PC - Weekly 2022 KW 36

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Weitere Renditeanstiege und Kursverluste: Die Nachwehen der Rede von Fed Chairman Jerome Powell auf dem Notenbankensymposium in Jackson Hole (Bundesstaat Wyoming) setzten den Aktienmarkt weiter unter Druck. Am Dienstag zerstreute New York Fed Präsident John Williams die Zinssenkungserwartungen für 2023, die zuvor der Fed Fund Futures-Markt für Herbst 2023 eingepreist hätte.  Laut Williams werden die Leitzinsen so lange angehoben bis die Inflation unter Kontrolle ist. Die Inflationsreduktion erfordert positive Realzinsen. Somit erwartet Williams weitere Zinserhöhungen und dass die Zinsen bis zu einem nachhaltigen Inflationsrückgang noch länger auf dem höheren Level verharren werden. Zuletzt lag die Inflationsrate bei 8,5% im Juli, während vergangene Woche im Euroraum ein Inflationssprung von 8,9 auf 9,1% für August gemeldet wurde. Doch ein wichtiger Stimmungsindikator für die Verbraucherstimmung ist in den USA wegen rückläufiger Inflationserwartungen bereits kräftig gestiegen. Das Inflationsziel der Fed liegt bei 2%, und selbst die von den Fed-Volkswirten genau verfolgte Kerninflation für persönliche Konsumausgaben lag im Juli bei 4,6%. Gleichzeitig signalisieren die umfragebasierenden Einkaufsmanager-Indizes im Bereich der verarbeitenden Industrie noch Wachstum, und der Stellenaufbau am US-Arbeitsmarkt hat sich zwar verlangsamt, lag aber im August noch über den Erwartungen. Die Lohn-Preis-Spirale ist somit das nächste brisante Thema.

Noch Wachstum im verarbeitenden Gewerbe: Der Produktionsbereich in den USA zeigte im August noch ein leichtes Wachstum. Der entsprechende saisonbereinigte Einkaufsmanagerindex von S&P Global ging lediglich von 52,2 auf 51,5 Punkte zurück (unter 50 Punkte Kontraktion), wobei der dritte monatliche Rückgang der Auftragseingänge belastet. Exportauftragseingänge gingen jedoch im zweitstärkten Ausmaß seit 27 Monaten zurück. Ein konstantes Wachstumstempo der US-Industrie für August bescheinigte indessen der vom Institute for Supply Management (ISM) veröffentlichte Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes, der sogar besser ausfiel als die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen prognostizierten.  Ebenfalls stabil im Wachstumsbereich (52,2 Punkte) war der Chicago Einkaufsmanagerindex.

Noch zu starker US-Arbeitsmarkt: Es herrscht keine klassische Rezession mit Nachfrageausfällen. Es gibt Engpässe unter anderem auch durch Personalmangel. Vor allem Facharbeiter sind in den USA rar. Die Daten für Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung wurden zuletzt nach unten revidiert und sanken in der am 27. August endenden Woche um weitere 5000 auf 232.000. Am Freitag zeigte sich dann ein klares Bild vom Arbeitsmarkt im August: Außerhalb des Agrarsektors entstanden im August 315.000 neue Stellen. Vor allem im Dienstleistungsbereich (hochwertige u. professionelle Dienstleistungen) war der Personalbedarf hoch (+68.000 neue Stellen). Der Gesundheitssektor schuf per Saldo 48.000 neue Jobs. 44.000 neue Arbeitsplätze entstanden im Einzelhandel und 22.000 in der Produktion. Die Erholung von der Pandemie führte dazu, dass binnen eines Jahres 5,8 Mio. neue Stellen entstanden. Doch die Arbeitslust der Amerikaner hält sich in Grenzen: Zwar stieg die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt von Juli auf August um 0,3 Prozentpunkte auf 62,4%, doch sie liegt noch immer um einen Prozentpunkt unter dem Level von Februar 2020. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat von 3,5 auf 3,7% die Arbeitslosenanzahl stieg um 344.000 auf 6,0 Mio.  Der Lohninflationsdruck bleibt: Die Stundenlöhne stiegen um 5,2%.

Rückläufige Wachstumsdynamik der S&P 500 Unternehmensgewinne im zweiten Quartal: Per 2. September haben fast alle S&P 500 Unternehmen ihre Quartalsergebnisse bekanntgegeben. Die Quote positiver Gewinnüberraschungen lag nur noch bei 75% verglichen mit einem 5-Jahres-Durchschnitt von 77% (Quelle: Factset). Gleichzeitig werden die positiven Überraschungen immer bescheidener, weshalb der positive Drive von den Gewinnnachrichten nachlassen könnte, denn: Aggregiert man die Gewinnüberraschungen, so liegen diese nur noch 3,4% über den Analystenerwartungen. Dieser Wert liegt unter dem 5-Jahres-Schnitt von 8,8%.  Auch die Wachstumsdynamik lässt nach, was anhand aktueller S&P 500 Daten von Factset wie folgt illustriert werden kann: Kombiniert man die bisherigen Veröffentlichungen mit den restlichen Gewinnerwartungen für das zweite Quartal, resultiert daraus ein Gewinnwachstum von 6,7% - der niedrigste Wert seit dem vierten Quartal 2020. Für das Gesamtjahr 2022 erwarten bei den S&P 500 Firmen die Analysten ein Gewinnwachstum von 7,9%. Das 12-Monats-Forward-KGV liegt mit 16,7 unter dem 10-Jahres-Schnitt von 17. Auf so einem Niveau besteht noch sehr viel weiteres Rückschlagpotenzial, vor allem dann, wenn die Konjunkturdaten deutlicher nach unten zeigen.

Aktien - Europa

Wirtschaftsstimmung im Euroraum trübt sich ein: Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Economic Sentiment Indicator (ESI) erlitt im August den dritten Rückgang in Folge, und zwar um 1,3 auf 97,6 Punkte, und fiel somit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2021. Ebenfalls deutlich war die Stimmungsverschlechterung im gesamten EU-Gebiet, wo die Industriestimmung bereits sechs Monate in Folge rückläufig ist. Das Verbrauchervertrauen zeigt hingegen nach zehn Monaten der Schrumpfung Zeichen einer Stabilisierung.

Noch immer solide Zahlen und positive Überraschungen: Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt. Trotzdem halten sich die Gewinne noch relativ stabil, was u.a. auf einen festen Dollar im Exportgeschäft zurückgeführt werden kann. Allerdings nahm im Verlauf der Earning Season die positive Überraschungsdynamik ab, so die Daten von Refinitiv: Vor einer Woche veröffentlichten insgesamt 278 STOXX 600 Firmen Gewinne des 2. Quartals. Davon konnten 61,5% die Analysten-Prognosen übertreffen, vgl. mit 53% im langjährigen Schnitt. Am 30. August waren es schon 287 Gewinnveröffentlichungen und die positive Überraschungsquote ging auf 59,9% zurück. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 18,9 % (Vorwoche: 19%). Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+125,4%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 7,4% im Finanzsektor gegenüber. Das Gesamtertragsbild ist also durchwachsen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Verhaltene Stimmung in der chinesischen Industrie: Im August hat sich die Stimmung in chinesischen Industriebetrieben weiter eingetrübt, denn der Einkaufsmanagerindex (PMI) des chinesischen Wirtschaftsmagazins „Caixin“ fiel von Juli auf August von 50,4 auf 49,5 Zähler und somit unter die Expansionsschwelle. Dieser Index misst das Aktivitätsniveau in privaten KMUs in China. Doch auch große staatliche Unternehmen zeigen Kontraktionstendenzen. Und geopolitische Faktoren (Taiwan-Konflikt) verschlimmern die Situation: In der chinesischen Sicherheitsbranche könnte es bald an KI-Komponenten mangeln, denn die USA haben neue Ausfuhr-Beschränkungen für Hochleistungschips (insbesondere Anwendungen der KI) nach Russland und China verhängt.

Anleihen

Erneute Renditeanstiege: Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries stiegen bereits im Vorfeld von Powells Rede in Jackson Hole über die psychologisch wichtige Marke von 3%. Mit den Aussagen von John Williams und einem Inflationsanstieg auf einen neuen Rekordwert von 9,1% im Euroraum, sowie einem starken US-Arbeitsmarkt, waren weitere Renditeanstiege vorprogrammiert. Auf Wochenbasis stiegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 3,04 auf 3,19%, und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen von 1,38 auf 1,52 %.  Entscheidend wird der 8. September für den jedenfalls die Märkte mindestens 0,5 Prozentpunkte an Leitzinsanhebung im Hauptrefinanzierungssatz einpreisen. Wegen der vorherrschenden Teuerungsdynamik wären sogar 0,75 Prozentpunkte möglich. Und was erwarten die Märkte am 21. September von der Fed? Die Fed Fund Futures preisen mit 57% Wahrscheinlichkeit einen weiteren Zinsanhebungsschritt im Ausmaß von 0,75 Prozentpunkten (auf 3,00 bis 3,25%) ein.  Eine Woche zuvor lag diese Wahrscheinlichkeit aber bereits bei 61%. Offensichtlich spielen die teils widersprüchlichen Konjunkturdaten hier herein, wobei Inflationsraten sowie die Höhe der Leitzinsen in einem stark inflationären Szenario mitunter unterschätzt werden. Was allerdings auffällt ist, dass auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag Erleichterung einsetzte und sich die Staatsanleihenrenditen weltweit wieder rückläufig entwickelten.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt – schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads bis 14. Juli 2022 auf 5,53 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung, die mit einem 14-Tages-Anstieg um 71 Basispunkte auf 5,08 Prozentpunkte (01.09.22) bereits beendet sein könnte, denn: Default Rates um die 1% sind im US-HY-Spektrum auf längere Sicht nicht haltbar. Rezessionsphasen erfordern deshalb höhere Spreads!

Edelmetalle und Rohstoffe

Edelmetalle und Industriemetalle unter Druck: Während steigende Dollarzinsen und ein fester Dollar vor allem Gold und Silber belasten, sind es Konjunktursorgen, vor allem im Zusammenhang mit einer schwachen Industrie in China, die konjunktursensible Metalle unter Druck setzen. Kupfer verlor im Wochenverlauf 7,1% und Primäraluminium 7,4%. Zweistellige Verluste von je 11,8 bzw. 13,5% erlitten Zink und Zinn, während Nickel 4,6% ins Minus rutschte.

Währungen

Schwäche von Pfund und Yen, Dollarstärke hält an: Auf schwache BIP-Daten schwächte sich das Britische Pfund gegenüber Euro und US-Dollar deutlich ab. Die auseinanderklaffenden Zinsdifferenzen zwischen Yen und Euro sowie Yen und US-Dollar verstärkten den Abwertungsdruck im Yen.  Der Euro setzte gegenüber dem starken Franken zu einer kurzen Gegenbewegung an, zumal es zuletzt quer durch die Eurozone stärkere Renditeanstiege bei Staatsanleihen gab. Gegenüber Brasilianischem Real und Südafrikanischem Rand zeigte sich der Euro fester. Im Verhältnis EUR/RUB hielt sich der Rubel wegen hoher Energiepreise hingegen relativ stabil.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

05.09.2022

China: Caixin China PMI Dienstleistungen

EUR: S&P Global PMI Gesamtindex; Einzelhandelsumsätze

USA: OPEC Treffen

06.09.2022

EUR: Verbrauchervertrauen, Geschäftsklimaindex

USA: S&P Global PMI Gesamtindex; ISM-Daten nicht verarbeitendes Gewerbe

07.09.2022

China: Handelsbilanz

EUR: BIP-Daten

USA: Handelsbilanz, Fed Powell Rede, Fed Beige Book

08.09.2022

Japan: BIP-Daten

EUR: EZB-Zinssatzentscheidung und Pressekonferenz

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung;

09.09.2022

China: Verbraucherpreisindex, Erzeugerpreisindex,

EUR: EcoFin-Treffen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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