährliche Nebenwirkung aktueller geopolitischer Konflikte, insbesondere des Ukraine-Konfliktes liegt in einer Verstärkung der Inflationsraten, was wiederum Leitzinsanhebungsdruck auf die Fed und EZB ausübt.

Worin liegen die Inflations-Unterschiede zwischen Europa und den USA?
Bereits im Februar überschlugen sich die Inflationsrekorde: Im Euroraum kletterte die Inflationsrate von 5,1% (Jänner) auf ein absolutes Rekordhoch von 5,9%. In den USA war es mit 7,9% der höchste Stand seit Jänner 1982. Dennoch gibt es Unterschiede in der Zusammensetzung der Teuerung, was auch die Leitzinsunterschiede USA-Eurozone zu einem Teil erklärt.
Die Kerninflationsrate, der Verbraucherpreisindex ohne die volatilen Komponenten Nahrungsmittel und Energie stieg in den USA im Februar um 6,4% und somit so stark wie seit August 1982 nicht mehr. Während der Energieindex um 25,6 % explodierte, stieg der Nahrungsmittelindex erst um 7,9%. Das war der stärkste Anstieg seit Juli 1981.  Auslieferungsverzögerungen in der Automobilindustrie führen bei Neuwägen zu einem Preisanstieg um 12,3% und infolge des verstärkten Ausweichens auf Gebrauchtwägen dort sogar zu einem Preisanstieg um 41,2%. Außerhalb des Agrarsektors stiegen die Stundenlöhne in den USA bereits um 5,1% und die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung gingen in der am 19. März endenden Abrechnungswoche um 28.000 auf 187.000, und somit den niedrigsten Stand seit September 1969 zurück – und dies bei einer Arbeitslosenquote von nur noch 3,8% im Februar. Der Arbeitsmarkt ist völlig leergefegt und die Lohn-Preis-Spirale beginnt sich zu drehen. Unter Betrachtung dieser Tatsachen sind spätestens bis Juli zweistellige Inflationsraten in den USA möglich.
Während in den USA die hohe Inflation bereits auf breiter Basis spürbar ist, ist es im Euroraum noch immer eine primäre Verzerrung des Preisgefüges durch die Energiepreiskomponente, die mittlerweile im HVPI mit 10,93% gewichtet ist. Ihr Anstieg beschleunigte sich von Jänner auf Februar von 28,8 auf 32%! Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 6,2%, aber Dienstleistungen und Industriegüter – je 41,67 bzw. 26,52% gewichtet – nur um jeweils 2,5 bzw. 3,1%. Der HVPI ex Energie verteuerte sich nur um 3,1% und ohne Energie Lebensmittel, Alkohol und Tabak gar nur um 2,7%.

     Die Durable Goods-Orders erlitten ersten Einbruch in fünf Monaten: Die Auftragseingänge für die Herstellung langlebiger Güter waren von Jänner auf Februar um 2,2% rückläufig. Volkswirte gingen nur von 0,5% aus. Ohne den Transportbereich lag das Minus bei 0,6% und ohne Rüstung sogar bei 2,7%. Allerdings waren die Auftragseingänge für langlebige Güter auf Jahresbasis mit 14,2% im Februar noch höher als die Auslieferungen von 11,1%, was grundsätzlich ein expansives Zeichen ist. Doch ohne den Transportbereich waren die Auslieferungen mit 12,7% stärker expandiert als die Neuaufträge mit 11%. Wegen des Chipmangels auffallend schwach waren Auslieferungen und Auftragseingänge auf Jahressbasis bei Computer und Zubehör mit je 2,2 bzw. 2,0%.

     Robuste Konjunktur kritisch betrachtet: Indessen kletterte der S&P Global Flash US-PMI als Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft von 55,9 Punkten im März auf ein 8-Monats-Hoch von 58,5 Punkten, was die Fed in ihrer jüngst restriktiven Ausrichtung noch bestärken könnte. Die USA sind weit entfernt vom Kriegsgeschehen in der Ukraine und haben eine solide Binnenkonjunktur. Teils profitieren sie über Flüssiggas- und Rüstungsexporte noch vom Konflikt zwischen Nato/EU/Ukraine und Russland. Anders sieht hingegen die Situation in Europa aus. Dieser Wirtschaftsraum zahlt die Zeche für Krieg und Russland-Sanktionen.

Aktien - Europa

Ukrainekrieg verschlechtert Wirtschaftsstimmung
Eine von S&P Global im Zeitraum 11. bis 22. März durchgeführte Umfrage bei Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in der Eurozone zeigte eine drastische Stimmungsverschlechterung und Dämpfung des Aktivitätsniveaus der Privatwirtschaft. Der vorläufige Flash Eurozone Composite Indes Produktion fiel von 55,5 auf ein 2-Monats-Tief von 54,5 Punkten, wobei der Flash Eurozone EMI™ Industrie auf ein 14-Monats-Tief fiel. Krieg und Sanktionen verunsichern. Erneute Lieferkettenunterbrechungen und Preisschübe bereiten Probleme. Das Produktionswachstum der Industrie fiel so schwach aus wie zuletzt im Oktober 2020, da der Auftragseingang das zweitniedrigste Plus seit Beginn der Erholung von den ersten pandemiebedingten Schließungen im Juli 2020 auswies. Bei den Auslandsbestellungen kam es zum ersten Rückgang seit 21 Monaten, wobei es Autohersteller wegen fehlender Kabelbäume aus der Ukraine besonders traf. Die weiteren Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt. Das Risiko eines längeren Abschwungs ist hoch.
Wie stehen die Chancen auf ernsthafte Friedensverhandlungen und Verhandlungsergebnisse zwischen Russland und Ukraine?
Russlands Offensive kam zuletzt immer mehr zum Erliegen. Während Russland logistische Nachschubprobleme bekam, wurde die Ukraine von Polen aus mit Waffen versorgt. Das Ausmaß der Zerstörung durch russische Raketen nahm zu. Beide Seiten sind nun mehr denn je verhandlungsbereit, aber die Fronten bleiben verhärtet. Russland fordert von der Ukraine die Anerkennung der Krim und russischen Gebiete und gleichzeitig Neutralität (kein EU- und NATO-Beitritt). Die Ukraine will aber das ursprüngliche Staatsgebilde wiederherstellen. Die Neutralität ist ein Punkt auf den man sich einigen könnte. Die restlichen Fragen bedürfen Kompromisse, die noch besser als Krieg und harte Wirtschaftssanktionen sind. Je mehr Russland durch Sanktionen im wirtschaftlichen Chaos versinkt, desto höher wird eines Tages die Wahrscheinlichkeit eines Friedens-Kompromisses. Wegen der Symbolträchtigkeit erwarten viele einen Friedensschluss per 9. Mai. Auch ein Oster-Waffenstillstand wäre ein denkbares Szenario.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Industrie mit beschleunigtem Gewinnwachstum: Die Überschüsse legten im Jänner und Februar um durchschnittlich 5,0 % zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt am Sonntag in Peking mitteilte. Ende 2021 hatte das Plus nur bei 4,2 % gelegen. Treiber war der Energie- und Rohstoffsektor, der von höheren Preisen etwa für Rohöl und Kohle profitierte. Somit hält die Regierung in Peking weiterhin an einem BIP-Wachstum von 5,5% fest.

Anleihen

Renditen erneut auf Jahreshoch: Im Laufe der vergangenen Woche kletterten die Renditen 10jähriger US-Treasuries weiter von 2,18 auf 2,47% und markierten somit ein neues Jahreshoch. Die Renditen laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen kletterten im gleichen Zeitraum von 0,37 auf 0,58%. Quer durch Europa steigen die Renditen. Die Bank of England hat bereits ein drittes Mal im laufenden Jahr den Leitzins angehoben – um 25 BP auf 0,75%! Der letzte Zinsschritt der Fed war eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 0,25 bis 0,50%. Zuvor hat schon die EZB im Zuge ihrer jüngsten geldpolitischen Entscheidungen einen Kurswechsel angekündigt: „Die monatlichen Nettoankäufe im Rahmen des APP werden sich im April auf 40 Mrd €, im Mai auf 30 Mrd € und im Juni auf 20 Mrd € belaufen. Die Kalibrierung der Nettoankäufe für das dritte Quartal wird von den Daten abhängen und die sich verändernde Beurteilung des EZB-Rats in Bezug auf den Ausblick berücksichtigen. Sollten die neu verfügbaren Daten die Erwartung stützen, dass sich die mittelfristigen Inflationsaussichten auch nach dem Ende seiner Nettoankäufe von Vermögenswerten nicht verschlechtern werden, wird der EZB-Rat die Nettoankäufe im Rahmen des APP im dritten Quartal einstellen“. Änderungen der EZB-Leitzinsen werden einige Zeit nach dem Ende der Nettoankäufe des EZB-Rats im Rahmen des APP vorgenommen. Doch es mehren sich die Stimmen, noch heuer eine erste Leitzinsanhebung durchzuführen. In den USA werden indessen bereits mehrere Zinsschritte von 0,5 Prozentpunkte erwartet. Inflationsbekämpfung rückt immer mehr in den Vordergrund. Dadurch steigt auch der Druck auf die EZB, eventuell noch heuer eine Zinswende vorzunehmen.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken,  das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkten war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Zuletzt weiteten sich die Spreads wieder auf 3,93 (25.2.) Prozentpunkte aus, ehe bis 24. März wieder eine Gegenbewegung auf 3,67 PP folgte. US-Firmen sind von der Ukraine-Krise weniger stark betroffen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Gegenbewegung hält an: Die massiven Renditeanstiege und anhaltende Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg belasten Gold und Silber, während die Klarstellung russischer Palladium-Auslieferungen den Palladiumpreis gleich zweistellig unter Druck setzte, zumal sich auch die Nachfrage seitens der Autoindustrie (Bänder stehen teilweise still) in Grenzen hält. Das gilt auch für Platin, während Lieferausweitungen in Saudi Arabien den Ölpreisanstieg stoppten. Selbst die Getreidepreise beruhigen sich wieder, da manche erwarteten Versorgungsszenarien sich jetzt im Nachhinein als überzogen erweisen.

Währungen

Yen-Crash: Der Euro hat gegenüber Yen bereits 3,6% aufgewertet nachdem die Bank of Japan ihre expansive Geldpolitik weiter fortsetzt, um das Zinsniveau niedrig zu halten. Fester zum Euro hingegen waren die Rohstoffwährungen Kanadischer Dollar und Australischer Dollar, während der US-Dollar wegen steigender Anleihenrenditen auf hohem Niveau verharrt. Auffallend starke Gegenbewegungen verzeichnet der Russische Rubel, der rund 9% aufwertete nachdem Moskau auf Bezahlung der Gasrechnungen in Rubel besteht, was eine automatische Rubelnachfrage seitens der Erdgasbezieher auslösen würde.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

28.03.2022

USA: Dallas Fed Herstellungsindex

29.03.2022

USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand, S&P/Case-Shiller Hauspreisindex

30.03.2022

Japan: Einzelhandelsumsätze
EUR: Verbrauchervertrauen, Geschäftsklimaindex
USA: ADP Beschäftigungsänderung; BIP; Kernausgaben für persönlichen Konsum; persönliche Konsumausgaben

31.03.2022

Japan: Industrieproduktion
USA: OPEC-Treffen; Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Chicago Einkaufsmanager-Index

01.04.2022

Japan: Tankan Herstellungsindex für große Unternehmen
China: Caixin PMI Produktion
EUR: Inflation
USA: Arbeitslosenquote; Durchschnittliche Stundenlöhne u. Wochenarbeitszeit; Erwerbsbeteiligungsquote, Nonfarm-Payrolls; Markit PMI Herstellung; ISM verarbeitendes Gewerbe

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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