PC - Weekly 2022 KW 35

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Knallharte Inflationsbekämpfungsrede von Fed Chairman Jerome Powell belastet Aktienmarkt: Die gespannt erwartete Rede Powells auf dem Notenbankensymposium in Jackson Hole, WY, setzte den Aktienmarkt stark unter Druck, zumal Lohninflation droht, was die niedrige Anzahl an Erstanmeldungen zur Arbeitslosenunterstützung signalisierte. Gleichzeitig zeigte ein wichtiger Indikator verbessertes Verbrauchervertrauen. Hingegen fiel ein vorab ausgewerteter Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft im August weiter in die Kontraktion. Genau darauf dürfte nun Powell weniger Rücksicht nehmen, während aus seiner Amtskollegin, der EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, niemand klug wird. Letztere hatte offensichtlich „besseres“ zu tun als am Meeting in Jackson Hole teilzunehmen und ließ sich von der deutschen EZB-Direktorin, Isabel Schnabel, vertreten. Fakt ist, Inflation kostet reales Wachstum und reale Einkommenseinbußen führen zu weniger privatem Konsum, der aber in den USA für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung zuständig ist. Entsprechend die Ansage Powells in Jackson Hole: „Ohne Preisstabilität funktioniert die Wirtschaft nicht,“ so eine Kernaussage. Er unterstrich die Entschlossenheit der Fed, die Geldpolitik so lange straff zu halten bis das geldpolitische Stabilitätsziel einer Inflationsrate von 2% erreicht ist. Was dann den Aktienmarkt belastete, war die Aussage, dass die Fed zur Erreichung stabiler Preise höhere Zinsen, Wachstumseinbußen und einen schwächeren Arbeitsmarkt in Kauf nehmen würde. Diese sollen die Inflation drücken, werden aber auch private Haushalte und Unternehmen belasten. Der Preis für die Bändigung der Inflation sei hoch, aber noch schmerzhafter wäre ein Versagen im Versuch der Wiederherstellung der Preisstabilität. Solche Statements führten dazu, dass der S&P 500 am Freitag um 3,4% und der Nasdaq 100 sogar um 4,1% einbrach.

Auftragseingänge für langlebige Güter deuten auf leichte Wachstumsabschwächung hin: In den ersten sieben Monaten 2022 standen 11,1% Wachstum der Auslieferungen nur noch 10,8% Wachstum der Auftragseingänge gegenüber. Filtert man den Transportsektor heraus, lag der Zuwachs der Auftragseingänge bei 8,1%, verglichen mit 10,7% Plus bei den Auslieferungen. Im Monatsvergleich Juli zu Juni 2022 blieben die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA unverändert nach 2,2% Plus im Juni. Ohne den Bereich Rüstungsgüter stiegen die Auftragseingänge um 1,2%.

Überhitzter US-Arbeitsmarkt: Trotz Wirtschaftsabschwung bleibt der Personalmangel – die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren in der Vorwoche erneut rückläufig: Die Anzahl der Initial Claims in der am 20. August endenden Woche waren um 2000 auf 243.000 rückläufig – und dies trotz schlechter Stimmung in der Privatwirtschaft. Die Zeichen stehen auf Stagflation, zumal die Stundenlöhne im Juli auf Jahresbasis um 5,2 % stiegen und hier ein ausgetrockneter Arbeitsmarkt bereits eine Lohn-Preis-Spirale auslösen kann.

Privatwirtschaft in Kontraktion: Eine vorab ausgewertete Umfrage unter Einkaufsmanagern der US-Privatwirtschaft (Service und Produktion) signalisiert für August den zweiten Monat in Folge Kontraktion. Der Flash US PMI Composite Output Index von S&P Global fiel von 47,7 auf ein 27-Monats-Tief von 45 Punkten (Kontraktionsgrenze: 50 Punkte). Vor allem die Auftragseingänge schwächten ab und das BIP-Wachstum fiel schon zuvor schwächer aus: Gemäß BIP-Daten ist die Wirtschaftsleistung in den USA im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um annualisiert 0,6 % geschrumpft, während das Volkseinkommen noch um 1,4 % wuchs

Aktien - Europa

August 2022 – ein weiterer Kontraktionsmonat der Privatwirtschaft: Die Vorab-Auswertung einer zwischen 12. und 19. August 2022 durchgeführten Umfrage bei 5000 Firmen der Industrie und des Service-Sektors zeigt einen zweiten Monat im Kontraktionsbereich. Der Flash Eurozone Composite Index Produktion fiel von 49,9 auf ein 18-Monatstief. Der Industriebereich ist bereits in Kontraktion, der Service Sektor knapp davor, und aller Voraussicht nach wird im dritten Quartal 2022 das BIP im Euroraum schrumpfen.

Noch immer solide Zahlen und positive Überraschungen: Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt. Trotzdem halten sich die Gewinne noch relativ stabil, was u.a. auf einen festen Dollar im Exportgeschäft zurückgeführt werden kann. 278 STOXX 600 Firmen veröffentlichten bereits Gewinne des 2. Quartals. Davon konnten 61,5% die Analysten-Prognosen übertreffen vgl. mit 53% im langjährigen Schnitt. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 19 % (Vorwoche: 18,3%). Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+123,5%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 7,1% im Finanzsektor gegenüber. Gefährdet sind auch Energieversorger wegen möglicher staatlicher Preisobergrenzen und generell hoher Kosten.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Zinssenkung der People‘s Bank of China – Was steckt dahinter? Die chinesische Zentralbank reduzierte sowohl ihren wichtigen Zinssatz für einjährige Kredite um 0,05 Prozentpunkte auf 3,65% als auch die für Immobilienkredite relevante Fünfjahresrate um 0,15 Prozentpunkte auf 4,3%. Eine Inflationsrate von nur 2,7% im Juli ermöglichte den im internationalen Vergleich „antizyklischen“ Zinsschritt, der allerdings triftige Gründe hat: Nur noch 0,4% BIP-Wachstum im zweiten Quartal waren erst der Anfang. Nun folgt infolge von Hitzewellen und Dürren und entsprechender niedrigerer Wasserführung und Stromproduktion aus Wasserkraft in zahlreichen Städten die Rationierung von Industriestrom. Infolge dieser Entwicklung und der vorangegangenen Corona-Lockdowns ist Chinas Jugendarbeitslosigkeit auf ein Rekordhoch von 20% gestiegen. Indessen herrschen am Immobilienmarkt mit vielen kriselnden Firmen und gestoppten Bauprojekten enorme Probleme.

Anleihen

Erneute Renditeanstiege in Europa: Während die Renditen zehnjähriger US-Treasuries bereits im Vorfeld von Powells Rede in Jackson Hole über 3 % stiegen und sich am Freitag kaum mehr veränderten, kam es an den europäischen Bondmärkten zu deutlichen Reaktionen. Binnen eines Tages stieg zum Beispiel die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um 7 Basispunkte (BP) auf 1,38 %, und jene laufzeitkongruenter italienischer Papiere sogar um 15 BP auf 3,68 %. Auf Wochenbasis stiegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 2,96 auf 3,04%, und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen von 1,20 auf 1,38 %. Vom Geschehen völlig unberührt blieb hingegen Japan, und in China hat die Zentralbank ohnehin eine Leitzinssenkung vorgenommen. Was kommt als Nächstes: Während in Europa am 8. September eine Leitzinsanhebung der EZB um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0% im Hauptrefinanzierungssatz plausibel erscheint, preisen in den USA für das Fed-Meeting am 21. September die Fed Fund Futures bereits mit 61 % Wahrscheinlichkeit einen weiteren Zinsanhebungsschritt im Ausmaß von 0,75 Prozentpunkten (auf 3,00 bis 3,25 %) ein. Eine Woche zuvor lag diese Wahrscheinlichkeit erst bei 47 % und vor einem Monat bei 26 %.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads bis 14. Juli 2022 auf 5,53 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung, die mit einem Wochenanstieg um 23 Basispunkte auf 4,60 Prozentpunkte (25.08.22) bereits beendet sein könnte, denn: Default Rates um die 1% sind im US-HY-Spektrum auf längere Sicht nicht haltbar.

Edelmetalle und Rohstoffe

Edelmetalle unter Druck: Die Angst vor einer Reihe weiterer Leitzinsanhebungen der Fed und langfristige US-Treasury-Renditen von über 3% drücken weiter auf Edelmetalle. Leichte Kursverluste bei Gold und Silber stehen stärkeren Rückgängen bei Platin gegenüber. Ängste bezüglich einer ausreichenden Erdgasversorgung trieben in Europa den UK-Erdgas-Preis binnen einer Woche um weitere 33% nach oben. Auch die Ölpreise verteuerten sich, während die Agrarpreise erneut nach oben drehten, was auf Short-Eindeckungen zurückgeführt werden könnte. Eventuell droht nochmals ein neuer Inflationspeak – auch in den USA.

Währungen

Wenig Bewegung: Die Inflationsbekämpfungspriorität der Fed ist mit der Parität EUR/USD weitgehend eingepreist. Der Aufwertungstrend EUR/CHF setzt sich langsam fort. Zu einer leichten Aufwertung des Euro gegenüber dem Chinesischen Yuan Renminbi führte hingegen die Leitzinssenkung der Chinesischen Zentralbank. Ansonsten halten sich die Schwankungen des Euro in engen Grenzen.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

29.08.2022

Japan: Führender Wirtschaftsindex

USA: FOMc Mitglied Lael Brainard spricht

30.08.2022

EUR: Verbrauchervertrauen, Geschäftsklimaindex

USA: S&P/Case-Shiller Hauspareisindex, Verbrauchervertrauen Conference Board; FOMC Mitglied John C. Williams spricht

31.08.2022

Japan: Einzelhandelsumsätze

China: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe

EUR: Inflationsdaten

USA: ADP Beschäftigungsänderung; Chicago Einkaufsmanagerindex;

01.09.2022

China: Caixin PMI Produktion

EUR: S&P Global Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe

USA: S&P Global PMI Herstellung; ISM verarbeitendes Gewerbe, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Lohnstückkosten, Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft

02.09.2022

EUR: Erzeugerpreisindex

USA: Arbeitslosenquote, Durchschnittliche Stundenlöhne, Erwerbsbeteiligungsquote, Durchschnittliche Wochenarbeitszeit; Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, Werkaufträge

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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