PC - Weekly 2022 KW 2

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Nachwehen der jüngsten Fed-Sitzung: Die Inflationsrate beschleunigte sich von Oktober auf November von 6,2 auf 6,8% und die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung bewegten sich in der Woche endend zum Jahresauftakt 2022 nahe des niedrigsten Standes seit 52 Jahren, der rund ein Monat zuvor erreicht wurde. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es kein Wunder, dass das drei Wochen nach der jüngsten Offenmarktausschuss-Sitzung der Fed veröffentlichte Sitzungsprotokoll am 5. Und 6. Jänner nochmals für Unsicherheit an den Bond- und Aktienmärkten sorgte und dabei auch Edelmetalle unter Druck setzte. Geldpolitische Entscheidungsträger der Fed merkten laut Protokoll an, womöglich sei es gerechtfertigt, die Zinsen früher oder in einem schnelleren Tempo als bislang erwartet anzuheben. Aus Sicht mancher Sitzungsteilnehmer könnte es zudem sinnvoll sein, mit der Verkleinerung der Notenbankbilanz relativ bald nach dem Start von Zinserhöhungen zu beginnen. Durch die umfangreichen Anleihenkäufe war die Fed-Bilanz zuletzt auf rund 8,76 Billionen Dollar angeschwollen. Noch Ende 2019 waren es erst 4,17 Billionen Dollar. Nun verunsichern Leitzinsaussichten und der Zeitpunkt sowie das zukünftige Tempo der Bilanzsummenschrumpfung der Fed. Inflation und Arbeitsmarkt bei Erwartung soliden Wirtschaftswachstums stehen nun im Fokus der Fed. Fakt ist, dass Board-Mitglieder und regionale Präsidenten der Fed im Median für 2022 Leitzinserhöhungen von 0,1 auf 0,9% erwarten, was drei Leitzinsanhebungen implizieren würde, und auch die Futuresmärkte früher als bisher eine erste Leitzinserhöhung einpreisen. Auf der anderen Seite grassiert die Corona-Omikron-Variante in den USA und es drohen wieder Lockdowns, während die Mäßigung der vorangegangenen Erholung insbesondere in der US-Industrie ihren Verlauf nimmt. Gleichzeitig gibt es geopolitische Spannungen in der Ukraine und ein russischer Einmarsch und somit heisser Krieg zwischen Ukraine und Russland ist nicht mehr auszuschließen, spätestens dann nicht, wenn die Ukraine der NATO beitreten würde.

Durchwachsene Privatwirtschaft in den USA: Die jüngsten Daten des ISM zeigen bereits erste Entspannungstendenzen bei den Preisen und Lieferengpässen. Allerdings sind die Auftragseingänge laut Services PMI® vom ISM im Dienstleistungssektor von November auf Dezember sogar 8,2 auf 61,5 Punkte eingebrochen. Trotzdem blieb das Aktivitätsniveau im Service-Bereich auf hohem Niveau. Gleichzeitig ist von November auf Dezember der IHS Markit US Manufacturing PMI™ von 58,3 auf 57,7 Punkte gefallen. Mit Ausnahme von Oktober und November ist das Output-Wachstumstempo so niedrig wie seit Oktober 2020 nicht mehr.

Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung nur knapp über 52-Jahres-Tief: Die Arbeitsmarktdaten sind zuletzt zu stark, dass die Fed geldpolitisch zurückrudert. Die Lohninflation läuft an. Umso sensibler werden da die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Diese sind in der vergangenen Woche um 7000 auf 207.000 gestiegen, nachdem sie aber vor rund einem Monat mit 188.000 auf den niedrigsten Stand seit 1969 gefallen waren.

Stabile Gewinnerwartungen im S&P: Über das ganze vierte Quartal von Anfang bis Ende haben sich im gesamten S&P 500 die Gewinnwachstumserwartungen von 20,9 auf 21,7% verbessert. Damit läge das Wachstum bereits vier Quartale hintereinander über 20%, was u.a. auf Basiseffekte durch niedrigere Gewinne im Vorjahr zurückzuführen ist. Die Wachstumsrate läge auch über dem Fünf-Jahresschnitt von 13,7%. Neun von elf Sektoren sollten unter der Führung der Bereiche Energie, Grundstoffe und Industriegüter wachsen. Die erwartete Nettogewinnmarge für das vierte Quartal liegt mit 11,9% über dem Fünf-Jahresschnitt von 11,0% - so die Daten von FactSet. Doch was erwarten sich die Unternehmen vom zur Veröffentlichung anstehenden vierten Quartal 2021? 56 S&P 500 Firmen gaben negative Gewinnvorschauen ab, denen 37 positive gegenüberstanden. Somit erreichte die Anzahl der Unternehmen mit negativem Ausblick für Q4 21 den höchsten Stand seit Q1 2020 (61). Auf der anderen Seite ist die Anzahl der positiven Ausblicke auf dem niedrigsten Niveau seit Q2 2020 (25). Im Gesamtjahr 2022 sollten sich laut FactSet die Gewinnzuwächse auf 9,4% (2021: +45,2%) verlangsamen. Steigende Input-Preise und Lieferengpässe sind hier Faktoren.

Aktien - Europa

Wirtschaftsaktivitäten im Euroraum auf 9-Monats-Tief: „Corona-Welle beutelt Servicesektor und drückt Wachstumsrate der Eurozone auf 9-Monatstief“ - Daran ändert auch die Vollauswertung der von 6. Bis 20. Dezember durchgeführten Unternehmensbefragungen von IHS Markit nichts. Der IHS Markit Composite Index Eurozone fiel binnen Monatsfrist um 2,1 Punkte auf 53,3 Punkte und somit den niedrigsten Wert seit März 2021. Epizentrum der Schwäche ist der Dienstleistungssektor, der unter erneuten Lockdown-Maßnahmen leidet. Die Geschäftstätigkeit im Servicesektor fiel auf den tiefsten Stand seit April 2021 und das Exportneugeschäft war erstmals seit Mai 2021 wieder rückläufig. Joe Hayes, Senior Economist bei IHS Markit bringt die Situation wie folgt auf den Punkt: „Die Wachstumsbeschleunigung von November erwies sich leider als kurzlebig. Angesichts der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen im gesamten Euroraum verzeichnete dieser im Dezember das schwächste Wirtschaftswachstum seit März“.

Starkes viertes Earning-Quartal in Sicht: Während sich in den USA bereits eine starke Abkühlung der Quartalsgewinnzuwächse bemerkbar macht, herrscht in Europa noch eine starke Aufwärtsdynamik, denn:
Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im vierten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 49,3% (ohne Energiesektor: 34,2%) wachsen. Im Gesamtjahr 2021 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 66,2%
Die stärksten Zuwächse werden im Energiesektor, bei zyklischen Konsumgütern und bei Industriewaren erwartet. Allerdings wird ab dem ersten Quartal 2022 eine signifikante Wachstumsverlangsamung erwartet. Im 2. Quartal 2022 sollten im STOXX 600 bei 10,5% Umsatzplus die Gewinne nur noch 7,2% wachsen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Industrie zeigt wieder Stärke: Nachdem die Stromknappheit in China beseitigt ist, konnte die Produktion wieder hochfahren. Die Industrieproduktion stieg bereits im November gegenüberüber dem Vorjahresmonat um 3,8%. Der Caixin/Markit Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI) stieg von November auf Dezember um einen Punkt auf 50,9 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Juni. Auch ist mit einem Wert von über 50 wieder der Wachstumsbereich erreicht worden. Trotzdem ist das für eine Schubumkehr im BIP noch nicht ausreichend. Analysten erwarten für das vierte Quartal eine weitere Abkühlung, nachdem im dritten Quartal 2021 das Wachstum nur noch bei 4,9% lag. Doch die chinesische Regierung verfügt noch über genügend Spielraum für Konjunkturprogramme.

Anleihen

Bond-Crash-Szenario: Sah es Mitte Dezember so aus als wären die restriktiven Schritte der Fed nun eingepreist, so holte die Märkte drei Wochen später mit dem Sitzungsprotokoll der Fed-Sitzung die Vergangenheit wieder ein. Nachdem bereits eine Schrumpfung der Bilanzsumme im Gespräch ist und schnellere Leitzinsanhebungen als bisher erwartet werden sandte dieses Ereignis eine kleinere Schockwelle über die globalen Sovereign-Bondmärkte, zumal es in den USA, Euroraum und vor allem Japan die Notenbanken sind, die letztlich wesentliche oder zeitweise sogar die gesamten Volumina emittierter Staatsanleihen durch Käufe absorbieren. Doch damit ist nun bald in den USA und früher oder später auch in Europa Schluss. Nimmt man das FedWatchTool, so wird die erste Leitzinsanhebung für die Fed-Sitzung am 16. März 2022 mit einer Wahrscheinlichkeit von 75,8% eingepreist. Einen Monat zuvor lag diese noch bei 35,9%. Bis zur Sitzung am 14. Dezember 2022 werden Leitzinsniveaus von mindestens 100 bis 125 Basispunkte (BP) bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp über 50% vorweggenommen (aktueller Leitzins: 0 bis 25 BP). So ist es nicht verwunderlich, dass bis zum Vormittag des 10. Jänner 2022 auf Monatssicht die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 31 BP auf 1,79% stiegen. Die Renditen laufzeitkongruenter britischer Staatsanleihen schnellten sogar um 0,45 Prozentpunkte auf 1,19% empor, jene vergleichbarer brasilianischer Papiere um 96 BP auf 11,44%. Bemerkenswert ist auch, dass im gleichen Zeitraum die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um 31 BP auf -0,04% stiegen. Quer durch Europa sind die Renditen im Aufwind. Selbst in Japan gab es auf Monatssicht einen Renditeanstieg um 9 BP auf 0,13!  Der Trost: Historisch betrachtet waren in der Regel die Zinserwartungen gegen Jahresende höher als der dann tatsächliche Verlauf. Die Chancen stehen gut, dass dies auch heuer wieder zutrifft, denn derzeit blicken die Experten sehr stark auf Inflation und Arbeitsmarkt, während dem Pandemieverlauf weniger Aufmerksamkeit gewidmet wird. Doch genau dieser könnte an der Zinsfront heuer erneut der Gamechanger sein.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken,  das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. Ein Niveau von zuletzt (6.1.) – 3,15 Prozentpunkte – ist schlichtweg zu niedrig!

Edelmetalle und Rohstoffe

Ölpreis steigt, Edelmetalle zeitweise unter Druck: Zum Jahresauftakt haben sich die OPEC und Russland darauf geeinigt, ihre schrittweisen monatlichen Produktionssteigerungen im Februar fortzusetzen und die Produktion um 400.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Doch mangelnde Investitionen in Förderungen werden in einigen Ländern zunehmend ein Problem. Ein allzu schneller Aufschwung kann zu Knappheit führen – Überlegungen, die steigende Ölpreise bewirkten. Hingegen Edelmetalle geraten zweitweise durch steigende Dollarzinsen unter Druck. Immer wieder werden kleinere Ausbruchsversuche von Gold und Silber durch restriktive Notenbank-Töne im Keim erstickt.

Währungen

Pfundzinsanstieg beflügelt Wechselkurs: Obwohl Großbritannien in einer tiefen Krise steckt (Versorgungsengpässe, steigende Infektionszahlen) kam es kürzlich zur Leitzinsanhebung der Bank of England und am langen Ende stiegen die Renditen stärker an. Das führte zu einer Pfundaufwertung gegenüber dem Euro. Ebenfalls stark war in der vergangenen Woche der Kanadische Dollar. Hingegen der Wechselkurs der Türkischen Lira schwächt nach einer kurzen zwischenzeitlichen Kursverdopplung erneut massiv ab. Der Brasilianische Real zeigte ebenfalls erneut Schwäche zum Euro, während der Südafrikanische Rand sich in einer Gegenbewegung des Abwärtstrends befindet.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

10.01.2022

China: Neue Kredite
EUR: Arbeitslosenquote

11.01.2022

Japan: Führender Wirtschaftsindex
USA: Anhörung des Fed-Vorsitzenden Powell

12.01.2022

China: Verbraucherpreisindex, Erzeugerpreisindex
USA: Inflationsdaten; Auktion 10jähriger US-Treasuries

13.01.2022

Japan: Werkzeugmaschinenbestellungen
EUR: Wirtschaftsbulletin
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Erzeugerpreisindex

14.01.2022

China: Handelsbilanz
UK: BIP, Industrieproduktion
USA: Einzelhandelsumsätze; Controlling des Einzelhandels, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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