PC - Weekly 2022 KW 16

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Der unspektakuläre US-Inflationsschock: Die US-Inflationsrate stieg von 7,9% im März weiter auf 8,5% und markierte somit den höchsten Stand seit Dezember 1981. Und für die Fed-Entscheidung am 4. Mai preisen die Märkte mit 91% Wahrscheinlichkeit bereits eine Zinsanhebung um 50 Basispunkte ein. Der Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard, plädierte in einer Rede vor dem Council on Foreign Relation für Leitzinsanhebungen auf 3,50 % bis Jahresende. Seine zugrundeliegenden Entscheidungsparameter sind neben der höchsten Inflationsrate seit 40 Jahren, eine Arbeitslosenrate von 3,6%, die wahrscheinlich in diesem Jahr noch unter 3% fallen könnte, zumal er nicht von einer Rezession, sondern von einem Wirtschaftswachstum über dem langfristigen Potenzial ausgeht. Bullard möchte deshalb auf allen 6 verbleibenden Fed-Sitzungen jeweils 0,5 Prozentpunkte Zinsanhebungen ausgehend von aktuell 0,25 bis 0,50% sehen. Die Futuresmärkte sehen bis Jahresende für ein Leitzinsniveau von 3,25 bis 3,50% nur 0,2% Wahrscheinlichkeit, verglichen mit 43,6% für 2,50 bis 2,75% und 25 % auf 2,75 bis 3,00%. Indessen zeigt sich der Arbeitsmarkt mit Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung nahe des 50-Jahres-Tiefs von der starken Seite. Hingegen Ungemach könnte nach einem starken ersten Quartal nun wieder von China ausgehen, wo Shanghai bereits seit mehreren Wochen wegen der Corona-Bekämpfung abgeriegelt ist. Es sind auch neue Mutationen der Omicron-Variante aufgetreten. Von dieser Seite droht erneut Ungemach, während der baldige NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens die nächste Phase der Eskalation im Ukrainekrieg einleiten könnte.

Moderatere Einzelhandelsumsätze dämpfen Renditeanstieg: Annualisiert wuchsen die Einzelhandelsumsätze im ersten Quartal annualisiert um 2,5%. Im Vergleich zum Vormonat wuchs im März der US-Einzelhandelsumsatz um 0,5% (erwartet 0,6%). Positiv ist, dass sich das Michigan-Konsumklima im April wieder deutlich aufhellt, nachdem es im März auf den niedrigsten Stand seit 2011 fiel. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima stieg zum Vormonat um 6,3 Prozentpunkte auf 65,7 Zähler.

Elon Musk will Twitter übernehmen: Bereits der 9,2%-Einstieg Elon Musks in Twitter ließ Übernahmespekulationen aufkeimen, die sich kurz darauf bewahrheiteten: Musk bot 54,20 Dollar pro Twitter-Aktie, was einen Wert von 43 Mrd. USD bedeuten würde. Aber kommt es zu keiner Einigung mit Management und Aktionären, dann könnte er auch sein Angebot zurückziehen. Die Begeisterung des Aufsichtsrats sollte sich angeblich in Grenzen halten, was den hohen Abschlag bei Kursen zwischen 46 und 47 USD erklärt. Zunehmend mehr Experten sehen das Angebot als wenig seriös an.

Positiver Auftakt zur Earning Season: Die Bankenwerte Wells Fargo, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Citygroup meldeten zwar Gewinnrückgänge, lagen aber dennoch über Analystenerwartungen. Per 14. April veröffentlichten laut FactSet bereits 7% der S&P 500 Unternehmen Gewinne für das erste Quartal 2022.  In 77% der Fälle lagen die Gewinne über den Analystenerwartungen. Allerdings liegt die durchschnittliche Gewinnüberraschung mit 7,5% unter dem 5-Jahres-Schnitt von 8,9%.

Aktien - Europa

Sind nach jüngsten Rückschlägen europäische Aktien bereits günstig bewertet?

Nimmt man den aus 429 Komponenten bestehenden MSCI Europe Index (USD), so ist dieser gegenüber dem MSCI World erheblich günstiger bewertet. Vor allem im Grundstoffbereich und im Energiesektor sind noch kräftige Gewinnschübe möglich. Während einem aktuellen KGV von 15,4 (per 31.03.22) im MSCI Europa eines von 20,1 im MSCI World gegenübersteht, liegt das 12-Monats-Forward-KGV im MSCI Europa nur noch bei 13,7 vs. 17,7 im MSCI World. In Europa steht eine Dividendenrendite von 2,89% einer von 1,84% im MSCI World gegenüber. Allerdings ist Europa noch stärker als die USA von der sogenannten „Old-Economy“ geprägt. Vor allem Banken, Versicherungen und Telekom-Unternehmen, aber auch herkömmliche Industriegiganten spielen in Europa als Indexschwergewichte eine wichtige Rolle. Hinzukommen die stärkeren Rückschläge infolge des Ukraine-Kriegs.

Wie stehen die Chancen auf ernsthafte Friedensverhandlungen und Verhandlungsergebnisse zwischen Russland und Ukraine?

Russische Truppen zogen von Kiew und der Westukraine ab. Nun fokussieren sich die Angriffe auf Städte im Süden und Südosten des Landes. Bis auf das Areal um ein Stahlwerk ist Mariupol faktisch vollkommen zerstört und die Offensive geht weiter nach Südosten. Nur geringe Annäherungen brachten indessen die Friedensgespräche in der Türkei und diplomatische Versuche des österreichischen Kanzler Nehammer. Trotzdem spricht die wirtschaftliche Plausibilität für einen baldigen Frieden. Als erster Schritt könnte nach der Osteroffensive ein Waffenstillstand einsetzen.  Die Neutralität der Ukraine ist ein Punkt, auf den man sich einigen könnte. Die restlichen Fragen bedürfen Kompromisse, die aber auf jeden Fall besser als Krieg, harte Wirtschaftssanktionen und Zerstörung sind.

 

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas starker Jahresauftakt mit Corona-Maßnahmen beendet: Zwar wuchs Chinas BIP im ersten Quartal 2022 überraschend stark um 4,8%, während Analysten nur von 4,4% ausgingen. Doch die Freude könnte bald Enden. Je länger die umfassenden Corona-Einschränkungen anhalten, desto schwächer wird die Wirtschaft. Zahlreiche Fabriken in China sind geschlossen. Ob das BIP-Wachstumsziel der Regierung von 5,5% heuer noch erreicht werden kann, bleibt abzuwarten. Die Maßnahmen haben sich auf globale Lieferketten für Waren von Elektrofahrzeugen bis hin zu Mobiltelefonen ausgewirkt. Wirtschaftsexperten zufolge steigt deswegen die Gefahr einer Rezession in China und das Wachstumsziel der Regierung von 5,5% 2022 (Regierung) erscheint etwas hochgegriffen. Fakt ist, dass der IWF bereits wegen des Ukraine-Kriegs seine globale Wachstumsprognose von 4,1 auf 3,2% senkte.

Anleihen

Erneute Schockwelle: Rekordinflation und ein starker Ruf nach rigorosen Inflationsbekämpfungsmaßnahmen in den USA treiben wieder mal die Renditen am langen Ende nach oben. In Deutschland sind im Monats-Vergleich die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen bereits um 55 Basispunkte (BP) auf 0,91% gestiegen, in Italien war es ein Anstieg um 2/3 Prozentpunkte auf 2,55%, während das Renditeniveau laufzeitkongruenter US-T-Bonds bereits um 74 BP auf 2,89% (19.4.) anstieg. Wie bereits eingangs erwähnt, sprechen sich immer mehr geldpolitische Entscheidungsträger für kräftigere Leitzinsanhebungen aus. In Europa hingegen hält sich indessen die EZB noch zurück. Ergebnis ihrer jüngsten Entscheidung:  O-Ton: „Die monatlichen Nettoankäufe im Rahmen des APP werden sich im April auf 40 Mrd€, im Mai auf 30 Mrd€ und im Juni auf 20 Mrd€ belaufen. Auf seiner heutigen Sitzung kam der EZB-Rat zu dem Schluss, dass die seit seiner letzten Sitzung neu verfügbaren Daten seine Erwartung stärken, dass die Nettoankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP im dritten Quartal eingestellt werden sollten“ Zu den Leitzinsen äußerte sich die EZB: „Änderungen der EZB-Leitzinsen werden einige Zeit nach dem Ende der Nettoankäufe des EZB-Rats im Rahmen des APP vorgenommen. Dabei werden wir graduell vorgehen. Die Entwicklung der EZB-Leitzinsen richtet sich weiterhin nach der Forward Guidance des EZB-Rats und seiner strategischen Verpflichtung, die Inflation auf mittlere Sicht bei 2 % zu stabilisieren“. Tilgungsbeträge der im Rahmen des Pandemie-Anleihenankaufprogrammes erworbenen Wertpapiere sollen mindestens bis Ende 2024 wieder veranlagt werden. Günstige langfristige Refinanzierungsprogramme für Banken laufen indessen bald aus: „Wie angekündigt geht der EZB-Rat davon aus, dass die im Rahmen der GLRG III geltenden Sonderkonditionen im Juni 2022 auslaufen“. Die Reaktion auf eine Rekordinflation von 7,5% im März hält sich somit in engen Grenzen. Allerdings ist der 3-Jahres-EUR-Swapsatz von -0,15% zu Jahresbeginn bis Mitte April bereits um 1% angestiegen, was jedenfalls Leitzinsanhebungen der EZB in den kommenden drei Jahren einpreist.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken,  das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündit - schlichtweg zu niedrig! Zuletzt weiteten sich die Spreads wieder auf 3,64 (18.4.) Prozentpunkte aus, zumal immer mehr Firmen in eine Preis-Kosten-Schere geraten.

Edelmetalle und Rohstoffe

Fester Ölpreis, fragile Edelmetalle: Während der Ölpreis infolge der Spannungen mit Russland auf hohem Niveau verharrte und zeitweise fester tendierte, vollzogen Gold und Silber nach einem kurzen Ausbruch wieder erneut Rücksetzer. Offensichtlich ist die Inflationsdebatte in den Medien bereits weitgehend eingepreist und jüngste Renditeanstiege sowie der feste Dollar bremsen.

Währungen

Yen-Schwäche: Da die japanische Notenbank weiterhin eine expansive Geldpolitik verfolgt und den 10Jahres-Anleihen-Zins bei 0,25% „einfriert“ und dafür unbegrenzt zu intervenieren bereit ist, schwächt der Yen erneut zum Euro ab. Indessen setzt sich die Dollarstärke infolge jüngster Renditeanstiege im USD weiter fort. Hingegen die Rubelstärke setzt sich mit der Goldbindung weiter fort. Binnen eines Monats wertete der Euro zum Rubel rund 24% ab.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

19.04.2022

USA: Baugenehmigungen

20.04.2022

EUR: Industrieproduktion

Japan: Handelsbilanz

China: PBoC Zinssatzentscheidung

USA: Fed Beige Book

21.04.2022

USA: Fed Powell Rede; Philly Fed-Herstellungsindex; Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung

22.04.2022

Japan: Inflationsdaten

EUR: Markit PMI Gesamtindex, Einkausmanagerindex verarbeitendes Gewerbe; Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen.

USA: Markit PMI Herstellung; Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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