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Privatconsult - Vermögensberatung GmbH Wien

PC – Weekly KW 27

Marktdaten / Marktüberblick

AKTIEN – USA

Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am vergangenen Freitag mit ca. 9,7 Millionen neue Rekordwerte, wobei in den USA die Zahl bereits auf 2,4 Millionen anstieg. Gleichzeitig hat der IWF die globale Wachstumsprognose für 2020 gegenüber April weiter nach unten revidiert. Nun soll die Weltwirtschaftsleistung um 4,9% anstatt 3,0% schrumpfen ehe der IWF 2021 wieder von einem Wachstum in Höhe von 5,4% (-0,4PP gegenüber April) ausgeht. Für die USA rechnet der IWF mit einer Schrumpfung um 8% und demgegenüber 2021 mit einer nur moderaten Erholung um 4,5%. Hingegen China sollte nach einer Wachstumsdelle (1% 2020) im kommenden Jahr ein BIP-Wachstum von 8,2% erreichen. Daraus resultiert ein potenzieller weiterer handelspolitischer Sprengstoff. Bereits am vergangenen Dienstag verunsicherte eine aus dem Zusammenhang gerissene Aussage des Handelsberaters Peter Navarro die Anleger, es könne der Handelskonflikt mit China eskalieren. Doch US-Präsident, Donald Trump, stelle sich hinter das Handelsabkommen. Trotzdem bleiben die Beziehungen USA-China angespannt: Im Streit um die Autonomie Hongkongs verhängen die USA Visa-Restriktionen gegen führende Mitglieder von Chinas Kommunistischer Partei. Gleichzeitig sind im Pazifik nahe China aktuell mehrere US-Flugzeugträger unterwegs, die seit Tagen Manöver durchführen, worauf nun China für „strategischen Missverständnissen“ und einer Konfrontation warnt.

US-Konsumausgaben erholen sich: Die Monatsvergleiche zeigen volatile Sprünge: Nach einem Rekordrückgang im April von 12,6% waren im Mai die Konsumausgaben um 8,2% höher als im Vormonat – gleich ein Rekordanstieg. Staatliche Unterstützungszahlungen in der Corona-Krise führten dazu, dass die Einnahmen im April gegenüber März um 10,8% stiegen. Neue Hoffnungen beflügelten den Konsum. Allerdings fehlt es den US-Firmen und Händlern an Pricing-Power. Das erkennt man daran, dass die Kerninflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel auf 1% stagnierte während die Fed eine Inflationsrate von 2% anstrebt.

Auftragsschub in US-Industrie: Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Bestellungen für langlebige Gebrauchsgüter wie Flugzeuge oder Maschinen um 15,8%. Volkswirte rechneten nach 18,1% Rückgang im April nur mit einer Erholung von 10,9%. Analysten sehen bereits für die Industrie die Talsohle durchschritten.

Stärkste BIP-Schrumpfung seit Finanzkrise: Auf das Jahr hochgerechnet schrumpfte die US-Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2020 um 5%, was die frühere Schätzung des US-Handeslministeriums bestätigte. Privater Konsum, Investitionen und Exporte brachten ein und die Folgen des Shut-Down lassen für das zweite Quartal eine noch stärkere Schrumpfung der Wirtschaftsleistung erwarten. Vor allem sollte es zu einer neuen Corona-Welle kommen, könnte sich die Lage noch weiter verschärfen.

Hoher Pegel an Erstanträgen zur Arbeitslosenunterstützung: Dass seit Mitte März in den USA über 40 Millionen Einwohner infolge des Shut-Down ihren Arbeitsplatz verloren haben ist allgemein bekannt. Obwohl die wildeste Entlassungswelle zumindest vorübergehend mal vorbei ist, bleibt noch ein hoher Pegel an Erstanträgen: Am Samstag vor einer Woche stellten erneut ca. 1,48 Millionen US-Einwohner erstmals Antrag auf Arbeitslosenunterstützung nach revidiert 1,54 Millionen in der Woche davor.

Rasante Abwärtsrevision zukünftiger Gewinne: Der Analystenkonsens von FactSet geht im S&P 500 für das zweite Quartal 2020 bereits von einem Gewinneinbruch um 43,9% aus, was auf Jahresbasis der stärkste Rückgang seit dem vierten Quartal 2008 (damals -69,1%) wäre. Was aktuell auffällt ist das rasante Tempo der Abwärtsrevision der Gewinnprognosen. Noch am 31. März rechneten Analysten für das zweite Quartal 2020 nur mit einem Rückgang um 13,6%. Alle Sektoren waren von Abwärtsrevisionen betroffen. Die Aussichten für das Gesamtjahr sind besonders düster. Über ein Drittel der S&P 500 Unternehmen geben dieses Jahr keinen Jahresausblick und von den 49 Firmen, die einen Ausblick für das zweite Quartal lieferten, veröffentlichten 22 eine positive und 27 eine negative Gewinnperspektive. Die Anzahl positiver Ausblicke liegt somit ein Drittel unter dem 5-Jahresdurchschnitt.

Für das Gesamtjahr 2020 wird laut Analystenkonsens von FactSet ein Gewinneinbruch von 21,6% erwartet. Somit liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 21,7 weit über dem 10-Jahresschnitt von 15,2, was im aktuell unsicheren Umfeld erhöhtes Verlustpotenzial am Aktienmarkt bedeutet.

AKTIEN – EUROPA

IWF rechnet mit zweistelliger BIP-Schrumpfung im Euroraum: Es hat schon den Hauch von „Weltwirtschaftskrise“. Der IWF rechnet zwischenzeitlich mit scharfen Einbrüchen. Vor allem Spanien und Italien, wo COVID-19 tobt sind gleichzeitig auch wirtschaftliche Krisenherde infolge der länger anhaltenden Lock-Downs. Folge: Dort soll laut IWF das BIP 2020 um jeweils 12,8% schrumpfen. Im gesamten Euroraum soll indessen die Wirtschaft um 10,2% schrumpfen ehe 2021 eine Erholung von 6% folgt. Noch relativ gut davonkommen sollte dabei Deutschland mit 7,8% BIP-Rückgang 2020 gefolgt von 5,4% Wachstum im Jahr darauf.

Autoabsatz in UK um 89% eingebrochen: Laut europäischen Herstellerverband ACEA wurden im Mai im Jahresvergleich in jedem der 27 EU-Märke zweistellige Einbrüche beim Autoabsatz verzeichnet. In der EU brachen die Neuzulassungen um 52,3% auf 581.161 PKW ein. Noch krasser mit 76% war jedoch der Einbruch im April. Im Mai mit minus 72,7% am härtesten getroffen hat es Spanien (Corona-Problem), während der Rückgang in Deutschland nur bei minus 49,5% lag. Indessen besonders hart traf es Großbritannien mit minus 89%. Brexit und Corona-Epidemie hinterlassen Spuren.

Wirecard-Insolvenz – Zombieunternehmen im DAX: Am Donnerstag stellte der Zahlungsdienstleister wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag. Trotz 98% verzögern die Index-Regeln für den DAX einen schnellen Rauswurf. Medienberichten zufolge geht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannendem Maßstab aus. Ein Ex-Vorstand wird in China vermutet. Die EU-Kommission schaltet die Europäische Finanzaufsicht ein und in Großbritannien untersagte die Finanzaufsicht FCA Wirecard Zahlungsdienstleistungen. Hintergrund: Das Testat für den Jahresabschluss 2019 hat EY wegen gefälschter Unterlagen verweigert. Nun drohte Wirecard die Kündigung von Krediten im Umfang von 1,2 Mrd. EUR Ende Juni. Am Montag musste Wirecard einräumen, dass Bankguthaben bei zwei philippinischen Banken in Höhe von mehr als 1,9 Mrd. EUR wahrscheinlich nicht existieren.

Lufthansa nach wochenlangem Tauziehen staatlich gerettet: Großaktionär Heinz Hermann Thiele verzichtete auf einer außerordentlichen Hauptversammlung darauf, das Rettungspaket zu blockieren. Damit blieb das Schutzschirmverfahren erspart. Eine Mehrheit von 98,04% segnete das 9 Mrd. EUR schwere Finanzpaket der deutschen Regierung ab. Mit dieser Zahlung steigt Berlin mit 20% bei Lufthansa ein.

AKTIEN – SCHWELLENLÄNDER / ASIEN

Chinas moderate Erholung: Nicht ganz so rasch wie ursprünglich von Volkswirten erwartet fährt Chinas Industrie um Mai die Produktion hoch. Die Steigerung der Industrieproduktion lag mit 4,4% im Vergleich zum Vormonat unter den Erwartungen von 5%. Bremsend sind die Rezessionsphasen vieler Handelspartner. Umso wichtiger wird die Binnenwirtschaft, deren Dynamik zu wünschen übrig lässt: Der Einzelhandelsumsatz fiel mit -2,8% im Mai zum vierten Mal in Folge. Corona vermiest noch immer die Kauflaune der Chinesen. Rückläufig waren auch die gewerblichen Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Anlagen mit -6,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum in den Monaten Jänner bis Mai.

ANLEIHEN

Nachdem in den USA Fed-Präsident, Jerome Powell, ankündigte, dass sich die Leitzinsen wohl noch bis Ende 2022 bei nahe 0% bewegen sollten, folgte nur zwei Wochen später EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, mit „dem Einsatz aller Hebel und aller Flexibilität, um auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren“. In einem Interview gab sie dabei folgendes Statement: „Um Preisstabilität zu erreichen, müssen wir in Krisenzeiten dafür sorgen, dass wir die besten Instrumente einsetzen, die Instrumente, die die proportionalsten und effektivsten Ergebnisse erzielen im Hinblick auf Liquidität, auf die geldpolitische Ausrichtung, und auf die Übertragung des geldpolitischen Signals in den gesamten Euroraum.“ Ihre Meinung zur Wirtschaftslage ist, dass die Erholung im Euroraum kompliziert, graduell und regional verlaufen wird und sie denkt auch an das Risiko einer zweiten Pandemiewelle. Die Renditen hochwertiger Staatsanleihen waren erneut auf breiter Front zumindest leicht rückläufig. Binnen zwei Wochen fielen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 0,70 auf 0,64% und in Europa geht es bei den Staatsanleihen mit gutem Rating ebenfalls mit den Renditen nach unten. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen fiel um 4 BP auf -0,48%, französische Papiere mit gleicher Laufzeit weisen mit -0,13% bereits wieder eine negative Rendite auf, während die Renditen italienischer und griechischer Papiere im Monatsvergleich um jeweils 21 bzw. 30 Basispunkte auf je 1,29 bzw. 1,25% zurückgingen. Indessen sind mit steigender Risikofreude der Anleger die Kurse von Hartwährungsanleihen der Schwellenländer erneut angestiegen.

Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries waren bereits in den vergangenen Wochen infolge der zahlreichen Stützungsmaßnahmen von US-Regierung und Fed sowie der Aussichten auf einen Neustart der US-Wirtschaft (Reopening) rückläufig. Nun kamen noch die Nachrichten über soliden Konsum und Auftragsschub in der US-Industrie hinzu. In den vergangenen zwei Wochen bis 25. Juni waren die Spreads um weitere 10 Basispunkte auf 6,30 PP rückläufig.

EDELMETALLE und ROHSTOFFE

Analysten rechnen mit Angebotsdefizit bei Erdöl: Christyan Malek, Leiter der Öl- und Gasforschung in Europa, im Nahen Osten und in Afrika bei JP Morgan spricht von von einem Öl-Superzklus. Das aktuelle Überangebot zog Produktionskürzungen nach sich. Nun schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung. Ab 2022 werde es laut Malek ein „grundlegendes Ölangebots-Defizit“ geben. Am wahrscheinlichsten sind 60 USD pro Barrel, 190 USD aber nicht ausgeschlossen. Die Bank of America sieht indessen einen langfristigen Preisanstieg bei Öl und hat ihre Preisschätzung angehoben. 2021 und 2022 sind Durchschnittspreise von je 50 bis 55 USD je Barrel möglich. Gründe: Produktionskürzungen. Die Bank of America geht bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 von einem Angebotsdefizit von 2,5 Mio. Barrel aus, das 2012 noch immer bei 1,7 Mio. Barrel pro Tag liegen sollte.

WÄHRUNGEN

Wenig Bewegung: Die Schwankungen des Euro zu den wichtigsten Währungen hielten sich in engen Grenzen. Allerdings zeigt sich der feste Schweizer Franken wieder als Krisenwährung, während die Wirtschaftstrends nach dem Brexit das Britische Pfund zum Euro leicht schwächen. Wegen der steigenden Anzahl an Corona-Fällen in Brasilien und Mexiko schwächten sich der Brasilianische Real und der Mexikanische Peso zum Euro weiter ab.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

29.06.2020

Japan: Einzelhandelsumsätze EUR: Geschäftsklimaindex

30.06.2020

Japan: Industrieproduktion China: NBS PMI Produktion, PMI nicht verarbeitendes Gewerbe UK: BIP EUR: VPI USA: Chicago Einkaufsmanagerindex

01.07.2020

Japan: Tankan-Report China: Caixin PMI Produktion USA: Markit PMI Herstellung; ISM verarbeitendes Gewerbe, FOMC Protokoll, ADP Beschäftigungsänderung

02.07.2020

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung, Durchschnittliche Stundenlöhne; Arbeitslosenquote, Erwerbsbeteiligungsquote,

03.07.2020

China: Caixin China PMI Dienstleistungen EUR: Markit PMI Gesamtindex

Galt in der vergangenen Woche als positiver Markttreiber.

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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