PC - Weekly 2022 KW 32

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Klima und Sozialpaket-Durchbruch in den USA, aber Kriegsgefahr in Taiwan: 18 Monate nach dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden hat der US-Senat am Sonntag mit hauchdünner Mehrheit eine abgespeckte Version des ursprünglichen Klima- und Sozialpaketes verabschiedet. Rund 370 Mrd. USD sind für Energiesicherheit und Klimaschutz, sowie 64 Mrd. USD für die Gesundheitsvorsorge vorgesehen. Möglich wurde das, nachdem der konservative demokratische Senator Joe Manchin einer Kompromiss-Variante zustimmte. Die wichtigsten Bestandteile des Gesetzes bleiben erhalten, nämlich die Senkung der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente, Bekämpfung des Klimawandels, Schließung von Steuerschlupflöchern sowie 300 Mrd. USD für den Schuldenabbau. Damit gibt es nun einen Unsicherheitsfaktor weniger. Hingegen überhitzt der US-Arbeitsmarkt zunehmend, zumal auf Monatsbasis die Löhne um 0,4% stiegen, während die Analysten nur 0,3% erwarteten. Auf Jahresbasis lag der Anstieg bei 5,2% (erwartet 4,9%). Doch das ist im Vergleich zu den Gefahrenpotenzialen des Taiwan-Konfliktes zwischen den USA und China kein Thema.

Der Besuch der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan löste eine Militärreaktion Chinas aus, in Form von Manövern rund um Taiwan. Erprobt wurden eine See- und Luftblockade sowie die Eroberung der Insel. Entgegen bisherigen Ankündigungen Chinas wurden die Manöver nicht per Sonntag beendet, sondern setzen sich überraschend weiter fort. Die Kriegsgefahr steigt.

Überhitzter US-Arbeitsmarkt: Trotz Wirtschaftsabschwung bleibt der Personalmangel und die Stundenlöhne steigen stärker als Volkswirte erwartet haben. Außerhalb der US-Landwirtschaft wurden im Juli 528.000 neue Stellen geschaffen. In der Hotellerie und im Freizeit-Bereich entstanden mit der Normalisierung der Wirtschaft nach der Corona-Krise 96.000 Jobs, in der Gastronomie-Branche waren es 74.000. Im Bereich „Professionelle und gewerbliche Dienstleistungen“ entstanden 89.000 Stellen und per Saldo sind hier bereits mehr Mitarbeiter beschäftigt als im Februar 2020. Gleiches gilt für die Baubranche, die im Juli 32.000 neue Stellen schuf. Auch im Produktionsbereich und diversen technischen Sparten werden neue Mitarbeiter beschäftigt. In der Folge war die Arbeitslosenquote von 3,6 auf 3,5% rückläufig. Die Anzahl der Arbeitslosen ging von 5,912 auf 5,67 Mio. und somit auf den Vor-Corona-Level von Februar 2020 zurück. Was jedoch auffällt, ist eine Stagnation der Partizipationsrate, die im Juli bei 62,1% lag. Die durchschnittlichen Stundenlöhne in der Privatwirtschaft sind um 5,2% auf 32,27 USD gestiegen

Durchwachsene Konjunkturaussichten: Aus den jüngsten Daten des ISM (Institute for Supply Management) geht hervor, dass die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe weiter schrumpfen. Das ist ein Binnenproblem innerhalb der USA, denn die Exportaufträge zeigten eine leichte Belebung. Die Dynamik der Produktionszuwächse lässt nach, Lagerbestände steigen. Positiv ist der nachlassende Preisdruck. Per Saldo war der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe von 53 auf 52,8 Punkte rückläufig. Im Service-Bereich herrscht indessen eine stärkere Zunahme der Auftragseingänge, die Aktivität nahm zu und die Lagerbestände nahmen ab. Der entsprechende Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindex des ISM stieg zum Vormonat um 1,4 auf 56,7 Punkte. Volkswirte rechneten im Schnitt mit einem Rückgang auf 53,5 Punkte.

Rückläufige Wachstumsdynamik der S&P 500 Unternehmen zur Earning Season für das zweiten Quartal: Per 5. August haben bereits 87% der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalsergebnisse bekanntgegeben. Zwar verbesserte sich die Quote positiver Gewinnüberraschungen mit weiteren Quartalsberichten auf Wochenbasis von 73 auf 75%. Trotzdem liegt dieser Wert unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 77%. Gleichzeitig werden die positiven Überraschungen immer bescheidener, weshalb der positive Drive von den Gewinnnachrichten nachlassen könnte, denn: Aggregiert man die Gewinnüberraschungen, so liegen diese nur noch 3,4% über den Analystenerwartungen. Dieser Wert liegt unter dem 5-Jahres-Schnitt von 8,8%. Kombiniert man die bisherigen Veröffentlichungen mit den restlichen Gewinnerwartungen für das zweite Quartal, resultiert daraus ein Gewinnwachstum von 6,7%. Vor einer Woche ergab sich noch ein Wert von 5,8% Die höchste Quote an positiven Gewinnüberraschungen weisen laut FactSet die Sektoren Energie (90%) und IT (87%) auf, während Kommunikationsdienstleistungen mit 50% am schlechtesten abschneiden. Der Energiesektor veröffentlicht mit 9,1% noch die stärksten positiven Gewinnüberraschungen (Gewinne 9,1% über Analystenschätzungen), gefolgt von der Gesundheitsbranche, in der Hologic, Biogen, Incyte Corp und Abbott Laboratories besonders positiv auffielen. Bei den Versorgern sorgten NRG Energy, Entergy und Southern Company für erfreuliche Überraschungen. Im Energiesektor gab es positive Nachrichten von den Ölfeldausrüstern Schlumberger, Valero Energy und Marathon Petroleum. Am schlechtesten sieht es hingegen bei den langlebigeren Konsumgütern mit -8,9% aus. Hier enttäuschten Ceasars Entertainment und Amazon.com. Für das Gesamtjahr werden bei den S&P 500-Firmen noch 8,9% Gewinnwachstum prognostiziert. Nach jüngstem Rebound liegt das 12-Monats-Forward-KGV bei 17,5 verglichen mit einem 10-Jahres-Schnitt von 17.

Auf so einem Niveau besteht noch sehr hohes Rückschlagspotenzial, vor allem dann, wenn die Konjunkturdaten deutlicher nach unten zeigen und das scheint derzeit nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Aktien - Europa

Eurozone vor Rezession: Es beginnt immer mit einer drastischen Verschlechterung der Stimmungs- und Aktivitätsindikatoren. Je länger und stärker diese in den Kontraktionsbereich gehen, desto wahrscheinlicher wird eine Rezession. Unter diesen Aspekten sollten folgende Fakten ernst genommen werden: Der Einkaufsmangerindex von S&P 500 Global fiel von Juni auf Juli um 2,1 auf 49,9 Zähler. Damit liegt der Indikator erstmals seit Februar 2021 knapp unter der Marke von 50 Punkten (Kontraktionsgrenze). Die Einzelhandelsumsätze der Eurozone gaben im Juni überraschend auf Jahresbasis um 3,7% nach. Gleichzeitig sinkt die Unternehmensstimmung in Großbritannien auf ein 17-Monats-Tief.

Noch immer solide Zahlen und positive Überraschungen: Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt. Trotzdem halten sich die Gewinne noch relativ stabil, was u.a. auf einen festen Dollar im Exportgeschäft zurückgeführt werden kann. 184 STOXX 600 Firmen veröffentlichten bereits Gewinne des 2. Quartals. Davon konnten 64,7% die Analystenprognosen übertreffen vgl. mit 53% im langjährigen Schnitt. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 17,5%. Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+114,1%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 7,8% im Finanzsektor gegenüber. Auch die Wachstumsdynamik im Technologiesektor und der Immobilienbranche könnte nachlassen. Letztere könnte von steigenden Zinsen gebremst werden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China im Abschwung: Vom ersten auf das zweite Quartal verlangsamte sich Chinas BIP-Wachstum wegen der Corona-Lockdowns in Shanghai und Peking von 4,8 auf 0,4%. Ein Konjunkturprogramm der Regierung und eine Zinssenkung der Notenbank waren die Antwort. Umso interessanter sind nun die aktuellen Aktivität- und Stimmungsindikatoren. Der Caixin PMI Produktion war von Juni auf Juli von 51,7 auf 50,4 Punkte (also knapp über der Expansionsgrenze) rückläufig. Das Neuauftragswachstum war nur noch marginal. Allerdings sind Chinas Exporte im Juli um 18% gestiegen, nachdem der Handel mit Russland um 37,1% zulegte. Die Exporte ins Nachbarland stiegen um 22,2%, die Importe aus Russland sogar um 49,3%. Chinas Ausfuhren in die EU steigerten sich sogar um 23,2%, während die Einfuhren aus dieser Zone um 7,4% zurückgingen. Somit kommen wieder neue Impulse aus dem Außenhandel.

Anleihen

Erneute Renditeanstiege: Die Lohninflation bleibt angesichts des ausgetrockneten US-Arbeitsmarktes ein Thema. In Großbritannien erwartet die Bank of England, dass sich die Inflation, die sich mit 9,4% bereits auf 40-Jahreshoch befindet, bis Oktober auf 11 % beschleunigen wird. Entsprechend hat sie ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1,75% angehoben. Diese Zinserhöhung ist die stärkste Straffung seit mehr als 25 Jahren und das trotzdem die Renditen am Freitag wieder auf breiter Front rückläufig waren. Rechnet man vom vergangenen Freitag bis Montag Vormittag, so herrscht zwischenzeitlich eine steigende Rendite-Tendenz.

Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries stiegen von 2,65 auf 2,79% und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen von 0,81 auf 0,89%. Die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen verteuerten sich ebenfalls, und zwar um 7 Basispunkte auf 1,98%. In Großbritannien war die Leitzinsanhebung offensichtlich eingepreist. Montag Vormittag fielen die Renditen zehnjähriger UK Papiere um 8 BP auf 1,96%. Die Aufwärtsbewegungen der Renditen waren generell mäßig, während Zinserhöhungen bereits eingepreist sind. Immer mehr funkt der Konjunkturabschwung in die Inflationsbekämpfung der Notenbanken rein. Mittlerweile rechnen immer mehr Experten damit, dass die Zinsanhebungsphase nicht lange anhalten wird, da eine mittlere bis schwere Rezession den Notenbanken einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Eine milde Rezession hingegen scheinen Fed und EZB in Kauf zu nehmen – so eine weit verbreitete Einschätzung.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads  bis 14. Juli 2022 auf 5,53 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung auf 4,55 Prozentpunkte (04.08.22). Offensichtlich sind die Spreads der Konjunktur zu weit vorausgeeilt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Rebound von Edelmetallen und rückläufige Ölpreise: Konjunkturschwäche und eine kleine weitere Produktionsausweitung der OPEC+ Länder um 100.000 Barrel pro Tag führten beim Peis für die Ölsorte Brent zu 8% Minus auf 94,26 Dollar/Barrel und der Preis für WTI liegt bereits bei knapp über 88 Dollar. Niedrigere Anleiherenditen und zunehmend mehr Krisensignale stützten die Edelmetallpreise, wobei insbesondere Platin und Palladium zu einer Gegenbewegung ansetzten.

Währungen

Wenig Bewegung: Die Bewegungen des Euro gegenüber den wichtigsten Währungen halten sich in engsten Grenzen, wobei das Währungspaar EUR/CHF solide unter der Parität verharrt und der USD erneut zu leichter Aufwertung tendiert. Der Australische Dollar wertet als Rohstoffwährung tendenziell auf, zeigte jedoch zwischenzeitlich eine Verschnaufpause, während sich der Euro zum Rubel bei ca. 63 Rubel pro Euro einpendelt.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

09.08.2022

USA: Lohnstückkosten, Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft, NFIB Geschäftsoptimismus kleiner Unternehmen

10.08.2022

China: Verbraucherpreise, Erzeugerpreise

USA: Verbraucherpreise

11.08.2022

USA: Erzeugerpreisindex, Kerninflation, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung

12.08.2022

UK: BIP-Daten

EUR: Industrieproduktion

USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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