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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC Weekly KW 12

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien - USA

Die Corona-Epidemie hat bereits vor drei Wochen die kritische Masse erreicht, um am Aktienmarkt einen schnellen Bear-Market einzuleiten. Es vernetzen sich zunehmend Ereignisse mit dem Aktienmarkt, die im normalen Börsenalltag irrelevant wären. Dazu folgender Rückblick: Am Dienstag, dem 3. März hielten die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten einen Emergency-Call ab. Danach kündigten sie konkrete Gegenmaßnahmen an, darunter auch höhere Staatsausgaben falls erforderlich und nur wenige Stunden später folgte bereits die erste Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank (Fed), die ihre Fed-Fundrate um 0,5 Prozentpunkte auf ein Niveau von 1,00 bis 1,25% senkte. Gleichzeitig folgte weltweit eine Reihe von Zinssenkungen. Doch bei nur minimalen Gegenbewegungen setzte sich die Talfahrt der Aktienmärkte weiter fort. Bereits am 5. März rief der US-Bundesstaat Kalifornien wegen Corona den Notstand aus und aufgrund weiter steigender Corona-Zahlen, eines 30tägigen US-Einreiseverbotes für Europäer und eines Öl-Crashs um gut 30% an einem Tag folgte im S&P am 9. März ein schwarzer Montag mit 7,6% Minus. Nach einem kurzen Rebound am Dienstag folgte die nächste Hürde: Am 12. März erklärte die WHO die aktuelle Corona-Krise zur Pandemie. Zusätzlich Öl ins Feuer goss die EZB durch faktische „Untätigkeit“, da die minimalen Maßnahmen wie eine Spritzpistole der Feuerwehr bei einem Großbrand wirkten. Die Folge: Der Dow Jones erlitt mit -9,99% den größten Tagesverlust seit 1987 und den viertgrößten in der Geschichte. Wirksamere Signale kommen von der Fed und der US-Regierung, worauf am Freitag wieder ein kräftiger Rebound folgte.

Fed-Maßnahmen, die stimulieren: In den USA kündigte die New Yorker Fed vergangenen Donnerstag  noch in der gleichen Woche drei neue Wertpapierpensionsgeschäfte (kurzfristige Refinanzierung mit Staatsanlanleihen und Hypothekenpapieren besichert) von jeweils 500 Mrd. USD an, zwei davon mit dreimonatiger und eines mit einmonatiger Laufzeit. Es sind also insgesamt 1,5 Billionen (!) USD die von der Fed für das Bankensystem bereitstehen.  Darüber hinaus wird die Fed ihre monatlichen Anleihenkäufe von insgesamt 80 Mrd. USD (davon 20 Mrd. USD Reinvestitionen von Tilgungen) zu 37 Mrd. USD auf Papiere mit längeren Laufzeiten verlagern. Spannend wird zudem die Fed-Sitzung am 18. März, für die an den Futuresmärkten bereits eine weitere Zinssenkung um einen Prozentpunkt auf 0 bis 0,25% eingepreist wurde. Doch die Fed zog Sonntag am Abend die Handlung bereits vor: Sie senkte die Leitzinsen erstmals seit der Finanzkrise wieder auf 0 bis 0,25% und will über die kommenden Monate US-Treasuries im Volumen von mindestens 500 Mrd. USD und Hypothekenpapiere im Volumen von mindestens 200 Mrd. USD aufkaufen

US-Regierungsmaßnahmen gegen Corona-Folgen: Für die USA besonders ist die Maßnahme staatlicher Lohnfortzahlung für Beschäftigte, die wegen Corona zu Hause bleiben. Hinzukommt ein Steueraufschub, der 200 Mrd. USD weitere Liquidität sichern sollte, während als Unterstützung von Kleinunternehmen günstige Kredite in Höhe von 50 Mrd. USD vorgesehen sind. Doch der Kongress hat bei konkreten größeren Maßnahmen das letzte Wort.

Gewisse Zuversicht gibt eine am 9. März von der Investmentbank Goldman Sachs veröffentlichte Studie zu allen Bear-Markets im S&P 500 seit 1835. Diese teilte sie in drei Gruppen ein, nämlich strukturell, zyklisch und ereignisinduziert. Letzteres trifft auf die aktuelle Marktsituation zu. Das ist positiv, denn nach einem im Schnitt 9-monatigem Abschwung mit durchschnittlichem Minus von 29 Prozent dauerte es in einem ereignisinduziertem Bear-Market im Schnitt nur 15 Monate bis die Verluste wieder aufgeholt waren. Im Schnitt ging es nämlich in einem durchschnittlichen Bear-Market seit 1835 für 28 Monate um 38% bergab, ehe die Erreichung des alten Hochs 5 Jahre dauerte. Am härtesten waren strukturelle Abschwünge wie einst die Finanzkrise 2008/09, mit im Schnitt 57 Prozent Minus (durchschnittliche Abschwungdauer: 42 Monate) und durchschnittlich 111 Monaten bis zur Wiedererreichung des nominellen Ausgangsniveaus.

Konsumentenvertrauen erst leicht angeschlagen: Eine in der letzten Februarwoche von der Universität Michigan durchgeführte Verbraucherbefragung zeigt noch keine allzu große Eintrübung. Der entsprechende vorläufige Verbrauchervertrauens-Index fiel zwar von Jänner auf Februar von 101 auf 95,9 Punkte, lag aber leicht über den Erwartungen der Volkswirte. Doch Vorsicht: Der Sub-Index zukünftiger Erwartungen fiel dabei stärker als jener der aktuellen Lage. Fazit: Diese Daten sind die Ruhe vor dem Sturm.

Aktien - Europa

Europa unter Quarantäne: Jetzt noch über Konjunkturdaten und Unternehmensgewinne zu schreiben, wäre mehr als weltfremd. Das Leben in Europa hat sich binnen einer Woche verändert. Die meisten Grenzübergänge sind gesperrt. In Spanien und Österreich sind Ausgangssperren verhängt werden. Weite Teile Europas sind im Notfallsmodus. Schulen, Geschäfte, Bars und Restaurants sind geschlossen nachdem in Norditalien, Spanien, Deutschland und Österreich die Zahlen der Corona-Infizierten explosionsartig anstiegen. Es kam zu Hamsterkäufen und teils leergekauften Geschäften. Mittlerweile sind bereits Nahrungsmittelrationierungen via Lebensmittelkarten nicht mehr utopisch. In Betrieben, Ämtern und Behörden gibt es derzeit nur noch ein Thema: Notfallsprogramm in Zeiten der Corona-Pandemie. Lieferketten sind ohnehin unterbrochen. Firmen laufen auf Minimalbetrieb. Wieweit welches Unternehmen geschädigt ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen und irgendwelche Unternehmensnachrichten vom vierten Quartal 2019 haben keine Relevanz mehr. Wir leben derzeit in einer Welt im minimalistischen Krisenmodus und wissen nicht was der nächste Tag bringt. Und bei Volatilitäten von über 60% im S&P 500 Index über die weitere kurzfristige Marktentwicklung zu mutmaßen wäre mehr als verantwortungslos. Das wahre Ausmaß der Schäden zeigt sich erst in den kommenden Wochen und Monaten. Bis dahin ist das beste Rezept Ruhe zu bewahren.

Aktien - Schwellenländer/Asien

Trotz Talfahrt der Konjunktur erste Lichtblicke aus China: Wie stark es China wirklich getroffen hat, darüber lässt sich nur mutmaßen. Fakt ist folgendes: Die Industrieaktivitäten Chinas schwächten sich im Februar so stark ab wie noch nie zuvor seit es darüber Aufzeichnungen gibt: Der amtliche (!!!) Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im Februar gegenüber dem Vormonat von 50 auf 35,7 Punkte. Der vorherige Tiefstwert war im November 2008 während der globalen Finanzkrise erreicht worden. Gleichzeitig brach der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex für Chinas Dienstleistungssektor von Jänner auf Februar von 51,8 auf nur noch 26,5 Punkte ein. Das war der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 15 Jahren. Doch in China und in Südkorea sind durch entsprechende Maßnahmen die Zahlen an Neuinfektionen zuletzt wieder drastisch gesunken und von China ausgehend gibt es erste Lichtblicke: Es werden neue Infrastrukturprodukte wie ein noch schnellerer Ausbau des 5G-Netzes genehmigt und die japanische Investmentbank Nomura ging bereits Anfang vergangener Woche davon aus, dass über 70 Prozent der chinesischen Wirtschaft wieder läuft. Im Konsum ist bald mit „Nachholkäufen“ zu rechnen.

Anleihen

An den Bondmärkten flüchten die Anleger in alte „sichere“ Häfen, während risikobehaftete Assets reihenweise abverkauft werden. Staatsanleihen der Bonitätsstufen AAA bis A- waren gesuchter denn je, ehe nach (teils verpufften) Maßnahmen führender Zentralbanken wieder eine Gegenbewegung einsetzte – doch nun alles der Reihe nach: Die Fed stellte binnen zwei Tagen US-Banken 1,5 Billionen Dollar zur Verfügung. Am 11. März senkte die Bank of England ihren Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf 0,25%, während die EZB am 12. März ihre Leitzinsen noch unverändert ließ. Dafür hat sie zielgerichtete Refinanzierungsmöglichkeiten zur Unterstützung von Corona betroffener Firmen angeboten und ihr Anleihenkaufprogramm von monatlich 20 Mrd. EUR bis Jahresende auf 120 Mrd. EUR ausgedehnt, wobei sie sich künftig stärker als bisher auf Unternehmensanleihen fokussiert. Die Enttäuschung durch die EZB und auch die Tatsache, dass zuvor bereits weitere Zinsschritte der Fed eingepreist waren, führten zu einer Gegenbewegung am Bondmarkt, in der die Renditen wieder kräftig anzogen. Die Negativrenditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen verringerten sich binnen einer Woche um weitere 16 Basispunkte auf -0,55% und bei laufzeitkongruenten US-Treasuries stiegen die Renditen von 0,76 auf 0,96% – ein Anstieg um 20 Basispunkte. Staatsanleihen aus Schwellenländern schlechter Bonitäten stehen seit Beginn der Turbulenzen ohnehin stärker unter Druck.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind binnen einer Woche infolge zunehmender Liquiditätsengpässe und steigender Ausfallsrisiken von 5,05 auf 7,42 Prozentpunkte (per 12.03.) und somit den höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2016 angestiegen. Die erhöhte Rezessionsgefahr und infolge niedriger Ölpreise steigende Konkursrisiken bei Unternehmen des Energiesektors – insbesondere Explorationsfirmen mit Fracking-Schwerpunkten – führten dazu, dass risikoreichere Unternehmensanleihen abverkauft wurden.

Edelmetalle und Rohstoffe

Russland und Saudi Arabien befinden sich nach gescheiterten Verhandlungen über eine Drosselung der Ölproduktion in einem Ölpreiskrieg. Vergangenen Montag stürzten die Ölpreise vorübergehend rund 30% ab. Das ist ein deflationäres Signal. Es sieht nach einer beginnenden Liquiditätskrise im Bankensystem aus. Aktien werden abverkauft und sogar Gold und Silber greaten in diesem Ausverkauf im Einklang mit dem Einbruch der Rohstoffpreise unter Druck. Die große Frage bleibt noch das Verhalten der Hedge Fonds. Kommt es zu Zwangsliquidationen, die Rohstoffe auf breiter Front nach unten drücken? Wann verstärken die Trendfolger mit Shortpositionen die Abwärtsbewegung? Von diesen Faktoren und auch von den Hedgetransaktionen der Industrie werden die weiteren Bewegungen abhängen. Auf der anderen Seite kann es jederzeit zu verstärkten Vorratskäufen kommen.

Währungen

Der Schweizer Franken zeigte sich in der vergangenen Woche von seiner stabilen Seite, während das Britische Pfund infolge der Leitzinssenkung der Bank of England massiv unter Druck geriet und gegenüber dem Euro mehr als 4% abwertete. Ebenfalls schwächer waren die Rohstoffwährungen Australischer und Kanadischer Dollar, während der US-Dollar aufgrund der Repatriierung ausländischer Positionen von US-Banken während der jüngsten Turbulenzen wieder fester tendierte. Die restriktive Haltung der EZB führte jedoch am Freitag zu einer Abwertung des Yen gegenüber Euro um mehr als 2%. Hingegen nicht nur zuletzt infolge sinkender Rohstoffpreise werteten die Hochzinswährungen Mexikanischer Peso, Südafrikanischer Rand und Russischer Rubel erneut ab.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

16.03.:

Japan: Maschinenbestellungen EUR: Treffen der Eurogruppe China: Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion

17.03.:

Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen USA: Einzelhandelsumsätze, Controlling des Einzelhandels, Industrieproduktion

18.03.:

EUR: Inflation USA: Fed Zinssatzentscheidung und Pressekonferenz

19.03.:

Japan: BoJ Zinssatzentscheidung u. Geldpolitik Statement; Aktivitätsindex aller Industrien USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Philly-Fed-Herstellungsindex

20.03.:

China: PBoC Zinssatzentscheidung

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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