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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC – Weekly KW 22

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

Hongkong-Gesetz schlägt Wellen; Handelskonflikt USA China neu: Noch vor zwei Wochen sah es entspannt aus: Peking sagte im Rahmen der Handelsvereinbarung von Ende Jänner zu, im Zeitraum von 2zweiJahren zusätzlich US-Güter im Wert von 200 Mrd. USD zu importieren. Doch dann schob US-Präsident, Donald Trump, wegen Corona den Chinesen den „Schwarzen Peter“ zu. Peking hätte verspätet über den Corona-Ausbruch informiert – so der Vorwurf. Im Zuge des Nationalen Volkskongresses in Peking verschärfte sich die Rhetorik Chinas. Beispielsweise warnte Chinas Außenminister Wang Yi vor einem neuen Kalten Krieg: „Uns ist aufgefallen, dass einige politische Kräfte in den USA die US-chinesischen Beziehungen in Geiselhaft nehmen und unsere beiden Länder an den Rand eines neuen Kalten Krieges bringen“. Zusätzlich Öl ins Feuer gießen Chinas Pläne für ein neues Sicherheitsgesetzt für Hongkong: Damit würde Peking stärker als je zuvor in die Politik der Sonderverwaltungszone eingreifen. Dies könnte das Ende der Autonomie Hongkongs und dessen Demokratiebewegung bedeuten. Die größte aktuelle Gefahr liegt darin, dass China die aktuelle Protestbewegung als subversiv und terroristisch einstuft. Trump drohte deshalb mit einer sehr deutlichen Reaktion der USA. China drohte mit Gegenschlag. Ein erneutes Aufkeimen des Handelskonfliktes rückt näher.

Zweistellige Produktionseinbrüche: Im April brach in den USA die Fabriksproduktion um 13,7% (März: -5,5% korrigierter Wert statt -6,3%) ein – stärker als Volkswirte erwarteten. Und betrachtet man die gesamte Industrieproduktion, so lag im April der Rückgang bei 11,2% – der größte Einbruch in der 101jährigen Datenhistorie! Um über 70% ging die Produktion von Autos, Trucks und Autoteilen zurück. Die Produktion von Flugzeugen und anderen Transportmitteln, Metallen und Möbeln fiel um rund 20%. Die Minenproduktion war um 6,1% rückläufig. Die Kapazitätsauslastung der Industrie fiel auf 64,9% und somit den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009.

Kontraktion im laufenden Quartal: Obwohl sich der vorläufig ausgewertete Einkaufsmanagerindex für die gesamte US-Wirtschaft von April auf Mai von 27,0 auf 36,4 Punkte erholt hat, rechnen die Volkswirte von IHS Markit im zweiten Quartal mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 37%. Andere Experten gehen für den Quartalsabschnitt April bis Juni mit einer Schrumpfung um 40% aus, was der stärkste Einbruch seit 1947 wäre.

Binnen 9 Wochen rund 38 Mio. Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA: Es dauert, da nicht alle Anträge auf einmal gestellt werden können, doch die Dynamik erinnert an die 30er-Jahre als 1932 am Höhepunkt die Arbeitslosenquote der USA bei ca. 23% lag. In der Woche endend mit 16. Mai kamen weitere 2,4 Mio. Erstanträge. Das ist schon eine Verlangsamung gegenüber der „Horrorwoche“ vom 28. März mit 6,9 Millionen Anträgen, doch insgesamt brachte die Corona-Krise 38,4 Millionen neue Arbeitslose hervor. Bezogen auf 156,5 Millionen zivile Arbeitsmarktteilnehmer (Erwerbsbeteiligungsquote fiel von 62,7 auf 60,2%, niedrigster Wert seit Jänner 1973) liegt deren Anteil bereits bei 24,5%. Doch aufgrund verwaltungstechnischer Zeitverzögerungen lag im April die Arbeitslosenquote erst bei 14,7%. Auffällig war der Anstieg der Stundenlöhne in der Privatwirtschaft um 7,9% auf durchschnittlich 30,01 USD. Vor allem billige Arbeitsstellen im Dienstleistungssektor (Gastronomie, Einzelhandel…) wurden im Lockdown abgebaut, während man besser bezahlte qualifizierte Mitarbeiter tendenziell ins Homeoffice schickte. Die Folge: Nachfrageeinbußen und ein schwacher privater Konsum.

Katastrophale Quartalsgewinnentwicklung: Per 22. Mai veröffentlichten 95% der S&P 500 Unternehmen Zahlen für das 1. Quartal 2020: Nur noch 64% der Firmen veröffentlichten Gewinne pro Aktie über den Analystenschätzungen, ein Wert, der unter dem 5-Jahresschnitt von 73%. Aggregiert betrachtet lagen die veröffentlichten Gewinne 1,4% über den Analystenerwartungen. Der 5-Jahres-Schnitt liegt bei +4,9%. Für das 1. Quartal wird somit von einem Gewinneinbruch bei den S&P 500 Unternehmen von 14,6% ausgegangen – so die Daten von FactSet. In diesem Quartal dürfte sich der Gewinneinbruch auf -42,9% beschleunigen. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bei 3,9% Umsatzrückgang mit einem Gewinneinbruch von 20,8%. Das 12-Monats-Forward KGV zeigt mit 21 (10Jahres-Schnitt 15,1) enormes Rückschlagpotenzial, zumal sich die Gewinnprognosen tendenziell verschlechtern.

AKTIEN – EUROPA

Die Privatwirtschaft der Eurozone (Produktion u. Dienstleistung) schwächelt weiter, aber nicht mehr so stark wie im April – so eine vorläufige Umfrageauswertung von IHS Markit, die der Erstellung eines viel beachteten Einkaufsmanager-Index dient. Der Flash Eurozone PMI Composite Output Index stieg von April auf Mai von 13,6 auf ein 3-Monats-Hoch von 30,5 Allerdings erfolgt die Erholung von einer niedrigen Basis ausgehend, denn während der Finanzkrise im Februar 2009 war der Index nur auf 36,2 Punkte abgesackt. Aber das Reopening wirkt der Schrumpfung etwas entgegen: Zwar rechnen die Volkswirte von IHS Markit durchaus mit einer Kontraktion des BIP um rund 10% im zweiten Quartal. Doch die Auflockerungen der Corona-Restriktionen sollten einiges abfedern. Der mittelfristige Ausblick ist dabei gar nicht so schlecht für Europa – zumindest laut EU-Kommission. Demnach sollte die EU-Wirtschaft nach 7,5% Schrumpfung im Jahr 2020 im kommenden Jahr wieder um 6% wachsen.

Gewinneinbruch in Europa gewinnt an Dynamik: Laut Refinitiv-Konsens sollten im 1. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 3,7% Umsatzrückgang um 36,1% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -2,3 bzw.       -33,2%. Die Gewinn-Einschätzung hat sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Von den 265 STOXX 600 Unternehmen, die am 19. Mai Gewinne für das erste Quartal bekanntgaben, konnten nur noch 46,8% die Analystenprognosen übertreffen (langjähriger Schnitt liegt bei 50%) Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bereits mit einem Gewinneinbruch um 26,6% im STOXX 600. Noch jeweils um 6,8% bzw.2,4% sollen die Gewinne der Bereiche Versorger und Healthcare wachsen, während der Energiesektor infolge niedriger Ölpreise voraussichtlich einen Gewinneinbruch von 653% erleiden wird. Achtung: Analystenprognosen verändern sich zeitverzögert auf relevante Ereignisse. Es sollte daher voraussichtlich noch schlimmer kommen.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Chinas Regierung verunsichert: Wegen der Corona-Verunsicherung (eventuell zweite Welle) verzichtet Chinas Regierung zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongress in Peking auf eine Zielvorgabe für das Wirtschaftswachstum. Zwar haben sich die Einkaufsmanagerindizes schon längst von ihren Tiefständen erholt, die Produktion fährt hoch und stieg auf Jahresbasis im April um 3,9%, doch Einzelhandelsumsätze gingen noch um 7,5% zurück nach 15,8% Minus im März. Das BIP ist im ersten Quartal um 6,8% geschrumpft, nachdem im Jahr 2019 innerhalb der Vorgabe 6,0 bis 6,5% noch um 6,1% gestiegen ist.

ANLEIHEN

Die vergangenen zwei Wochen unterlagen die Renditen der wichtigsten zehnjährigen Staatsanleihen einer Seitwärtsbewegung. Allerdings gibt es eine eher rückläufige Tendenz in den USA, da die Fed massiv Anleihen aufkauft und die Bilanzsumme entsprechend ausweitet und sich der konjunkturellen Risiken bewusst ist. Binnen zwei Wochen gingen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um zwei Basispunkte auf 0,66% zurück. In Europa hingegen ist die Situation anders. Die Teilniederlage der EZB vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht, das Staatsanleihen Käufe teilweise als verfassungswidrig betrachtet, zwingt die EZB zu noch mehr Zurückhaltung, weshalb die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um fünf Basispunkte auf -0,49% anstiegen. Darüber hinaus zeigen sich in Europa in punkto Corona Beruhigungstendenzen und steigende Chancen auf eine nachhaltige schrittweise Wiederherstellung des Wirtschaftsalltags. In den USA hingegen wütet die Seuche, ebenso in Brasilien und Russland. Trotzdem treibt eine höhere Risikofreude der Anleger die Kurse der Hartwährungs-EM-Bonds nach oben.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. In den vergangenen zwei Wochen gabs bis 21. Mai einen weiteren Rückgang des Spreads von 7,60 auf 7,08 Prozentpunkte.

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Die Ölpreise WTI und Brent sind auf Wochenbasis jeweils 12 bzw. 8% im Plus und erreichten wieder Niveaus von jeweils 33 bzw. 36 US-Dollar nachdem neben in der vergangenen Woche besseren US-Bestandsdaten die International Energy Association (IEA) ihre Nachfrageprognose nach oben revidierte. Darüber hinaus beläuft sich infolge rückläufiger Produktion in den USA und bei den OPEC+ Ländern das Kürzungsvolumen der Ölproduktion auf über 10 Mio. Barrel pro Tag.

WÄHRUNGEN

Die Aussicht darauf, dass sich die EZB nach dem Bundesverfassungs-Urteil noch stärker zurückhalten könnte, stärkte den Euro gegenüber US-Dollar, Schweizer Franken und Yen. Hingegen der australische und neuseeländische Dollar tendierten fester. Anziehende Öl- und Rohstoffpreise sind ein Faktor. So zeigte die Ölwährung norwegische Krone Stärke zum Euro. Der russische Rubel wertete fast 2% auf, südafrikanischer Rand und mexikanischer Peso rund 4% und der brasilianische Real rund 3,5%. Doch die Stärke der genannten Schwellenländerwährungen könnte nur zwischenzeitlich sein, denn die USA wirken aufgrund ihres massiven Geldbedarfs (geplantes Treasury-Emissionsvolumen von ca. 3,7 Billionen Dollar binnen 5 Monaten) wie ein Geldschwamm, der den Schwellenländern das benötigte Geld „absaugt“. Es wird viel Geld in den US-Dollar fließen, erwartungsgemäß wohl zum Leidwesen der Emerging-Markets.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

25.05.:

Japan: Führender Wirtschaftsindex Deutschland: BIP u. ifo-Geschäftsklimaindex

26.05.:

USA: Verbrauchervertrauen Conference Board

27.05.:

EUR: Finanzmarktstabilitätsbericht USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand

28.05.:

EUR: Geschäftsklimaindex USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, BIP annualisiert, Nicht militärische Investitionsgüter Aufträge ohne Flugzeuge; Konsumausgaben, Auftragseingänge langlebige Güter

29.05.

Japan: Industrieproduktion u. Einzelhandelsumsätze, Inflationsdaten USA: Chicago Einkaufsmanagerindex; Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen; Persönliches Einkommen u. Privatausgaben

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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