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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC – Weekly KW 23

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

USA vor Bürgerkrieg: 104.000 Corona-Tote und über 40 Millionen neue Arbeitslose bedeuten politischen Sprengstoff. Es begann in Minneapolis mit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz. Ein Polizist drückte dessen Kopf minutenlang auf die Straße, trotz Flehen von Floyd, dass er keine Luft mehr bekäme. Der Polizist wurde wegen Totschlags angeklagt. Die Protestierenden hingegen fordern unter anderem eine Anklage wegen Mordes sowie die Festnahme der drei anderen beteiligten Polizisten. Nach 6 Nächten mit mittlerweile Randalen in 25 Städten, Bildern von brennenden Geschäften u. Fahrzeugen, Plünderungen und Strassenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten rückt die Nationalgarde in 15 Bundesstaaten der USA aus. Gleichzeitig eskaliert der Konflikt zwischen USA und China rund um das Hongkong-Gesetz. China droht den USA mit harten Gegenmaßnahmen, sollten sie die Interessen der Volksrepublik verletzen. Erster Schritt: Angeblich haben chinesische Regierungsvertreter staatlichen Agrarkonzernen angeordnet, den Einkauf mancher amerikanischer Landwirtschaftsgüter wie Sojabohnen und Schweinefleisch zu unterbrechen. Indessen spitzt sich der Grenzkonflikt zwischen Indien und China zu. Indien warf China vor, seine Truppen an regulären Patrouillen entlang der De-facto-Grenze im Himalaya-Gebiet gehindert zu haben. Kurz zuvor hat die Chinesische Zentralbank Anteile am großen indischen Kreditinstitut HDFC übernommen.

US-Wirtschaft schrumpft stärker als ursprünglich erwartet: Die erste Schätzung vor einem Monat ging noch von einer annualisierten Schrumpfung der US-Wirtschaftsleistung in Höhe von 4,8% aus. Die neue Berechnung ergab sogar ein Minus von 5%. Das ist die stärkste Quartalsschrumpfung seit dem Minus von 8,4% im vierten Quartal 2008 während der Finanzkrise. Für das laufende rechnen Volkswirte mit einer annualisierten Schrumpfung um 40% im Quartalsabschnitt, was der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947 wäre.

Binnen 10 Wochen über Mio. Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA: Es dauert, da nicht alle Anträge auf einmal gestellt werden können, doch die Dynamik erinnert an die 30er-Jahre als 1932 am Höhepunkt die Arbeitslosenquote der USA bei ca. 23% lag. In der Woche endend mit 23. Mai kamen weitere 2,1 Mio. Erstanträge (Vorwoche 2,4 Mio.). Das ist schon eine Verlangsamung gegenüber der „Horrorwoche“ vom 28. März mit 6,9 Millionen Anträgen, doch insgesamt brachte die Corona-Krise 40,5 Millionen neue Arbeitslose hervor. Bezogen auf 156,5 Millionen zivile Arbeitsmarktteilnehmer (Erwerbsbeteiligungsquote fiel im April von 62,7 auf 60,2%, niedrigster Wert seit Jänner 1973) wären dies 25,9%. Doch aufgrund verwaltungstechnischer Zeitverzögerungen und zwischenzeitlicher Veränderungen des Status (neue Beschäftigung) lag im April die Arbeitslosenquote erst bei 14,7%. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten die Arbeitslosenquoten der 30er-Jahre überschritten werden.

Katastrophale Quartalsgewinnentwicklung und Abwärtsrevision zukünftiger Gewinne: Per 29. Mai veröffentlichten 97% der S&P 500 Unternehmen Zahlen für das 1. Quartal 2020: Nur noch 64% der Firmen veröffentlichten Gewinne pro Aktie über den Analystenschätzungen, ein Wert, der unter dem 5-Jahresschnitt von 73% liegt. Aggregiert betrachtet lagen die veröffentlichten Gewinne 1,5% über den Analystenerwartungen. Der 5-Jahres-Schnitt liegt bei +4,9%. Für das 1. Quartal wird somit von einem Gewinneinbruch bei den S&P 500 Unternehmen von 14,6% ausgegangen – so die Daten von FactSet. Das wäre der stärkste Gewinneinbruch seit dem dritten Quartal 2009 (-15,7%). Die Analystenprognosen hinken der „neuen Realität“ immer weiter hinterher: Der Aggregierte Medianwert der Gewinnprognosen für die S&P 500 Unternehmen ist laut Datenanbieter FactSet in den ersten zwei Monaten des zweiten Quartals um 35,9% auf 23,67 USD eingebrochen. In den vergangenen 40 Quartalen lag die durchschnittliche Abwärtsrevision der Gewinnprognosen innerhalb der ersten beiden Monate eines Quartals nur bei 2,4%. Somit erleben wir die größte Abwärtsrevision seit der Finanzkrise (Q1 2009). Alle elf Sektoren waren von der Zurücknahme der Gewinnprognosen betroffen, am stärksten die Bereiche Energie (-524%), Nicht-Basiskonsumgüter (-112%) und Industrieprodukte (-78%). In diesem Quartal dürfte sich der Gewinneinbruch auf -43,1% beschleunigen. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bei 4,0% Umsatzrückgang mit einem Gewinneinbruch von 21,1%. Das 12-Monats-Forward KGV zeigt mit 21,5 (10Jahres-Schnitt 15,1) enormes Rückschlagpotenzial, zumal sich die Gewinnprognosen tendenziell verschlechtern.

AKTIEN – EUROPA

Das BIP im Euroraum ist im Vorjahresvergleich im ersten Quartal um 3,2% (EU: -2,6%) gesunken. Von den Staaten die Daten übermittelten wiesen 11 eine schrumpfende Wirtschaftsleistung auf und 8 eine Expansion. Besonders stark war die Kontraktion in Frankreich (-5,4%), Italien (-4,8%), Spanien und der Slowakei (jeweils 4,1%). Experten der EZB schließen im laufenden Quartal selbst eine zweistellige Schrumpfung der Wirtschaftsleistung nicht aus.

Gewinneinbruch in Europa gewinnt an Dynamik: Laut Refinitiv-Konsens sollten im 1. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 3,6% Umsatzrückgang um 36,8% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -2,2 bzw. -33,9%. Die Gewinn-Einschätzung hat sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Von den 267 STOXX 600 Unternehmen, die bis 26. Mai Gewinne für das erste Quartal bekanntgaben, konnten nur noch 46,4% die Analystenprognosen übertreffen (langjähriger Schnitt liegt bei 50%) Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bereits mit einem Gewinneinbruch um 28,1% im STOXX 600. Noch jeweils um 6,1% bzw. 2,0% sollen die Gewinne der Bereiche Versorger und Healthcare wachsen, während der Energiesektor infolge niedriger Ölpreise voraussichtlich einen Gewinneinbruch von 68,5% erleiden wird. Achtung: Analystenprognosen verändern sich zeitverzögert auf relevante Ereignisse. Es sollte daher voraussichtlich noch schlimmer kommen.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Chinas Wirtschaft setzt Erholung fort: Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Wirtschaftsmagazins „Caixin“ vollzog im Mai den größten Sprung seit über neun Jahren und stieg von 48,4 auf 50,7 Punkte. Dieser Index ist stärker auf private und mittelständige Unternehmen fokussiert. Hingegen die primären Staatsbetriebe umfassende amtliche PMI entwickelte sich leicht rückläufig, befand sich mit über 50 Punkten aber noch leicht im Expansionsbereich. Bremsend zeigten sich noch immer die Exportaufträge, die unter einer niedrigeren Auslandsnachfrage leiden. Positiv entwickelte sich der Dienstleistungsbereich. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex stieg von April auf Mai von 53,2 auf 53,6 Punkte.

ANLEIHEN

Die vergangenen zwei Wochen unterlagen die Renditen der wichtigsten zehnjährigen Staatsanleihen einer Seitwärtsbewegung. Es gab keine weiteren großen Programme mehr. Erwartungsgemäß gingen weltweit die Inflationsraten im Einklang mit sinkenden Ölpreisen zurück. Die Fed kauf nach wie vor im Rekordtempo Anleihen, während sich die EZB insbesondere in punkto weiterer Programme in Zurückhaltung übt. Dafür ausschlaggebend ist u.a. die Teilniederlage der EZB vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht, das Staatsanleihenkäufe teilweise als verfassungswidrig betrachtet. In den vergangenen zwei Wochen bis 29. Mai blieben die Renditen zehnjähriger US-Treasuries fast unverändert bei 0,65%. Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen haben indessen leicht angezogen von -0,49 auf -0,45%. Auf Monatsbasis um 31 BP auf 1,44% gingen die Renditen italienischer Staatstitel zurück vgl. mit -65 BP auf 1,46% bei griechischen. Auch portugiesische und spanische Anleihen waren im Aufwind, während jene des ehemaligen Hartwährungsblocks unter Druck stehen. In Europa zeigen sich in punkto Corona Beruhigungstendenzen und steigende Chancen auf eine nachhaltige schrittweise Wiederherstellung des Wirtschaftsalltags. In den USA hingegen wütet die Seuche, ebenso in Brasilien und Russland. Trotzdem treibt eine höhere Risikofreude der Anleger die Kurse der Hartwährungs-EM-Bonds nach oben.

 

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. In den vergangenen zwei Wochen gabs bis 31. Mai einen weiteren Rückgang des Spreads von 7,41 auf 6,54 Prozentpunkte.

 

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Der Goldpreis zeigte sich in den vergangenen Wochen stabil, während der Silberpreis charttechnisch nach oben ausbrach. Die Rahmenbedingungen in Form von niedrigen Zinsen und anhaltenden Unsicherheiten (Unruhen und Corona) stützen Edelmetalle. Darüber hinaus gab der vielbeachtete Report von Incrementum „In Gold we trust“ ein neues Kursziel beim Goldpreis heraus, nämlich 4800 USD/Unze bis Ende des Jahrzehnts. Besonders stark stiegen an der COMEX zuletzt die Netto-Longpositionen Silber um 54,5% auf 21.117 Kontrakte – was einen Ausbruch nach oben noch zusätzlich unterstützt.

WÄHRUNGEN

Die Aussicht darauf, dass sich die EZB nach dem Bundesverfassungs-Urteil noch stärker zurückhalten könnte, stärkte weiterhin den Euro gegenüber US-Dollar, Schweizer Franken und Yen. Der Schweizer Franken verlor im aktuellen Aktienaufschwung als Krisenwährung an Attraktivität, während die USA wegen Corona und innerer Unruhen größere Probleme haben. Hingegen der australische und neuseeländische Dollar tendierten weiterhin fester. Anziehende Öl- und Rohstoffpreise sind ein Faktor. So zeigte die Ölwährung Norwegische Krone anhaltende Stärke zum Euro. Der russische Rubel und der brasilianische Real werteten erneut leicht auf. Doch die Stärke der genannten Schwellenländerwährungen könnte nur zwischenzeitlich sein, denn die USA wirken aufgrund ihres massiven Geldbedarfs (geplantes Treasury-Emissionsvolumen von ca. 3,7 Billionen Dollar binnen fünf Monaten) wie ein Geldschwamm, der den Schwellenländern das benötigte Geld „absaugt“. Es wird viel Geld in den US-Dollar fließen, erwartungsgemäß wohl zum Leidwesen der Emerging-Markets. Hingegen zwischen Euro und USD herrscht eine Art „Gleichgewicht des Schreckens“.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

01.06.2020

China: Caixin PMI Produktion USA: ISM verarbeitendes Gewerbe; Markit PMI Herstellung;

02.06.2020

USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand

03.06.2020

Caixin China PMI Dienstleistungen EUR: Markit PMI Gesamtindex, Arbeitslosenquote USA: Markit PMI Gesamtindex, ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe

04.06.2020

EUR: EZB-Zinssatzentscheidung u. Pressekonferenz, Einzelhandelsumsätze USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, Lohnstückkosten;

05.06.2020

Japan: Führender Wirtschaftsindex USA: Erwerbsbeteiligungsquote, Arbeitslosenquote, durchschnittliche Stundenlöhne,

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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