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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC WEEKLY KW 14

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

Unbegrenzte Anleihenkäufe der Fed und ein 2,2 Billionen-Dollar Programm der US-Regierung leiteten zwar eine dreitägige Gegenbewegung an den Aktienmärkten ein in der der S&P 500 Index über 20% anstieg. Gemäß technischer Definition würden wir uns bereits wieder in einem Bull-Market befinden. Angeführt wurde die Ralley von Boeing, die am Mittwoch vorübergehend sogar 32% im Plus lag. Das Unternehmen fährt die Produktion der MAX-Reihe wieder hoch und es gab Gerüchte eines Einstiegs durch Warren Buffet. Doch Vorsicht: Bereits am Freitag drehte der S&P 500 Index wieder mit 3,4% ins Minus. Bei der aktuellen Schwankungsbreite kann aus einem Bull-Market binnen weniger Tage wieder ein Bear-Market werden. Auf jeden Fall zeigt eine von IHS Markit veranlasste Umfrage bei US-Unternehmen des Produktions- und Dienstleistungsbereichs ein derart schlechtes Aktivitätsniveau aus dem Volkswirte annualisiert eine Schrumpfung der US-Wirtschaftsleistung um 5% ableitete. Das ist erst der Anfang. In Wirklichkeit sind bei anhaltender Pandemie ganz andere Rückgänge zu erwarten. Eine gute Orientierungshilfe von dem was auf die USA zukommen könnte, zeigte ein „Seuchen-Planspiel“ vom Oktober 2019: Am 18. Oktober 2019 haben die Bill und Melinda Gates Stiftung, das Weltwirtschaftsforum und das Johns Hopkins Center for Health Security zu Übungszwecken ein Pandemie-Szenario simuliert. Beim “Event 201” – so hieß die Veranstaltung – war der Auslöser der weltweiten Pandemie ein fiktives Coronavirus (CAPS). Ergebnis: weltweit 65 Millionen Tote und ein Rückgang des globalen BIP um 11%. Allerdings war dieses Szenario vergleichbar mit jenem der Spanischen Grippe in den Jahren 1918 bis 1920 mit damals mindestens 25 Millionen Toten. Laut Schätzungen der Weltbank würde eine derartige Pandemie heute die Weltwirtschaft rund 3 Bio. USD kosten, was 4,8% der globalen Wirtschaftsleistung wären. Doch schon alleine die Eindämmungsmaßnahmen gegen Corona zwingen die Weltwirtschaft in die Knie. Während China bereits wieder die Produktion bis zu 90% hochfährt, hat der Lockdown in den USA gerade erst begonnen. Seit gut einer Woche gilt Ausgangssperre in Kalifornien, weitere Staaten folgten, während sich New York in einen Seuche-Krisenherd verwandelte. Mittlerweile sind in den USA ca. 133.000, weltweit 704.000 Personen infiziert – Tendenz stark steigend. Trump hat ein Kriegsgesetz aus dem Korea-Krieg aktiviert, das der US-Regierung Gewalt über die Produktionskapazitäten gibt. General Motors ist nun angehalten 40.000 Beatmungsgeräte herzustellen. Notverordnungen und Kriegsrecht haben bereits auch in Europa begonnen. Vorläufer derartiger Gesetze ist hier Dänemark.

Fed-Maßnahmen, die stimulieren: Mittlerweile kann die Fed bei Bedarf unbegrenzt Anleihen kaufen. Vom 12. Bis 16. März legte die Fed 4 Repo-Geschäfte mit Laufzeiten von 28 bis 84 Tagen auf, nachdem es am 12. März bereits Übernacht-Gelder im Volumen von 175 Mrd. USD und 14- bzw. 25tägige Repogeschäfte von je 45 bzw. 50 Mrd. USD gab. Die Geldschleusen sind nun offen und es gibt in den kommenden Wochen wöchentlich weitere Repo-Geschäfte im Volumen von mindestens einer Billion Dollar.

US-Regierungsmaßnahmen gegen Corona-Folgen: Die US-Regierung beschloss ein Konjunkturprogramm im Volumen von 2,2 Billion Dollar, das der Kongress auch absegnete: Die größte Steuerentlastungsmaßnahme der Geschichte ist darin enthalten. 500 Mrd. USD stehen für schwer betroffene Industrien zur Verfügung, 290 Mrd. US-Dollar sind für Zahlungen von bis zu 3000 USD an Millionen von Familien vorgesehen. Darüber hinaus werden 350 Mrd. USD für Kredite an Kleinunternehmen, 250 Mrd. USD für erweiterte Arbeitslosenunterstützung und mindestens 100 Mrd. USD für das Gesundheitssystem inklusive Spitäler bereitgestellt.

Gewisse Zuversicht gab eine am 9. März von der Investmentbank Goldman Sachs veröffentlichte Studie zu allen Bear-Markets im S&P 500 seit 1835. Diese teilte sie in drei Gruppen ein, nämlich strukturell, zyklisch und ereignisinduziert. Letzteres trifft auf die aktuelle Marktsituation zu. Das ist positiv, denn nach einem im Schnitt 9monatigem Abschwung mit durchschnittlichem Minus von 29 Prozent dauerte es in einem ereignisinduziertem Bear-Market im Schnitt nur 15 Monate bis die Verluste wieder aufgeholt waren. Im Schnitt gings nämlich in einem durchschnittlichen Bear-Market seit 1835 für 28 Monate um 38% bergab, ehe die Erreichung des alten Hochs 5 Jahre dauerte. Am härtesten waren strukturelle Abschwünge wie einst die Finanzkrise 2008/09, mit im Schnitt 57 Prozent Minus (durchschnittliche Abschwungdauer: 42 Monate) und durchschnittlich 111 Monaten bis zur Wiedererreichung des nominellen Ausgangsniveaus. Tatsächlich hat es kurzfristig so ausgesehen als würde wieder so ein Szenario eingetreten sein, doch dieses Mal ist es kein Wirtschaftsproblem oder ein geopolitischer Konflikt, sondern ein Problem der Pandemie und der Shutdown in den USA hat gerade erst begonnen. Was wird wohl erst passieren, wenn in Silicon Valley plötzlich die Bänder stillstehen?

In den USA stellten in der per 21. März endenden Arbeitswoche 3,28 Mio. Einwohner Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung verglichen mit 281.000 in der Vorwoche. Diese Zahl ist ein absoluter Rekord. Bisher die meisten neuen Arbeitslosen gabs in der Woche endend am 2. Oktober 1982 mit 695.000. Dies geht gleichzeitig einher mit einer massiven Verschlechterung des Aktivitätsniveaus im Dienstleistungssektor, was die jüngste Vorabauswertung einer Umfrage für den Einkaufsmanagerindex von IHS Markit ergab. Der entsprechende Index verzeichnete den stärksten Einbruch seit bestehen der Historie (2009).

AKTIEN - EUROPA

Aktivitätsniveau der Privatwirtschaft bricht ein: Die vor einer Woche aufgekommenen düsteren Prognosen für das BIP-Wachstum des Euroraums gewinnen an Konjunktur, zumal die Infektionszahlen in Italien, Spanien und Deutschland explosionsartig ansteigen und ein Peak der Seuche noch lange nicht in Sicht ist. Der Flash Eurozone Composite Index Produktion (von IHS Markit), ein gewichteter Durchschnittswert aus dem Index Industrieproduktion und dem Index Geschäftstätigkeit im Servicesektor fiel im März gegenüber dem Vormonat von 51,6 auf vorläufig 31,4 Punkte. Das ist der stärkste Einbruch seit Umfragebeginn im Juli 1998, zumal das bisherige Tief von 36,2 Punkten im Februar 2009 erreicht war. Die Industrie erlitt den stärksten Einbruch des Auftragseingangs seit 11 Jahren und musste eine kräftigen Stellenabbau hinnehmen. Der entsprechende vorläufige Index der Industrieproduktion verzeichnete mit einem Rückgang von 58,7 auf 39,5 Punkte das höchste Minus seit April 2009. Noch eine Spur härter traf es mit der Schließung von Hotels, Bars und Restaurants sowie der Einstellung des globalen Flugverkehrs den Dienstleistungssektor, vor allem Gastgewerbe, Reise, Tourismus und Airlines. Hier erfolgte ein Einbruch um 24 Punkte auf ein Rekordtief von 28,4 Punkte.

AKTIEN - SCHWELLENLÄNDER/ASIEN

BIP-Prognosen hinken bekanntlich den Ereignissen hinterher. Deshalb sieht es auf den ersten Blick für China noch relativ gut aus. Der Durchschnitt der Volkswirte geht noch für 2020 von einem BIP-Wachstum von 2,9% aus, was allerdings der niedrigste Zuwachs seit 1976 wäre. Aber die Einbrüche der Einkaufsmanagerindizes im Februar deuten auf ein härteres Szenario hin. Sollte China wegen der erneuten Einschleppung von Corona erneut zu Quarantänemaßnahmen für weite Teile des Landes sorgen müssen, dann droht sogar eine Rückläufige Entwicklung des BIP. Auch der Shutsown der USA und die Zustände in Europa sind schlecht für Chinas (Export) Wirtschaft, denn selbst wenn China die Produktion wieder hochfährt: Wer soll dann die Produkte kaufen? Allerdings arbeitet die Regierung in Peking immer wieder mit Konjunkturprogrammen entgegen.

ANLEIHEN

Die EZB hat bereits Anleihenkaufprogramme im Wert von 7,3% des BIP im Euroraum laufen und die Fed kauft notfalls unbegrenzt (Staats)Anleihen, während weltweit sich ein Anstieg der Staatsschulden abzeichnet. Allerdings brachen vergangene Woche die Ölpreise ein. Deflation ist mittlerweile ein weit verbreiteter Begriff. Per Saldo entwickelten sich die Staatsanleihenrenditen wieder stark rückläufig. Im Einklang mit dem Einbruch der Ölpreise am Freitag brachen weltweit wieder die Renditen für Staatsanleihen ein. Auf Monatsbasis verringerten sich die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 47 Basispunkte auf 0,67% und bei laufzeitkongruenten deutschen Staatsanleihen waren die Renditen um 11 Basispunkte auf minus 0,48% rückläufig. Mit Ausnahme der italienischen Papiere war bei allen anderen Papieren eine rückläufige Entwicklung zu beobachten.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind binnen kürzester Zeit auf 9,82 Prozentpunkte (per 12.03.) gestiegen ehe bis 19.03. infolge des Konjunkturpakets der Regierung wieder Hoffnung aufkeimte und die Spreads auf 9,29 Prozentpunkte zurückgingen. Dennoch bleibt eine Rezession eingepreist.

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Weiterer Ölpreisverfall: Russland und Saudi Arabien befinden sich nach gescheiterten Verhandlungen über eine Drosselung der Ölproduktion in einem Ölpreiskrieg und der Ölpreisverfall setzte sich vergangene Woche weiter fort. Der Preis für WTI Öl fiel um weitere 7%. Der beginnende Shut-Down der USA und ganz Europa unter Quarantäne – Da leidet im Einklang mit dem lahmgelegten Flugverkehr auch die Erdöl-Nachfrage darunter. Selbst wenn die USA ihre strategischen Ölreserven generell erhöhen, so hält dies noch lange nicht die sich abzeichnende Ölschwemme ab.

Edelmetalle und Agrarprodukte im Aufwind: Erste Inflationsimpulse in Form von Warenverknappung machen sich bereits bemerkbar. Das gilt vor allem für physisches Gold und Silber, das weltweit derzeit am Markt vollständig aufgekauft ist, zumal wichtige Scheideanstalten in der Schweiz derzeit stillstehen. Das führte auch am Terminmarkt bei der Eindeckung von Kontrakten mit physischem Material zu einer extremen Knappheit. Mittlerweile werden Goldmünzen- und Barren und erst recht physisches Silber zu teils zweistelligen Aufschlägen auf den Marktwert gehandelt. Die Preise für Orangensaft, Weizen und Sojaprodukte sind ebenfalls im Aufwind – und dies trotz sinkender Ölpreise. Orangensaft ist wegen Vitamin C derzeit in der Corona-Krise besonders gefragt, während Arbeitskräfte in der Produktions- und Logistikwertschöpfungskette fehlen. Gleichzeitig entwickelt sich der Weizenanbau tendenziell rückläufig und auch Reis könnte knapper werden, da der drittgrößte Reisexporteur Vietnam ein Exportverbot erließ.

WÄHRUNGEN

Die massiven Notenbankmaßnahmen der Fed bei gleichzeitigem ruhigen Verhalten der EZB haben vergangene Woche den Dollar zum Euro um ca. 4% abwerten lassen. Hinzukommt die massive Aarbeitslosigkeit, die sich in den USA bereits abzeichnet und womöglich die Fed zu negativen Leitzinsen zwingt. Auch der Yen schwächte ab, während das Britische Pfund nach einer massiven Abwertung zu einer Gegenbewegung ansetzte da wieder Hoffnung auf einen Brexit Deal aufkeimte.
Hingegen nicht nur zuletzt infolge sinkender Rohstoffpreise werteten die Hochzinswährungen Brasilianischer Real, Südafrikanischer Rand und Russischer Rubel erneut ab.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

30.03

EUR: Geschäftsklimaindex

31.03.

Japan: Arbeitslosenquote, Industrieproduktion u. EInzelhandelsumsätze China: Einkaufsmanagerindizes: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe VPI, Chicago PMI, Verbrauchervertrauen Conference Board, S&P/Case-Shiller Hauspreisindex

01.04.

Japan: Tankan Report China: Caixin PMI Produktion USA: ISM verarbeitendes Gewerbe, ISM Beschäftigungsindex für das verarbeitende Gewerbe

02.04.

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung,

03.04.

China: Caixin China PMI Dienstleistungen; EUR: Markit PMI Gesamtindex, Einzelhandelsumsätze USA: Durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit, Durchschnittliche Stundenlöhne, Erwerbsbeteiligungsquote, Arbeitslosenquote, Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, IMS nicht-verarbeitendes Gewerbe, Markit PMI Gesamtindex.

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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