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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC WEEKLY KW 24

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

USA vor Bürgerkrieg: 110.500 Corona-Tote und über 42 Millionen neue Arbeitslose (Summe erstmaliger Antragsteller auf Arbeitslosenunterstützung seit Anstieg im März) bedeuten politischen Sprengstoff: Es begann in Minneapolis mit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz. Ein Polizist drückte dessen Kopf minutenlang auf die Straße, trotz Flehen von Floyd, dass er keine Luft mehr bekäme. Der Polizist wurde wegen Totschlags angeklagt. Die Protestierenden hingegen fordern unter anderem eine Anklage wegen Mordes sowie die Festnahme der drei anderen beteiligten Polizisten. Nun laufen bereits 2 Wochen Proteste quer durch die USA und haben auch zahlreiche Länder außerhalb der USA inklusive sogar Österreich ergriffen. Der Widerstand gegen Trumps Krisenmanagement während der Protestaktionen wächst – selbst in den eigenen Reihen, während sich in der Außenpolitik im Zuge eines Konfliktes rund um die Hongkong-Gesetze die Beziehungen USA-China zunehmend verschlechtern. China hat den Import amerikanischer Agrarprodukte gestoppt. Die Handelsvolumina China-USA schrumpfen, denn seit Anfang 2018 stiegen die Zölle auf US-Importe in China von 8,0 auf 20,3% und die US-Zölle für Chinawaren von 3,1 auf 19,3%. Positiv hingegen sind die Bemühungen von China und Indien zur friedlichen Beilegung des Grenzkonfliktes, während sich die Beziehungen Indien-Pakistan durch den Abschuss einer Aufklärungsdrohne über Pakistan erneut verschlechterten.

Die Aktivitäten der US-Industrie hatten sich schwächer als erwartet erholt: Der vom Institute for Supply Management (ISM) berechnete Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes erhöhte sich von 41,5 auf 43,1 Punkte. Doch die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen rechneten mit einem Anstieg auf 44 Punkte. Positiv ist eine Verbesserung der Unterindizes für Neuaufträge (von 27,1 auf 31,8 Punkte gestiegen) und Beschäftigung (stieg von 27,5 auf 32,1 Punkte). Auch Produktionsmenge und Preise zeigten nach oben. Hingegen besser als erwartet um 3,6 auf 45,4 Punkte stieg der ISM Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor.

Arbeitsmarkt normalisiert sich schneller als erwartet: Die Wirtschaft fährt nach dem Lockdown wieder kräftig hoch. Der US-Arbeitsmarkt ist äußerst flexibel. Vor allem in der Gastronomie kehren die Mitarbeiter wieder reihenweise zurück. Und entsprechend war auch die positive Überraschung: Die Arbeitslosenquote ist von 14,7% im April auf 13,3% im Mai gesunken. Außerhalb der Landwirtschaft wurden ca. 2,5 Mio. neue Stellen geschaffen. Im April gingen noch revidiert 20,7 Mio. Jobs verloren. Insgesamt ging die Anzahl der amtlichen Arbeitslosen um ca. 2,1 auf 21 Mio. zurück. Der Großteil davon, 14,8 Mio., ist erst fünf bis 14 Wochen arbeitslos, die zweitgrößte Gruppe von 3,9 Mio. weniger als 5 Wochen. Während die Jobverluste im Staatsdienst noch auf hohem Niveau blieben, zeigte sich im Bereich Freizeit/Fremdenverkehr die Flexibilität des Arbeitsmarktes: Lagen im April dort die Jobverluste noch bei 7,5 Mio., so wurden im Mai wieder 1,2 Mio. Mitarbeiter neu eingestellt. Im Bereich Gastronomie/Ausschank kamen 1,4 und im Bau 0,46 Mio. neue Jobs hinzu. Die Produktionswirtschaft hat 0,23 Mio. neue Stellen geschaffen. Die Normalisierung zeigt erste Wirkung, aber es gibt auch kritische Stimmen, die diese Zahlen anzweifeln. Der weitere Trend der kommenden Monate wird zeigen, wer recht behält.

Rasante Abwärtsrevision zukünftiger Gewinne: Der Analystenkonsens von FactSet geht im S&P 500 für das 2. Quartal 2020 bereits von einem Gewinneinbruch um 43,3% aus, was auf Jahresbasis der stärkste Rückgang seit dem 4. Quartal 2008 (damals -69,1%) wäre. Was aktuell auffällt ist das rasante Tempo der Abwärtsrevision der Gewinnprognosen. Noch am 31. März rechneten Analysten für das 2. Quartal 2020 nur mit einem Rückgang um 13,5%. Konkret wurden die Gewinne für das 2. Quartal bereits um 35,9% nach unten revidiert. In den vergangenen 40 Quartalen lag die durchschnittliche Abwärtsrevision der Gewinnprognosen innerhalb der ersten beiden Monate eines Quartals nur bei 3,4%. Somit erleben wir die größte Abwärtsrevision seit der Finanzkrise (Q8 2008). Für das 3. Quartal rechnen Analysten bei einem Umsatzrückgang um 5,8% mit einem Gewinneinbruch um gut ein Viertel. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Gewinneinbruch von 21,3% erwartet. Somit liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 22,1 weit über dem 10-Jahresschnitt, was im aktuell unsicheren Umfeld erhöhtes Verlustpotenzial am Aktienmarkt bedeutet.

AKTIEN – EUROPA

Der finale Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft der Eurozone, der IHS Market Eurozone Composite PMI“ stieg zwar von April auf Mai von 13,6 auf 31,9 und liegt sogar über der Vorabschätzung von 30,5 Punkten, doch der Wert liegt noch immer im Kontraktionsbereich von unter 50. Bereits im ersten Quartal ist das BIP im Euroraum um 3,2% geschrumpft. Für den zweiten Quartalsabschnitt erwarten die Experten von IHS Market einen Rückgang von fast 9%.

Gewinneinbruch in Europa gewinnt an Dynamik: Laut Refinitiv-Konsens sollten im 1. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 3,6% Umsatzrückgang um 37% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -2,2 bzw.       -34,1%. Die Gewinn-Einschätzung hat sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Von den 273 STOXX 600 Unternehmen, die bis 2. Juni Gewinne für das erste Quartal bekanntgaben, konnten nur noch 46,5% die Analystenprognosen übertreffen (langjähriger Schnitt liegt bei 50%) Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bereits mit einem Gewinneinbruch um 29% im STOXX 600. Noch jeweils um 6,0% bzw. 1,5% sollen die Gewinne der Bereiche Versorger und Healthcare wachsen, während der Energiesektor infolge niedriger Ölpreise voraussichtlich einen Gewinneinbruch von 70,7% erleiden wird. Achtung: Analystenprognosen verändern sich zeitverzögert auf relevante Ereignisse. Es sollte daher voraussichtlich noch schlimmer kommen.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Chinas Wirtschaft expandiert wieder: Erstmals seit vier Monaten befindet sich Chinas Dienstleistungssektor wieder auf Expansionskurs. Der Caixin China General Service Business Activity Index stieg von April auf Mai von 44,4 auf 55 Punkte. Die Expansionsgrenze liegt bei 50 Punkten. Noch im Februar erreichte der Index ein Rekordtief bei 26,5 Punkten. Ebenfalls expandiert hat die Produktionswirtschaft. Der Caixin China Composite Output Index stieg von 49,4 auf 50,7 Punkte und der Gesamtindex für Produktion und Dienstleistung, Caixin China Composite Output Index von 47,6 auf 54,5 Punkte. Fazit: Der Corona-Spuk in China ist beendet, die Wirtschaft wieder normalisiert.

ANLEIHEN

Ein Jobwunder in den USA, Chinas Rückkehr auf den Wachstumspfad und die EZB hat bereits ihr Pulver mit jüngsten Maßnahmen verschossen – Die Antwort der Bondmärkte darauf erscheint einleuchtend und tatsächlich steigen die Renditen hochwertiger Staatsanleihen auf breiter Front: Binnen einer Woche stiegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 0,65 auf 0,92% und in Europa geht es bei den Staatsanleihen mit gutem Rating ebenfalls mit den Renditen nach oben – und wen wundert es, denn: Die EZB hat vergangenen Donnerstag folgendes angekündigt: „Der Umfang des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) wird um 600 Mrd € auf insgesamt 1 350 Mrd € erweitert. Die Ankäufe werden auch weiterhin flexibel über den Zeitverlauf, die Anlageklassen und die Länder hinweg durchgeführt. Dies ermöglicht es dem EZB-Rat, Risiken für die reibungslose Transmission der Geldpolitik wirksam abzuwehren“. Gleichzeitig verlängerte die EZB den Zeithorizont für die Nettoankäufe im Rahmen des PEPP bis mindestens Ende Juni 2021. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen zog um 20 Basispunkte auf -0,29% an, französische Papiere mit gleicher Laufzeit weisen mit 0,06% bereits wieder eine positive Rendite auf während die Renditen italienischer und griechischer Papiere im Monatsvergleich um jeweils 43 bzw. 81 Basispunkte auf je 1,42 bzw. 1,34% für dieses unsichere Umfeld eigentlich dramatisch zurückgingen. Indessen sind mit steigender Risikofreude der Anleger die Kurse von Hartwährungsanleihen der Schwellenländer deutlich angestiegen.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries waren bereits in den vergangenen Wochen infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. Nun kamen noch die Nachrichten aus China und vom US-Arbeitsmarkt. Die Folge: Die Spreads gingen vergangene Woche von 6,54 weiter auf 5,83 Prozentpunkte (04.06.) zurück.

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Die starken Konjunkturnachrichten aus China und das „Corona-Jobwunder“ in den USA hatten natürlich auch Einfluss auf die Rohstoffpreise. Überproportional in zweistelliger Größenordnung stiegen dabei die Ölpreise, beflügelt durch rückläufige US-Ölproduktion und die Aussichten einer verlängerten Produktionsdrosselung der OPEC. Auf der Buntmetallseite schnellten die Preise für Kupfer, Zinn, Nickel, Blei und Primäraluminium empor, während die Edelmetallpreise zu einer Konsolidierung ansetzten. Letztere ist auf die gute Stimmung am Aktienmarkt zurückzuführen. Gold verliert derzeit als Kriseninvestment etwas an Bedeutung.

WÄHRUNGEN

Nachdem die EZB offensichtlich ihr Pulver weitgehend verschossen hat, erstarkte der Euro gegenüber US-Dollar und Yen. Hingegen der Schweizer Franken konsolidiert im Einklang mit der guten Aktienstimmung und steigenden Risikofreude, da er derzeit als Krisenabsicherung nicht benötigt wird. Indessen mit steigenden Rohstoffpreise im Aufwind sind diverse Rohstoffwährungen wie australischer Dollar, russischer Rubel, südafrikanischer Rand, brasilianisches Real und mexikanischer Peso. Hingegen die türkische Lira tendiert erneut schwächer.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

08.06.:

Japan: BIP EUR: Rede der EZB Präsidentin Lagarde

09.06.:

USA: API wöchentlicher Rohöllagerbestand EUR: BIP

10.06.:

China: Inflation USA: Inflation, Fed-Zinssatzentscheidung u. Pressekonferenz,

11.06.:

EUR: Treffen der Eurogruppe USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, Treasury-Auktionen

12.06.

Japan: Industrieproduktion UK: BIP, Industrieproduktion EUR: Industrieproduktion USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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