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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC Weekly KW 25

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

USA: Über 44 Millionen neue Arbeitslose und neue Proteste: Kaum hatte die globale Protestwelle nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz bereits etwas abgeflaut, keimen nach der Erschießung eines weiteren Afroamerikaners durch die Polizei erneute Proteste auf: Am Freitagabend schlief ein Afroamerikaner in seinem Auto ein und blockierte den Drive-In-Bereich eines Fast-Food-Restaurants. Dieser widersetzte sich der Festnahme, nachdem er einen Alkoholtest nicht bestanden habe und wurde auf der Flucht erschossen. Die Proteste eskalierten, die Polizeichefin von Atlanta trat zurück und das Fast-Food-Restaurant der Festnahme ging in Flammen auf. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Corona-Fälle in den USA auf über 2,07 Millionen und am Mittwoch malte die Fed ein düsteres Konjunkturbild: Heuer soll die US-Wirtschaftsleistung um 6,5% zurückgehen ehe in den beiden Folgejahren wieder ein Wachstum von je 5,0 bzw. 3,5% folgt. Nachdem nun mittlerweile seit März ca. 44 Millionen neue Arbeitslose hinzukamen, sollte die Erholung schnell den Arbeitsmarkt wieder normalisieren. Bis 2021 soll die AL-Quote wieder auf 9,3% zurückgehen. Indessen verkündete Fed-Chef, Jerome-Powell, dass das Leitzinsniveau voraussichtlich bis Ende 2022 nahe 0% verharren sollte. Geopolitisch für Spannungen zwischen USA und China sorgte, dass der Zerstörer USS-Russel vergangene Woche die Straße von Taiwan befuhr. Die USA schicken regelmäßig Kriegsschiffe Richtung China.

Angespannte Situation am US-Arbeitsmarkt: Binnen 12 Wochen summierte sich die Anzahl der wöchentlich veröffentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA auf knapp 44 Mio. Der Höhepunkt mit 6,867 Mio. Anträgen fiel auf die Woche vom 28. März. Seither ging es wieder kontinuierlich bergab und zuletzt per 30.05. nur noch 1,877 Mio. Anträge – erstmals seit Mitte März weniger als 2,0 Mio.. Die Woche darauf folgte ein weiterer Rückgang um 1,542 Mio.. Die Zahl der laufenden Anträge sank im Wochenvergleich von ca. 21,3 auf 20,9 Mio. Arbeitslose. Die Erwerbsbeteiligungsquote der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter stieg von April auf Mai von 60,2 auf 60,8%, liegt aber noch immer unter dem März-Wert von 62,7%. Die zivile Arbeitsbevölkerung ist von 156,481 auf 158,227 Mio. gestiegen. Nimmt man dies als Basis für die laufenden Anträge, so würde alleine diese Gruppe davon 13,2% ausmachen. Nimmt man die 44 Millionen als Basis wären es 27,8%. Im Vergleich dazu lag die US-Arbeitslosenquote am Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932 bei ca. 23%. Entsprechend negativ waren für die Arbeitsmarktdaten die vorvergangenen Freitag (5. Juni) veröffentlicht wurden, die Erwartungen der Volkswirte, die von einem Anstieg der Arbeitslosenquote von April auf Mai von 14,7 auf 19,8% ausgingen. Tatsächlich ist die Arbeitslosequote wieder auf 13,3% gesunken. Vor allem in den Gastronomie/Freizeit-Bereich kehren die Arbeitnehmer wieder schrittweise zurück.

Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan ist von Mai auf Juni von 72,3 auf 78,9 Punkte gestiegen: Somit lag es über den Analystenerwartungen von 75 Punkten. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch Zukunftserwartungen haben sich verbessert. Vor allem bei den Republikanern ist der Optimismus groß.

Rasante Abwärtsrevision zukünftiger Gewinne: Der Analystenkonsens von FactSet geht im S&P 500 für das 2. Quartal 2020 bereits von einem Gewinneinbruch um 43,5% aus, was auf Jahresbasis der stärkste Rückgang seit dem 4. Quartal 2008 (damals -69,1%) wäre. Was aktuell auffällt ist das rasante Tempo der Abwärtsrevision der Gewinnprognosen. Noch am 31. März rechneten Analysten für das 2. Quartal 2020 nur mit einem Rückgang um 13,5%. Alle Sektoren waren von Abwärtsrevisionen betroffen. Konkret wurden die Gewinne für das 2. Quartal bereits um 36,2% nach unten revidiert. In den vergangenen 40 Quartalen lag die durchschnittliche Abwärtsrevision der Gewinnprognosen innerhalb der ersten beiden Monate eines Quartals nur bei 3,4%. Somit erleben wir die größte Abwärtsrevision seit der Finanzkrise (Q4 2008). Für das 3. Quartal rechnen Analysten bei einem Umsatzrückgang um 5,5% mit einem Gewinneinbruch um gut ein Viertel. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Gewinneinbruch von 21,4% erwartet. Somit liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 21,2 weit über dem 10-Jahresschnitt von 15,1, was im aktuell unsicheren Umfeld erhöhtes Verlustpotenzial am Aktienmarkt bedeutet.

AKTIEN – EUROPA

Die volkswirtschaftlichen Prognosen der EZB sind zwischenzeitlich massiv gesenkt worden: Das Wirtschaftswachstum im Euroraum soll nach 1,2% im Jahr 2019 heuer um 8,7% sinken ehe es die kommenden beiden Jahre um je 5,2 bzw. 3,3%. Es wird vor allem im Warenhandel mit Schrumpfungen gerechnet.

 

Gewinneinbruch in Europa gewinnt an Dynamik: Laut Refinitiv-Konsens sollten im 1. Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 3,6% Umsatzrückgang um 37,7% einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -2,2 bzw. -34,9%. Die Gewinn-Einschätzung hat sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Von den 274 STOXX 600 Unternehmen, die bis 9. Juni Gewinne für das erste Quartal bekanntgaben, konnten nur noch 46,4% die Analystenprognosen übertreffen (langjähriger Schnitt liegt bei 50%) Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten bereits mit einem Gewinneinbruch um 29,8% im STOXX 600. Noch jeweils um 5,9% bzw. 1,1% sollen die Gewinne der Bereiche Versorger und Healthcare wachsen, während der Energiesektor infolge niedriger Ölpreise voraussichtlich einen Gewinneinbruch von 71,4% erleiden wird. Achtung: Analystenprognosen verändern sich zeitverzögert auf relevante Ereignisse. Es sollte daher voraussichtlich noch schlimmer kommen.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Überschaubarer Rückgang des Außenhandels aber neue Corona-Sorgen in China: Kaum hat sich Chinas Wirtschaftsaktivität wieder normalisiert, wird der höchste Anstieg bei Corona-Neuinfektionen seit April registriert. Die Angst vor einer zweiten Welle nimmt zu. Die Wirtschaftsdaten bleiben erfreulich und die OECD rechnet 2020 für China nur mit einer BIP-Schrumpfung von 3,7% vgl. mit minus 8,5% in den USA. Selbst der sensible Exportbereich fällt im Mai langsamer als erwartet. Während die Exporte Chinas nur um 3,3% zurückgingen, brachen die Importe um 16,7% ein woraus bei Handelsüberschuss ein Rekordwert von 52,93 Mrd. USD resultiert. Der Handel mit den USA fiel um 12,7% – Exporte um 14,3% und Importe um 7,6%. Umgekehrt der Handel mit der EU, der um 7,3% schrumpfte (Exporte -4,1%; Importe um -11,8%).

ANLEIHEN

Die Fed malte ein düsteres Bild der Konjunktur, während weltweit die Corona-Fälle stark im Aufwind sind und China bereits von einer 2. Welle spricht. Angesichts dramatisch schlechter Wirtschaftsaussichten für die USA kündigte Fed-Präsident, Jerome Powell, an, dass sich die Leitzinsen wohl noch bis Ende 2022 bei nahe 0% bewegen sollten. Fast gleichzeitig keimten in den Medien Gerüchte einer Projektgruppe der EZB auf, die die Einrichtung einer Bad Bank vorbereiten sollte. Dieses Konzept soll dann umgesetzt werden, wenn sich der Abschwung im Euroraum weiter beschleunigt und wegen steigender Arbeitslosigkeit Kredite in größerem Umfang ausfallsgefährdet werden. Bereits jetzt gelten in Europa Kredite im Volumen von über 500 Mrd € als gefährdet und laut EZB-Insidern kursieren Befürchtungen, dass sich diese Summe auf eine Billion Euro ausweiten könnte. Die Antwort der Bondmärkte darauf war ein Rückgang der Renditen hochwertiger Staatsanleihen auf breiter Front: Binnen einer Woche fielen die Renditen zehnjähriger US- Treasuries von 0,92 auf 0,70% und in Europa geht es bei den Staatsanleihen mit gutem Rating ebenfalls mit den Renditen nach unten. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen fiel von -0,29 um 15 BP auf -0,44%, französische Papiere mit gleicher Laufzeit weisen mit -0,04% bereits wieder eine negative Rendite auf, während die Renditen italienischer und griechischer Papiere im Monatsvergleich um jeweils 37 bzw. 77 Basispunkte auf je 1,44 bzw. 1,25% für dieses unsichere Umfeld eigentlich dramatisch zurückgingen. Indessen sind mit steigender Risikofreude der Anleger die Kurse von Hartwährungsanleihen der Schwellenländer deutlich angestiegen.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries waren bereits in den vergangenen Wochen infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. Nun kamen noch die Nachrichten aus China und vom US-Arbeitsmarkt. Die Folge: Die Spreads gingen vergangene Woche von 6,54 weiter auf 5,83 Prozentpunkte (04.06.) zurück. Doch die tendenziell eher negative Konjunkturnachrichten führten bis 11. Juni wieder zu einer Gegenbewegung auf 6,40 Prozentpunkte.

 

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Die Meldungen der Fed führten nach jüngster Erholung der Preise für Industrierohstoffe wieder zu einer zumindest leichten Gegenbewegung auf breiter Front. Hingegen die Ölpreise Brent und WTI gerieten auf höherem Niveau etwas stärker unter Druck. Beim Goldpreis hingegen sprechen zunehmend mehr charttechnische Faktoren und die Ausweitung der Geldmengen der Notenbanken für einen raschen Anstieg, während bei diversen Agrarrohstoffen die Witterungsbedingungen (wegen Ernten) ausschlaggebend sind.

WÄHRUNGEN

Rückkehr zum Krisenmodus: Gold stieg, die Aktien gerieten am Donnerstag massiv unter Druck und schon stellt sich am Devisenmarkt ein alter Krisenmodus ein. Neben Franken tendierten US-Dollar und Yen zum Euro fester. Amerikanische und japanische Institutionen verkaufen Auslands-Assets und tauschen den Erlös in Heimatwährung. Indessen schwächer waren der australische und kanadische Dollar. Die Carrytrade-Anlagewährungen, mexikanischer Peso, südafrikanischer Rand, russischer Rubel und türkische Lira tendierten leichter bis schwächer nachdem die Risikofreude der Anleger wieder etwas nachließ.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

15.06.2020

China: Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion

16.06.2020

Japan: BoJ Zinssatzentscheidung u. Statement EUR: ZEW Konjunkturerwartungen USA: Einzelhandelsumsätze, Controlling des Einzelhandels, Anhörung Fed-Präsident Powell, Industrieproduktion

17.06.2020

EUR: Inflation

18.06.2020

Schweiz: SNB Pressekonferenz USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly-Fed-Herstellungsindex

19.06.2020

Japan: Inflationsdaten USA: Fed Powell Rede; EUR: Tagung des Europäischen Rates, Leistungsbilanz

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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