Expertise. Exklusivität. Exzellenz.

Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC – Weekly KW 13

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

Die Corona-Epidemie hat bereits vor vier Wochen die kritische Masse erreicht, um am Aktienmarkt einen schnellen Bear-Market einzuleiten. Selbst die radikalsten Maßnahmen von Staaten und Notenbanken bleiben wirkungslos und die Baisse setzt sich weiter fort. Rund 15% Minus erlitten US-Aktien in der vergangenen Woche, der schlimmsten Woche seit 2008. Am Freitag gerieten selbst solide defensive Werte wie Kellogg und Coca Cola massiv unter Druck. Offensichtlich wurden nun jene Werte abverkauft, die sich bis dato noch am besten gehalten haben. Obwohl weltweit die Notenbanken ihre Geldschleusen öffneten, brachen die Kurse ein. Mittlerweile ist wegen Corona in den USA der Notstand ausgerufen. Der Staat kann über strategisch wichtige Produktionsmittel verfügen und analog einer Kriegswirtschaft Fabriken zur Produktion von Beatmungsgeräten oder Schutzmasken heranziehen. Gleichzeitig sind in Europa die Grenzen geschlossen, die Flugkapazitäten weitgehend stillgelegt und weite Teile in Westeuropa stehen unter strengen Quarantäne-Bestimmungen. Auch in den USA herrscht Ausnahmezustand. Geschäfte, Bars und Restaurants sind bis auf weiteres geschlossen und noch immer explodieren die Zahlen der Infizieren in Europa und den USA.

Fed-Maßnahmen, die stimulieren: Die Fed zog am Sonntag vor einer Woche eine Maßnahme vor, die vermutlich erst zum regulären Termin am 18. März verkündet worden wäre: Sie senkte die Leitzinsen erstmals seit der Finanzkrise wieder auf 0 bis 0,25% und will über die kommenden Monate US-Treasuries im Volumen von mindestens 500 Mrd. USD und Hypothekenpapiere im Volumen von mindestens 200 Mrd. USD aufkaufen! Es folgte am Montag ein weiterer Repo-Geschäft im Volumen von 500 Mrd. USD, also nun binnen drei Werktagen Wertpapierpensionsgeschäfte (kurzfristige Refinanzierungsgeschäfte mit Wertpapieren besichert) im Volumen von 2000 Mrd. USD. Gleichzeitig ist die Fed auch über eine Zweckgesellschaft unterstützend am Markt für Schatzwechsel (kurze Liquiditätstitel) aktiv. Zuletzt war dies in der Finanzkrise 2008/09 ein Thema.

US-Regierungsmaßnahmen gegen Corona-Folgen: Die US-Regierung beschloss ein Konjunkturprogramm im voraussichtlichen Volumen von 1,2 Billion Dollar bestehend aus, Direktzahlungen und Steuererleichterungen für Einzelpersonen, Kredite für kleinere Firmen, Erleichterungen für Fluglinien und Industrie sowie möglicherweise auch Direktzahlungen an in Not geratene US-Bürger.

 

Gewisse Zuversicht gibt eine am 9. März von der Investmentbank Goldman Sachs veröffentlichte Studie zu allen Bear-Markets im S&P 500 seit 1835. Diese teilte sie in drei Gruppen ein, nämlich strukturell, zyklisch und ereignisinduziert. Letzteres trifft auf die aktuelle Marktsituation zu. Das ist positiv, denn nach einem im Schnitt 9monatigem Abschwung mit durchschnittlichem Minus von 29 Prozent dauerte es in einem ereignisinduziertem Bear-Market im Schnitt nur 15 Monate bis die Verluste wieder aufgeholt waren. Im Schnitt gings nämlich in einem durchschnittlichen Bear-Market seit 1835 für 28 Monate um 38% bergab, ehe die Erreichung des alten Hochs 5 Jahre dauerte. Am härtesten waren strukturelle Abschwünge wie einst die Finanzkrise 2008/09, mit im Schnitt 57 Prozent Minus (durchschnittliche Abschwungdauer: 42 Monate) und durchschnittlich 111 Monaten bis zur Wiedererreichung des nominellen Ausgangsniveaus.

Noch im Februar stiegen die Einzelhandelsumsätze in den USA auf Jahresbasis um 4,3%. Auf Montsbasis war es bereits ein Rückgang um 0,5% und somit das größte Minus seit Dezember 2018. Corona spielte zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle, aber dann im März. Zu diesem Zeitpunkt schlägt bereits ein anderer US-Konjunkturindikator Alarm: Eine Umfrage der New York Fed zeigte, dass die Fabriksaktivitäten im Bundesstaat New York im März den niedrigsten Level seit 2009 erreichten.

AKTIEN – EUROPA

Erste greifbare Konjunkturprognosen für Europa: Die Ausnahmezustände, Ausgangssperren und geschlossenen Geschäfte quer durch Europa sind weitgehend bekannt, doch seit vergangener Woche gibt es bereits erste konjunkturelle Hinweise, wohin die Reise gehen könnte. Und zwar sind aus der EZB bereits erste Daten-Revisionen an die Medien durchgedrungen: In der Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs zu den Folgen der Krise soll laut Medienberichten EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, wegen der Corona-Krise mit einem Effekt zwischen 2 und 10 Prozentpunkten auf das Wirtschaftswachstum gerechnet haben. Noch vor Ausbreitung der Pandemie kalkulierten die Experten der EZB im Euroraum mit 0,8% Zuwachs im Jahr 2020. Im Falle eines einmonatigem „Lockdown“ sollte sich nach deren Rechenmodell das BIP-Wachstum 2020 um 2,1 Prozentpunkte auf -1,3% verringern. Allerdings erscheinen drei Monate Lockdown der Wirtschaft realistisch. Dadurch würde sich das Wachstum um 5,8 Prozentpunkte verlangsamen, woraus eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung des Euroraums von 5% resultiere. Ähnliche Schätzungen kommen auch von der RBI, während das IfW Kiel, je nach „Lockdown-Szenario“ (bis Ende April oder Ende Juli) für die Leitwirtschaft Deutschland mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um je 4,5 bzw. 8,7% im Jahr 2020 rechnet. Mit einem unterstellten anfänglichen Rückgang der Kapazitätsauslastung um 90% am stärksten betroffen sind die Bereiche Gastgewerbe, Luftfahrt und diverse Freizeitbranchen, während der Fahrzeugbau zwischenzeitlich seine Produktion um bis zu 70% einschränkt.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Was uns in Europa noch bevorsteht, zeigt sich an folgenden Daten für China: Die Industrieproduktion ist im Zweimonatszeitraum Jänner und Februar 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13,5% gesunken. Das ist der stärkste Einbruch seit 30 Jahren. Darüber hinaus gabs einen Angebotsschock im Einzelhandel, hervorgerufen durch die Schließung von Einkaufszentren. Die Einzelhandelsumsätze gingen um 20,5% zurück und die Anlageinvestitionen branchen um 24,5% ein. Da ist es kein Wunder, dass wesentlich weniger Öl und Rohstoffe benötigt werden. Doch langsam kehrt infolge niedriger Zahlen an Neuinfektionen in China wieder die Normalität ein. Die japanische Investmentbank Nomura ging bereits Anfang vorvergangener Woche davon aus, dass über 70 Prozent der chinesischen Wirtschaft wieder läuft. Im Konsum ist bald mit „Nachholkäufen“ zu rechnen.

ANLEIHEN

Die EZB hat bereits Anleihenkaufprogramme im Wert von 7,3% des BIP im Euroraum laufen. Am 18. März gab sie ein Sonderprogramm bekannt: Das neue Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) der EZB sieht 750 Mrd. EUR für Wertpapierkäufe vor. Im Rahmen des mindestens bis Jahresende laufenden Programms will die EZB alle Arten von Wertpapieren ankaufen, die in bestehenden Ankaufprogrammen zugelassen sind. Das sind u.a. öffentliche Anleihen, Unternehmensanleihen und besicherte Papiere. Dies und die Zinssenkungen von Bank of England und Fed sollten eigentlich die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Schach halten. Doch Pustekuchen: Es kam zwischenzeitlich infolge der höheren Haushaltsdefizite der Staaten infolge der Sonderkonjunkturprogramme gegen die Corona-Krise zu einem Vertrauensverlust der Anleger, die für steigende Schulden und somit höhere Bonitätsrisiken als Risikoausgleich höhere Zinsen verlangen. Erst am Freitag gab es wieder einen kräftigeren Renditerückgang weltweit auf breiter Front bei den Staatsanleihen entwickelter Länder, doch per Saldo sind die Renditen auf Sicht eines Monats gestiegen. Per 20. März zogen die Renditen 10jähriger Bundesanleihen auf Monatsbasis um 11 Basispunkte auf -0,33% an, und jene laufzeitkongruenter italienischer Papiere sogar um 72 Basispunkte auf 1,63%. Bei japanischen Staatstiteln dieser Laufzeitkategorie erhöhten sich die Renditen um 12 Basispunkte auf 0,04%. Hingegen zehnjährige US-Treasuries verzeichneten auf Monatsbasis einen starken Rückgang um 62 BP auf 0,85%. Hingegen Staatsanleihen aus Schwellenländern schlechter Bonitäten stehen seit Beginn der Turbulenzen ohnehin stärker unter Druck.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind binnen einer Woche infolge zunehmender Liquiditätsengpässe und steigender Ausfallsrisiken von 7,42 auf 9,82 Prozentpunkte (per 12.03.) und somit den höchsten Stand seit der Finanzkrise angestiegen. Die erhöhte Rezessionsgefahr und infolge niedriger Ölpreise steigende Konkursrisiken bei Unternehmen des Energiesektors – insbesondere Explorationsfirmen mit Fracking-Schwerpunkten – führten dazu, dass risikoreichere Unternehmensanleihen abverkauft wurden. Hinzukommen stark steigende Ausfallsrisiken in den Bereichen Airlines, Touristik, Automobil und Flugzeugbau.

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Russland und Saudi Arabien befinden sich nach gescheiterten Verhandlungen über eine Drosselung der Ölproduktion in einem Ölpreiskrieg und der Ölpreisverfall setzte sich vergangene Woche weiter fort. Der Preis für WTI Öl fiel um weitere 30%. Gleichzeitig werden alle in der Industrie verwendeten Metalle abverkauft. Silber brach gegenüber Gold überproportional ein und selbst der Goldpreis liegt auf Monatsbasis bereits 9% im Minus. Es herrscht eine deflationäre Kontraktion in der die Rohstoffe auf breiter Front abverkauft werden. Indessen zogen die Nahrungsmittelpreise wieder an. Weizen verteuerte sich im Wochenverlauf um knapp 7%, Kaffee um 12% und mageres Schwein um ca. 10%. Die Anbauflächen von Weizen schwinden, es mangelt teils an Hilfskräften in der Landwirtschaft und auch die Handelspolitik wird unsicherer. Mit der Corona Krise nehmen zudem auf breiter Front die Ängste vor Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung zu. Hingegen die Industrierohstoffe sind nach wie vor im freien Fall zumal die Industrienachfrage künstlich aufs Eis gelegt wurde (durch Maßnahmen zur Seucheneindämmung).

WÄHRUNGEN

Der US-Dollar setzte zu einem Höhenflug an nachdem US-Investoren Auslands-Assets verstärkt abverkaufen und die Erlöse in Dollar konvertieren. Der Schweizer Franken zeigte sich in der vergangenen Woche von seiner stabilen Seite, während das Britische Pfund infolge der Leitzinssenkung der Bank of England weiter unter Druck geriet und gegenüber dem Euro ca. 1,5% abwertete. Ebenfalls schwächer war die Rohstoffwährungen Australischer Dollar. Hingegen nicht nur zuletzt infolge sinkender Rohstoffpreise werteten die Hochzinswährungen Mexikanischer Peso, Brasilianischer Real, Südafrikanischer Rand und Russischer Rubel erneut ab. Es fließen in den USA, der Schweiz und Japan einfach wieder verstärkst Gelder aus aufgelösten Carrytrades „zurück ins Zentrum“.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

23.03.2020

USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex

24.03.2020

Japan: Führender Wirtschaftsindex EUR: Einkaufsmanagerindex für verarbeitendes Gewerbe und für Diestleistung; Markit PMI Gesamtindex; USA: Markit PMI Herstellung u. Dienstleistungen; Markit PMI Gesamtindex API wöchentlicher Rohöllagerbestand

25.03.2020

Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex USA: Nicht militärische Investitionsgüter Aufträge ohne Flugzeuge; Auftragseingänge langlebiger Gebrauchsgüter

26.03.2020

EUR: Tagung des Europäischen Rates, UK: BoE Zinssatzentscheidung und QE-Entscheidung USA: BIP anualisiert; Erstanträge Arbeitslosenunterstützung,

27.03.2020

Japan: Verbraucherpreisindex EUR: Tagung des Europäischen Rates; Persönliches Einkommen; Reuters Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

Disclaimer
Die PRIVATCONSULT Vermögensverwaltung GmbH (PC) ist eine im Firmenbuch des Handelsgerichts Wien zu FN 195763m eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die PC erbringt Dienstleistungen auf Basis der von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) erteilten Konzession. Die PC ist keine Rechtsanwalts-, Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und erbringt keine Dienstleistungen, die diesen Berufsständen vorbehalten sind. Die PC wie auch deren Mitarbeiter übernehmen keine wie immer geartete Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in dieser Unterlage enthaltenen Informationen sowie der im Rahmen von Vorträgen oder Webinaren getätigten Aussagen. Diese Unterlage ist streng vertraulich und kann rechtlich geschützte Informationen enthalten. Sie ist ausschließlich für den beabsichtigten Empfänger bestimmt und darf von anderen Personen als dem beabsichtigten Empfänger nicht gelesen, gespeichert, gedruckt oder auf sonstige Weise verwertet werden. Insbesondere ist jede Vervielfältigung oder Veröffentlichung der Inhalte dieser Unterlage, einschließlich des darin eventuell enthaltenen Text- und Bildmaterials, ohne vorherige schriftliche Zustimmung der PC strengstens verboten. Sollten Sie diese Unterlage irrtümlich oder auf unrechtmäßige Weise erhalten haben, so informieren Sie uns bitte umgehend und vernichten gegebenenfalls bereits erzeugte Ausdrucke und Kopien. Eine Verletzung der oben genannten Pflichten kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

DISCLAIMER

Disclaimer: Hinweise zur Website der Privatconsult Vermögensverwaltung GmbH (nachfolgend ‚PC‘)

Die Inhalte des Internetauftritts wurden von der PC mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Gewissen erstellt. Es wird keine Gewähr für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte dieser Website übernommen.

Die enthaltenen Angaben dienen ausschließlich der Information und stellen keine Aufforderung, kein Angebot
und keine Empfehlung dar, ein Finanzinstrument zu erwerben, zu verkaufen oder sonst darüber zu verfügen,
oder eine andere Transaktion zu tätigen oder eine Anlageberatung oder andere Dienstleistungen zu erbringen.

Die auf der Homepage enthaltenen Informationen stellen weder Rechts- oder Steuerberatung noch spezielle Anlageberatung und stellen auch keine „Finanzanalyse“ dar.

Die Webseite kann sog. „externe Links“ (Verlinkungen) zu anderen Webseiten enthalten, auf deren Inhalt die PC  keinen Einfluss hat. Aus diesem Grund kann die PC für diese Inhalte auch keine Gewähr übernehmen.
Für die Inhalte und Richtigkeit der bereitgestellten Informationen ist der jeweilige Anbieter der verlinkten Webseite verantwortlich. Zum Zeitpunkt der Verlinkung waren keine Rechtsverstöße erkennbar. Bei Bekanntwerden einer solchen Rechtsverletzung wird der Link umgehend entfernt.

Die auf dieser Webseite veröffentlichten Inhalte, Werke und bereitgestellten Informationen unterliegen dem Urheberrecht. Jede Art der Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung, Einspeicherung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Rechteinhabers. Eine unbefugte Nutzung der o.a. Inhalte kann eine Rechtsverletzung darstellen.