PC - Weekly 2022 KW 34

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Der Abschwung gewinnt an Kontur: Einkaufsmanagerindizes und die konjunktursensible Halbleiterbranche signalisieren eine starke konjunkturelle Abkühlung, während die Angst vor einer Lohn/Preis-Spirale bzw. hartnäckigen Inflation die Renditen am langen Ende erneut nach oben trieb. Gleichzeitig werden die Aussichten für zyklische Branchen zunehmend schlechter. Rückläufige Auftragseingänge aus den Sektoren Automobil, Technologie und Elektronik belasten den Halbleitersektor in dem zunehmend mehr Firmen in eine Preis-Kosten-Schere geraten. Der Philadelphia Semiconductor-Index befindet sich in einem klaren Abwärtstrend und liegt YTD 23% im Minus. Das hat einen triftigen Grund, denn die Umsätze der Unternehmen dieses Index werden nach einer Steigerung um 23% im Jahr 2021 heuer und 2023 voraussichtlich nur noch um jeweils 6,7 bzw. 4,7% wachsen. 2022 sollten dann auch die Nettogewinne der Halbleiterfirmen mit einem Plus von nur noch 3,9% fast stagnieren. Einen Hinweis darauf, wie schnell sich die Lage der Halbleiterbranche verschlechtert, könnte am Mittwoch der Quartalsbericht von NVIDIA liefern. Hinzukommt der Taiwan-Konflikt und Taiwan Semiconductor ist der weltweit größte Auftragsfertiger für besonders leistungsfähige Mikrochips. Die Firma liefert auch nach China. Würden die Chinesen aber die Importe aus Taiwan stoppen, dann würden auch in China die Bänder bei wichtigen Firmen stillstehen, beispielsweise beim Foxconn-Partner in Shenzen, der für Apple das iPhone zusammenschraubt. Fakt ist, dass sich derzeit die Fronten zwischen China und Taiwan bzw. China und den USA verhärten und ein neuer Handelskrieg jederzeit entfachen kann.

Überhitzter US-Arbeitsmarkt: Trotz Wirtschaftsabschwung bleibt der Personalmangel, und die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren in der Vorwoche rückläufig, obwohl Analysten eine Steigerung erwarteten. Die Anzahl der Initial Claims in der am 13. August endenden Woche waren um 2000 auf 250.000 rückläufig, während der Schätzungskonsens von Dow Jones von 260.000 ausging. Die Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung stiegen indessen um 7000 auf 1.437 Millionen.

Einzelhandel zeigt Wachstumsbeschleunigung im Juli: Das Wachstum der US-Einzelhandelsumsätze beschleunigte sich von Juni auf Juli auf Jahresbasis von 8,5 auf 10,3%. Wegen flauer Fahrzeugumsätze stieg der Einzelhandelsumsatz ohne Motorfahrzeuge und Ersatzteile um 12,3%. Doch die hohen Treibstoffpreise führten zu einem Anstieg der Tankstellenumsätze um knapp über 47%. Ohne Motorfahrzeuge, Ersatzteile und Tankstellenumsätze wuchsen die Einzelhandelsumsätze um 7,8% vgl. mit 5,5% im Vormonat. Um 9,9% rückläufig waren die Umsätze der Elektronik-Artikel und Bekleidungsgeschäfte zeigten Stagnationstendenzen (2,3% Plus nach 0,9%).

Rückläufige Wachstumsdynamik der S&P 500 Unternehmen zur Earning Season für das zweite Quartal: Per 11. August lag die veröffentlichte und geschätzte Gewinnwachstumsrate der S&P 500 Firmen aggregiert bei 6,7%. Von elf Sektoren verzeichneten dabei sechs auf Jahresbasis ein Gewinnwachstum. Doch der Energiesektor verzerrt die Statistik. Rechnet man dessen Unternehmensgewinne heraus, wären die Gewinne der S&P 500 Unternehmen im zweiten Quartal um 3,7% rückläufig gewesen. Für das Gesamtjahr 2022 wird noch ein Gewinnwachstum von 8,8% erwartetet, doch ex Energie würde es auf 2,4% sinken.

Aktien - Europa

Verarbeitende Industrie der Eurozone zeigt Kontraktion: Es beginnt immer mit einer drastischen Verschlechterung der Stimmungs- und Aktivitätsindikatoren. Je länger und stärker diese in den Kontraktionsbereich gehen, desto wahrscheinlicher wird eine Rezession. Unter diesen Aspekten sollten folgende Fakten ernst genommen werden: Der S&P Global Eurozone Manufacturing PMI fiel im Juli von 52,1 auf 49,8 Punkte und markiert damit erstmals seit Juni 2020 eine Kontraktion im Produktionsbereich. Abgesehen von der Corona-Krise war dies der stärkste Einbruch seit Dezember 2012. Die Auftragseingänge waren einen dritten Monat in Folge rückläufig und der Rückgang erreichte den höchsten Wert seit Mai 2020. An der Preisfront beruhigen sich indessen die Input- und Outputpreise auf das niedrigste Niveau seit 17 bzw. 15 Monaten

Noch immer solide Zahlen und positive Überraschungen: Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt. Trotzdem halten sich die Gewinne noch relativ stabil, was u.a. auf einen festen Dollar im Exportgeschäft zurückgeführt werden kann. 265 STOXX 600 Firmen veröffentlichten bereits Gewinne des 2. Quartals. Davon konnten 61,5% die Analystenprognosen übertreffen, vgl. mit 53% im langjährigen Schnitt. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 18,3%. Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+120,4%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 7,5% im Finanzsektor gegenüber. Gefährdet sind auch Energieversorger wegen möglicher staatlicher Preisobergrenzen und generell hoher Kosten.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China im Abschwung vom Regen in die Traufe: Die Angst vor spontanen Abriegelungen von Einkaufszentren, Restaurants und Kinos durch die Regierung hält zahlreiche Chinesen vom Ausgehen und Shoppen ab mit entsprechender Auswirkung auf die Umsätze des Einzelhandels, die im Juli gegenüber dem Vorjahr nur noch um 2,7 % wuchsen, nach 3,1 % im Juni. Einbrüche gab es in den Handelssparten Bekleidung, Möbel und Baumaterialien. Auch die Stimmung der Führungskräfte der Industrie hält sich in Grenzen. Als Aktivitätsindex zeigt der Caixin-Index der Einkaufsmanager für private Industriebetriebe, der zwar im Juni noch ein 13-Monatshoch bei 51,7 Punkten markierte, bereits im Juli eine Talfahrt auf 50,4 Punkte. Damit liegt er nur noch hauchdünn über der Kontraktionsgrenze von 50 Punkten. Betriebe stellen weniger Personal ein. Die Teilkomponente für Beschäftigung war nämlich bereits vier Monate in Folge rückläufig, was auf den stärksten Beschäftigungseinbruch seit April 2020 hindeutet. Nun kommt ein neues Problem noch hinzu: Dürre und Hitzewellen, die zu niedriger Wasserführung und weniger Stromerzeugung aus Wasserkraft führen. Gleichzeitig verbrauchen Klimaanlagen mehr Strom, der in den ersten Städten für Fabriken bereits rationiert wird. Nicht umsonst rechnet für heuer der IWF in China nur noch mit 3,3% BIP-Wachstum (Regierungsziel: 5,5%).

Anleihen

Erneute Renditeanstiege: Die Lohninflation bleibt angesichts des ausgetrockneten US-Arbeitsmarktes ein Thema. Tatsächlich waren die Erstanmeldungen zur Arbeitslosenunterstützung erneut rückläufig. Hinzukommt eine stärkere Nachfrage im US-Einzelhandel. Die Fed nimmt eine milde Rezession in Kauf, um die Inflation in den Griff zu bekommen. In Großbritannien erwartet die Bank of England, dass sich die Inflation, die sich mit 9,4% bereits auf 40-Jahreshoch befindet, bis Oktober auf 11 % beschleunigen wird. Entsprechend hat sie ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1,75% angehoben. Diese Zinserhöhung ist die stärkste Straffung seit mehr als 25 Jahren. Auf Monatsbasis stiegen daher die Renditen zehnjähriger britischer Staatsanleihen um 47 Basispunkte (BP) auf 2,41%.

Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries stiegen von 2,79 auf 2,96%, und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen von 0,89 auf 1,20%. Immer mehr funkt der Konjunkturabschwung in die Inflationsbekämpfung der Notenbanken rein, auf der anderen Seite hat eine Inflationsrate von 2% (Geldwertstabilitätsziel der Fed und EZB) Vorrang. Vereinzelt rechnen Experten damit, dass die Zinsanhebungsphase nicht lange anhalten wird, da eine mittlere bis schwere Rezession den Notenbanken einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Doch manche zwischenzeitliche Konjunkturimpulse (z.B. US-Einzelhandel) sprechen dagegen.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads bis 14. Juli 2022 auf 5,53 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung auf 4,37 Prozentpunkte (18.08.22). Offensichtlich sind die Spreads der Konjunktur zu weit vorausgeeilt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Edelmetalle unter Druck: Ein neuerlicher Zinsanstieg wegen inflationärer Gefahrenpotenziale drückte auf die Edelmetallpreise, wobei Silber und Platin wegen des Einflusses der Konjunktur überproportional an Wert verloren. Wegen gelungener Weizenauslieferungen aus der Ukraine unter Druck steht der Weizenpreis. Hingegen hält in Europa die Erdgasteuerung an. Binnen drei Monate verteuerte sich UK Erdgas um weitere 172%.

Währungen

Fundamental erklärbare Bewegungen: Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar bereits die Parität erreicht – und könnte diese Woche noch nachhaltig darunterfallen. Im Franken hat sich ein klarer Aufwärtstrend zum Euro und umgekehrt etabliert. Der Wechselkurs EUR/CHF liegt bei rund 0,96. Indessen hat sich der Yen zu Euro erneut abgeschwächt. Dies lässt sich geldpolitisch erklären. Am striktesten agiert unter den großen Notenbanken die Fed, gefolgt von der Bank of England, Schweizerischen Nationalbank und EZB, während die japanische Notenbank weiterhin expansiv bleibt. Der Rubel zeigt indessen eine erneute Aufwertung zum Euro, da die Sanktionen der EU gegen Russland in erster Linie der EU schaden.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

22.08.2022

China: PBoC Zinssatzentscheidung

USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex

23.08.2022

EUR: S&P Global PMI Gesamtindex (verarbeitendes Gewerbe u. Dienstleistungen)

USA: S&P Global PMI Dienstleistungen; S&P Global PMI Herstellung, S&P Global PMI Gesamtindex

24.08.2022

USA: Auftragseingänge langlebiger Güter; Auftragseingänge für langlebiger Güter ex Transport; nicht-militärische Investitionsgüter, Aufträge ohne Flugzeuge.

25.08.2022

USA: BIP-Daten, Persönliche Konsumausgaben, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Jackson Hole Symposium

26.08.2022

USA: Jackson Hole Symposium; Fed Powell Rede, Privatausgaben, PCE Kerndeflator – Kernausgaben für persönlichen Konsum, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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