Expertise. Exklusivität. Exzellenz.

Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC Weekly KW 10

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

Die Corona-Epidemie hat die kritische Masse erreicht, um am Aktienmarkt die schnellste Korrektur der Geschichte einzuleiten: Binnen sechs Handelstagen hat der Dow Jones mit mehr als 3200 Zähler über 10% an Wert verloren. Somit befinden wir uns klar in der Korrektur, die als ein Verlust von mindestens 10% gemessen am vorigen Hoch definiert ist. Blickt man zurück auf den schwarzen Monatag im Oktober 1987 als der Dow Jones über ein Fünftel an Wert verlor, so hat die Korrekturphase bereits im August begonnen. Doch zuletzt folgte ein abrupter Übergang von historischen Höchstständen zu einem zweistelligen Minus hervorgerufen durch die sich abzeichnenden Schäden der Seuche: Per 2. März waren bereits weltweit 87.470 Personen infiziert, davon alleine 3.526 in Südkorea und 1128 in Italien. Insgesamt gab es bereits 2990 Todesfälle. In China stehen 760 Millionen Menschen (rund ein Zehntel der Weltbevölkerung) faktisch unter Quarantäne. Seit Jänner wurden global 200.000 Flüge gestrichen und hunderte Containerschiffe liegen vor Anker nachdem in Chinas Fabriken die Bänder stillstehen und somit internationale Lieferketten, vor allem in der Elektronikindustrie unterbrochen sind. Laut Informationen von Reuters läuft beim Apple-Zulieferer Foxconn die Produktion Ende Februar nur zu 30 bis 40% auf Normalniveau. Unterbrechungen gibt es auch in der Bekleidungsindustrie und Herstellern von (Sport)Schuhen. Beispielsweise sind Adidas und Nike hart betroffen und auch bei der Textil-Discounter-Kette, Primark, droht ein Lieferengpass. Das sind einzelne Beispiele der Folgen eines unvorhergesehenen disruptiven Ereignis, auch Schwarzer Schwan genannt, dessen Tragweite folgende Zahlen illustrieren: Chinas globaler Anteil am kaufkraftbereinigten Welt-BIP 2018 liegt bei 18,7%. Jeweils 70% der Spielzeuge und des weltweiten Zements werden in China hergestellt und auch in der Elektronikindustrie spielt China eine wichtige Rolle. Doch in China herrscht bereits seit sechs Wochen Ausnahmezustand. In den ersten beiden Februarwochen sind deshalb in China die Autoverkäufe um 92% eingebrochen und weitere negative Überraschungen drohen in den kommenden Wochen und Monaten.  Im Worst Case ist die Seuche der Auslöser einer neuen globalen Rezession, die sich bereits im 1. Halbjahr 2019 durch eine inverse Zinskurve am US-Staatsanleihenmarkt angekündigt hat.

Das Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen in den USA stieg von Jänner auf Februar von 99,8 auf 101,0 Zähler – so die Umfrageergebnisse der Universität Michigan. Demnach schätzen die Verbraucher die wirtschaftlichen Aussichten günstiger ein als zuletzt. Auch die Lage bewerten sie besser. Doch die Corona-Angst wirft bereits ihre Schatten voraus: Durch den jüngsten Kurssturz am Aktienmarkt wurde ein Vermögen von ca. sieben Billionen Dollar zerstört. Viele Konsumenten fühlen sich dadurch ärmer und werden verstärkt ihre Ausgaben einschränken. Gleichzeitig sinkt das Eigenkapitalfinanzierungspotenzial der Firmen (durch Kapitalerhöhungen) und eine Reihe von Investitionsprojekten könnte auf dem Prüfstand stehen.

Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago stieg im Februar noch um 6,1 auf 49,0 Punkte und somit auf den höchsten Level seit August 2019. Offensichtlich hat das China-Geschäft wenig Einfluss auf die Region Chicago. Doch die Timelags inter-amerikanischer Binnenkonjunkturdynamiken sollten hier ebenfalls noch berücksichtigt werden. Konkret kann es in einer gewissen Zeitverzögerung auch in Chicago zu negativen Entwicklungen kommen.

Im Jänner lief in der US-Industrie noch das Tagesgeschäft und Sonderfaktoren wurden nicht berücksichtigt: Deshalb ist der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA weniger stark gesunken wie erwartet. Er lag nur bei -0,2%, während die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen mit -1,5% rechneten. Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge, die als wichtige Messgröße für die Unternehmensausgaben gelten, stiegen um 1,1% und der Auftragseingang außerhalb des Rüstungsbereich um 3,6%. Doch Vorsicht: Wenn Lieferketten unterbrochen sind, wird die Realisierung von Aufträgen zur Herausforderung.

Die Investmentbank Goldman Sachs hat wegen der Corona-Epidemie ihre US-Wachstumsprognose für das erste Quartal 2020 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,2% gesenkt, denn Boeing hat die Produktion der 737 MAX-Flugzeuge unterbrochen.

AKTIEN – EUROPA

Das Geschäftsklima im Euroraum blieb unerwartet robust und hat sich im Februar sogar im Vergleich zum Vormonat aufgehellt. Laut EU-Kommission stieg der entsprechende Index von revidiert minus 0,19 auf minus 0,04 Prunkte, während Volkswirte mit einem Minus von 0,32 Zählern rechneten. Ein Indexstand von Null entspricht dem langfristigen Durchschnittswachstum der Industrieproduktion von 2%. Doch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, denn aus China kommt Ungemach über die Leitwirtschaft Deutschland: Eine gemeinsame Umfrage der Deutschen und der Europäischen Handelskammer unter 577 Firmen, die in China vor Ort produzieren zeigt, dass ca. 80% der Befragten von den jüngsten Entwicklungen stark betroffen sind, wobei die drastisch eingebrochene Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen besonders hart treffe. 70% der deutschen Maschinenbauer melden bereits Logistik- und Produktionsstörungen und in anderen Euroländern wie den Niederlanden, Österreich, Belgien und Frankreich ist mit ähnlichen Entwicklungen zu rechnen.

Lieferkettenproblem in Europa: Norditalien ist Europas Seuchenherd. Gleichzeitig sind ähnlich 2015 riesige Flüchtlingsströme unterwegs nach Europa und die Vorhut hat an der griechischen Aussengrenze für bereits für Unruhen gesorgt. Somit gibt es für Europa bald eine doppelte Herausforderung. In der Lombardei (Norditalien) sind bereits Städte abgeriegelt. Es kam zu Hamsterkäufen und mittlerweile sind bereits Nahrungsmittelrationierungen im Gespräch. Es ist mit Produktionsausfällen in Norditalien zu rechnen. Gleichzeitig sind viele europäische Großkonzerne stark mit China vernetzt. Lieferkettenunterbrechungen sind vorprogrammiert. Deren Ausmaß zeigt sich in den kommenden Wochen und Monaten.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Coronavirus legt Chinas Wirtschaft lahm: Dass selbst die amtliche Wachstums-Prognose des IWF für 2020 von 6,0 gleich auf 5,6% nach unten revidiert werden musste, ist ein Alarmsignal, genauso wie die Paralysierung des Automarktes und der Industrie in China. Die Industrieaktivitäten Chinas schwächten sich im Februar so stark ab wie noch nie zuvor seit es darüber Aufzeichnungen gibt: Der amtliche (!!!) Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im Februar gegenüber dem Vormonat von 50 auf 35,7 Punkte. Von Reuters befragte Analysten hätten lediglich mit einem Abrutschen auf 46 Punkte gerechnet. Bänder bleiben Still, da Arbeiter wegen Ansteckungsgefahr zu Hause bleiben müssen. Infolge der Quarantäne-Bestimmungen und Reisebeschränkungen ist der Dienstleistungssektor besonders betroffen. Dessen Aktivitätsindikator brach im Februar von 54,1 auf 29,6 Punkte ein! Ein weiterer Beweis für einen massiven Produktionseinbruch in China sind Vergleiche von Satellitenaufnahmen chinesischer Ballungsräume vor und nach Ausbruch der Seuche. Man sieht, wie plötzlich die Luftverschmutzung verschwunden ist.

In Hongkong gibt es Helikoptergeld: Eng verzahnt mit der Volksrepublik China ist Hongkong und genau deshalb steuert die Regierung einem Abschwung drastisch entgegen. Jeder Einwohner erhält dort von der Regierung 1300 US-Dollar für seinen privaten Konsum. Das zeigt den Ernst der Lage und auch wohin der Trend in den USA und Europa gehen könnte, nämlich hin zu einer aggressiven Gelddruck-Aktion, die langfristig enormes Inflationspotenzial in sich bergen könnte.

ANLEIHEN

An den Bondmärkten flüchten die Anleger in alte „sichere“ Häfen, während risikobehaftete Assets reihenweise abverkauft werden. Staatsanleihen der Bonitätsstufen AAA bis A- sind gesuchter denn je. Deutsche Staatsanleihen aller Laufzeiten weisen bereits Negativrenditen auf. Binnen einer Woche weiteten sich bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen die Negativrenditen von -0,43 auf -0,61% aus. Bei laufzeitkongruenten US-Treasuries fielen die Renditen binnen einer Woche von 1,47 auf 1,15%. Eine Leitzinssenkung der Fed am 18. März haben die Märkte bereits vollständig eingepreist. Die Frage ist nur noch ob die Senkung 0,25 auf 0,50 Prozentpunkte sein wird und alles unter 0,50 Prozentpunkten wäre bereits eine Enttäuschung, denn: Laut FedWatch-Tool der CME, das die erwarteten Wahrscheinlichkeiten von Leitzinsszenarien aus den Futurespreisen ableitet, liegt bei der Fed-Sitzung am 18. März die Zinssenkungswahrscheinlichkeit von -0,5 PP bereits bei 94,9%. Einen Monat zuvor lag sie noch bei 0%. Auf Monatsbasis bereits leicht angestiegen sind indessen die Renditen von Staatsanleihen aus Italien, Griechenland Spanien, Portugal und Mexiko. Generell gerieten Staatsanleihen aus Schwellenländer wieder stärker unter Druck.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries hatten sich binnen einer Woche um einen Prozentpunkt auf 4,62 Prozentpunkte ausgeweitet. Die erhöhte Rezessionsgefahr und infolge niedriger Ölpreise steigende Konkursrisiken bei Unternehmen des Energiesektors – insbesondere Explorationsfirmen mit Fracking-Schwerpunkten – führten dazu, dass risikoreichere Unternehmensanleihen abverkauft wurden, während die Gelder verstärkt in Staatsanleihen flossen.

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Mit zweistelligen Wochenkursverlusten bei Öl- und Energierohstoffen, Platin, Silber, Holz und Baumwolle und auch in anderen Segmenten einem Abverkauf auf breiter Front herrscht am Rohstoffmarkt Ausnahmesituation. Einerseits sind es die Erwartungen einer Rezession und Deflation. Auf der anderen Seite geriet sogar das Krisenschutzmetall Gold unter Druck. Was steckt dahinter? Einige Verhaltensmuster deuten auf Margin-Calls und Portfolio-Zwangsliquidationen bei diversen Hedge Funds hin. Es geriet ohne Rücksicht auf die Marktsituation nämlich “einfach alles” unter Druck. Offensichtlich hat es einige Hedge Funds – wie auch 2008 – am falschen Fuss erwischt.

WÄHRUNGEN

Der Japanische Yen war vergangene Woche die beste Krisenwährung. Der Franken blieb stabil, während das Pfund um über 2,5% gegenüber dem Euro abwertete, da der Brexit zu einem äußerst ungünstigem Zeitpunkt kam. Indessen besonders stark unter Druck gerieten die Rohstoffwährungen Australischer und Kanadischer Dollar, was auch mit dem Crash der Rohstoffpreise zusammenhängt. Gleichzeitig gerieten auch Carry-Trade-Anlagewährungen zum Euro massiv unter Druck, da Anleger Risikoengagements verstärkt auflösten. Nicht zuletzt infolge jüngster Zinssenkungen werteten die Hochzinswährungen Mexikanischer Peso, Brasilianischer Real, Türkische Lira und Russischer Rubel teils um bis zu über 6% gegenüber dem Euro ab.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

02.03.2020

China: Caixin PMI Produktion EUR: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe USA: ISM verarbeitendes Gewerbe

03.03.2020

USA: Demokratische Vorwahlen Super-Dienstag EUR: Inflation, Arbeitslosenquote

04.03.2020

China: Caixin China PMI Dienstleistungen EUR: Markit PMI Gesamtindex USA: Markit PMI Gesamtindex; ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe

05.03.2020

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Werkaufträge, Lohnstückkosten

06.03.2020

Japan: Führender Wirtschaftsindex USA: Arbeitslosenquote, Durchschn. Stundenlöhne, Beschäftigungsquote,

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

Disclaimer
Die PRIVATCONSULT Vermögensverwaltung GmbH (PC) ist eine im Firmenbuch des Handelsgerichts Wien zu FN 195763m eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die PC erbringt Dienstleistungen auf Basis der von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) erteilten Konzession. Die PC ist keine Rechtsanwalts-, Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und erbringt keine Dienstleistungen, die diesen Berufsständen vorbehalten sind. Die PC wie auch deren Mitarbeiter übernehmen keine wie immer geartete Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in dieser Unterlage enthaltenen Informationen sowie der im Rahmen von Vorträgen oder Webinaren getätigten Aussagen. Diese Unterlage ist streng vertraulich und kann rechtlich geschützte Informationen enthalten. Sie ist ausschließlich für den beabsichtigten Empfänger bestimmt und darf von anderen Personen als dem beabsichtigten Empfänger nicht gelesen, gespeichert, gedruckt oder auf sonstige Weise verwertet werden. Insbesondere ist jede Vervielfältigung oder Veröffentlichung der Inhalte dieser Unterlage, einschließlich des darin eventuell enthaltenen Text- und Bildmaterials, ohne vorherige schriftliche Zustimmung der PC strengstens verboten. Sollten Sie diese Unterlage irrtümlich oder auf unrechtmäßige Weise erhalten haben, so informieren Sie uns bitte umgehend und vernichten gegebenenfalls bereits erzeugte Ausdrucke und Kopien. Eine Verletzung der oben genannten Pflichten kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

DISCLAIMER

Disclaimer: Hinweise zur Website der Privatconsult Vermögensverwaltung GmbH (nachfolgend ‚PC‘)

Die Inhalte des Internetauftritts wurden von der PC mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Gewissen erstellt. Es wird keine Gewähr für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte dieser Website übernommen.

Die enthaltenen Angaben dienen ausschließlich der Information und stellen keine Aufforderung, kein Angebot
und keine Empfehlung dar, ein Finanzinstrument zu erwerben, zu verkaufen oder sonst darüber zu verfügen,
oder eine andere Transaktion zu tätigen oder eine Anlageberatung oder andere Dienstleistungen zu erbringen.

Die auf der Homepage enthaltenen Informationen stellen weder Rechts- oder Steuerberatung noch spezielle Anlageberatung und stellen auch keine “Finanzanalyse” dar.

Die Webseite kann sog. „externe Links“ (Verlinkungen) zu anderen Webseiten enthalten, auf deren Inhalt die PC  keinen Einfluss hat. Aus diesem Grund kann die PC für diese Inhalte auch keine Gewähr übernehmen.
Für die Inhalte und Richtigkeit der bereitgestellten Informationen ist der jeweilige Anbieter der verlinkten Webseite verantwortlich. Zum Zeitpunkt der Verlinkung waren keine Rechtsverstöße erkennbar. Bei Bekanntwerden einer solchen Rechtsverletzung wird der Link umgehend entfernt.

Die auf dieser Webseite veröffentlichten Inhalte, Werke und bereitgestellten Informationen unterliegen dem Urheberrecht. Jede Art der Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung, Einspeicherung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Rechteinhabers. Eine unbefugte Nutzung der o.a. Inhalte kann eine Rechtsverletzung darstellen.